Mein Burrard Hotel bietet leider kein eigenes Frühstück an, aber im angrenzenden Coffeeshop namens Blenz Coffee würde ich meinen Hunger sicher stillen können. Mein erster Preisschock: ein Medium Latte Macchiato kostet umgerechnet 3,90 Euro. Und anstelle eines richtigen Frühstücks gab es hier das leckerste Banana Bread, das ich je gegessen habe.

Das Wetter lud nicht zur Stadt-Entdeckung ein. Dennoch packte ich mittags den Regenschirm aus und begab mich Richtung Robson Street, eine der bekannten Shopping-Straßen. Dort angekommen, lenkte mich der Blick auf das Meer ab.

Nebel und schwere Wolken hingen über den Bergen und so ging ich weitere 10 Minuten die Robson Street runter bis zum Vancouver Convention Center. Rechts davon liegt das Vancouver Place-Gebäude – bekannt durch die fünf Segel -, in dem sich ein Luxus-Hotel, Vancouvers World Trade Centre und ein großes Kino befindet.

Trotz der wetterbedingten Weltuntergangsstimmung ergab sich hier eine tolle Kulisse, besonders mit den Wasserflugzeugen, die hier in regelmäßigem Abstand im Gleitflug landeten. Zurück zur Einkaufsstraße Robson Street. Sie ist gespickt mit den herkömmlichen Ketten wie Zara, Banana Republic usw., aber auch kleinere und individuellere Läden haben hier einen Platz gefunden, von denen ich zwei ganz besonders erwähnenswert finde:

Rocky Mountains Chocolate Factory
Millionen von Kalorien warten in diesem Laden darauf, in Naschkatzen-Mägen zu landen und sich anschließend auf der Hüfte breit zu machen. Diese kanadische Schokoladenfabrik bietet witzige, mit Schokolade und sonstigen süßen Sachen überzogene Äpfel, Pralinen, Eiscreme und noch weitere spannende Leckereien. Mir haben es die auf Halloween getrimmten Äpfel besonders angetan.

Meine zweite Entdeckung war ein Geschäft, das ich auf dem Rückweg fand und wegen seines betörenden, oder besser gesagt unwiderstehlichen Geruchs unbedingt besuchen musste:

LUSH fresh handmade cosmetics
Ich dachte erst, dies sei ein Abklatsch von The Body Shop, aber das hier wirkte irgendwie viel natürlicher. Hier konnte man alle Produkte anfassen und probieren und die Formen der Seifen und Farben der verschiedenen Produkte sind zum Teil unglaublich kreativ. Man scheint auch Wert auf umweltbewusste Verpackung und Verwertung zu legen, was ich obendrein sehr positiv finde. Den Vertrieb gibt es sogar auch in Deutschland, wie ich herausgefunden habe: http://www.lush-shop.de/

Eine der letzten Kreuzungen, die ich auf der Robson passierte: hier die Thurlow Street. Mein knurrender Magen setzte mich in Sachen Nahrungsaufnahme langsam unter Druck. Die meisten Restaurants auf der Robson Street waren ungewöhnlich leer, was an einem Sonntagmittag irgendwie keinen guten Eindruck auf mich machte. Also musste ich weitersuchen. Auf einen Hotdog auf die Hand hatte ich jedenfalls keine Lust.

In dem Artikel des ADAC-Magazins über Vancouver las ich, dass die Frauen auch bei kalten Temperaturen und schlechtem Wetter in Sommerkleidern und High Heels herumlaufen sollen, was ich heute nicht bestätigen konnte. Vielleicht galt das auch nur für das hippe Viertel Yaletown.

Kanada ist übrigens eines der größten Einwanderungsländer der Welt, in Vancouver leben etwa 40% Immigranten. Wenn man sich überlegt, dass zum Beispiel in Hongkong 6.500 Einwohner auf einem km² leben und in Kanada lediglich 3,4 Einwohner pro km², kann ich jeden verstehen, der sich in Kanada ein neues oder besseres Leben ermöglichen will.

Irgendwann landete ich am Robson Square, wo mir die Vancouver Art Gallery ins Auge fiel. Da es in Kunstgalerien und -museen meist gute Cafés oder Restaurants gibt, ging ich zielstrebig darauf zu und wurde nicht enttäuscht: Meeresfrüchte-Risotto und Orangen-Zimt-Tiramisu stellten meinen Magen endlich zufrieden. Bei der Kalorienzahl dürfte ich jetzt eigentlich Tage lang nichts mehr essen…

Der Robson Square. Es sieht aufgeräumt aus, Hochhäuser glänzen mit ihren Glasfassaden. Die Sonne kommt sogar ein wenig zum Vorschein, aber es bleibt ungemütlich. Ich würde mich jetzt zurück zu meinem Hotel begeben, die vielen Stunden Spaziergang waren genug für den ersten Tag und ich kann für die nächsten Tage schon ein wenig vorplanen.

Nicht nur auf dem Rückweg zum Hotel fielen mir die vielen Obdachlosen auf den Straßen auf. An den größeren Kreuzungen oder vor Supermärkten saßen karge Männer mit Bart mit einem Einkaufswagen oder anderen Behältnissen zur Aufbewahrung ihrer wenigen Habseligkeiten und betteln freundlich um Geld.

In Vancouver leben etwa 3.700 Obdachlose, was in dieser teuren Stadt kein Wunder sein dürfte. Dennoch hätte ich in solch einer sauberen und aufgeräumten Metropole damit gerechnet, dass die kanadische Regierung sich diesem offensichtlich großen Problem mehr annehmen würde.

 

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