Laos

Fluch oder Segen in Vang Vieng?

Morgens um neun begann meine Fahrt mit dem Minivan von Luang Prabang nach Vang Vieng. Die etwa 6-stündige Fahrt kostete 11 €. Am Bahnhof wurden zig Reisende auf verschiedene Minivans verteilt und das große Gepäck auf dem Dach verstaut. 
Um mich herum saßen drei weltreisende Mädels, was für ordentlich Gesprächsstoff sorgte. Mir fiel wieder auf, wie anders die Art zu reisen bei einer Weltreise ist im Gegensatz zu meinen jeweils relativ kurzen Trips…
 
Beides hat seine Vor- und Nachteile, wenngleich ich Weltreisende natürlich einerseits für ihre freie Zeit und Freiheit beneide. Andererseits habe ich zwischendurch die Möglichkeit, wieder Geld zu verdienen und meine Reisen dann etwas komfortabler zu gestalten als permanent im ultra Low-Budget-Bereich bleiben zu müssen. Beides hat seinen Reiz, wie ich finde.
 
 
Die Fahrt ging über Berg und Tal, durch Dörfer und über staubige Sandstraßen. Kinder spielten am Straßenrand, Schüler in Uniform liefen nach Hause und Hühner passierten die Wege, von denen auf der Fahrt etwa drei ihr Leben lassen mussten. Der Fahrer kommentierte das lediglich mit den Worten ‚No problem!‘ und grinste dabei. Ich dachte immer, das Töten von Tieren sei im Buddhismus nicht erlaubt… Der Fahrer würde sich das wahrscheinlich selbst mit höherer Gewalt erklären oder die Schuld auf das Auto schieben.
 
 
Ich war gespannt auf den kleinen 25.000-Einwohner-Ort, auch wenn ich nur eine Nacht oder besser gesagt weniger als 24 Stunden dort bleiben würde. Auf Fotos hatte ich bereits traumhafte Sonnenuntergänge über den Karstfelsen gesehen und hoffte, dass ich rechtzeitig in Vang Vieng ankommen würde. Bis jetzt war das noch unsicher, denn die am Ende verzögerte Abfahrt und die durch den Fahrer ausgedehnten Pausen an lokalen Restaurants würden die 6 Stunden Fahrtzeit nun deutlich überschreiten.

Am Busbahnhof von Vang Vieng angekommen, quetschten sich neun Leute in ein Tuktuk, das uns für 1 € pro Person ins nahe gelegene Ortszentrum brachte. Die meisten der Mitreisenden hatten noch keine Unterkunft und klapperten mit ihren Reiseführern in der Hand die Gegend ab. Da dieser Ort als laute Party-Location bekannt ist, hatte ich mir bewusst ein ruhiges und zugegebenermaßen exquisites Hotel ausgesucht mit einem super Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang, direkt am Fluss. Hoffentlich hielt es, was es versprach, denn das war sozusagen mein Weihnachtsgeschenk.

 
 
Die Aussicht vom Garten meines Riverside Boutique Hotels war zwar in der Tat fantastisch, nur blieb bedauerlicher Weise der gewünschte, spektakuläre Sonnenuntergang aus. Der goldene Erdball versteckte sich am frühen Abend ohne großes Getose hinter einem der Karstfelsen – was wieder einmal beweist, dass es immer anders kommt als man denkt und man einiges eben nicht planen kann. 

Trotzdem war es ein schöner Abend. Auch hier wurde es wieder recht kühl. Im Ort suchte ich mir das einfache Restaurant Nor Keo aus, in dem es leckeren fresh Lemon Soda und ein sehr leckeres Sauteed Minced Chicken mit Sticky Rice gab. Beides zusammen für 4,20 €. Zum guten Abschluss wollte ich noch ein laotisches Pancake probieren mit Nutella, Bananen und sehr, sehr viel Butter. 

 
 
Viel Zeit blieb mir am nächsten, heutigen Morgen nicht mehr. Gestern hatte ich mir auf dem Rückweg zum Hotel ein Ticket für die späteste Fahrt nach Vientiane gekauft. Die 3-stündige Fahrt im Minivan kostete 5 €, Abfahrt um 13.30 Uhr. Der Ort Vang Vieng an sich war klein und keine Besonderheit, aber ein bis zwei Touren in die Umgebung hätte ich hier schon gerne machen wollen.

Hierzu gehörten zum einen eine Tour über dem Nam Song Fluss, entweder per Kanu, kleinem Motorboot oder dem neuesten Hit namens Tubing. Das sind aufgeblasene Gummireifen, mit denen man den Fluss mit der Strömung runterfährt und an mehr als zehn sogenannten Flussbars einen Drink nehmen kann. Ansonsten hätte ich gerne auch hier ein paar Höhlen besichtigt.

 
 
Mir blieben nur noch zwei Stunden, um den Ort zu erkunden. Ich lieh mir ein Fahrrad und fuhr eine große Runde durch Vang Vieng. Bis auf ein paar Mopeds, Traktoren und Frühaufsteher war es recht ruhig. Garküchen waren schon aktiv und warteten auf die ersten Gäste, auf den Sandstraßen fand eher das Leben der Einheimischen statt. 

Wie der Lonely Planet es meines Erachtens richtig beschreibt, wird Vang Vieng von Reisenden sehr unterschiedlich empfunden. Die einen halten es für den Himmel auf Erden, die anderen für das verlorene Paradies. Früher gab es hier harte Drogen-Exzesse bei den Partyleuten, was sich wohl seit der Einführung hoher Strafen deutlich verbessert haben muss.
 
 
Wenn man mit einer Begleitung unterwegs ist, kann man diesen Ort sicher noch mal auf ganz andere Weise kennenlernen. Alleinreisend stellt es sich in Bezug auf das Ausgehen doch schwieriger dar – es sei denn, man stürzt sich einfach alleine ins Vergnügen. Meistens bleibt man dabei nicht lange alleine.

Die direkt an mein Hotel angrenzende Brücke kostete zwar zum Passieren eine kleine Gebühr von 60 Cent, die sich aber lohnten. Eine grüne Natur und nette Hostels ließen sich hier blicken. Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich auf dieser Seite übernachten wollen, und das für wesentlich geringere Übernachtungskosten.

 
 
Wenn einem mehr Reisezeit zur Verfügung steht, würde ich in jedem Fall zwei bis drei Nächte in Vang Vieng empfehlen, um die Gegend mit dem Fahrrad, Kanu oder anderen Fortbewegungsmitteln besser kennenzulernen. Das lohnt sich auf jeden Fall. Für die, die gerne feiern wollen, ist das hier zweifellos auch eine gute Location mit großer Auswahl und super leckerem Essen. Von dem mehr als perfekten Wetter in dieser Jahreszeit ganz abgesehen.
 
 
Pünktlich wurde ich mittags von einem Minivan abgeholt. Vientiane würde mein nächstes und leider auch schon letztes Ziel im schönen Laos sein. 
 
 

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7 Kommentare

  • Antworten
    Claudia
    19. Dezember 2013 um 5:15

    Liebe Ute,
    bin gerade auf der Suche nach Reisezielen für das kommende Jahr (die auch mit unseren Kids machbar sind) über Deine Laos-Artikel gestolpert und habe sie alle mit Begeisterung gelesen. Hört sich so an als ob das auch mit Nachwuchs gut gehen würde. Jedenfalls will ich jetzt dahin. Am besten sofort ;)
    LG, Claudia

    • Antworten
      Ute
      28. Dezember 2013 um 8:13

      Hallo liebe Claudia,
      aus meiner Sicht kannst du Laos wunderbar mit deinen Kindern bereisen, ich habe dort auch viele Familien gesehen. Vorteil ist auch, dass die Städte kein Malaria haben. Einziger Nachteil ist meines Erachtens, dass es nicht so günstige Flüge dorthin gibt.
      Dann wünsche ich viel Spaß, beneide dich jetzt schon :)
      LG Ute

  • Antworten
    Belle
    28. Januar 2014 um 12:28

    Tubing ist kein neuer Hit sondern seit drei Jahren sehr stark eingeschränkt!
    Es kamen in den vergangenen Jahren sehr viele Touristen nur deshalb nach Laos bzw. Vang Vieng ( vor allem aus Australien und USA). Viele Australier heute haben in ihren Krankenversicherungen für das Ausland des Passus, dass Tubing verboten ist. Es gab viele Todesfälle in der Vergangenheit (betrunkene die auch „Lianen“-Sprünge oder Felden-Sprünge gemacht haben oder sich überredet haben lassen) und daher gibt es heute keine (kaum) noch eine Bar an der Strecke. Die Strecke ist wunderschön auch ohne…

  • Antworten
    Belle
    28. Januar 2014 um 12:33

    Die Brücke kostet 2000 KIP (hin- und rück) und sehr empfehlenswert ist ein Trekking Ausflug! Die Höhlen sind in ein paar Tagen zu schaffen (die nahegelegenen meiden, da dort sehr sehr viele Touristen sind :-))
    Man kann im Umkreis sehr viel Natur geniessen!
    Mein persönliches Highlight war auf jeden Fall die tolle Bäckerei mit sooo lecker Kuchen, Keksen, Kaffee ….. und vieles mehr!
    Na klar gibt es auch die typischen Backpacker Party Locations, es ist aber doch noch beschaulich (geworden und geblieben, für jeden was dabei)

  • Antworten
    Ursula
    12. August 2014 um 1:49

    Liebe Ute, Danke für diesen interessanten Artikel und diese eindrücklichen Bilder. Laos gehört nun definitiv in meine Travellist :)

    • Antworten
      Ute
      14. August 2014 um 15:24

      Hallo Ursula,
      das ist eine sehr gute Entscheidung ;)
      Viel Spaß auf der Reise,
      Ute

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