Kanada

Adrenalin und Nervenkitzel in Vancouver

Tag 7: Der letzte ganze Reisetag in Vancouver. Da es schon keinen Ausflug nach Vancouver Island gegeben hat, sollte es wenigstens einen kleinen Ausflug in die Berge geben. Und nichts läge da näher als die Capilano Suspension Bridge im Norden der Stadt. Eine weitere oder zusätzliche Möglichkeit wäre der davon nicht weit entfernte Grouse Mountain Park, aber dafür reichte die Zeit leider nicht mehr.
In einer etwa 20-minütigen Fahrt ging es mit dem Taxi für 25$ durch den Stanley Park über die Lions Gate Bridge nach Capilano. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass wieder schlechtes Wetter angesagt war. Der Ticketkauf erleichterte mich um weitere 46$ (36 €) und es blieb zu hoffen, dass sich diese Investition am Ende gelohnt hatte…
 
Der Ausblick war fantastisch. Der Canyon, den es mit dieser schmalen, 137m langen Brücke zu überwinden galt, war zwar nicht tobend- aber er war weit unten, um genau zu sein 70m! Ich habe zwar keine Höhenangst, aber ein unangenehmes Gefühl war der schaukelnde Weg ans andere Ufer trotzdem. Wahrscheinlich ist es das beste, in solchen Momenten nicht über Fragen wie „Was wäre, wenn…“ nachzudenken.

Was wäre ein Tag im Regenwald ohne Regen? Wahrscheinlich war es der optimale Tag für diesen Park. Immerhin war es nicht überfüllt, was bei mir auf solch einer schmalen Brücke durchaus Panik hätte auslösen können. Der Weg führte zur nächsten Attraktion, dem Treetops Adventure. Durch miteinander verbundene Brücken, die teilweise bis zu 30m über dem Boden schweben und durch Fichten miteinander verbunden sind, kann man – so wird es beschrieben – den Eindruck einer Eichhörnchen-Perspektive gewinnen.

Es wirkte fast wie ein großer Wald voller Mutproben. Ich bin zwar aus dem Alter raus, aber ein Austesten seiner Grenzen kann – im Rahmen des Möglichen natürlich – nie schaden. Und bisher konnte ich festhalten: Ich würde es jederzeit wieder tun. Für diejenigen, die unter Höhenangst leiden, ist das hier allerdings nicht das Richtige. 

Und es kam noch schlimmer: Der Cliffwalk! Der Name hält, was er verspricht. Er verläuft entlang der Felswände mittels freischwebender, schmaler Treppen. Diese Konstruktion gibt es erst seit etwa 1 1/2 Jahren und versprach daher hoffentlich mit einer modernen und sicheren Technik ausgerüstet zu sein…

Um ehrlich zu sein hat mich das ganze Unterfangen schon einige Nerven gekostet. Auch, wenn man sich wohl mehr als sicher sein kann, dass auf all den Brücken und Treppen nichts passieren wird (immerhin laufen hier jährlich tausende Menschen drüber), ist da immer noch der kleine Funken Unsicherheit. Aber vielleicht ist es das, was diesen Park ausmacht.

Wie sollte ich nun von diesem Ort wieder wegkommen? Natürlich gibt es hier wie immer keinen Taxistand, aber der Informationsstand hätte mir eines besorgt. Wenn da nicht der nette Fahrer des Shuttle-Busses gewesen wäre, der zwar offiziell nicht an meinem geplanten Ziel anhalten würde, mir aber dennoch anbot, eine Ausnahme zu machen.

Rush-Hour auf der Lions Gate Bridge

Nachdem ich das Aquarium gestern nicht geschafft hatte, sollte es heute soweit sein. Es ist das größte Aquarium Kanadas und beherbergt etwa 70.000 Tiere. Eigentlich bin ich seit einiger Zeit kein Freund mehr von Zoos und Aquarien, da mir die Lebensräume der meisten Tiere zu klein sind, aber vielleicht wäre das hier etwas besser geregelt. Immerhin handelte es sich hierbei um eine Non-Profit-Institution, die sich auch intensiv mit Forschung und Bildung beschäftigt.

Leider blieben mir bis zum Ende der Besuchszeit nur noch 1 1/2 Stunden, aber ich hatte keine andere Wahl. Es gab noch eine Belugawal-Vorstellung draußen im Regen, die man sich aber auch im Trockenen, sozusagen unter Wasser, ansehen konnte. Innen fand ich es irgendwie unübersichtlich, die Einrichtung war etwas veraltet und teilweise ein wenig ungepflegt. Die orangenen Quallen gehören zu meinen Lieblingstieren mit ihren majestätischen Bewegungen.

Bis auf die obigen Highlights gab es noch ein besonders reizendes Tierchen: Eine riesige Kröte. Sie sah künstlich aus- aber der Augenaufschlag verriet dann letzten Endes doch ihr irdisches Dasein. Gerade neulich habe ich einen Bericht gesehen, dass viele Froscharten durch den Klimawandel aussterben, wodurch mein Herz jetzt für diese Lebewesen höher schlägt; auch, wenn sie nicht gerade die hübschesten Tiere sind.
Kurz vor dem Ausgang stieß ich auf ein Zuchtbecken voll kleiner, leuchtender Quallen. Mit dem dunklen Hintergrund wirkte das Ganze wie eine Szenerie im Weltraum. Passend zum inzwischen eingetretenen Abend, der heute ein schnelles Ende fand, da ich hundemüde ins Bett fiel. Folgen eines aufregenden ‚Brückentages‘.

Um 17.30 Uhr würde mein Flug morgen zurück nach Deutschland gehen, also hatte ich den Vormittag noch zur freien Verfügung. Drei Dinge habe ich in Vancouver in der einen Woche jedenfalls nicht geschafft: den Observation Tower, den Mountain Grouse Freizeitpark und die Granville Street.

Wie kann ich nun diese Reise in wenige Worten zusammenfassen? Zunächst einmal war es die falsche Reisezeit in Bezug auf das Wetter. Die Kälte und insbesondere auch die hohe Regenwahrscheinlichkeit können so einen Trip zum Kippen bringen… das ist zwar nicht passiert, aber ich bin fest davon überzeugt, dass ein Sommer in Vancouver einen völlig anderen Eindruck hinterlässt als dieser regnerische Herbst. Aber ich sehe es positiv und weiß immerhin für das nächste Mal, dass es hier ein klasse Hotel gibt. Auch würde im Sommer die bedenklich hohe Obdachlosenrate geringer sein. Ich habe zwischenzeitlich erfahren, dass ein Großteil der kanadischen Bedürftigen im Winter nach Vancouver kommt, da dies die die wärmste Stadt im Winter ist.

Im Laufe dieser Woche habe ich die Vorzüge dieser dritt-lebenswertesten Stadt der Welt nicht wirklich erkennen können, aber ich bin überzeugt, dass das mit Hilfe von Sonne, Strand und fröhlichen Menschen auf den Straßen – ohne Regenschirm in der Hand – anders wirkt.

 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Christina Kalb
    4. November 2016 um 23:04

    Ohje das ist natürlich schade so etwas zu hören! Vorallem wenn man Erwartungen hat und diese dann nicht erfüllt werden.

    In manchen Punkten kann ich dir zustimmen. Ich lebe nun seit November 2015 in Vancouver. Und ja, im Winter aber vorallem im Herbst regnet es hier Unmengen. Sehr schnell färbt das auf einen ab und hinterlässt eine bedrückte Stimmung- bei mir zumindest.

    Dafür wird man mit einer atemberaubenden Kulisse belohnt, wenn man tagelange Regenfälle übersteht und einen Tag Sonnenschein dazwischen bekommt.
    Ich habe auch das Gefühl, dass der Regen im Winter etwas nachlässt und die Sonne öfter scheint.

    Im Sommer ist Vancouver dafür der Hammer! Sonne pur, es ist heiβ, du siehst fast nur sportliche Menschen und vorallem in Downtown ist viel los! Straβenkünstler, Festivals und und und.. Es scheint als versucht Vancouver die versäumten Wintermonate nachzuholen.

    Von den Shoppingmöglichkeiten bin ich auch nicht sehr überzeugt. Aber vielleicht hab ich auch einfach nur zu spezielle Wünsche:P Mir fehlen Hippieläden.. Bis jetzt habe ich noch keine gefunden- nur vereinzelt und mega teuer.

    Das mit den Obdachlosen ist traurig, ja. Ich habe letzten Winter in Gastown gearbeitet und musste jeden Tag über die Hastingstreet zu meiner Bushaltestelle. Mir ist zwar nie was passiert, aber richtig wohl habe ich mich auch nie gefühlt.

    Vancouver ist trotzdem eine meiner Lieblingsstädte. Wenn man länger hier lebt, entdeckt man immer mehr versteckte Schätze. Wie einen Afrika Laden in Burnaby, wo wir richtig leckere Kekse bekommen haben. Oder geniale Aussichtspunkte, die in keinen Reiseführer stehen.

    Abschlieβend kann ich sagen. Vancouver ist eine klasse Stadt. Vorallem im Sommer! Und wenn man im Winter über das schlechte Wetter hinwegsieht, dann kann man hier sein Glück finden.

    Vielleicht kommst du ja einmal im Sommer wieder und kannst dein Bild von Vancouver erneuern! :)

    Liebe Grüβe aus Raincouver!

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