Abenteuer Nepal

Nepal: Chitwan’s Nationalpark

Wie entkommt man eigentlich einem freilaufenden Panzer-Nashorn in freier Wildbahn? Kann man frische Cannabis-Blätter rauchen? Und geht ein Elefant im Wasser unter, wenn ich darauf sitze? Diese etwas ungewöhnlichen Fragen können aufkommen, wenn man sich im Süden Nepals aufhält. Im Terai, der Tiefebene des Landes, habe ich rückblickend vielleicht eine der gefährlichsten Erfahrungen meines Lebens gemacht…

Wer meinen Artikel »Nepal für Anfänger« gelesen hat, weiß bereits um meine Liebe für dieses kleine südasiatische Land. Neben dem frostigen Himalaya-Gebirge wird es im Süden Nepals – an der Grenze zu Indien – heiß und im wahrsten Sinne des Wortes schweißtreibend. Es beginnt schon mit der Fahrt, für deren kurze 180 km etwa 5 bis 7 Stunden draufgehen. Rostige indische Busse liefern sich auf den engen Straßen Kopf- an-Kopf-Rennen und irgendwie grenzt es an ein Wunder, dass man am Ende heil im Ort Sauraha ankommt. Und dann, am Royal Chitwan Nationalpark angekommen, wird es endlich still.

Chitwan Nepal Reiseblog
Chitwan Mariuana
Chitwan Reiseblog
Endlich aufatmen. Kein Staub der sandigen Straßen Kathmandus mehr in den Nüstern, kein nerviges Hupen in den Ohren. Dafür aber ein irgendwie bekannter, aber alles andere als üblicher Geruch in der Nase. Den Duft, den man schon mal durch den Rauch gewisser Marijuana-Anhänger aufnimmt, wächst hier wie Unkraut am Straßenrand: Cannabis! Wie ich später nachgelesen habe, kann man die Blüten des Hanfs tatsächlich essen und somit THC in Reinform genießen. Ich vergnügte mich am Abend aber lieber mit ein paar Leuten in einem kleinen Restaurant mit Blick auf den Fluss, der am nächsten Tag in den Dschungel führen würde.

Bevor ich endlich im Kanu flussabwärts sitzen konnte, gab es noch einen kleinen Einblick in die Aufzuchtstation der staatlichen Elefanten. Ich sehe die Haltung wilder Tiere immer sehr kritisch und war überrascht, dass sich hier ein relativ respektvoller Umgang  mit den Dickhäutern zeigte. Sie werden meist als Nutztiere eingesetzt und kommen dadurch tagtäglich in den Dschungel. Wenn man Glück hat, kommt ein Elefanten-Kind auch mal zum Streicheln an den Zaun, was alle Hormone einer Frau schlagartig Samba tanzen lässt.

Chitwan Nationalpark Reise Chitwan Elefanten Chitwan Reiseblog
Mit dem Guide Gopal und drei weiteren Leuten saß ich kurze Zeit später in einem schmalen Floß. Ohne Motor schipperten wir den Fluss entlang und begaben uns auf die Suche nach den vom Aussterben bedrohten Panzer-Nashörnern und dem seltenen Bengalischen Tiger. Krokodile schienen uns vom Ufer aus zu beobachten…

Chitwan Tour Reise
Chitwan Tour
Bevor wir nach etwas mehr als einer Stunde das Kanu verließen, wurde Gopal’s Miene ernst. Der 1,60 m kleine Guide erklärte uns gewissenhaft, wie man im Falle eines Falles einem Nashorn entkommen könnte.  Ich traute meinen Ohren nicht. Das Nashorn könne zwar nicht so gut sehen, aber Hör- und Geruchssinn seien stark ausgeprägt. Das wurde ja immer besser. Schweiß brach aus. Wie sollte ich mich denn in einer flachen Graslandschaft retten können? Nun ja, ich müsse eben im Zick-Zack laufen, das würde das Rhino nicht können, erwiderte Gopal. Dafür würde aber das Nashorn bis zu 50 km/h schnell laufen können! Und ins Wasser retten ginge wegen der Krokodile auch nicht. Es gab jetzt also kein Zurück mehr…

Chitwan Park Tour
Chitwan Nepal Reise
Noch nie war ich so froh, unterwegs kein wildes Tier gesehen zu haben. Im Nachhinein erfuhr ich, dass tatsächlich ab und an – vor allen Dingen ältere Leute – durch den „Zusammenstoß“ mit Nashörnern versterben. Das einzig Gute daran ist wohl, dass man in diesem Fall eines spektakulären Todes gestorben ist und nicht einfach zu Hause bei einem ordinären Autounfall oder an einer gewöhnlichen Krankheit.

Auf den Schreck gab es am Nachmittag einen versöhnenden und alles wieder gut machenden Kontakt mit einer indischen Dickhäuter-Dame. Mit einem Elefanten kuscheln stand schon immer ganz oben auf meiner Wunschliste und jetzt war der Moment da. Sie hatte die süßesten Ohren, die schönste raue Haut und die tollsten Borsten auf dem Kopf, die ich je gesehen hatte. Mit ihrem Rüssel hievte sie mich über ihren Kopf nach oben. Glücksgefühle!  

Chitwan Elefanten Baden Chitwan Schwimmen mit Elefanten
Chitwan Abenteuer Nepal ElefantenIch glaube, mit dem Elefanten-Baden ist es wie mit dem Sushi-Essen: Ich könnte es jeden Tag machen! Schon unglaublich, dass so ein riesiges, klobiges Tier doch so zarte Seiten haben kann…

Am nächsten Tag saß ich im Trockenen hoch oben auf der Dickhäuter-Lady, um nochmals nach den Panzer-Nashörnern Ausschau zu halten. Eine recht wackelige Angelegenheit, die aber mehr Sicherheit versprach als das gestrige Abenteuer.

Chitwan Elefantenreiten Chitwan Nepal Park Chitwan Nashörner Chitwan Nashorn
Chitwan Nepal ParkEs fühlte sich ein wenig an, als bewegte ich mich in einem Land vor unserer Zeit. Ich ritt auf einem Elefanten durch den Dschungel, sah gepanzerte Nashörner und Männer, die auf dem Rücken der Elefanten Gras transportierten.

Leider mochte mich ein kleiner, ziemlich gemeiner Erdbewohner alias Zecke offensichtlich auch ganz gerne, der es sich bei mir trotz langer Hose an einer unangenehmen Stelle meines Körpers gemütlich gemacht hatte.

Chitwan Arbeitselefanten Chitwan Morgen Hahn Chitwan Morgengrauen
Die Zeit in Chitwan ging viel zu schnell vorbei. Ich habe hier mal wieder gelernt, wie schnell das Leben – mit etwas Pech – vorbei sein könnte, wie nah Glück und Gefahr eigentlich beieinander liegen und dass Hähne Augenbrauen haben.

 

 

HILFREICHE TIPPS:

  • Transport: Es lohnt sich, für die Fahrt von Kathmandu-Chitwan oder Pokhara-Chitwan ein Auto mit Fahrer zu mieten. Es fahren auch lokale Busse dorthin, die aber oft halsbrecherisch fahren und häufig in Unfälle verwickelt sind. In Kathmandu kann man sich auch nach 2- oder 3-Tages-Touren erkundigen, die günstige Pakete für Unterkunft, Transport und Touren in den Dschungel anbieten.
  • Übernachten: Ist sowohl im Park selbst als auch im Ort möglich. Ersteres ist teurer und eigentlich nicht notwendig; im Ort bekommt man wenigstens etwas vom Leben der Einheimischen mit.
  • Zeit: Man sollte mindestens 3-4 Tage einplanen (- ich fand 3 Tage zu kurz). Ich war im April dort, was eine perfekte Zeit zu sein schien.
  • Einpacken: Ins Gepäck sollte auf jeden Fall Moskito-Schutz (Repellent), Sonnencreme, lange Hosen und Shirts und eine Pinzette (oder besser Zeckenzange). Es besteht ein geringes Malaria-Risiko, daher sollte man mindestens abends lange Kleidung tragen und nachts unter einem Moskito-Netz schlafen, das oft bereits in der Unterkunft vorhanden ist.
  • Helfen: Wenn man von Kindern nach Kugelschreibern gefragt wird: Bitte nicht! Was man selbst als nette Beigabe für die Schulbildung hält, hat leider einen unschönen Hintergrund: Schnüffeln der Kugelschreiber-Minen.
  • Und sonst? Wer diese Tour nicht macht, ist selber schuld! Meinen Artikel über Nepal und Kathmandu für Einsteiger gibt’s hier.

 

Dir könnte auch gefallen

7 Kommentare

  • Antworten
    Petra
    16. Oktober 2013 um 11:04

    Hammer Fotos!! Wann biste wieder unterwegs? LG aus’m schwarzen Wald ;)

    • Antworten
      Ute
      16. Oktober 2013 um 13:01

      Hey, bist du etwa immer noch da festgenagelt?? Komm doch mal nach Köln… :P Bei mir geht’s übermorgen los, kann’s gar nicht erwarten! Bis hoffentlich bald, meld dich mal!! xx

  • Antworten
    Huberta
    18. Oktober 2013 um 6:22

    Also toll wie du Deinen Trip beschrieben hast. Sag werden die Elefanten denn dort wirklich gut behandel? Weil ich denke das die Inder da sie sich selber ja nicht so gut behandeln es mit den Tieren sicher nicht viel besser machen?
    Also vor Nashörnern aufpassen…ich hätte nie gedacht das sie so schnell sind…Wahnsinn. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter qwer.com Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. viel Erfolg mit Deinem Blog.

    • Antworten
      Ute
      19. Oktober 2013 um 3:07

      Hi Huberta! Sagen wir mal so, ich hab‘ schon viele „Touri-Elefanten-Stationen“ gesehen und diese hier war mit Abstand die am wenigsten touristische, zumal sie (meines Wissens) nicht das Hauptaugenmerk auf den Tourismus legt. Aber manchmal kann so ein Eindruck auch subjektiv sein… Qwer kannte ich bisher noch nicht, mein Blog ist von weebly. Liebe Grüße und Danke :)

  • Antworten
    stefan ebel
    1. Februar 2015 um 11:02

    Hey vielen dank für die tipps! und meinen glückwunsch zur gelungenen reise!

    • Antworten
      Ute
      2. Februar 2015 um 5:10

      Hi Stefan, sehr gerne und vielen Dank auch! LG Ute

  • Antworten
    Johannes Getzner
    14. Januar 2016 um 22:50

    Hallo Ute,

    Ich habe vor im Mai bzw Juni durch Nepal zu reisen. Soll ich aufgrund des kommenden Monsun zuerst in den Chitwan Nationalpark fahren und mir erst dann Kathmandu genauer anschauen?

  • Schreibe einen Kommentar