Die Nacht war kurz und unruhig. Nicht nur das Plätschern des Wassers unter mir sorgte für regelmäßiges Aufwachen. Auch der Gedanke, dass die beiden Türen meines Bungalows nicht abschließbar waren, ließ die Frage aufkommen, ob das hier die ultimativ sichere Insel war oder nicht. Eigentlich eine Traumvorstellung- ein Leben voller Vertrauen ohne Gewalt und Kriminalität. Leider nur ein Traum, aber hier vielleicht Wirklichkeit. Ich habe die Nacht jedenfalls heil überstanden.

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Nach einem Schnorchel-Ausflug ging es nachmittags mit dem Boot zum Dorf der Kunas. Die farbenfroh gekleideten Frauen und das Leben der Dorfbewohner interessierten mich brennend! Diese Insel ist vom Massentourismus bisher weitestgehend verschont worden, was auf ein authentisches Leben dieses indigenen Volkes hoffen lässt. Leider hatte sich gerade zu diesem für mich besonderen Ereignis das Wetter verschlechtert. Die Sonne versteckte sich hinter dicken Wolken.

Ukupseni bedeutet soviel wie ‘kleiner Strand’. Und das zu Recht, denn die kleine Insel ist bis in den letzten Winkel mit Häusern vollgestopft. Von Vorgarten oder Privatsphäre keine Spur, denn hier lebt man auf engstem Raum nebeneinander und mit mehreren Generationen unter einem Dach. Die Gemeinschaft der Kunas lebt im Matriarchat, d. h. der Ehemann lebt nach der Heirat in der Familie seiner Frau.

Bevor wir in den Ort gingen, erhielten wir von unserem Guide noch ein paar klare Anweisungen: Fotos von Personen nur nach ausdrücklicher Zustimmung und gegebenenfalls gegen Entgelt sowie eine angemessen respektvolle Zurückhaltung den Dorfbewohnern gegenüber. Die Sprache der Kuna Yalas ist übrigens Kuna. Englisch wird hier fast gar nicht gesprochen und es blieb zu hoffen, dass ich die Worte und Zusammenhänge meines Spanisch sprechenden Guides gut verstehen würde.

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Die Besichtigungszeiten im Dorf sind für Ausländer klar geregelt. Nur zwei Mal in der Woche dürfen die lokalen Tour-Veranstalter mit ihren Gästen hier aufschlagen und es scheint für alle Beteiligten etwas Aufregendes zu sein. Einheimische hängen bestickte Souvenirs und handgemachten Schmuck an die Hauswände und Familien sitzen oder stehen vor ihren Hütten, um die fremden Menschen und ihr Handeln zu beobachten.

Manche Blicke ließen vermuten, dass man hier nicht willkommen ist, was ich voll und ganz verstehen kann. Das Gefühl, auf dieser Insel zu leben und förmlich auf einem Präsentierteller für neugierige Touristen zu sitzen, ist alles andere als prickelnd. Andererseits sichert ihnen das dadurch in Umlauf kommende Geld bessere Lebensverhältnisse zu und das sollten die Menschen nicht außer Acht lassen. Wie alles im Leben hat auch hier alles seine Vor- und Nachteile.

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Bei dem etwa eineinhalbstündigen Spaziergang bekam ich trotz der Überlegungen den Eindruck, dass die Welt hier noch halbwegs in Ordnung zu sein scheint. Unzählige fröhliche Kinder, farbenfroh gekleidete Frauen und ballaktive Männer vertrieben sich gemeinsam die Zeit. Der Materialismus hat in Ukupseni offensichtlich noch keinen Einzug gehalten… oder etwa doch?

Am Ende des Rundgangs landeten wir an einem Basketball-Court, wo Jugendliche nicht wie erwartet eine trachten-ähnliche Kleidung trugen, sondern moderne amerikanische Caps, T-Shirts und Turnschuhe. Ich fragte mich, wie sie an diese Sachen herankamen. Über das Internet oder durch Bekannte, die nach Panama Stadt zum Einkaufen fahren? Ich würde auf diese Frage keine Antwort mehr bekommen.

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Während des Rundgangs durch das Dorf sind mir einige Albino-Kinder, auch Mondkinder genannt, begegnet. Mit weißer, zum Teil stark pigmentierter Haut und extrem hellem Haar sondern sie sich optisch von den anderen Dorfbewohnern ab. Einige kamen auf uns zugelaufen und wollten höhere Geldbeträge für ein Foto, was ich persönlich ablehnte. Ob Albinismus (ein Gen-Defekt) durch Inzest entsteht, habe ich zwar recherchiert, bin jedoch auf keine definitive Antwort gestoßen.

Fast alle Frauen – die meisten übrigens klein und zierlich – tragen hier traditionelle Kleidung, die sog. Molas. Die Verzierungen dieser Gewänder sollen von den ursprünglichen Körperbemalungen der Ureinwohner stammen. Ich hatte bei vielen allerdings den Eindruck, dass es sich um herkömmliche Stoffbahnen handelt, die man sich einfach um den Körper schlingt. Nichtsdestotrotz tragen sie einen außergewöhnlichen Schmuck an den Beinen, den man ganz sicher nicht im Geschäft kaufen kann.

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Als ich das Dorf am späten Nachmittag verließ, dämmerte es schon. Auf dem Weg zurück zu meiner kleinen Insel ergab sich bei einem traumhaften Sonnenuntergang für diesen Tag ein letzter Blick auf Ukupseni. Ich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht, auch wenn man allein wegen der Sprachbarriere wahrscheinlich keinen engen Kontakt mit Einheimischen erwarten können wird.

Gleich morgen bei Tagesbeginn würde ich das Dorf auf dem Weg zum Flughafen noch einmal sehen. Müde durch die aufregenden Ereignisse würde ich heute sicher auch besser schlafen können, aber vorher wartete im Restaurant ein toller frischer Fisch auf mich. Auch, wenn diese Unterkunft teuer war, hat sich der Aufenthalt hier mehr als gelohnt.

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