Wenn man mich noch vor kurzer Zeit gefragt hätte, ob ich mal alleine nach Madagaskar reisen würde, hätte ich wahrscheinlich den Zeigefinger zur Schläfe geführt und den bekannten Vogel gezeigt. Wer die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes liest, entscheidet sich unmittelbar danach für ein anderes Reiseziel. Verrückter Weise behaupten aber viele Reiseführer, dass Madagaskar verhältnismäßig problemlos zu bereisen ist. Ich wollte, nein- ich musste es herausfinden. Und nun war es soweit. Der dreistündige Flug von Johannesburg in die Hauptstadt Madagaskars mit South African Airways war teuer! 

Da half auch die witzige Idee der Crew, im ganzen Flugzeug Ostereier zu verstecken, nicht über den schmerzlichen Preis von 450 € (von Johannisburg nach Antananarivo) hinweg. Mit der 5. Reihe dachte ich schon, für diesen Betrag wenigstens ein Upgrade ergattert zu haben, bis ich feststellte, dass dieses Flugzeug gerade einmal 18 Reihen besaß. Als wir über Madagaskar flogen, wusste ich nun, warum man von der „Roten Insel“ spricht. Leuchtend rote Sandstraßen schlängelten sich durch dunkelgrüne Wälder. Große Flächen waren noch von der Regenzeit überflutet. Zudem gab es hier viele Reisfelder, womit ich irgendwie nicht gerechnet hätte. Aber was hatte ich eigentlich überhaupt von Madagaskar erwartet?

Madagaskar Hauptstadt Madagaskar Kinder
Ich hatte mir das Guesthouse „La maison du Pyla“ ausgesucht. Das lag zwar nicht im Zentrum, aber durch die etwa 45-minütige Taxifahrt über Stock und Stein konnte ich mir einen ganz guten Einblick in das Leben der Hauptstadt Madagaskars mit dem unaussprechlichen Namen Antananarivo verschaffen.

Madagaskar Renault Tana
Wie schon der Name meiner Unterkunft verrät, ist hier die französische Sprache angesagt. Jetzt würde sich herausstellen, was aus sechs Jahren Französisch-Unterricht hängen geblieben war. Englisch sprechen hier jedenfalls die wenigsten Madagassen. Und Touristen scheinen hier ebenfalls eine seltene Spezies zu sein- auf der Fahrt zu meiner Unterkunft ist mir auf den Straßen gerade einmal ein männliches, weißes Gesicht älteren Jahrgangs ins Auge gesprungen.

Und wer sich manchmal fragen sollte, wo eigentlich unsere ganzen ausgemusterten Fahrzeuge landen… sie sind hier! Die Taxen sind meist alte Renaults und Peugeots in der Farbe beige, andere europäische Marken wie Volkswagen und Audi sind ebenfalls stark vertreten und sogar die gute alte Ente verbringt ihre letzten Tage auf Madagaskar. Bei den französischen Marken hatte ich allerdings durch die häufig hoch geklappte Motorhaube den Eindruck, dass sie mehr repariert wurden als tatsächlich fuhren.

Madagaskar Sicherheit
Die mir unendlich lang vorkommende Fahrt ging durch Dörfer und Vororte. Bauern arbeiteten auf Reisfeldern, Frauen trugen die Ernte in Körben auf ihren Köpfen davon und Jugendliche spielten Fußball auf großen, sandigen Feldern. Die Idylle nahm allerdings ein plötzliches Ende, als wir die Stadt erreichten.

Abrupt drückte mein Fahrer alle im Auto befindlichen Türknöpfe runter und kurbelte bei dieser unerträglichen Hitze auch noch die Fenster hoch. Jetzt wurde es wohl ernst. Blitzschnell packte ich meine Kamera in den Rucksack. „Es ist auf dieser Strecke nicht unüblich, dass die Türe aufgerissen wird und man die Tasche oder die Kamera entwendet“, sagte mein Fahrer mit erhobenem Zeigefinger.

Antananarivo Stadt
Glücklicher Weise kamen wir unversehrt am Guesthouse an, wo ich auch schon herzlich begrüßt und in Empfang genommen wurde. Das Maison hatte meine Erwartungen für die relativ geringen 24 € Übernachtungskosten deutlich übertroffen. Mein Zimmer im 1. Stock hatte einen kleinen Balkon und ein gutes Bett. Das ganze Haus war super gemütlich und geschmackvoll eingerichtet und hatte eine riesige, überdachte Dachterrasse mit fantastischem Blick auf die Stadt.

Die hübsche Cousine der Besitzerin sprach sehr gut Englisch, was unsere Kommunikation deutlich erleichterte. Auf meine Frage, was man denn hier so in der Gegend in den nächsten Stunden unternehmen könnte, bekam ich eine ernüchternde Antwort, nämlich „Eigentlich nichts!“. Nicht ganz unglücklich über diese Antwort blieb ich sozusagen zu Hause und musste mich auch dringend um weitere Buchungen kümmern. Ich hatte noch nicht einmal ein Hotel für die nächste Nacht, die ich im Norden Madagaskars verbringen würde.

Tana Madagaskar
Wer Madagaskar bereisen möchte, braucht sehr viel Zeit, wenn er viel sehen will. Man unterschätzt die Dimensionen der viertgrößten Insel der Welt, die mal eben 1 ½ Mal so groß ist wie Deutschland. Man kann sich hier also nicht mal eben ins Auto setzen und eine kleine Tour machen, was die Planung für dieses Land deutlich erschwert. Es gibt daher viele Inlandsflüge, von denen ich morgen einen in Anspruch nehmen werde. Allein dieser braucht von der Mitte der Insel bis zum Norden zwei Stunden.

Ursprünglich wollte ich der populären Insel Nosy Be im Nordwesten einen Besuch abstatten, habe mich dann aber doch für Nationalparks bzw. Flora und Fauna in der Nähe von Diego Suarez (auch Antsiranana genannt) entschieden. Es gibt auf Madagaskar so viele Dinge, die ich gerne gesehen hätte. So gibt es zum Beispiel die bekannte Baobab-Tree-Allee im Westen, ein tolles Riff zum Tauchen im Südwesten, verschiedene Nationalparks verteilt auf der ganzen Insel und so weiter. Aber dafür braucht man wie gesagt mehrere Wochen und vor allen Dingen auch Geld! Unterkünfte, Flüge, Touren und Transfers sind überdurchschnittlich teuer.

Antananarivo Madagaskar
Obwohl mein Inlandsflug am nächsten Tag erst um kurz vor 11 Uhr vorgesehen war, wollte mich der Taxifahrer schon um halb neun abholen. Der Grund dafür lag in dem extremen Stau, in den wir nach dem kurzen Besuch des Queens Palace hoch oben auf dem Berg gerieten. In Anbetracht der hohen Gefahr, durch den möglichen Übergriff eines Kriminellen mein ganzes Hab und Gut verlieren zu können, saß ich mit meinem Kopfkino auf glühenden Kohlen auf der Rücksitzbank des klapprigen Renaults. Aber anstelle irgendetwas dergleichen zu erfahren, klammerte sich während des Schritttempos auf der mittleren Spur ein Straßenjunge minutenlang von außen an meinen Türgriff. Situationen, die mich unglaublich traurig stimmen. Ich habe noch nie so viele Straßenkinder in diesem Ausmaß gesehen!

Madagaskar Armut
Froh, endlich am Flughafen angelangt zu sein, war ich – wie auch schon bei der Ankunft – überrascht, dass sich hier nur wenige Menschen aufhielten und ich nicht um mein Gepäck bangen musste. Dennoch würde diese Stadt ganz klar nicht in meine Lieblingsstadt-Liste aufgenommen werden. Allein dieses extrem hohe Risiko bestohlen zu werden, macht die Hauptstadt für mich zu einem schwierigen Reiseziel, zumindest alleinreisend als Frau.

Nach Diego Suarez würde ich mit Madagascar Airlines fliegen. Auch hier hatte ich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes gelesen, dass diese Airline nicht selten technische Probleme haben würde. Aber ich hatte diesmal keine andere Wahl und saß dann auch noch ausgerechnet auf einem der vorderen Plätze mit exklusivem Blick auf den Propeller. Also hieß es beten…

 

14 Kommentare

  1. Urs Marthaler, ich gehe im April für 2 Wochen nach Madagaskar. Allein. Und ich weiss dass es vieel zu kurz ist! Aber ich möchte für länger kommen ab September habe ich hier in der Schweiz gekündigt. Kann ich dich noch mehr fragen über deinen Job und vielleicht ist ein Treffen möglich im April? Ich werde nur 2 Tage in der Hauptstadt sein.. Wenn du bereit bist mit mir in Kontakt zu treten, dann schreib mir doch. Würde dir gerne irgendwie meine E-Mail oder Facebookname zukommen lassen..

  2. Hallo Urs,
    ich habe auch vor im Juni oder Juli 3-4 Wochen Madagaskar zu bereisen; das ist seid langem ein Traum.
    Jetzt bin ich aber etwas erschrocken als ich die aktuellen Infos vom auswärtigem Land gelesen habe. Pest (Regenzeit), Unruhen nach Parlamentswahlen, gewaltsame Auseinandersetzungen, Reisen in Süden werden abgeraten etc..
    Jetzt bin ich etwas unsicher geworden ob ich eine organisierte Reise buchen soll oder gar nicht gehen soll.
    Wie ist dazu Deine Einschätzung ?
    Vielen Dank !!!
    @Johanna. Schade dass ich erst später nach Madagaskar reise. Dann hätten wir uns zusammentun können ;-)
    Gruss Stephie

  3. Hallo!
    Mein Mann will im Herbst nach Madagaskar fahren. Ich mache mir Sorgen um ihn. Er fährt alleine. Er sagt, er sucht dort Unterkunft, also es geht nicht um eine Gesellschaftsreise. Liebe Ute, soll ich mich fürchten? Was kann mit ihm passieren?
    Andrea

    1. Hallo liebe Andrea,
      ich kann deine Zweifel verstehen. Man kann zwar in Bezug auf die Sicherheit eines Landes nie etwas pauschalisieren, aber Madagaskar würde ich als nicht so extrem gefährlich einschätzen. Von all dem, was ich gelesen und gehört habe, bestünde die größte Gefahr darin, bestohlen zu werden und damit muss man letzten Endes in fast jedem Reiseland rechnen.
      Ich habe in Madagaskar sehr viele allein reisende Männer gesehen und bin schließlich auch alleine unterwegs gewesen und glaube ehrlich gesagt nicht, dass du dich fürchten oder sorgen musst.
      Viele Grüße
      Ute

  4. Salama Ute,
    sehr guter Reisebericht :) … aber …
    „das soll Madagaskar sein“ – tja der Titel wäre mir zu anspruchvoll. Ich hätte mehr über die ganze Insel erfahren möchten. Die Bilder sind alles aus Antananarivo. Was Du erzähst ist 90% Tana Life …
    Und Du weißt selbst, die richtige Entdeckungsreise beginnt außerhalb von Tana.
    Wie lange warst Du denn in Mada? Welche Orte hast Du so gesehen?
    Gruss … aus Tana
    Haingo

  5. Ja, für Madagaskar sollte man sich 3-4 Wochen Zeit nehmen. Alleine reisen geht, bei unbekanntem Terrain (ausserhalb der Städte) würde ich aber einen Guide bevorzugen. Wir hatten zeitweise einen guten (günstigen) deutschsprachigen Guide namens Lucky Randrianambina. http://www.green-tours-mada.com aus Antsirabe.

  6. Lustig, ich habe letzte Jahr genau hinter dem Maison du Pyla in Tsiadana gewohnt, 3-4 Monate :) wenn ich die Bilder sehe, weiß ich genau wo sie aufgenommen wurden, und ich kriege ein heimisches Gefühl :) Fliege in 3 Tagen wieder runter und freue mich schon riesig. Dass man in Tana allerdings aufpassen muss wegen Dieben und Überfällen ist leider traurige Wahrheit :(

  7. Finaritra,

    Wer Madagaskar à la „europäische Urlauber bzw. Wanderer“ erleben möchte, sollte lieber die Hauptstadt vermeiden. Gleich ein einem Hotel ausserhalb übernachten und sich von dort abholen lassen, ist besser. Wer aber Menschen wahrnehmen möchte, deren Alltag kaum zu ertragen sind, kann sich durchaus ein oder zwei Tage Tana zumuten. Der Gestank, der Dreck, der Stau, die knochenharte Arbeit … ja, das verlässt man nach zwei Tagen und diese Menschen? Die müssen das ihr ganzes (wahrscheinlich kurzes) Leben aushalten. Bezüglich Diebstahls gibt es „einfache Regeln“: nichts herumhängen bzw. sichtbar lassen, was nach Verwertbarem aussieht (Fotoapparat, …). Mein Mann hatte seine alten kaputten Turnschuhe, alte T-shirts, ausgewaschene alte Hosen getragen, das Geld in einer flachen Mäppchen am Gürtel unter dem T-shirt befestigt. So ein „abgewrackter“ Weißer weckt weniger Begehrlichkeiten. Bettelnde Kinder mit Lächeln und „tsy misy“ (zmíss) begegnen. Allen, die sich Madagaskar trotzdem „zumuten“, wünsche ich tolle Erfahrungen.

  8. Hallo- wir wollen 2018 Sept./Okt. nach Madagaskar . Aber momentan mit der Reisewarnung ( Beulen- und Lungenpest ) bin ich etwas verunsichert . Ist zwar noch ein knappes Jahr hin , aber mit Pest ist nicht zu spaßen . Wie soll man sich nun verhalten ? Obwohl Madagaskar in den Jahren zuvor nicht immer imun in Bezug auf Pest usw. war , hat der Tourismus nicht nachgelassen . Werde also abwarten . wie sich das alles entwickelt .

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