Kanada

Endlich: Der Stanley Park!

Tag 5: Es war eigentlich kaum zu glauben, aber heute ließen sich Sonnenstrahlen blicken! Und so kam heute der lang ersehnte Stanley Park auf den Plan. Von meinem Hotel aus würde ich den Park zu Fuß erreichen können, hierfür müsste ich lediglich die Davie Street Richtung Norden gehen. Bei dieser Gelegenheit könnte ich auch die beiden Viertel West End und Davie Village kennenlernen. 

Die Davie Street ist gesäumt mit Regenbogen-Flaggen und weist damit prägnant auf den Hintergrund als Schwulen-Viertels hin. Restaurants aller erdenklichen Nationen reihen sich hier aneinander und der bunte Multi-Kulti-Mix hinterlässt einen gemütlichen und friedlichen Eindruck. Die Straße endet mit einem wunderschönen Blick auf das Meer und einer Ansammlung riesiger Skulpturen. 

Die 14 Bronzefiguren sind Bestandteil der Vancouver Biennale und stammen von einem der bedeutendsten chinesischen Künstler für Contemporary Art namens Yue Minjun. Eine absolut beeindruckende Arbeit! …
 
Endlich erlebe ich das ersehnte Herbstwetter in Vancouver. Am English Beach Bay begann mein Spaziergang durch den Stanley Park, der übrigens der größte Stadtpark Kanadas ist und über eine halbe Million Bäume beheimatet. Ich hätte wahrscheinlich nicht genug Ausdauer, um das ganze Ufer des Parks zu umrunden- das wären immerhin knapp 9 km. Jetzt ärgerte ich mich, dass ich mir kein Fahrrad ausgeliehen hatte. 
So und nicht anders hatte ich mir Vancouver vorgestellt! Bisher hatte ich wahrscheinlich zu viel Stadt gesehen. Kalt war es trotzdem, aber das tat der schönen Kulisse keinen Abbruch. Das Wasser war glasklar und wahrscheinlich eiskalt. Große Scharen von Wildgänsen suchten nach Nahrung im Gras und waren wiederum ein gefundenes Fressen für kameraaktive Asiaten.

Im öffentlichen Swimming Pool am Second Beach, der wie bei uns nur im Frühling und Sommer geöffnet ist, plantschten Möwen. Im Juli oder August wäre die Szenerie an diesem idyllischen Ort sicher eine ganz andere, wobei ich diese hier trotzdem außergewöhnlich fand. Einfach nur bildschön!

Während des Spaziergangs haderte ich mit meinen Plänen- lieber Aquarium im Osten des Parks oder Capilano Suspension Bridge, die etwa 5-6 km entfernt lag. Morgen würde es lt. Vorhersage wieder regnen und letzteres wäre bei schlechtem Wetter wahrscheinlich weniger spektakulär. Andererseits würde ich unterwegs wahrscheinlich wieder kein Taxi bekommen, um dorthin zu gelangen.

Mittlerweile hatte ich den Ferguson Point erreicht und den Third Beach passiert und würde langsam mal eine Entscheidung treffen müssen. Zunächst war es aber erst einmal sinnvoll, wieder zurück auf eine Straße zu kommen. Um zum Aquarium zu gelangen, war nun Improvisation gefragt, denn die Karte in meiner Tasche zeigte keine Details vom Park. So wusste ich nur, dass ich quer durch den riesigen Wald Richtung Beaver Lake gehen musste…

Der Wald war in der Tat riesig und ehrlich gesagt ein wenig furchteinflößend. Nur wenige Menschen verirrten sich offensichtlich hierher und ich hatte ein wenig Sorge, dass ich eventuell etwas über Gefahren und Risiken in diesem Wald überlesen hatte. Weniger vor Tieren als vor irgendwelchen Kriminellen… Als mir kurze Zeit später vereinzelt Jogger und Fahrradfahrer entgegenkamen, die mich sogar grüßten, war die Welt wieder in Ordnung. 
Was gibt es Schöneres als Sonnenstrahlen in einem herbstlichen Wald? Nichts. Okay, fast nichts! Die kanadischen Eichhörnchen scheinen größer zu sein als unsere und haben auch zum Teil ein viel dunkleres Fell. Leider habe ich keins vor die Linse bekommen, aber das ergibt sich hoffentlich noch an einem der nächsten beiden Tage. Auch die Bäume sind in ihrer Höhe und Dicke faszinierend. Kleiner Eindruck gefällig?

Nach etwa einer halben Stunde Wege-Wirrwarr hätte ich kurz vor dem Waldende fast noch einen Herzinfarkt erlitten, als ein Mann (Gott sei Dank nur mit einer Kamera bewaffnet) hinter einem Busch hervortrat. Solch ein Spaziergang durch den einsamen dunklen Wald ist also vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert.

Die Straßen durch den Stanley Park sind stark befahren durch die Verbindung zu Nord- und West-Vancouver über die Lions Gate Bridge, die ebenfalls ein Wahrzeichen der Stadt darstellt. Der mitten im Park gelegene Beaver Lake wirkte dagegen verschlafen. Enten saßen am Ufer oder vertrieben sich die Zeit mit den üblichen Revierkämpfen. 

Das Aquarium war nun nicht mehr weit entfernt. Aber es war inzwischen schon relativ spät und es stellte sich die Frage, ob ich für den nicht ganz günstigen Eintritt von weit mehr als 30$ eine nur eingeschränkte Besuchszeit in Kauf nehmen wollte. Etwa zwei Stunden sollte man für einen Rundgang mit Shows & Co. einplanen und die hatte ich nicht mehr.
Der Hafen ist definitiv einen Besuch wert! Gegensätzlicher können Ufer nicht sein- während sich auf der einen Seite kleinere Boote mit einem gemütlichen Holzhaus befinden, erstreckt sich auf der anderen Seite der prächtige Coal Harbor mit seiner beeindruckenden Glasfassaden-Skyline. Ein 55 m²-Appartement in solch einem luxuriösen Hochhaus kostet übrigens ungefähr 1.500$, das sind schlappe 1.200 Euro!
Auf der Promenade tummeln sich Spaziergänger jeden Alters und aller Nationen, Radfahrer, Hunde, Jogger, Rollerblader und frisch vermählte Paare zum Fotoshooting. Dazwischen Eichhörnchen und Wildgänse. Die Sonne hat sich mittlerweile verabschiedet, aber immerhin regnet es nicht. Auf dem Weg stoße ich auf die Pferdekutsche, die in meinem Reiseguide als Top 3 der Must-See-Attractions aufgeführt war. 
Mangels Alternativen und in Anbetracht meiner schmerzenden Schultern ließ ich mich auf die Stanley Park Horse-Drawn-Tours ein. Für knapp 30$ machte die Kutsche nun etwa eine Stunde lang eine Runde im östlichen Teil des Parks, für meine Begriffe etwas zu lahm und einschläfernd mit teilweise langweiligen Strecken. Meine Empfehlung: Bitte kein Ticket kaufen, sondern Fahrrad mieten! Man sieht mehr, bezahlt weniger und ist flexibel.
 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Bernd Konrath
    20. April 2016 um 22:22

    Hej Ute,

    Dein Beitrag ist zwar schon 4 Jahre alt, aber sicher dennoch up to date. Wir planen einen Besuch in der ersten Junihälfte 2016, daher habe ich Deinen Beitrag mit großer Spannung gelesen. Ein wenig werden die großen Erwartungen aus den üblichen Beschreibungen „eine der 10 schönsten Städte der Welt“ relativiert – aber nasskaltes Wetter kann einem jede Stadt und jeden sonstigen Aufenthaltsort verleiden.
    Auf jeden Fall: Danke für Deine Erfahrungen und die Art der persönlichen Sichtweise. Der Stil und das Konzept gefallen mir. Ich bin gespannt auf mehr.

    Bernd

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