Inseln La Reunion Roadtrips

Auf dem Vulkan… La Réunion

Was erwartet man eigentlich von einer Insel, die im selben Atemzug mit den Seychellen und Mauritius auf dem Cover eines Lonely Planet-Reiseführers genannt wird? Ich würde mal sagen, weiße Strände, kristallklares Wasser, Palmen, Kokosnüsse, Karibik-Feeling und Sonne satt, oder? Aber da hatte ich mich ordentlich geschnitten!
Zunächst einmal wissen wahrscheinlich die wenigsten, dass diese 10.000 km von Europa entfernte Insel La Réunion zu Frankreich gehört. Ich wusste das jedenfalls vorher nicht. Zudem handelt es sich um eine Vulkaninsel, die man mit ihren geringen 2.500 qkm mit dem Auto in nur ca. 5 Stunden einmal umrunden kann…
 
Was lag da also näher, als sich ein Auto zu mieten und dort anzuhalten, wo es mir am besten gefällt? Aber erstmal wartete da eine Stadt auf mich: Saint-Denis, der Hauptort der Insel. Da ich mir die Flughafengebühr von 22 € mit einen Mietwagen sparen wollte, entschied ich mich für die Fahrt mit dem Taxi für’s gleiche Geld in meine neue Unterkunft, dem Central Hotel. 
Es hätte mich schon skeptisch stimmen müssen, dass ich trotz längerer vorheriger Reiseplanung bei dieser Insel nichts fand, das mich wirklich fesselte. Aber ich erinnerte mich immer an die Schwärmerei eines älteren Bekannten, der von diesem Fleckchen Erde unglaublich begeistert war. Aber ich hatte hier noch nichts geplant. Nur das seinem Namen gerecht werdende, zentral gelegene Hotel hatte ich einen Tag zuvor gebucht. 

Die erste Feststellung über Réunion lautet ganz klar: Es ist teuer! Außer der perfekten Lage war mein Hotelzimmer im 3. Stock so hässlich, dass ich am liebsten permanent eine Sonnenbrille getragen hätte, um den Anblick abzumildern. Und der Hammer: Es gehörte mit 76 € pro Nacht inklusive Frühstück zu den günstigeren vakanten Hotels im Ort! Wie sollte das denn jetzt weitergehen?

Die Stadt Saint Denis besteht aus relativ flachen Häusern und grenzt mit einer Haupt-Verkehrsstraße direkt an die Küste. Gute Shops gibt es im Zentrum nur vereinzelt – das waren echte Glückstreffer unter all den Läden, die offensichtlich das letzte Mal im vorigen Jahrhundert umdekoriert hatten. Leer stehende Häuser und Geschäfte waren mit Graffiti überdeckt, das ich in den meisten Fällen ziemlich cool fand (besonders das Gesicht eines farbigen Jungen auf dem Foto oben).

Immerhin habe ich sogar auch eine Straße oder besser gesagt Gasse mit Restaurants, Live-Musik und Bars gefunden, in der sich junge Menschen aufhalten – und das ist die Ruelle Saint Paul. Tja, ansonsten bin ich unentschlossen. Am ersten Tag in einer fremden Stadt fühlt man sich ja meistens nicht so heimisch, aber hier hielt mich wirklich rein gar nichts. Das konnte nur besser werden.

Ich hatte mir vorgestellt, die Insel für die nächsten drei Tage wie einen Kuchen entsprechend in drei Teile zu schneiden und mir dort jeweils eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Am nächsten Morgen nahm ich also meinen Renault Twingo in der nahe gelegenen Autovermietung für 32 €/Tag entgegen und fuhr los. Verkehrstechnisch würde alles wie in Deutschland sein und auf der kleinen Insel konnte ich mich unmöglich verfahren.

Mein erstes Ziel war nun der Vulkan Cirque du Salazie mit dem Örtchen Hell-Bourg. Die etwa 20 km lange Serpentinen-Strecke bis 1.100 m Höhe war schonmal eine kleine Herausforderung. Eigentlich wollte ich hier – dem ersten absolvierten Drittel – übernachten, aber es war erst Mittag und ich hatte gelesen, dass viele Zimmer hier feucht sein sollen. Also ging die Ralley entlang der kurvenreichen und nicht ganz ungefährlichen Straßen (hier gibt es keine Leitplanken!) wieder zurück zur Küste.

Mir ging die Überlegung durch den Kopf, gleich heute wieder nach Saint-Denis zurückzufahren und morgen vorzeitig diese Insel zu verlassen, wenn es nicht langsam besser werden würde mit meinem Eindruck. Unterwegs gab es kaum Unterkünfte oder Restaurants und Cafés – die kommen nur in den größeren Orten vor und machen ehrlich gesagt keinen einladenden Eindruck. 

Charme oder Ästhetik haben auf dieser Insel offensichtlich keinen Stellenwert. Es gibt hier keine Orte, durch die man fährt und sagt „Och, das ist aber nett hier“. Häuser und Autos sind allesamt unauffällig und durchschnittlich. Die Menschen waren bisher im Großen und Ganzen auch ungewöhnlich unattraktiv. Und die Strände waren bisher aus schwarzem, grobem Sand.

Dann kam endlich die erhoffte Abwechslung: An der Küstenstraße weiter südlich passiert man irgendwann die Ausläufer des Vulkans Piton de Fournaise
Plötzlich gab es wesentlich kühlere Temperaturen und Nebel, der sich über dem schwarzen Lava-Gestein Richtung Meer ausbreitete. Ein herrlicher Anblick! Dies hier ist der einzige noch aktive Vulkan auf Réunion, der immer mal wieder ausbricht – aber wohl in nicht beträchtlichem Ausmaß. Heute wäre auch kein guter Tag dafür gewesen, dachte ich mir. 

Eigentlich wollte ich mit dem Helikopter eine Rundtour über die Vulkane machen. Nachdem ich aber gehört hatte, dass dieser Flug für ein kurzes Stündchen zwischen 250-300 € kostet, verwarf ich die Idee gleich wieder. Im Lonely Planet stand allerdings, dass viele Besucher diesen Flug als das beste Ereignis auf dieser Insel in Erinnerung hätten…

Alle schwärmen von dem Ort Saint-Pierre. Bis auf einen immensen Verkehr konnte ich auch an diesem Ort nichts wirklich Spannendes entdecken und suchte mir ein Hotel etwas außerhalb, kurz vor dem Ort Le Tampon. Und der Name meiner neuen Unterkunft „Star Hotel“ hielt, was er versprach. 

Ein großes, in die Jahre gekommenes Haus mit hohem Nostalgie-Faktor. Mein Zimmer für erfreulich günstige 43 € mit Meerblick war mit braun-orangenem Dekor und hellblauem Bad scheinbar seit den 70er Jahren unverändert geblieben. Ich fand’s klasse. 

Nun hatte ich schon mehr als die Hälfte meines Insel-Kuchens geschafft und es lägen noch zwei Tage vor mir. Mit weiteren Vulkan-Besuchen und eventuell auch an dem bekannten Badeort Saint-Gilles-des-Bains im Westen würde ich mir hoffentlich doch noch die Zeit angenehm vertreiben können. Momentan bin ich jedenfalls noch hin- und hergerissen, was ich von La Réunion halten soll…
 
 

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6 Kommentare

  • Antworten
    Marianna
    12. April 2013 um 9:41

    Jetzt bin ich auf jeden Fall erstmal entzaubert.
    Ich hab La Reunion für so ne Art geheimes Paradies gehalten.

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    • Antworten
      Ute
      12. April 2013 um 9:57

      Hi Marianna, ich bin auch immer noch fassungslos. Der nächste Blog findet zu 80% im Nebel statt… :)

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  • Antworten
    Carsten
    26. September 2013 um 8:40

    Hallo Ute,
    ich bin durch einen Beitrag in einem anderen Reiseblog auf den Reunion-Post aufmerksam geworden.
    Allerdings muss ich deinen Eindrücken ganz eindeutig widersprechen. Wir waren vor einem Jahr auf Reunion und sehr begeistert. Das Schöne an Reunion sind nicht seine Orte, sondern auf jeden Fall seine Natur – bewaldete Bergrücken, Schluchten, Wasserfälle, Vulkane und Strände. Daher sollte als Hauptaktivität bei einem Inselaufenthalt auch das Wandern stehen, um diese natürliche Schönheit auch direkt zu erleben. Die Strände im Westen der Insel sind schön, aber zum Bade-, Entspannungs- und Wassersport-Urlaub empfehle ich eher Mauritius.

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    • Antworten
      Ute
      15. November 2013 um 3:58

      Hallo lieber Carsten,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Ich kann deine Begeisterung für die Insel nachvollziehen, dennoch bin ich der Meinung, dass sie in Bezug auf Service und Tourismus eine Menge Nachholbedarf hat (insbesondere in Bezug auf Niveau und Preis/Leistung). Unterwegs gibt es für den „Ausländer“ kaum Chancen, Restaurants, Kiosks oder gar Unterkünfte ausfindig zu machen.
      Auch zum „nur“ Wandern oder Natur (Vulkane) genießen würde ich mich persönlich immer für ein anderes Ziel entscheiden, das auch noch andere tolle Aspekte bietet. Mir fehlt da – abgesehen von der Natur – einfach der Charme. Aber das ist natürlich Geschmackssache.
      Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Spaß auf Reisen!
      Ute

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  • Antworten
    Anni
    8. März 2015 um 5:24

    Hallo Ute,
    ich muss dir wehement widersprechen, geht einfach nicht anders. Renuion ist wunderschön. Ich bin jetzt seit 3 Wochen hier in einem Austausch und ich freue mich schon auf die nächsten 10, die ich hier verbringen darf. Allein die Palmen am Starßenrand müssten doch schon begeistern! Oder der wunderschöne Markt in St. Pierre oder St. Leu, auf dem es alle erdenklichen Früchte gibt. Longanis, Passionsfrüchte, Granatäpfel, Pitayas, Kokosnüsse, …
    Man kann so eine Insel nicht einfach in 3 Tagen abhaken.
    Denn die eigentliche Schönheit dieser Insel liegt m Zusammenleben und dem Mischmasch der Kulturen.
    Meinen Blog findest du unter annivoyage.blogspot.de
    Liebe Grüße,
    Anni

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    • Antworten
      Ute
      8. März 2015 um 14:28

      Hallo liebe Anni,
      ich verstehe, was du meinst und freut mich sehr, dass es dir dort so gut gefällt. Wie auch schon im Kommentar zuvor erwähnt, hat jeder seine Vorlieben und Interessen und es wäre glaube ich zu viel verlangt, wenn es mir immer und überall gut gefallen würde. Besonders durch die hohen Preise und den dafür im Verhältnis geringen Komfort & Co. wie beschrieben fand ich diese Insel einfach nicht so spektakulär wie viele andere Inseln. Aber das ist wie gesagt Geschmacksache :) Wünsche dir noch eine tolle Zeit dort!
      Viele liebe Grüße
      Ute

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