Vietnam

Ein perfekter Tag in Ho Chi Minh

Ho Chi Minh Bravebird

Saigon im Mai. Es ist die heißeste Zeit des Jahres und bereits wenige Minuten nach Verlassen des Flughafens stellte ich mir die Frage, wie ich in dieser Großstadt drei ganze Wochen überstehen sollte, ohne irgendwann auf der Straße plötzlich einfach so dahin zu schmelzen. Und wie sich herausstellte, war es tatsächlich nicht leicht, diese Stadt bei 36 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit besser kennenzulernen und sich manchmal zu einem Spießrutenlauf zwischen klimatisierten Geschäften, Taxen, Pools und eisgekühlten Getränken entwickelte…

Das heutige Ho Chi Minh ist ein anderes als das vor acht Jahren, das ich bei meiner ersten Vietnam-Rundreise kennengelernt hatte. Garküchen auf der Straße haben sich größtenteils in Restaurants verwandelt, die berühmten Massen von Motorbikes wurden teilweise gegen Autos eingetauscht und auch sonst nimmt man die Stadt als sehr westlich orientiert wahr. Ehrlich gesagt habe ich ein wenig die Unordnung, das Chaos und das Wilde vermisst, was ich an asiatischen Großstädten eigentlich so liebe. Aber ich war ja in erster Linie hier, um bei der Produktion eines ersten Rucksack-Musters live dabei zu sein. Nur der Rest des Tages wollte auch entsprechend ausgefüllt werden, von dem ich meine liebsten Beschäftigungen, Restaurants und Cafés einmal für einen perfekten Tag in dieser Stadt zusammengestellt habe.

 

7.30 Uhr

Die ersten Sonnenstrahlen am Pool einfangen

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Selbst morgens ist es schon so heiß, dass man am besten gleich früh ins Wasser springt und die Stadt von oben auf sich wirken lässt. Gleiches gilt für den Abend. Ich habe mir für vier Nächte das Liberty Central Riverside Saigon gegönnt, in dem sich neben dem Rooftop-Pool gleichzeitig auch die Vertical Sky Bar befindet. Sehr schöne Pool-Alternativen befinden sich z. B. im Liberty Central Saigon Citypoint, Nikko Saigon, Pullmann Saigon Centre oder das Golden Central Saigon. Eines der günstigsten Hotels mit Außenpool im populären District 1 dürfte mit ca. 30 €/Nacht das Sabah Saigon sein.

 

8.30 Uhr

Spaziergang durch die wilden Straßen Saigons

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Wer noch nicht an die Motorbike-Massen gewöhnt ist, wird das spätestens jetzt lernen. Ampeln gibt es nicht an jeder Kreuzung, daher ist es gerade auf großen Straßen gar nicht so einfach, auf die andere Straßenseite zu kommen. Wichtigstes Gebot ist hierbei: Zielstrebig weitergehen, wenn sich Mopeds nähern – nicht stehen bleiben. Die besonders Mutigen können sich auch selbst auf eine Vespa schwingen und die Stadt und Umgebung unsicher machen. Infos dazu gibt es weiter unten.

 

9.00 Uhr

Vietnamesisches, amerikanisches oder französisches Frühstück

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Wenn man morgens noch keine warme Suppe, Frühlingsrollen und andere vietnamesische Gerichte verträgt, wird sich der großen Qual der Wahl hingeben müssen. Besonders die großen Ketten wie Starbucks und sein vietnamesisches Pendant Trung Nguyen Coffee erfreuen sich auch bei den Einheimischen einer großen Beliebtheit. Gutes Frühstück gibt es im District 1 z. B. in folgenden Cafés: Annam Gourmet Market, I.d. Café, Khanh Casa Tea House (Dong Khoi) und M2C Modern meets Culture. Noch mehr Empfehlungen für Cafés werden in diesen Artikeln genannt: L.A. Times und Vietnam Coracle.

 

10.00 Uhr

Shop until you drop…

Ho Chi MinhEhrlich gesagt war es gar nicht so einfach, gute Shops in dieser Stadt ausfindig zu machen. Kommt auf den persönlichen Geschmack an, aber wenn man nach etwas Stylisherem Ausschau hält, muss man ein wenig auf die Suche gehen und sich trotz der Hitze auf längere Fußwege gefasst machen. Die Vietnamesen sind nicht so verrückt nach Malls, daher sind auch die nicht so spektakulär. Interessante Shops liegen im District 1 in erster Linie auf der Dong Khoi Street und ihren vielen kleinen Seitenstraßen sowie im Backpacker-Viertel zwischen der Pham Ngu Lao und De Thám Street. Einen Besuch wert sind folgende Shops: L’Usine, Gingko Concept Store (es gibt drei, der beste ist auf der De Tham Street), Artbook (der beste auf drei Ebenen ist auf der Le Loi Street)und für Accessoires Saigon Kitsch.

 

13.00 Uhr

Lunch auf der Le Loi Street

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Sofern man ohnehin beim Shopping im L’Usine hängen geblieben ist, kann man sich auch gleich ein paar Stufen nach oben schwingen und dort zu Mittag essen. Auf der Karte steht eine bunte Mischung aus vielerlei Küchen, ob Burger, Salate, Sandwichs oder auch vietnamesisch. Alternativ findet man im gesamten District wahrscheinlich alle internationalen Küchen, die man sich nur wünschen kann. Sehr schön ist z. B. das The Place Saigon für Healthy Food (auch für abends mit toller Bar auf der Dachterrasse) oder wildes vietnamesisches Barbecue im 5 Ku Station auf der Le Tanh Ton Street (erst ab 16 Uhr geöffnet), in dem man an kleinen Holztischen sein eigenes BBQ zubereiten kann, darunter auch Frosch, Strauß und Hühnerfüße.

 

14.30 Uhr

Sich in den Straßen der Stadt verlieren

Keine Frage – diese Stadt ist laut! Aber wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt und ab und an in kleinere Seitenstraßen einbiegt, wird es zum Teil erstaunlich ruhig. Dort kann man auch noch vereinzelt das echte Leben wahrnehmen: den Friseur auf der Straße, die Mama mit ihrer kleinen Garküche und den winzigen Plastikstühlen auf dem Bürgersteig und junge Männer, die Brettspiele auf dem Boden spielen. Einen Besuch bzw. besser gesagt einen Aufstieg wert ist auch die Aussichtsplattform des Bitexco Financial Towers, in dem sich übrigens auch ein Shopping Center befindet. Und natürlich darf ein lokaler Markt wie z. B. der Ben Thanh Market nicht fehlen.

 

17.00 Uhr

Hot-Stone-Massage, Maniküre & (Fish-) Pediküre

Massage Ho Chi Minh

Wenn man sich eines in Ho Chi Minh nicht entgehen lassen darf, dann ist das eine Massage! In den meisten Studios werden die Massagen mit Hot Stones angeboten. Meine Favoriten waren das Temple Tree Spa und das Temple Leaf Spa, beide liegen preislich im mittleren Segment (1 Std. ca. 16 Euro, 1 ½ Std. ca. 21 Euro) und während der Massage bekommt man kühle Gurken-Scheiben auf das Gesicht gelegt, was ich sehr empfehlen kann.

 

20.00 Uhr

Dinner – Eat, Pray, Love

M2K Modern meets Culture Restaurant

Wie schon beim Lunch erwähnt, bräuchte man bei der Vielzahl an Restaurants in dieser Stadt wahrscheinlich Jahre, bis man sich einen groben Überblick verschafft hat. Überraschender Weise waren viele Restaurants bereits wieder geschlossen, die erst kürzlich in Blog- und Magazin-Artikeln empfohlen wurden. Auf jeden Fall sollte man sich einen Abend ein Restaurant mit Roof-Top und entsprechender Aussicht gönnen – hierzu gehört z. B. das Shri Restaurant & Lounge mit internationaler Küche. Ansonsten wären da noch das stylishe 4P’s Pizza, das El Gaucho Steakhouse auf der Hai Ba Trung, der Vietnamese 5 Ku Station (s. Lunch) oder auch das kleine M2C Modern meets Culture. Ansonsten gibt es noch massenweise Japaner, Koreaner und was das Herz sonst noch so begehrt. Weitere Empfehlungen für besondere Restaurants findet man auch in dem Artikel von theculturetrip. Ein paar andere Tipps zur Abendgestaltung findet man auf Vietnam Online.

 

22.00 Uhr

Ein letzter Drink… oder zwei!

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Zu einer der bekanntesten Bars in Ho Chi Minh dürfte die Chill Skybar gehören, die einen mega Ausblick über die Stadt bietet, dicht gefolgt von der Shri Loungedem schon erwähnten The Place Saigon, der Todhai Bar und diversen Hotels. Weitere populäre Alternativen sind das Shrine und das 2 Lam SonWer es lieber gemütlicher mag und seinen Drink lieber auf einer großen kuscheligen Couch auf einer Terrasse zu sich nimmt, sollte die Pacharan Tapas-Bar ganz oben im 3. Stock aufsuchen.

 

Wissenswertes

  • Wohnen?  Der District 1 ist der beliebteste und gilt als der „sleepless district“. Unterkünfte sucht man sich entweder am besten in der Nähe der Hai Ba Trung Street oder im sog. Backpacker-Viertel rund um die Straßen Pham Ngu Lao und De Thám Street. Erstere Variante ist etwas ruhiger, beide Viertel liegen etwa 10-15 Minuten Fußweg auseinander. Meine Unterkunft in zentraler Lage war das Ho Sen 2 Hotel, das Zimmer war im 7. Stock und lag bei ca. 27 Euro/Nacht inkl. Frühstück.
  • Wie viel Zeit einplanen? Hängt etwas von der Gesamtreisezeit ab, aber tendenziell würde ich sagen, dass drei Tage völlig ausreichen müssten. Ein bis zwei Tage wie oben beschrieben und an einem weiteren Tag vielleicht noch einen Tages-Ausflug zu den Floating Markets unternehmen. Von hier aus kann man sehr gut nach Kambodscha weiterreisen, 2- bis 3-Tages-Touren (oneway) kann man in HCM buchen.
  • Preise: Nicht mehr ganz so günstig wie erwartet, aber immer noch in Ordnung. Ein Abendessen mit Getränk kostet durchschnittlich 10 Euro, 20 Minuten Taxifahrt ca. 5 Euro, einfaches Hotelzimmer in guter Lage mit Frühstück ca. 25-30 Euro.
  • Sicherheit: Meines Erachtens ist Vietnam allgemein ein sehr sicheres Reiseland und Ho Chi Minh kann man bedenkenlos bereisen, auch als Frau alleine.
  • Unbedingt probieren: Vietnamesischer Eiskaffee Sua Da –  Gemahlener Kaffee auf Eis mit einer Menge Kondensmilch. Schmeckt ziemlich süß, aber unerwartet gut!

 

Sonstige Aktivitäten

  • Cai Be Floating Market – Tagestour, buchbar in allen Tour-Agenturen der Stadt. Im Bus geht es mit ca. 40 Leuten in drei Stunden zum Mekong, dann Fahrt mit dem Boot, später mit dem Kanu, diverse kleine Touri-Vorstellungen, Lunch und Besuch eines Marktes. Kostenpunkt 19 US$. Muss man meines Erachtens nicht zwingend machen… Besser ist wahrscheinlich die 2-Tages-Tour mit Homestay und anschließendem Besuch des größten Floating Markets früh am Morgen.
  • An Phu – In diesem Stadtteil (District 2) wohnen viele Expats, wodurch es eine Menge guter bzw. westlicher Restaurants und Shops gibt, z. B. das Snap Café, das Mekong Café und das Loops Café. Mit dem Taxi kostet die Fahrt je Strecke ca. 4 Euro, dem Fahrer „An Phu, Thao Dien“ angeben.
  • Flower Market – Ho Thi Ky, District 10 – Früh morgens hinfahren, um die ganze Blumenpracht mitzunehmen.
  • Motorroller-Tour: Vietnam Vespa Adventures – 169a De Tham Street – Eine 6 ½ stündige Mekong-Tour auf einer Vespa mit vielen Brücken, Fährfahrt und Besuch eines Marktes. Entweder selbst am Lenkrad oder hinten drauf, Kosten 89 US$. Alternativ gleiche Tour, allerdings mit Kochkurs statt Restaurant-Besuch für 129 US$.
  • Cooking ClassesHo Chi Minh Cooking Class hat den besten Ruf
  • Restaurants am Fluss: Luc Binh im Boutique-Hotel An Lam Saigon (Binh Duong District), The Deck Saigon (An Phu District)
  • Cafés außerhalb  – Du Mien Garden Café (Phú Nhuan District), Oasis Café (303 Le Loi – Go Vap), Airplane-Café May Bay (117 Hong Ha, Tan Binh)

 

 

5 Kommentare

  • Antworten
    Maria
    14. Oktober 2015 um 14:08

    Wow, also von der Gestaltung ihrer öffentlichen Räumlichkeiten wissen die Vietnamesen auf jeden Fall was! Wirklich schöne Bilder
    LG
    Maria

    • Antworten
      Ute
      20. Oktober 2015 um 18:42

      Hallo liebe Maria, das stimmt, einen guten Geschmack haben die Vietnamesen – viele zumindest :) Liebe Grüße! Ute

    • Antworten
      Günther Luh
      26. April 2016 um 8:57

      Hallo, konnte deine Tipps in diesem Jahr gut verwerten. Vielen Dank.
      Wer die Cu Chi Tunnel besuchen will, von mir ausprobiert und nicht so teuer, aber eine gute Gelegenheit
      dem Straßenverkehr zu entfliehen.
      http://lesrivesexperience.com/

  • Antworten
    Tina
    8. Februar 2016 um 10:38

    Hej Ute,
    lieben Dank für diese wunderbaren Tipps. Eigentlich bin ich nicht der Mensch der Artikel kommentiert (meist verspüre ich zumindest große Unlust). Deine Seite habe ich gefunden, da ich gerade Infos über Saigon suche. Ich muss dir ehrlich sagen, das mir deine Seite mega gut gefällt. Vor allem weil ich oft das Gefühl habe, dass nur oberflächlich Infos geteilt werden und bei dir finde ich eine Menge Links. Habe mir einiges notiert und freue mich auf Ende des Monats, dann kann ich diese live testen.
    Liebe Grüße aus Danang!

  • Antworten
    klebefolie
    11. August 2016 um 12:23

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Danke für die tollen Tipps waren sehr hilfreich. Sehr schöne Bilder.

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