Ungarn

Höhen und Tiefen in Buda und Pest

Oh mein Gott… in meinem Hotel gibt es einen Sender, der ohne Unterbrechung Hollywood- Blockbuster abspielt. Und jetzt muss ich raus! Was soll’s, die meisten davon kenne ich ja schon und eine große Stadt wartet auf mich.

Gleich um die Ecke befindet sich die HopOnHopOff-Haltestelle vor der Oper, wo ich mich für den Giraffe Bus entschieden habe (nähere Infos hier). Der Verkäufer hat mir – aus welchen Gründen auch immer – eine Studentenermäßigung gegeben, wodurch ich nun für 4.500 HUF (16 Euro) zwei Tage lang bei zwei verschiedenen Bus-Routen und einer Schiffsroute überall in Budapest ein- und aussteigen kann. 

Und so lernte ich im Doppeldecker auf die Schnelle den Budapester Broadway, den Andrássy-Boulevard, den Heldenplatz, das traditionelle New York Café, das beeindruckende Burgschloss, den Gellértberg, die Zitadelle und das Parlament kennen. Ein Nachteil eines solchen beheizten und gemütlichen Buses kann unter Umständen die Entstehung einer gewissen Trägheit sein, die einen am Aussteigen hindert.

Bei der Zitadelle hoch oben auf dem Berg lohnt sich der Ausstieg auf jeden Fall. Zu sehen gibt es ein nebliges Panorama auf die Donau, die Kettenbrücke (das Wahrzeichen von Budapest), die Buda (der hügelige Teil der Stadt westlich der Donau) und die Pest (der flache Teil der Stadt östlich der Donau). Des Weiteren kann man hier die 14 m hohe ungarische Freiheitsstatue aus nächster Nähe sehen, die zum Gedenken an die Befreiung von Faschismus und Krieg errichtet wurde.

Budapest BrückeZugegebenermaßen ist das hier nicht die aufregendste Reise meines Lebens! Während mir auf der Fahrt klassische Kompositionen von Franz Liszt in die Ohren drangen, kam irgendwann die Frage auf, für welches Reise-Alter diese Stadt am besten geeignet ist. Und die Antwort folgte schlagartig und schonungslos: für Rentner!

Die Ungarn sind ausnahmslos nett und irgendwie unauffällig, die Stadt hat eine gute Infrastruktur, ist nicht gefährlich und bietet viel kulturelle Abwechslung- aber hier darf man kein Abenteuer erwarten. In Sachen Shopping gibt es auch wenig Erwähnenswertes, was man in der Heimatstadt nicht bekommt. Aber vielleicht ändert sich morgen noch etwas an meiner Meinung.

Budapest im Nebel Es mag sein, dass man in Budapest gut ausgehen und vielleicht auch shoppen kann, aber ein großer Schwerpunkt liegt hier auf den kulturellen Gegebenheiten und der Besichtigung der „prächtigen“ Schlösser, Burgen und Festungen und das ist – in diesem Ausmaß – tendenziell weniger interessant für jüngere Menschen. Auch das Angebot von Museen und künstlerischen Veranstaltungen wie Oper und Ausstellungen halte ich für überdurchschnittlich. Straßen wie die der Leopoldstadt hinterlassen einen ordentlichen und gepflegten, fast sterilen Eindruck. Dennoch fehlen mir persönlich in der ungarischen Hauptstadt die Hotspots für junge, moderne Menschen wie gute Cafés oder individuelle Shops für Kleidung oder Design. Oder anders gesagt, ich vermisse hier irgendwie Leidenschaft.

Budapest Stadt Mittags landete ich durch einen schicksalhaften Stop des Busses wieder am Weihnachtsmarkt  auf dem Platz Vörösmarty tér und konnte nun endlich dieses ominöse Brot mit dem Eintopf probieren. Wie sich herausstellte, handelt es sich dabei nicht um ein klassisches ungarisches Gericht, sondern es ist schlicht und einfach ein ausgehöhltes rundes Brot mit Gulasch-Einlage. In jedem Fall eine nette und gut schmeckende Idee.

Auf dem nahe gelegenen Platz Deák F. tér bewachten zwei überdimensionale Holz-Dobermänner die Kunstgalerie mit aktuell öffentlicher Ausstellung. Eine gelungene Abwechslung, auch mit dem darin befindlichen kleinen Café und Shop, in dem ich mir gleich eine ausgefallene Kette für etwa 20 Euro unter den Nagel gerissen habe. Und dann schnell wieder auf den Bus aufgehopt und zum Liszt Ferenc Platz, wo sich gut aussehende Restaurants und Bars aneinander reihen.

Budapest Kunst Um viertel nach vier nachmittags beginnt schon wieder die Dämmerung und setzt dem Tag erneut ein frühes Ende. Ich mache mich noch mal auf ins jüdische Viertel, vielleicht habe ich gestern etwas übersehen. Aber Fehlanzeige.

Immerhin brach zum guten Schluss die Sonne kurz durch die Wolken und erleuchtete die Freiheitsstatue vor Sonnenuntergang. Was morgen noch kommen soll, bleibt überschaubar. Es wird auf eine Bootsfahrt und ein paar weitere Stadtteile per Bus hinauslaufen.

Budapest Sonnenuntergang

 

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