Inseln Madagaskar

All about Madagaskar…

Aus dem wilden Regenwald zurück in der Stadt erwartete mich im Suarez Hotel etwas außerhalb von des Ortes das krasse Gegenteil: Eine mega gepflegte Anlage, alles superschick und durchgestylt. Schön anzusehen, mir aber irgendwie zu perfekt für das raue Madagaskar. Nichtsdestotrotz war das für 49 € inklusive Frühstück immer noch im unteren Preissegment und daher vollkommen okay.

Eine Woche im Norden der Insel war für meine Begriffe vollkommen ausreichend. Es wären noch zwei andere Tagestouren möglich gewesen, die aber mit mehr als 100 € Kosten pro Tag mein Budget um Längen überschritten hätten. Was kann ich nun zu Madagaskar, wie ich es kennen gelernt habe, sagen?
Zunächst aber ein paar Eindrücke zu der tollen Natur, die ich hier vorgefunden habe: (Die Qualität ist manchmal etwas seltsam, am Montag lade ich sie nochmals neu hoch.)

MENSCHEN: Wer kein Französisch spricht, wird es auf der Insel nicht leicht haben, mit anderen in Kontakt zu treten. Die Einheimischen aus der Stadt sprechen Madagasy und Französisch, in den Dörfern aber nur die Landessprache. Der Großteil der Reisenden (Franzosen, Italiener) spricht ebenfalls nur französisch. Die Madagassen sind grundsätzlich extrem freundlich, herzlich und auch sehr höflich. Das einzige, was einem hier möglicherweise übel aufstoßen könnte, ist der Heiratsmarkt und Sextourismus der älteren französischen Herren mit zum Teil extrem jungen Frauen. Angebettelt oder in anderer Form um Geld gebeten wurde ich im Norden nicht. Auch finde ich die Menschen nicht so abgelockt und berechnend. Meist sind sie zurückhaltend, dezent und angenehm unaufdringlich.

Über Trinkgeld freut man sich hier sehr und wird – wenn auch in dezenter Form – erwartet. Tips betragen zum Beispiel bei einem Guide pro Tag ca. 5.000 Madagaskar Ariary, das entspricht ca. 1,80 €. Zum Vergleich: Ein normaler Arbeiter verdient hier im Monat ca. 50 €, ein guter Guide je nach Arbeitstagen ca. 200-300 € im Monat – also sehr wenig! 

REISEN: Rundreisen und Backpacken für Individualtouristen ist zwar möglich, aber verhältnismäßig teuer und unter Umständen gefährlich. Selbst Einheimische raten dazu, lieber etwas mehr Geld für sichere Unterkünfte und Transport auszugeben, als Gefahr zu laufen, überfallen und Opfer eines Diebstahls zu werden. Auch unterwegs empfiehlt sich immer die Begleitung eines Guides oder Fahrers. Wenn man es in Sachen Sicherheit positiv sehen möchte, ist die größte Gefahr, bestohlen zu werden. Körperliche Übergriffe sind hier zum Beispiel im Vergleich zu manchen Teilen Südafrikas eher selten.

Ansonsten kann der nicht allzu anspruchsvolle Individualreisende eine schöne und teils unberührte Natur mit Lemuren, Chamäleons und eine farbenfrohe Vogelwelt erwarten. An die gängigen Insekten (Käfer, Fliegen, Moskitos, Tausendfüßler, Geckos, Eidechsen, Ameisen usw.) gewöhnt man sich relativ schnell. Auf größere Tiere wie Schlangen, Riesen- Tausendfüßler, Spinnen und Skorpione kann man auch treffen. Der beruhigende Vorteil all dieser Tiere ist, dass keines der Giftsekrete tödlich ist. Der Hauptstadt Antananarivo würde ich übrigens – wenn überhaupt – nur einen kurzen Besuch abstatten und den armen Süden (als Frau alleine) ebenfalls.

KÜCHE: Die Madagassen haben eine tolle, abwechslungsreiche und vor allem frische Küche mit vielen verschiedenen Früchten und Gemüse. Da Kühlschränke und Gefriertruhen Luxusgüter sind, gibt es erfreulicher Weise selten Tiefkühl- oder Konservenkost. Andererseits muss man dafür auch schonmal auf etwas verzichten. Von Speise-Eis zum Beispiel würde ich in diesem Land eher Abstand nehmen.

Das Frühstück besteht hier meistens aus Baguette oder ähnlichem Brot, Butter und Marmelade sowie meist diversen frischen Früchten und Saft. Eier gibt es eher selten. Der Kaffee schmeckt mancherorts gewöhnungsbedürftig, was wohl auf ein gechlortes Wasser zurückzuführen ist.  Wer gerne Milch trinkt, wird außer in der Unterkunft darauf verzichten müssen. Für den Kaffee gibt es eine äußerst gewöhnungsbedürftige, sehr zähflüssige Kondensmilch. Das alles hängt meist von der Unterkunft ab.

GESUNDHEIT: Diesbezüglich gibt es meines Erachtens außer der vorhandenen Malaria-Gefahr nicht so viel zu beachten wie anfangs befürchtet. Ich hatte in der ganzen Zeit gerade einmal 5 Mückenstiche. Es sind keine Impfungen vorgeschrieben, aber die wesentlichen Schutzimpfungen sollte man auf jeden Fall haben. Näheres findet man z. B. in den medizinischen Hinweisen des Auswärtigen Amtes. Das Kranwasser sollte man nicht als Trinkwasser nutzen, aber in kleinen Mengen zum Zähneputzen etc. dürfte es keine Probleme geben. Schwieriger sind eher gefrorene Lebensmittel, bei denen die Kühlkette unterbrochen wurde. Das stellt man aber leider in der Regel erst fest, wenn es schon zu spät ist und man ein Magen-Darm-Problem zu verzeichnen hat.

Wenn man ernsthafter erkranken sollte, ist es auf jeden Fall ratsam, sich sofort nach Réunion oder Johannesburg ausfliegen zu lassen. Die medizinische Versorgung und Hygiene ist in Madagaskar mehr als dürftig, besonders außerhalb der Städte.

REISEZEIT: Ende März und der April sind eine gute Reisezeit, da es noch nicht so extrem heiß ist und man in der Nebensaison bessere Preise hat als in der ausgebuchten Hauptsaison, die sich in der europäischen Schulferienzeit Juli und August abspielt. Dennoch, heiß ist es in Madagaskar mit etwa 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit allemal.
ELEKTRIZITÄT: Der Stecker ist ähnlich wie bei uns. Der schmale Stecker mit den beiden Polen passte immer. Wenn der kreisrunde Stecker mal nicht passen sollte (z. B. Ladekabel MacBook), empfiehlt sich die Mitnahme eines Adapters.

EINE REISE WERT? Das ist wahrlich eine gute Frage und schwer zu beantworten. Als Frau allein eher nein, weil man zu wenig Anschluss finden wird, sofern man nicht der französischen Sprache mächtig ist. Außerdem sind die meisten Reisenden in Madagaskar ältere Ehepaare, Familien und Reisegruppen, wodurch es auch in dieser Hinsicht kaum Schnittstellen für gemeinsame Aktivitäten oder Gespräche gibt. Aber auch als Paar oder in einer Gruppe muss man abwägen, ob sich eine Reise auf die große afrikanische Insel lohnt. 

Zumindest gibt es 3-4 bedeutende Punkte, die eine reiflichere Überlegung wert wären: 1.) Die hohen Preise von Unterkünften, Touren und Flügen bzw. Transfers, 2.) die gegebene Gefahr, Opfer eines Diebstahls zu werden, 3.) das hohe Malaria-Risiko und 4.) – sofern man nicht nur an einem Ort verbleiben möchte – die schwache Infrastruktur und somit Notwendigkeit der Inanspruchnahme von teuren Inlandsflügen.

Am ehesten vergleichbar ist Madagaskar für mich mit Costa Rica. Gute Strände, Regenwälder, große Flora und Fauna und nette Menschen kann man auch dort antreffen und in Mittelamerika gäbe es auch noch ein paar andere Vorteile wie bessere Transfers und allgemein eine fortschrittlichere Einstellung zum Tourismus. Madagaskar ist aus meiner Sicht ein sehr schönes, aber kostspieliges Abenteuer in ein noch relativ ursprüngliches Land, in das man nicht allzu hohe Erwartungen setzen sollte. Ziele wie die populäre Insel Nosy Be sind landschaftlich und für Wassersportler bestimmt traumhaft, aber dort könnte man von dem Touristenansturm und Sextourismus alter Männer etwas angewidert sein.

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6 Kommentare

  • Antworten
    Ruth
    11. April 2013 um 22:24

    Klasse, mal etwas über diese Insel zu erfahren, irgendwie hört man davon so wenig. Also würdest du die Reise nochmal machen oder dann lieber nach Costa Rica? :) Viele Grüße, Ruth

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      Ute
      12. April 2013 um 10:09

      Hallo Ruth, wenn man mich vor die Wahl stellen würde, wäre es ziemlich eindeutig Costa Rica :) Viele Grüße!

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    Carmen
    5. Juni 2014 um 5:35

    Madagaskar war das günstigste Land, das ich je bereist habe! Unterkünfte um die 5 Euro pro Nacht haben wir überall gefunden, Reisen mit den Taxi Brousse kosten auch nur wenige Euro für stundenlange Reisen. Ich weiss nicht, wie man in Mada so viel Geld ausgeben kann. Vorausgesetzt man hat nicht allzu luxuriöse Ansprüche…

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      Ute
      5. Juni 2014 um 6:51

      Hallo Carmen,
      wann warst du denn dort? Es kommt natürlich immer ein wenig auf diese Reiseart an, ob man lieber in einer kleinen Kaschemme wohnt und ob man sich irgendwo auf dem Land oder mitten in einer Stadt oder in der Nähe eines Strandes wohnen möchte. Als Frau alleine würde ich je nach Gebiet nicht empfehlen, mit öffentlichen Bussen zu fahren und auch eine sichere Unterkunft macht Sinn. Die Taxipreise sind nicht günstig! Touren sind außerdem verhältnismäßig teuer und auch, wenn man größere Strecken auf dieser riesigen Insel zurück legen möchte und auf das Flugzeug zurückgreift, ist das nicht günstig, zumal es derzeit nur eine Fluglinie mit entsprechender Monopolstellung hat. (Manche Strecken sind schließlich auch zur Regenzeit nicht passierbar.)

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        Carmen
        6. Juni 2014 um 6:49

        Ich war Dez.12/Jan.13 dort. Wir waren vier Frauen und wollten günstig, aber natürlcih auch sicher unterkommen. Hatten halt jeweils ein Gemeinschaftsbad etc. Probleme mit den öffentlichen Taxi Brousse zu fahren hatten wir jeweils nie! Alles in allem hat uns Madagaskar super gefallen und ich würde sofort wieder hinreisen =)

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        Ute
        6. Juni 2014 um 8:02

        Hi Carmen,
        na das hört sich ja super an und lässt hoffen! Vielleicht habe ich mir auch zu wenig Mühe mit dem Suchen nach günstigeren Unterkünften gemacht ;) Ich möchte auch gerne nochmals dorthin!!
        Liebe Grüße,
        Ute

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