Alleinreisen

Bloggerinnen über das Alleinreisen (#4)

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Vor einigen Jahren drückte mir eine Frau vor einem Supermarkt eine Postkarte mit diesem Spruch darauf in die Hand. Oft musste ich an diese Worte denken, denn was wäre eigentlich gewesen, wenn ich in all den Jahren einfach zu Hause geblieben wäre anstatt in die Ferne aufzubrechen?

Wahrscheinlich wäre die Zeit zu Hause auch ganz nett gewesen, aber eins ist mal klar: Ich hätte unglaublich viel verpasst! Jede Reise ist wie ein Schritt in ein anderes Leben: Neue Umgebung, alles ist zunächst fremd und man beginnt dann langsam, sich zu orientieren und anzupassen. Alles kann, nichts muss. Gibt es etwas Spannenderes?

In dieser Folge ist auch alles ein bisschen anders. Andere Reihenfolge, andere Fragen. Die Bloggerinnen sind auch diesmal ziemlich abenteuerlustig und welche Wege sie auf eigene Faust zurück gelegt haben, könnt ihr jetzt nachlesen:

 

Meerblog Elke WeilerElke Weiler

 

1. Wer steckt hinter dem Namen Meerblog? Erzähl uns was über dich.

Am Anfang stand ein Urlaub. Oder besser gesagt ein Film?! Es ging um eine Wattwanderung, und am Ende wollte ich an die Nordsee. Wir fuhren dort mehrmals in den Ferien hin und verliebten uns in den Strand von St. Peter-Ording. Vor ein paar Jahren zogen wir von Düsseldorf hierher, und das war die Geburtsstunde von Meerblog.

Ich arbeitete zuvor seit 13 Jahren als Reisejournalistin für Printmedien und wollte endlich etwas Eigenes auf die Beine stellen. Etwas, für das ich das Erzählen von Geschichten neuentwickeln kann. Meine alten Reisereportagen fürs Print gefallen mir größtenteils nicht mehr. Meerblog ist also ein Reiseblog, der sich in ständigem Wandel befindet, etwa so wie die Nordsee mit ihren Gezeiten.

2. Du bekommst 1.500 Euro für eine 2-wöchige Alleinreise geschenkt. Wo geht’s hin? Ich schätze mal, an’s Meer…

Nicht unbedingt! In diesem Fall würde ich ein Experiment wagen, das mir schon lange vorschwebt. Ich sage den Meerblog-Lesern, wieviel Zeit und Geld ich habe, und sie dürfen mich losschicken. Sie müssen alles für mich organisieren und immer daran denken, dass ich auch wieder zurückkommen muss mit dem Geld. Ich blogge über jeden Tag, von dem ich am Morgen nicht weiß, wo ich am Abend landen werde. Vielleicht sollte ich mal eine Spenden-Aktion für so eine wilde Reise starten…

3. Lieber viel sehen und herumreisen oder in Ruhe und intensiv einen Ort erkunden?

Bin ich alleine und unabhängig unterwegs, versuche ich, das eine mit dem anderen zu verbinden. Am wichtigsten ist mir, etwas vom Geist eines Ortes zu erfahren. Mir ist klar, dass das am besten mit viel Zeit zu machen ist, doch die fehlt eben auf einer Reise. Aber 1000 Mal lieber entscheide ich mich für den Fokus auf ein paar Dinge, die mir wichtig erscheinen, als für das bloße Abklappern von Sehenswürdigkeiten. Oft ist der Schlüssel für einen Ort einfach ein Mensch, der dort lebt und sich öffnet. Aber das Glück hat man nicht immer. Und manchmal, das habe ich erst letztens erfahren, bestimmt der Zufall dieses intensive Erleben mit: Plötzlich bist du allein und hast eine Eingebung. Und du verstehst die Dinge, die dir vorher erzählt worden sind.

4. Hast du ein Lieblings-Reiseziel für eine Alleinreisende? Wenn ja, welches und warum?

Nein, eigentlich nicht. Generell würde ich Orte empfehlen, die perfekt sind, um einen klaren Kopf zu kriegen. Also Orte in der Natur, Amrum im Herbst oder Winter ist wunderschön. Hallig Hooge bei Sturmflut erleben. Oder stundenlang am Darßer Strand spazieren. Wer einfach als Single reist und gerne mit Einheimischen in Kontakt kommen möchte, dem empfehle ich Gegenden mit herzlichen, offenen Menschen. Etwa Apulien, Polen oder das Rheinland, aus dem ich stamme. Lieblingsreiseziele habe ich natürlich schon. Darunter Lissabon, das ich aber unbedingt für eine Reise zu zweit empfehle!

 

 

Pink Compass Carina HerrmannCarina Herrmann

 

1. Wer steckt hinter dem Namen Carina Herrmann? Erzähl uns was über dich.

Hi, mein Name ist Carina! Pink Compass ist mein Reiseblog für Frauen. Ursprünglich habe ich auf einer Weltreise angefangen Tagebuch-artig all meine Erlebnisse aufzuschreiben. Mittlerweile habe ich den Blog umgeformt und schreibe neben den bestehenden Reiseberichten einer 14-monatigen Reise jetzt hauptsächlich ratgebenende Artikel. Wie bereite ich mich auf eine Reise vor? Was muss ich alles bedenken? Was kommt auf mich zu? All die Fragen die ich mir vor meiner Reise gestellt habe und auf die ich damals nur in englisch-sprachigen Blogs Antwort gefunden habe. Warum ich nur für Frauen schreibe? Weil ich soo viele Frauen kennengelernt habe, die gerne reisen würden, sich aber alleine nicht trauen oder nicht wissen wo sie anfangen sollen. Das möchte ich ändern! Reisen ist so einfach und erfüllend. Viel mehr als ein bisschen Mut und einen Rucksack brauche ich nicht. Auch wenn ich den Mut selbst oft zusammenkratzen muss. Ab September erfülle ich mir dann den Traum wieder dauerhaft zu reisen. Ohne zurückgebliebenen Besitz oder Endzeitpunkte die mich auf- oder zurückhalten. Wer weiß wo ich dann letztendlich mal lande :-)

2. Was sind deine Erfahrungen zum Thema Alleinreise und was schätzt du daran?

Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht. Was viele vergessen ist, dass man ganz oft alleine aufbricht, aber dann selten wirklich alleine bleibt. Selbst wenn man gar nicht angestrengt danach sucht oder schüchtern ist, finden Menschen dich. Denn es gibt so viele Alleinreisende und fast alle möchten Kontakte schließen und finden sich automatisch zusammen. Ob in Hostelküchen, Jobs, auf geplanten Trips… einfach überall. Das schätze ich daran! Das ich als Alleinreisende wählen kann, ob ich alleine sein möchte oder nicht. Das ist schon schwieriger wenn man zu zweit oder in einer Gruppe reist. Man bekommt dann auch gar nicht so leicht die Gelegenheit Einheimische oder andere Reisende kennenzulernen und mir würde dann schon etwas an Reiseerfahrung fehlen.

3. Hattest du ein besonderes Erlebnis, als du alleine unterwegs warst?

Ich hatte in West Australien vor von Darwin aus nach Perth zu reisen und traf zwei Schwestern, die mich anfangs einfach als Lift (Mitfahrgelegenheit) mitnehmen wollten. In Coral Bay, einem ganz kleinen Kütsenort lernten wir im einzigen „Pub“, einen Ranger des National Parks kennen, der Coral Bay umgibt. Er lud uns für zwei Tage zu sich ein (jede hatte ihr eigenes Zimmer, nicht missverstehen…) und zeigte uns Orte im Nationalpark die sonst niemand besuchen darf. Wallabys an verstecken Orten, Strände die perlweiß und türkis um die Wette blitzten und die kaum einer je besucht, eine Rangerstation mitten im Gebirge… Und all das völlig ohne Hintergedanken oder ohne etwas zurück zuerwarten. Das hat mein sonst so misstrauisches Reiseherz völlig aus dem Konzept gebracht. Zu sehen das Menschen ihr Land so sehr lieben, dass sie es mit jedem Fremden teilen und zeigen möchten hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt.

4. Welches Land würdest du einer Alleinreisenden empfehlen und warum?

Mein erstes Reiseziel und auch meine erste richtige Reise allein war Australien. Ich habe in einer Großstadt angefangen und mich einmal über den kompletten Kontinent gearbeitet. Das kann ich jedem als Anfangspunkt nur empfehlen. Der Kulturschock ist nicht zu groß, die wirtschaftliche Lage unseren sehr ähnlich und das Working Holiday Visum macht jedem den Eintritt wirklich einfach. Noch dazu sind jedes Jahr über 2 Millionen Deutsche dort, was auch die Berührungsangst mildert ;-)

Natürlich hat sich meine Reiseart mittlerweile geändert und finde zu viele Deutsche an einem Ort eher abschreckend, aber wenn man noch nie alleine gereist ist, ist es gerade als Frau in Australien sehr einfach!

 * * *

Nun habe ich zehn Reisebloggerinnen zum Alleinreisen befragt und nur Positives darüber gehört. Man muss also nicht außergewöhnlich mutig, selbstbewusst oder stark sein, sondern einfach nur Lust auf etwas Neues haben und einen Schritt wagen, der vielleicht etwas unkonventionell – aber auf jeden Fall lohnenswert ist!

 

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