Alleinreisen

Blogger über das Alleinreisen (#5)

Für Männer ist es kein Problem, allein zu verreisen. Dachte ich. Bis vor kurzem hatte ich mir ehrlich gesagt überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie Jungs alleine reisen. Ob sie auch Ängste haben oder ob es andere Gründe gibt, die sie von einer Reise auf eigene Faust abhalten könnten. Für mich gab es nur ein paar glasklare Fakten:

Der einsame Wolf zieht durch die Welt und hat damit auch noch ein ziemlich cooles Image. Er muss sich keine Gedanken über die Gefahr möglicher körperlicher Übergriffe oder sexueller Belästigung machen. Auch ist er als Mann in vielen Ländern gesellschaftlich besser gestellt als die Frau. Aber sind das tatsächlich die Gründe, die Männer zu einer Alleinreise bewegen?

In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass es viel mehr allein reisende Frauen geben soll als Männer. Aber was hält Männer trotz der gesellschaftlichen und körperlichen Vorteile davon ab, eine Reise allein anzutreten? Meine persönliche Vermutung wäre, dass Männer weniger gut allein sein können.Für die drei erfahrenen Reiseblogger trifft das allerdings keineswegs zu. Für sie ist kein Ziel zu weit und kein Abenteuer zu groß, um es auf eigene Faust zu erkunden. Lest selbst, worauf es ihnen bei der Alleinreise ankommt, wo sie Grenzen sehen und wie sie über das Thema Einsamkeit denken.

 

Johannes Klaus Reisedepeschen

Johannes Klaus

Wie würdest du deine Art zu reisen beschreiben? Was ist dir wichtig?

Ich lasse mich treiben. Das ist für mich die ideale Reise, von einem Tag zum nächsten zu leben und mich vom Moment inspirieren zu lassen. Ich möchte mich nicht von einem Planungskorsett einzwängen lassen, sondern im Fluss des Geschehens mitschwimmen.

Ich habe auch festgestellt, dass ich nicht besonders an historischen Details und den meisten Museen interessiert bin. Für mich ist ein Ort dann reizvoll, wenn er eine faszinierende Stimmung ausstrahlt.

Alleinreise = Philosophie oder Notlösung?

Ich bin ein großer Fan des Alleinreisens – vor allem, wenn es eine lange Reise ist, und ich genug Zeit habe, mich dem Reise-Flow hinzugeben. Alle Erfahrungen wirken auf mich intensiver, im Guten wie im Schlechten. Wenn ich etwa mit neu gefundenen Freunden tolle Zeiten habe, ist es fantastisch; habe ich eine schlechtgelaunte Phase, gibt es aber keinen Puffer eines Partners oder guten Freundes. Aber: Ich reise ja, um intensive Erlebnisse zu haben, die Welt zu fühlen – deswegen bin ich oft allein unterwegs.

Lieber Abenteuer oder Großstadt-Dschungel?

Abenteuer. Ich habe mich in diesem Punkt verändert: Vor über 10 Jahren stapfte ich noch vergnügt durch das Chaos Neu-Delhis, und habe das überbordende Gewusel in mich aufgesogen. Mittlerweile finde ich die großen Städte Afrikas und Asiens vor allem anstrengend, und sitze lieber in einem kleinen Dorf vor einem Café und schaue dem Esel beim Nichtstun zu.

Der größte Nachteil des Alleinreisens?

Ich merke immer mehr, dass ein Erlebnis oft noch beglückender ist, wenn man es mit jemandem teilt. Das kann natürlich auch eine Reisebekanntschaft sein; Je näher man der Person steht, desto besonderer wird aber der Moment. Deswegen reise ich manchmal lieber gemeinsam – natürlich nur, wenn man sich sehr gut versteht und einen ähnlichen Reisestil hat.

Dein ultimatives Reiseziel für den allein reisenden Mann?

Pattaya ;-) Just kidding…
Nein, ich kann keinen Unterschied machen, ob ein Reiseziel besonders für Männer oder Frauen geeignet ist. Ich habe viele tolle Länder bereist, aber auf die Frage nach dem eindrücklichsten Land antworte ich stets: Iran. Ein Land, was mich vor allem durch seine unglaublich freundlichen, interessierten und interessanten Menschen vom Hocker gehauen hat. Als Frau muss man sich damit abfinden, ein Kopftuch zu tragen – womit sich die Mädchen, die ich dort (auch alleine reisend) traf, gerne abgefunden haben. Diese Einschränkung wird tausendmal wett gemacht durch die grandiosen Erlebnisse, die man im Iran hat. Und ich habe noch niemanden getroffen, der mir hier nicht zugestimmt hat, nachdem er dort war…

Mehr von und über Johannes‘ spannende Reisen findest du auf Reisedepeschen!

 

 

Patrick Hundt 101 placesPatrick Hundt

Gib uns einen Einblick in deinen Reisestil. Wo liegen deine Schwerpunkte?

Im Grunde meines Herzens bin ich wohl Flashpacker. Am liebsten schnalle ich mir den Rucksack auf den Rücken und reise durch exotische Länder. Alle paar Tage in einen anderen Ort. Ich reise zwar einfach, aber letztendlich ist es mir egal, ob mich eine Reise im Monat 500 Euro mehr oder weniger kostet. Das unterscheidet mich ein bisschen von ganz jungen Backpackern. Ich probiere aber auch andere Reisestile aus. Durch mein Blog werde ich zunehmend zu Pressereisen eingeladen. Das ist ganz nett, aber der Spaßfaktor hängt extrem von der Gruppe ab.

Aktuell bin ich zum ersten Mal für einen kompletten Monat in einer fremden Stadt (Tallinn) und arbeite von hier aus mit meinem Laptop. Mir fehlt allerdings ein wenig die Abwechslung des Backpackings.

Hat man als Mann eigentlich Bedenken zum Thema Sicherheit auf Reisen?

Ich mache mir über Sicherheit nicht allzu viele Gedanken, jedenfalls nicht einfach mal so. Bislang habe ich mich in den meisten Ländern durchweg sicher gefühlt. Ich passe auf meine paar Sachen auf und alles andere wird dann schon.

Wenn ich mich doch mal etwas unsicher fühle, ist das eher situationsbedingt, also wenn ich beispielsweise abends in New York mal eine schlecht beleuchtete Straße entlang muss.

Hast du unterwegs schon mal Einsamkeits-Gefühle? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Nicht oft, aber hin und wieder. Im Allgemeinen komme ich sehr gut allein zurecht, lerne ein paar Leute oberflächlich kennen und das genügt. Nur manchmal, wenn ich jemanden etwas besser kennenlernen durfte und die Wege sich wieder trennen, kommt die Einsamkeit hoch. Ein Rezept dagegen habe ich nicht. Das sitze ich aus.

Suchst du dir gezielt Unterkünfte aus, in denen man Leute kennenlernen kann? Oder ist dir das egal?

Nicht gezielt, nein. Meistens ergibt es sich jedoch schon aus meinem Budget (Hostels) und meiner Vorliebe für kleine Gästehäuser, dass ich dort unterkomme, wo ich leicht andere Reisende kennenlerne. Schöner Nebeneffekt, aber kein Muss.

Dir stehen zwei Wochen für eine Fernreise auf eigene Faust zur Verfügung. Wo geht’s hin?

Nur zwei Wochen für eine Fernreise? Das gab es bei mir noch nicht. Vermutlich würde ich mir ein kleines Land aussuchen und da ich gern mal wieder nach Mittelamerika möchte, könnte das Guatemala sein. Dort wollte ich eigentlich im Rahmen meiner kleinen Weltreise hin, doch aufgrund von Problemen mit Flugtickets fiel das ins Wasser.

Wenn du mehr über Patricks Reisen erfahren möchtest, klicke einfach hier: Patrick Hundt!

 

 

Timo Peters Bruder LeichtfußTimo Peters

Timo, erzähl‘ uns etwas über deine Reise-Leidenschaft! Was kann man sich unter deinen „leichtfüßigen“ Reisen vorstellen?

Das wichtigste bei meinen Reisen ist mir, dass ich immer spontan sein kann. Ich finde das Gefühl genial, morgens aufzustehen und noch keine Ahnung zu haben, wo ich abends wieder schlafen gehe. Pläne mache ich nicht gerne, und wenn, dann liebe ich es, sie von einem Moment zum anderen wieder über den Haufen zu werfen. Deshalb trampe ich auch so gerne – ich weiß nie, wo ich wann ankommen werde und kann mich so immer selber überraschen.

So habe ich zum Beispiel auch das Segeln für mich entdeckt: Beim Trampen durch Europa fand ich mich plötzlich auf einem Segelboot wieder. Das hat mich so begeistert, dass ich im Jahr darauf einfach mal über den Atlantik getrampt bin: Eigentlich dachte ich damals, dass ich wohl in der Karibik ankommen werde. Ich landete dann in Brasilien, pünktlich zum Karnevalsbeginn – wieder so ein toller Zufall!

Wie reagiert die Umwelt auf einen allein reisenden Mann? 

Meine Freunde dachten früher, ich hätte keinen Bock auf sie, weil ich meine Touren wirklich lieber alleine gemacht habe statt mit ihnen zusammen. Mittlerweile haben sie sich aber daran gewöhnt, dass ich höchstens für gemeinsame Kurztrips zu haben bin. Unterwegs in der Welt sind allein Reisende meiner Erfahrung nach das Normalste der Welt – egal, ob Mann oder Frau.

Wie wichtig sind dir unterwegs neue Kontakte?

Einer der großen Vorteile beim Alleinreisen! Ich bin nicht der Typ, der einfach so auf eine Gruppe zu geht und sich vorstellt – wenn man alleine unterwegs ist, kommen die Leute von alleine und ich knüpfe neue Kontakte. Außer dem Trampen, bei dem man ja zwangsläufig nette Menschen kennen lernt, stehe ich total auf Couchsurfing. Das ist vielleicht die beste Möglichkeit, die Locals und ihr Leben wirklich hautnah mitzuerleben. Sowohl per Anhalter als auch beim Couchsurfen wird man einfach viel lieber (mit-)genommen, wenn man allein ist.

Hand auf’s Herz: Gab es schon Situationen, in denen du Angst hattest?

Klar, das kommt immer mal wieder vor. Als ich über den Ozean getrampt bin, wurde mir am zweiten Tag auf See bewusst, dass im Falle eines Falles medizinische Hilfe ziemlich schwierig sein würde – ich wurde richtig panisch, so krass, dass ich mich erstmal über die Reling hing und die Möven fütterte.

Ein anderes Mal war ich per Anhalter in Spanien unterwegs, da hielt ein Typ an und wollte eigentlich in eine andere Richtung fahren als ich. Er war schon wieder weitergefahren, da kam er nochmal wieder und sagte, er würde mich in meine Richtung fahren, wenn ich ihm ein paar Klamotten schenken würde. Das war mir sehr suspekt, der Mann fuhr Mercedes und trug Anzug. Trotzdem bin ich eingestiegen und habe ihm ein T-Shirt gegeben. Was er damit vorhatte, konnte er mir nicht so richtig erklären, da hatte ich schon die verrücktesten Szenarien im Kopf und ein echt komisches Gefühl im Bauch.

Bislang ist aber immer alles gut gegangen. Und ich bin der Überzeugung, dass man an solchen Ängsten eigentlich nur wachsen kann, wenn man sich ihnen stellt.

Du strandest auf einer einsamen Insel. Wie lange hältst du alleine durch?

Sehr lange – endlich mal Zeit für mich! Ich bin zwar eigentlich ein sehr geselliger Mensch, aber ich kann mich auch ganz gut mit mir selber beschäftigen. Hätte ich auf meiner einsamen Insel Musik dabei und gute Bücher, würde mir so schnell nicht langweilig werden. Aber auch ohne das würde ich wohl lange durchhalten: Ich bin eben auch einer dieser Träumer, die sich ziemlich gut in ihrer eigenen Gedankenwelt verlieren können.

Alle Abenteuer von Timo findest du auf seinem Blog Bruder Leichtfuß!

 

 

Was kann man aus den Interviews nun ableiten? Wahrscheinlich kann man am ehesten daraus schlussfolgern, dass es nicht unbedingt eine Geschlechter-Frage, sondern einfach eine Frage des Typs ist. Wer Bock auf eine Reise hat – auch, wenn sie ohne Begleitung stattfindet – zieht einfach los und nimmt die Bedingungen, Risiken und Nebenwirkungen entsprechend in Kauf. Oder was meint ihr dazu?

 

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5 Kommentare

  • Antworten
    Ute
    26. Juli 2013 um 15:43

    Nochmals ganz lieben Dank für die klasse Interviews an Johannes, Patrick und Timo!

  • Antworten
    Jens
    27. Juli 2013 um 0:00

    Da fehlt noch eine entscheidende Frage: „Was ist besser am Alleinreisen gegenüber dem Reisen mit Freundin?“
    1. Ich muss mich nicht an einer Schuh- und Klamottenjagd beteiligen, die viele Stunden Zeit -meist ohne- Ergebnis- kostet.
    2. Ich kann so viel Bier trinken wie ich will.
    3. Ich kann mich mit anderen Frauen unterwegs so lange unterhalten wie ich möchte.
    4. Ich muss nicht ständig das Zimmer wechseln, weil ihr das Bett zu hart oder zu weich ist.
    5. Ich kann auch mal ne ganze Nacht lang Billard spielen, ohne dafür nachher verstoßen zu werden.
    DAS ist Urlaub!

    • Antworten
      Timo
      27. Juli 2013 um 2:43

      Hey Jens, da hast du sowas von Recht – erst jetzt ist die Übersicht wirklich komplett ;)

  • Antworten
    Ute
    27. Juli 2013 um 3:14

    Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin…. :P

  • Antworten
    Carsten
    15. September 2013 um 3:02

    Ich bin selbst seit mehr als 15 Jahren sehr regelmäßig alleine mit dem Fahrrad auf Reisen. Derzeit auf einjähriger Weltreise per Rad; auch zum Großteil alleine (www.bikeload.com). Aus meiner Sicht hat der oder die für das Alleinreisen Geborene eine selten anzutreffende Mischung aus innerer Ruhe, Ausgeglichenheit, Zuversicht, Risikobereitschaft und Offenheit, die ihn (oder sie) in die Lage versetzt auch mal länger wirklich alleine sein zu können und gleichzeitig Begegnungen gegenüber offen zu sein. Jedem der sich mit den Gedanken trägt länger alleine zu vereisen, empfehle ich ein paar Tage mit Zelt, Schlafsack und Kocher alleine in der Natur zu verbringen. Hier findet jeder schnell raus, ob man das Alleinsein nur bis zum nächsten Morgen ertragen kann. Ich war gerade 7 Wochen in Alaska und dem Yukon unterwegs und weiß wovon ich spreche;-) Im Idealfall genießt man die Einsamkeit und Ruhe und kann sich ein paar Tage später entspannt in ein Café setzen, ohne desperat dem nächsten Menschen seine Nähe aufzudrängen. Wer den Blick offen und neugierig wandern lässt wird ohnehin fast immer angesprochen und dann liegt es an einem selbst, wie es von dort aus weitergeht. Ob ich da den Idealtyp des Alleinreisenden darstelle, weiß ich nicht. Allerdings lag ich beim Brigittetest ganz weit vorne ;-)
    Am alleine Reisen schätze ich besonders, dass ich Risiken eingehen, spontan Pläne umwerfen kann, ohne in einem dauerhaften Beschützer- oder Abstimmungsmodus laufen zu müssen. Mit meinem Radkumpel Christof, mit dem ich schon oft per Rad auf Reisen unterwegs war, klappt eine solche Abstimmung blind, weil wir auch sehr ähnliche Werte und Lebensmotive haben. So etwas ist aber extrem selten und deshalb halte ich es beim Reisen so, wie mit der Partnerschaft: „Besser gar nicht begleitet als schlecht begleitet“.
    Meiner Einschätzung und Erfahrung nach sind alleinreisende Männer übrigens auch durchaus den Risiken körperlicher Gewalt und auch sexueller Nötigung ausgesetzt. Ersteres passiert Männern in den meisten Ländern (einschließlich Deutschland) übrigens deutlich öfter als Frauen, wird meist aber als „normal“ angesehen (Jungs prügeln sich halt..). Über Zweites reden Männer meist nicht und daher findet es in der öffentlichen Wahrnehmung nicht statt. Ich habe beides mehrfach erlebt und musste mehr als einmal sehr handfest auf 20 Jahre Kampfsporterfahrung zurückgreifen, um meine Haltung „zu verdeutlichen“. Die meisten Situationen lassen sich durch eine geschärfte Aufmerksamkeit allerdings schon früh im „Entstehungsprozess“ erkennen und damit vermeiden.

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