Inseln La Reunion Roadtrips

Auf dem Vulkan… La Réunion

Was erwartet man eigentlich von einer Insel, die im selben Atemzug mit den Seychellen und Mauritius auf dem Cover eines Lonely Planet-Reiseführers genannt wird? Ich würde mal sagen, weiße Strände, kristallklares Wasser, Palmen, Kokosnüsse, Karibik-Feeling und Sonne satt, oder? Aber dem war irgendwie nicht so. Zunächst einmal wissen wahrscheinlich die wenigsten, dass diese 10.000 km von Europa entfernte Insel La Réunion zu Frankreich gehört. Zudem handelt es sich um eine Vulkaninsel, die man mit ihren geringen 2.500 qkm mit dem Auto in nur ca. 5 Stunden einmal umrunden kann.

Was lag da also näher, als sich ein Auto zu mieten und dort anzuhalten, wo es mir am besten gefällt? Aber erstmal wartete da eine Stadt auf mich: Saint-Denis, der Hauptort der Insel. Da ich mir die Flughafengebühr von 22 € mit einen Mietwagen sparen wollte, entschied ich mich für die Fahrt mit dem Taxi für’s gleiche Geld in meine neue Unterkunft, dem Central Hotel.

La Reunion StreetartBildschirmfoto 2016-06-30 um 13.01.57
Es hatte mich bereits bei der Planung vorher irritiert, dass ich trotz längerer vorheriger Reiseplanung bei dieser Insel nichts fand, das mich wirklich fesselte. Aber ich erinnerte mich immer an die Schwärmerei eines älteren Bekannten, der von diesem Fleckchen Erde unglaublich begeistert war. Aber ich hatte hier noch nichts geplant. Nur das seinem Namen gerecht werdende, zentral gelegene Hotel hatte ich einen Tag zuvor gebucht.

Die erste Feststellung über Réunion lautet ganz klar: Es ist teuer! Außer der perfekten Lage war mein Hotelzimmer im 3. Stock so hässlich, dass ich am liebsten permanent eine Sonnenbrille getragen hätte, um den Anblick abzumildern. Und mit nicht gerade günstigen 76 € pro Nacht inklusive Frühstück gehörte dieses Zimmer schon zu den günstigeren des Ortes! Ich war gespannt, wie das weitergehen würde.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.06
Die Stadt Saint Denis besteht aus relativ flachen Häusern und grenzt mit einer Haupt-Verkehrsstraße direkt an die Küste. Gute Shops gibt es im Zentrum nur vereinzelt – das waren echte Glückstreffer unter all den Läden, die offensichtlich das letzte Mal im vorigen Jahrhundert umdekoriert hatten. Leer stehende Häuser und Geschäfte waren mit Graffiti überdeckt, das ich in den meisten Fällen ziemlich cool fand (besonders das Gesicht eines farbigen Jungen auf dem Foto oben).

Immerhin habe ich sogar auch eine Straße oder besser gesagt Gasse mit Restaurants, Live-Musik und Bars gefunden, in der sich junge Menschen aufhalten – und das ist die Ruelle Saint Paul. Tja, ansonsten bin ich unentschlossen. Am ersten Tag in einer fremden Stadt fühlt man sich ja meistens nicht so heimisch, aber hier hielt mich wirklich rein gar nichts. Das konnte nur besser werden.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.15
Ich hatte mir vorgestellt, die Insel für die nächsten drei Tage wie einen Kuchen entsprechend in drei Teile zu schneiden und mir dort jeweils eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Am nächsten Morgen nahm ich also meinen Renault Twingo in der nahe gelegenen Autovermietung für 32 €/Tag entgegen und fuhr los. Verkehrstechnisch würde alles wie in Deutschland sein und auf der kleinen Insel konnte ich mich unmöglich verfahren.

Mein erstes Ziel war nun der Vulkan Cirque du Salazie mit dem Örtchen Hell-Bourg. Die etwa 20 km lange Serpentinen-Strecke bis 1.100 m Höhe war schonmal eine kleine Herausforderung. Eigentlich wollte ich hier – dem ersten absolvierten Drittel – übernachten, aber es war erst Mittag und ich hatte gelesen, dass viele Zimmer hier feucht sein sollen. Also ging die Ralley entlang der kurvenreichen und nicht ganz ungefährlichen Straßen (hier gibt es keine Leitplanken!) wieder zurück zur Küste.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.24
Mir ging die Überlegung durch den Kopf, gleich heute wieder nach Saint-Denis zurückzufahren und morgen vorzeitig diese Insel zu verlassen, wenn es nicht langsam besser werden würde mit meinem Eindruck. Unterwegs gab es kaum Unterkünfte oder Restaurants und Cafés – die kommen nur in den größeren Orten vor und machen ehrlich gesagt keinen einladenden Eindruck.

Warum auch immer, für mich bleibt der Charme dieser Insel aus. Die bisherigen Orte haben wenig Spannendes oder Anziehendes. Häuser und Autos sind allesamt unauffällig und durchschnittlich. Die Menschen waren bisher im Großen und Ganzen auch ungewöhnlich unattraktiv. Und die Strände waren bisher aus schwarzem, grobem Sand.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.34
Dann kam endlich die erhoffte Abwechslung: An der Küstenstraße weiter südlich passiert man irgendwann die Ausläufer des Vulkans Piton de Fournaise.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.41
Plötzlich gab es wesentlich kühlere Temperaturen und Nebel, der sich über dem schwarzen Lava-Gestein Richtung Meer ausbreitete. Ein herrlicher Anblick! Dies hier ist der einzige noch aktive Vulkan auf Réunion, der immer mal wieder ausbricht – aber wohl in nicht beträchtlichem Ausmaß. Heute wäre auch kein guter Tag dafür gewesen, dachte ich mir.

Eigentlich wollte ich mit dem Helikopter eine Rundtour über die Vulkane machen. Nachdem ich aber gehört hatte, dass dieser Flug für ein kurzes Stündchen zwischen 250-300 € kostet, verwarf ich die Idee gleich wieder. Im Lonely Planet stand allerdings, dass viele Besucher diesen Flug als das beste Ereignis auf dieser Insel in Erinnerung hätten.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.02.50
Alle schwärmen von dem Ort Saint-Pierre. Bis auf einen immensen Verkehr konnte ich auch an diesem Ort nichts wirklich Spannendes entdecken und suchte mir ein Hotel etwas außerhalb, kurz vor dem Ort Le Tampon. Und der Name meiner neuen Unterkunft „Star Hotel“ hielt, was er versprach.

Ein großes, in die Jahre gekommenes Haus mit hohem Nostalgie-Faktor. Mein Zimmer für erfreulich günstige 43 € mit Meerblick war mit braun-orangenem Dekor und hellblauem Bad scheinbar seit den 70er Jahren unverändert geblieben. Ich fand’s klasse.

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 13.03.02
Nun hatte ich schon mehr als die Hälfte meines Insel-Kuchens geschafft und es lägen noch zwei Tage vor mir. Mit weiteren Vulkan-Besuchen und eventuell auch an dem bekannten Badeort Saint-Gilles-des-Bains im Westen würde ich mir hoffentlich doch noch die Zeit angenehm vertreiben können. Momentan bin ich jedenfalls noch hin- und hergerissen, was ich von La Réunion halten soll…

 

Dir könnte auch gefallen

8 Kommentare

  • Antworten
    Marianna
    12. April 2013 um 9:41

    Jetzt bin ich auf jeden Fall erstmal entzaubert.
    Ich hab La Reunion für so ne Art geheimes Paradies gehalten.

    • Antworten
      Ute
      12. April 2013 um 9:57

      Hi Marianna, ich bin auch immer noch fassungslos. Der nächste Blog findet zu 80% im Nebel statt… :)

  • Antworten
    Carsten
    26. September 2013 um 8:40

    Hallo Ute,
    ich bin durch einen Beitrag in einem anderen Reiseblog auf den Reunion-Post aufmerksam geworden.
    Allerdings muss ich deinen Eindrücken ganz eindeutig widersprechen. Wir waren vor einem Jahr auf Reunion und sehr begeistert. Das Schöne an Reunion sind nicht seine Orte, sondern auf jeden Fall seine Natur – bewaldete Bergrücken, Schluchten, Wasserfälle, Vulkane und Strände. Daher sollte als Hauptaktivität bei einem Inselaufenthalt auch das Wandern stehen, um diese natürliche Schönheit auch direkt zu erleben. Die Strände im Westen der Insel sind schön, aber zum Bade-, Entspannungs- und Wassersport-Urlaub empfehle ich eher Mauritius.

    • Antworten
      Ute
      15. November 2013 um 3:58

      Hallo lieber Carsten,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Ich kann deine Begeisterung für die Insel nachvollziehen, dennoch bin ich der Meinung, dass sie in Bezug auf Service und Tourismus eine Menge Nachholbedarf hat (insbesondere in Bezug auf Niveau und Preis/Leistung). Unterwegs gibt es für den „Ausländer“ kaum Chancen, Restaurants, Kiosks oder gar Unterkünfte ausfindig zu machen.
      Auch zum „nur“ Wandern oder Natur (Vulkane) genießen würde ich mich persönlich immer für ein anderes Ziel entscheiden, das auch noch andere tolle Aspekte bietet. Mir fehlt da – abgesehen von der Natur – einfach der Charme. Aber das ist natürlich Geschmackssache.
      Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Spaß auf Reisen!
      Ute

  • Antworten
    Anni
    8. März 2015 um 5:24

    Hallo Ute,
    ich muss dir wehement widersprechen, geht einfach nicht anders. Renuion ist wunderschön. Ich bin jetzt seit 3 Wochen hier in einem Austausch und ich freue mich schon auf die nächsten 10, die ich hier verbringen darf. Allein die Palmen am Starßenrand müssten doch schon begeistern! Oder der wunderschöne Markt in St. Pierre oder St. Leu, auf dem es alle erdenklichen Früchte gibt. Longanis, Passionsfrüchte, Granatäpfel, Pitayas, Kokosnüsse, …
    Man kann so eine Insel nicht einfach in 3 Tagen abhaken.
    Denn die eigentliche Schönheit dieser Insel liegt m Zusammenleben und dem Mischmasch der Kulturen.
    Meinen Blog findest du unter annivoyage.blogspot.de
    Liebe Grüße,
    Anni

    • Antworten
      Ute
      8. März 2015 um 14:28

      Hallo liebe Anni,
      ich verstehe, was du meinst und freut mich sehr, dass es dir dort so gut gefällt. Wie auch schon im Kommentar zuvor erwähnt, hat jeder seine Vorlieben und Interessen und es wäre glaube ich zu viel verlangt, wenn es mir immer und überall gut gefallen würde. Besonders durch die hohen Preise und den dafür im Verhältnis geringen Komfort & Co. wie beschrieben fand ich diese Insel einfach nicht so spektakulär wie viele andere Inseln. Aber das ist wie gesagt Geschmacksache :) Wünsche dir noch eine tolle Zeit dort!
      Viele liebe Grüße
      Ute

  • Antworten
    Elli
    30. November 2016 um 15:52

    Hallo liebe Ute,
    bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen, muss dir aber ebenfalls widersprechen.
    Klar gefällt jedem etwas anderes, aber mein Eindruck von Réunion ist ein ganz anderer!
    Tolle Strände, wunderbare Korallenriffe zum Schnorcheln, leckeres Essen (Kari, Rougaille..), super Möglichkeiten zu wandern… (Mein Tipp: von Les Makes zum Aussichtspunkt La Fenêtre mit Blick in den Cirque de Cilaos – großartige Aussicht!), nette und aufgeschlossene Menschen und für alle Kulturliebhaber: Kirchen, Moscheen und Hindu-Tempel.
    Außerdem glaube ich, dass du schlicht und ergreifend zur falschen Zeit da warst. Zwischen Februar und April regnet es unglaublich viel und es ist auch nebliger als in den restlichen Monaten.
    Wenn du der Insel noch eine Chance geben kannst: Fahr im Dezember hin, da blüht alles ganz wunderbar und es regnet kaum.
    Dazu kommt, dass man Ausflüge wie auf den Piton de la Fournaise im Morgengrauen (am besten vor Sonnaufgang losfahren) beginnen muss. Durch die Hitze und das feuchte Klima sieht man im Tagesverlauf sonst tatsächlich nur Nebel, was sehr sehr schade ist.
    Dass dort alles so teuer ist, liegt daran, dass zum einen Wohnraum knapp ist und zum anderen recht viel importiert wird, bzw. werden muss.
    Auch in teueren Hotels sind die Zimmer kleiner, als man das gemeinhin so gewohnt ist.
    Für Budget- oder Rucksackreisende ist die Insel insgesamt einfach ungeeignet.
    Und schließlich sind 4 Tage einfach viel zu kurz. Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, ganz Bayern in vier Tagen zu erkunden.
    Liebe Leute, die ihr das lest: Lasst euch nicht abschrecken, die Insel ist ein Traum! Ich würde immer wieder hinfahren!
    Liebe Grüße,
    Elli

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      30. November 2016 um 21:09

      Hallo Elli,

      grundsätzlich schön, dass du dich für diese Insel einsetzt. Für mich bleibt auch nach den vergangenen Jahren die selbe Empfindung, nämlich die, dass es mich nicht sonderlich fasziniert hat im Vergleich zu anderen Zielen. Umso trauriger empfinde ich die Tatsache, dass man es mir als Bloggerin und ehrliche, nicht-kommerzielle Reiseführer-Autorin – die jeden Ort in den Himmel loben würde – nicht erlauben möchte, Orte und Plätze dieser Welt als nicht bereisenswert zu bezeichnen. Durch meine extreme Reiseerfahrung kann ich dank meiner langjährigen Praxis auch schon nach kurzer Reisezeit ein Gefühl dafür entwickeln, ob ein Land Spaß macht oder nicht und dazu gehört La Reunion für mich leider nicht. Die nahegelegene Insel Mauritius hat zum Beispiel eine ganz andere Mentalität und pulsiert durch die variierenden Kulturen (wie man sie irgendwo in „Afrika“ auch erwartet), ist preislich für alle Geldbeutel erschwinglich und zudem in den unterschiedlichen Regionen sehr spannend. All das konnte ich dort auch nach kurzer Zeit feststellen, was mir bei La Reunion nicht passiert ist. Selbst, wenn ich heute die Fotos auf Google von La Reunion anschaue, um mir vielleicht ein anderes Bild als meines machen zu können, reizt es mich persönlich nicht gegenüber anderen Zielen, die ich bisher gesehen habe. Beim Besuch eines Hindu-Tempels wurde ich übrigens unfreundlich hinausgebeten, was mir noch nie irgendwo auf der Welt passiert ist.

      Aber das ist am Ende eigentlich das, was einen Blog ausmacht – das persönliche Empfinden. Jeder hat die Möglichkeit, sich einen in jeder Hinsicht inspirierenden Reiseführer zu kaufen. Daher Danke für deine anderslautende Meinung und bitte um Respekt für meine persönlichen Meinung. Aufgrund dieser negativen Kommentare berichte ich inzwischen nicht mehr über Ziele, die mir nicht gefallen, was ich eigentlich sehr schade finde. Aber warum soll ich mir die Arbeit für einen Artikel machen, wenn ich dafür vorgeworfen bekomme, das ich das alles falsch eingeschätzt haben soll?! Wenn jedem das Gleiche super gefallen würde, wäre das Leben doch recht langweilig, oder?
      In diesem Sinne, alles Gute für dich
      Ute

    Schreibe einen Kommentar