Mein letzter Tag in Seoul. Zur Feier des Tages gibt’s richtig schlechtes Wetter. Aber nicht nur draußen sorgen dunkle Wolken und Regen für trübe Stimmung. Auch die Tatsache, dass ich aufgrund der starken Verzögerung des Frühlings hier in Südkorea aller Voraussicht nach die Kirschblütenzeit nicht mit erleben werde, ärgert mich. Ein paar Bäumchen habe ich zwar gefunden, aber diese Szenerie ist eine ganz andere…
Bei dem Wetter sinkt meine Lust auf Sightseeing auf ein Minimum. Also kommt heute nur ein Stadtteil dran. Inzwischen bin ich mir übrigens sicher, dass ich nochmal nach Seoul kommen werde, weshalb es nicht schlimm ist, dass ich nicht alles gesehen habe. Eigentlich muss die Herbst-Zeit hier die schönste Jahreszeit sein, also später September und Oktober. Dann ist es noch angenehm warm und die Bäume färben sich orange. Der einzige Trost ist im Moment die Tatsache, dass es hier mit 11° C immer noch wärmer ist als zu Hause in Deutschland.
 
Es geht heute in das nahe gelegene Viertel Myeong-dong bzw. City Hall, dem Business-Zentrum von Seoul. Bis auf die beeindruckende Feststellung, dass manche Malls hier mir mehr als 40 Restaurants aufwarten, finde ich die Gegend relativ unspektakulär.

Der starke Regen trieb mich zurück zum Guesthouse. Noch kurz in einen neu entdeckten Bookshop namens YP Books mit großem Angebot an internationalen Büchern und Zeitschriften und guter Giftshop-Abteilung eingekehrt, ging es zu Fuß zurück entlang der großen Jongno 3ga, am Viertel Insa-dong und am Tapgol Park vorbei mit stetigem Blick auf trubelige Seitenstraßen, die mit kleinen Restaurants und Garküchen bestückt sind.

Die Geschäfte auf der Jongno 3ga sind für Reisende nicht besonders spannend; hier gibt’s hauptsächlich Elektronik-Artikel bzw. Handy-Zubehör, Kosmetik, Goldschmuck sowie große Restaurant- und Café-Ketten. 

Auf der Straße meines Homestays – der Waryong-dong – befinden sich ebenfalls zahlreiche Goldschmuck-Läden, Supermärkte bzw. Obst- und Gemüsehändler und Geschäfte mit traditioneller Kleidung. Und wieder habe ich ein sehr süßes Café ausfindig gemacht: „El Camino“. Im Regal fiel mir ein bisher unbekannter, englisch-sprachiger Reiseführer über Seoul von Robert Koehler auf. Ich hatte eigentlich angenommen, ich wäre mit meinem TimeOut Seoul gut bedient, was sich leider gerade als Irrtum herausstellte. 


Die Karten dieses Guidebooks sind viel übersichtlicher und die Informationen wesentlich besser gegliedert. Er ist aus dem Jahre 2009, was aber nicht so entscheidend sein dürfte. Einziger Nachteil des Koehler-Reiseführers: Mit 465 Seiten (übrigens mit vielen Fotos) ein nicht gerade kleines bzw. leichtes Exemplar für das Handtäschchen unterwegs.

Mr. Ji – der Besitzer meines Homestays – hat mich und ein amerikanisches Pärchen in sein koreanisches Restaurant zum Essen eingeladen. Ihm war es wichtig, dass seine Gäste auch traditionelles Essen kennenlernen. Und so geschah es. Während wir es uns auf dem Boden an dem niedrigen Tisch bequem machten, tischte seine Frau immer mehr Schalen auf. Am Ende saßen wir vor ungefähr zehn üppig gefüllten Behältnissen mit Gemüse, rohem Tintenfisch, Muscheln, getrocknetem Fisch, Reis, Suppe sowie diversen Saucen. Dazu gab es eine Art Ginseng-Schnaps und kalten Tee. Das Dessert bestand aus einer geschälten Birne. Tatsache ist, dass sich die Koreaner wesentlich gesünder ernähren als wir. Das belegt auch die äußerst geringe Anzahl dicker Menschen hierzulande.

Ursprünglich stand heute Abend der Besuch der beiden Nachtmärkte Dongdaemun und Gwangjang an, was ich aber – bei vollem Magen und strömendem Regen – schnell wieder verworfen habe. Daher machte ich mich im strömenden Regen nur noch auf die Suche nach einem Supermarkt, in dem ich meinem lieben Gastgeber einen Whisky als Dankeschön für die nette Einladung kaufen konnte. 

Morgen geht es nach Busan. Ehrlich gesagt freue ich mich jetzt schon auf das warme Wetter in Taiwan…

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