Eines der Highlights meiner Reise sollte im Nordosten Brasiliens die Vulkan-Insel Fernando de Noronha sein. Die einzig bewohnte der 21 Inseln des Archipels wurde vor 24 Jahren zum Meeresnationalpark erklärt und unterliegt zahlreichen Umweltschutz-Bestimmungen, unter anderem dürfen nur weniger als 500 Touristen pro Tag einreisen. Sie ist zudem bekannt für ihre paradiesischen Strände sowie Delfin- und Schildkröten-Beobachtungen. Die Reisezeit ist nicht perfekt, da im Februar die Regenzeit beginnt. Aber vielleicht habe ich Glück und bleibe vom Regen verschont und mit Sonne belohnt.
So ging um 9.30 Uhr der Flieger gen Osten nach Fernando de Noronha. Der Preis mit der Airline GOL – eine der drei Fluggesellschaften neben TAM und Trip – war mit 363 BRL (140 Euro) für Hin- und Rückflug verhältnismäßig günstig. Aber ich hatte bereits gelesen, dass das Leben auf dieser Insel nicht günstig werden würde.
Kurz nach der Ankunft wurde ich dann auch gleich zur Kasse gebeten. Pro Tag und Person muss man bei der Einreise eine Umweltgebühr von 14 Euro pro Tag entrichten; in meinem Fall waren das 129 BRL/58 Euro für vier Tage Aufenthalt! Hoffen wir mal, dass dieses Geld auch tatsächlich für Umweltschutz eingesetzt wird und nicht in irgendwelchen privaten Taschen landet.
Durch die Seite airbnb.com (Vermittlung privater Unterkünfte) habe ich die wahrscheinlich günstigste Unterkunft der ganzen Insel ergattert. Für etwa 32 Euro pro Nacht würde ich die nächsten Tage bei einem Schotten namens George verbringen. Die meisten Pousadas liegen jenseits der 100 Euro, wodurch ich umso mehr auf mein Zimmer gespannt war. Mein Gastgeber wartete schon auf mich am Flughafen.

George ist ein freundlicher Mittfünfziger und lebt seit über 20 Jahren auf der Insel in einem Häuschen in der Nähe des Zentrums und ist, wie ich gelesen habe, der am längsten hier lebende Ausländer- ein sogenannter Gringo. Ich hatte mich vorher noch nicht so intensiv mit der Insel beschäftigt und wunderte mich nicht schlecht über das Hauptverkehrsmittel: Buggys! Bei Verlassen der asphaltierten Hauptstraßen sind die Wege sandig und steinig, womit ein Buggy seine absolute Daseins-Berechtigung hat.

Die neue Unterkunft hält, was der günstige Übernachtungspreis verspricht… Mein kleines Zimmerchen mit zwei Bettchen, einem Stühlchen und einem Tischlein befand sich im Dach des Hauses, das ich über eine abenteuerlich steile Treppe mittels eines Taus erreichen konnte. Georges Küche und Wohnzimmer konnte ich mitbenutzen und fühlte mich gleich wie zu Hause.

Der mit Kokospalmen und saftig grünen Pflanzen gesäumte Garten bot einen tollen Blick auf den mit 321m höchsten Felsen der Insel, dem Morro do Pico, der einem gigantischen, liegenden Seelöwen gleicht. Andere sagen, er würde aussehen wie ein drohender Zeigefinger. Ich finde, er ähnelt insbesondere einem männlichen Körperteil, aber darauf möchte ich lieber nicht näher eingehen. Also nichts wie hin!

Etwa 15 Gehminuten durch sandige Straßen trennten mich von dem kleinen Ortskern und dem ersten Strand, dem Praia da Cachorro. Im Ort selbst gibt es einen kleinen Supermarkt, ein paar Restaurants, eine Kirche und einen Tauchshop. Bei George ist Selbstverpflegung angesagt, daher müsste ich gleich noch einkaufen. Aber erst wollte ich an den Strand.

Was ich bis heute auch noch nicht wusste: Der Februar ist mit durchschnittlich 30° C der heißeste Monat der Insel ist. Und das in meiner kleinen Dachbude mit Fenstern, die man eher Luken nennen müsste. Immerhin hatte ich einen Ventilator… aber würde der ohne Strom in der Nacht funktionieren?

Über große schwarze Steine kletternd, Krebse verscheuchend und Surfer beobachtend ging es weiter über den kleinen Strand Praia do Meio auf eine Anhöhe zu einer netten kleinen Bar, die neben einem unglaublich tollen Blick auf den Strand Praia da Conceicao erfreulicher Weise auch noch kalte Getränke und etwas Essbares bot.

Pelikane gingen hier auf Fischfang und stürzten sich gleich neben den Badenden in hohem Tempo senkrecht ins Wasser. Ich bin mir nicht sicher, aber das ist einer der schönsten Strände, die ich je gesehen habe! Möglicherweise färbte sich dieser so wohlwollende Eindruck auch durch das skol-Bier, das ich mir zur Abkühlung an der Bar gegönnt hatte. Vielleicht hatte ich aber einfach nur Recht.

Zurück im Ort und nach dem Einkauf meines Frühstücks für den nächsten Tag lernte ich meine beiden spanischen Mitbewohnerinnen kennen, die das größere der beiden Gästezimmer im Haus bewohnten. Mit Valvarella und Nadia verstand ich mich auf Anhieb perfekt und schloss mich begeistert ihrem Angebot an, für den nächsten Tag einen Buggy zu mieten und die entlegeneren Strände zu erkunden. Das klang alles schon mal sehr vielversprechend!

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