Nachdem gestern Relaxen am Strand und Shoppen angesagt war, haben meine Freundin Mareike und ich heute über unser Hostel eine Tour ins Landesinnere gebucht. 450.000 IDR (ca. 35 Euro) waren für eine Ganztages-Tour zwar nicht supergünstig, aber immerhin konnten wir bei dieser Private Tour selbst entscheiden, welche Sehenswürdigkeiten wir gerne anpeilen möchten. So ging es dann Richtung Norden nach Ubud, das insbesondere für sein Kunstgewerbe inmitten leuchtend grüner Reisterrassen und einiger Monkey Forests bekannt ist. Bevor wir zu den vielen Kunsthandwerks-Geschäften kamen, ließ uns der Fahrer auf einem großen Markt raus. 

Ubud BaliBali Ubud Markt Bali Markt
Fleisch haben wir jedenfalls nicht gekauft. Honig mit Bienen gratis auch nicht. Und ob wir die hübschen Holz-Souvenirs am Ende doch noch gekauft haben, bleibt unser zartes Geheimnis. Runtergehandelt haben wir die überdimensionalen Bieröffner jedenfalls noch über die Hälfte des ursprünglichen Preises… Wieder im Auto fuhren wir durch die bekannte Kunstgewerbe-Straße Ubuds. Wir waren nicht kauflustig und baten den Fahrer weiterzufahren. Auch den Monkey Forest schenkten wir uns. Beim letzten Mal hat sich ein Affe an mein Bein geklammert und in die Hose gebissen. Seitdem halte ich gebührenden Abstand vor Wäldern, in die Touristen mit Massen von Bananen einfallen.

Der nächste Stopp weiter nördlich galt dem Pura Tirtha Empul Quelltempel, einem der beliebten Wallfahrtsorte Balis. Dem Quellwasser wird hier eine heilende Wirkung nachgesagt, was uns aber nicht dazu veranlasste, mit Klamotten ins Wasser zu springen. Die Anlage ist in mehrere Höfe unterteilt. Sie beinhaltet mal eine Art Becken zum Baden, mal einen Teich mit Goldfischen und dann gibt es noch einen heiligen See mit Lotusblüten. Manche Bereiche waren für uns gesperrt, offensichtlich für eine bevorstehende Prozession.

Bali Tempel Bali Fische Bali Tempelfest
Und weiter ging die Tour. Unser Fahrer hielt als nächste Überraschung einen Spice Garden oder besser gesagt eine Kaffee-Plantage für uns bereit, und zwar eine ganz besondere: Hier wird der teuerste Kaffee der Welt hergestellt und verkauft. Er nennt sich ‚Kopi Luwak‘ oder auf Deutsch Palmkatzen-Kaffee, der auf eine ziemlich eklige Art und Weise entsteht… Die Schleichkatzen futtern die Kaffeebohnen und scheiden sie später wieder aus, was der Kaffeebohne einen ganz besonderen, erdigen, modrigen Geschmack verleiht.

Dieser fast ausschließlich in Indonesien durchgeführte Prozess scheint sich zu lohnen, denn 1 kg dieser Bohnen können bis zu 1.000 Euro kosten! Wir fanden den Geschmack des Kaffees trotz des tierischen Entwicklungs-Prozesses gar nicht so schlecht, lehnten den Kauf eines Päckchens jedoch ab. Unter anderem aufgrund der Tatsache, dass dieser Kaffee zu Lasten dieser wieselartigen Tiere geht, die in Gefangenschaft gehalten und in hohem Maße mit Kaffeebeeren vollgestopft werden.

Bali Schleichkatze
Hungrig nach der ungewöhnlichen Kaffee-Verkostung baten wir unseren Fahrer, ein Restaurant aufzusuchen. Er schlug die Weiterfahrt bis Kintamani vor, wo wir eine schöne Aussicht auf den Vulkan Mt. Batur mit dem angrenzenden Lake Batur haben würden. Gute Idee. Die ersten Lokale auf dem Weg sahen ziemlich touristisch aus und wir entschlossen uns für eines der letzteren auf dem Weg. Für angenehme 5 Euro gab es hier ein großes Buffet mit seltsam anmutendem Nachtisch. Mareike probierte einen balinesischen Pudding, der eher an flüssige braune Grütze erinnerte als irgendetwas Schmackhaftes. Dennoch eine mutige Aktion, wie ich fand.

Den Blick auf den Vulkan von diesem Platz aus fand ich persönlich nicht atemberaubend, aber es gehörte nun mal zu dieser Rundreise dazu. Aufregender ist dagegen sicher die etwa dreistündige Besteigung des Vulkans gegen halb vier Uhr morgens bei Sonnenaufgang, aber das stand irgendwie nicht Debatte. Hätte uns wieder eine Nacht mehr gekostet und wir mussten auch Kräfte für Java aufsparen, wo ein Vulkan auf uns wartete.

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Vollgefuttert traten wir den Rückweg an, der mit der Besichtigung zweier Tempel verbunden sein sollte. Der erste war eher unspektakulär und aufgrund der bereits eingetretenen Reizüberflutung schnell abgehakt. Er war sogar so uninteressant, dass ich mir noch nicht einmal den Namen gemerkt habe.

Unser Fahrer hatte uns die Möglichkeit eines Besuchs der Elefantenhöhle Bedulu in Aussicht gestellt, wollte uns aber unter dieser Bedingung nicht mehr zu unserer finalen Wunsch-Destination Tanah Lot Tempel bringen. Das war klassische indonesische Erpressung! Wir wollten uns nicht mit dem eigentlich netten Kerl streiten und ließen uns auf den Deal ein. Somit waren die Weichen für diese beiden Tempel gestellt und die Steinzeithöhle wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

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Nachdem Mareike den Fahrer mit umfangreichen Informationen über den bedürftigen sozialen Status deutscher Medizin-Studenten aufklärte und er wiederum spannende Geschichten über den korrupten Alltag auf dieser Insel berichtete, nickten wir beide regelmäßig ein und bekamen von dem Rückweg gen Südwesten eher wenig mit. Zum Schluss kam dann doch die Sorge auf, dass wir es nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang zum Tanah Lot Tempel schaffen würden. Aber wir hatten Glück.

Etwa 30 km nördlich von Kuta im Westen der Insel liegt dieser wunderschöne Felsentempel Tanah Lot, der übersetzt so viel bedeutet wie ‚Tempel der Erde im Meer‘. Vom Parkplatz bis zu den ersten Restaurant sind Unmengen von Menschen unterwegs, Touristen und Einheimische ringen um gute Aussichtsplätze und im besten Falle den ultimativen Sitzplatz für den Genuss des zweifellos beeindruckenden Sonnenuntergangs. Der Blick von oben reichte uns nicht aus, wodurch wir uns erst weiter entfernen mussten, bis wir nach einem langen Spaziergang über Stock und Stein endlich Zugang zum Strand bekamen und letzten Endes noch einen unbesetzten Stein am Ufer ergattern konnten. Ein zugegebenermaßen sehr romantisches Plätzchen war das hier und zweifellos das Highlight dieses Tages! Er ist meines Erachtens zusammen mit dem Wasser-Hindu-Tempel Pura Ulun Danu Bratan im Zentrum der Insel der schönste Tempel-Komplex dieser Insel.

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Dieser Ort erfreut sich übrigens auch für Liebespaare und Heiratswütige einer großen Beliebtheit, die sich hier leidenschaftlich fotografieren lassen. Der Tempel selbst darf leider nur von Gläubigen betreten werden und war daher für uns tabu. Während wir uns auf den Untergang der Sonne konzentrierten, fiel der stetig steigende Wasserpegel nicht auf. Die Flut kam. Erst, als andere Steinbesetzer von ihren Plätzen rutschten oder von hohen Wellen überrascht wurden, merkten wir, dass es höchste Zeit war zu gehen. Ein extrem rutschiges Unterfangen, wie sich herausstellte.

Alles in allem hatte sich diese Tour mehr als gelohnt. Es überrascht mich immer wieder, wie viel man an einem einzigen Tag erleben kann! Morgen geht es weiter nach Tulamben an der Nord-Ost-Küste Balis, wo wir das 120 m lange Wrack eines US Marine Frachters namens „USAT Liberty“ aus dem 2. Weltkrieg betauchen möchten, das in nur 30 m Strandnähe liegt und somit gut und einfach erreichbar ist. Nach einiger Recherche haben wir uns für eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe des Wracks entschieden.

 

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