Etwa 20 Minuten dauerte die Fahrt von meinem Hostel in Vientiane bis zum Flughafen. Ich wählte hierfür ein Tuktuk für 50.000 Kip (5 €). Der Flug von Hauptstadt zu Hauptstadt, Vientiane nach Phnomh Penh war zwar mit 1 1/2 Stunden kurz, aber mit 185 Euro nicht gerade ein Schnäppchen. Viel lieber wäre ich über Land nach Kambodscha eingereist, aber dafür reichte die Zeit leider nicht.

Die Informationen des Auswärtigen Amtes über Kambodscha, die ich mir noch vor der Abreise zu Gemüte führte, sorgten kurzzeitig für eine unsichere Stimmung. Von Gewaltakten, Diebstahl und Übergriffen war hier die Rede. Ich konnte das gar nicht glauben. Nach der Recherche in ein paar Foren beruhigte ich mich dann wieder. Es ist wohl nicht anders als in anderen Großstädten auch.

Der Anflug auf Phnom Penh bot einen Anblick auf Flachland, in manchen Teilen wirkte es fast wüstenähnlich. Der krasse Gegensatz zu meinem Anflug auf Luang Prabang vor einer Woche, der eine saftig grüne Hügellandschaft preisgab. Mir fiel auf, dass ich von Kambodscha noch nicht viel wusste, was sich schnell ändern müsste.

Die erste Erkenntnis ließ nicht lange auf sich warten: die Währung. Der kambodschanische Riel (übersetzt ‚kleines Fischchen‘) besteht wieder aus großen Zahlen, 1 € sind ungefähr 5.300 Riel. Aber vieles oder sogar das meiste wird in US Dollar bezahlt, wodurch ich am ATM-Schalter im Flughafen auch Dollar-Noten ziehen konnte oder besser gesagt musste. Mir sollte es recht sein, denn die könnte ich bei einer anderen Reise wenigstens wieder verwenden, sofern Restgeld übrig bleiben sollte.

Die etwa 20-minütige Fahrt mit dem Taxi in die Innenstadt kostete pauschal 9 US$. Ein Tuktuk wäre nur 2 US$ günstiger gewesen. In der Hoffnung, dass in der 1,5 Millionen-Stadt wenigstens einige Menschen Silvester bzw. das Neue Jahr feiern, hatte ich mir extra ein Zimmer mit Blick auf den Fluss und die japanisch-kambodschanische Freundschaftsbrücke reserviert; für den Fall, dass ich im Hotel bleiben sollte.

Im etwas heruntergekommenen River Palace Hotel angekommen, suchte ich nach interessanten Sehenswürdigkeiten. Palast und Museum waren gerade nicht mein Ding. Die Killing Fields in Choeung Ek, die bekannteste Städte von Massenmorden der Roten Khmer vor etwa 35 Jahren, liegen etwas außerhalb. Mit menschlichen Überresten von bis zu 17.000 Menschen war das sicher sehenswert und eindrucksvoll, aber mir war irgendwie nicht nach Katastrophen, Mord und Totschlag zumute.

Daher entschied ich mich zum Einstieg für die 5-stöckige Luxus-Shopping Mall Sorya, die als ‚gleaming westernized‘ angepriesen wird und in der Nähe des Central Markets liegt. Das ließ hoffen, denn das bisher Gesehene von der Stadt war nicht gerade das, was man als glamourös bezeichnen würde.

Mit meiner naiven Erwartung, dass sich Laos und Kambodscha stark ähneln würden, wurde ich hier schnell eines Besseren belehrt. Als ich das Kaufhaus betrat, war ich etwas ernüchtert. Ramsch, Kitsch, Fakes, Billigkram in riesigen Mengen. An sich ist das ja nichts Schlimmes, aber das hier als Luxus zu bezeichnen, wich doch stark von unserer Vorstellung von Luxus ab.

Insbesondere was die Klamotten angeht, möchte ich behaupten, dass ich selten so viele extrem schreckliche Sachen auf einmal gesehen habe. Die hier abgebildeten waren noch die mit Abstand am Nettesten.

Auch die Restaurant-Etage im Obergeschoss hatte einiges Außergewöhnliches zu bieten. Aus verschiedenen Vitrinen lachten mich Gedärme und Eingeweide auf Reis und glibberige farbenfrohe Desserts in großen Gläsern an. Die meisten Gerichte waren nur in der Landessprache lesbar und mir war gerade nicht nach Experimenten, wo ich eben noch über die schlechten Hygiene-Bedingungen in diesem Land gelesen hatte.


Immerhin war der Supermarkt in diesem Kaufhaus bestens ausgestattet und lieferte mir die notwendigen Utensilien für meine Silvesternacht. Ich befürchtete allerdings, dass das heute Nacht eine Nullnummer werden würde, da der Jahreswechsel für die Buddhisten keine Bedeutung hat. Also schnappte ich nach der letzten Champagner-Flasche im Regal, warf ein paar Snacks in den Einkaufskorb und machte mich auf den Rückweg ins Hotel.

Ein ganz guter Service meines Hotels ist eine freie Fahrt pro Tag mit dem hauseigenen Tuktuk. Den 15-minütigen Rückweg bestritt ich mit einer selbst verhandelten Fahrt für 3 $. In der Hotelbar probierte ich noch einen Mojito aus, der gegenüber unserem mit erstaunlich wenig Alkohol versehen war. Der Kellner wollte mir auch unbedingt etwas zu essen andrehen, was ihm auch gelang und ich nicht bereuen würde. Mango Laab Salat mit Chicken, der Hammer!

Es kam wie erwartet oder besser gesagt befürchtet. Um Mitternacht drei magere Raketen am gesamten Himmel und schon war das Jahr 2013 da. Vielleicht würde es dafür umso inhaltsreicher sein.

Die Kinder der Community der Wellblechhütten spielten schon am frühen ersten Morgen des Neuen Jahres lautstark zwischen Müll, Hühnern und Hunden. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, dass ich mich gerade in einem der ärmsten Länder der Welt befinde. Jahrelanger Bürgerkrieg und starke Monsunregenfälle, die für viele Menschen alles zerstört haben.

Ein Viertel aller Kinder geht hier überhaupt nicht zur Schule, ein weiterer großer Anteil kann die Schule aus Geldmangel nicht beenden. Ein schlechtes Gewissen überkam mich. Ich oben mit meinem schwachsinnigen Champagner und unter mir die blanke Armut. Der einzige Trost dürfte wohl sein, dass sich dieses Land im Aufschwung befindet, wenn auch nur in kleinen Schritten.

 

Für mich hatte sich bereits gestern abgezeichnet, dass Phnom Penh nicht meine Lieblingsstadt werden würde und so beschloss ich, mich nur am Nachmittag noch mal ein wenig in der Stadt umzuschauen. Das Tuktuk brachte mich ins Zentrum am Flussufer in der Nähe des Monivong Boulevard.

An einem Straßenmarkt angekommen, hatte ich schon eine Vorahnung, dass es hier auch wieder ein paar lokale kulinarische Köstlichkeiten geben würde…

Anfangs unterschied sich der Markt nicht von anderen öffentlichen Märkten. Okay, dass Fleisch und Fisch offen herumliegt und von jedermann angefasst wird, ist für uns vielleicht nicht ganz so normal. Aber die Situation als solche war für asiatische Verhältnisse relativ gewöhnlich. Bis ich ein paar Stände weiterging.

Mittlerweile habe ich mich auf diesen Reisen an den Anblick toter Tiere auf unhygienischen Unterlagen und Blut gewöhnt. Das, was mich hier schockiert hat, waren die sterbenden Tiere unter den Tischen. Gequält wanden sich zahlreiche Hühner auf dem Boden in ihrem Blut, die scheinbar irgendwie verletzt wurden, um nicht mehr laufen zu können, aber um dennoch „frisch“ zu bleiben.

Für einen Tierfreund wie mich ein schlimmer Anblick, den ich auch nicht fotografieren mochte. Aber gut. Andere Länder, andere Sitten, die man wohl oder übel einfach hinnehmen muss. Oder man schaut einfach weg, wie es ja in vielerlei Hinsicht in Bezug auf Tierquälerei geschieht. Für mich jedenfalls wieder ein Moment des Nach- und Umdenkens.

Aal, Fischköpfe und Innereien.

Genervt von dem Anblick und schlimmen Gerüchen verließ ich den Markt und begab mich auf den Rückweg zum Hotel. Ich hatte ein nettes, moderneres Café auf dem Hinweg entdeckt,
in dem ich Magen und Gedanken vielleicht wieder neutralisieren und beruhigen konnte.

Die Brown Coffee & Bakery liegt wahrscheinlich nicht zufällig in der Nähe des Tourist Boat Dock, ist aber eine nette Abwechslung zu dem chaotischen Treiben auf den Straßen. Leider war das Interieur und das Ambiente besser als Kaffee und Kuchen, aber damit hatte ich ehrlich gesagt auch gerechnet. Die Geschmäcker scheinen hier schon sehr unterschiedlich zu sein. Immerhin gab es kostenloses WIFI, wie es allerdings in fast allen Cafés und Restaurants üblich ist. Auch in Laos war das übrigens der Fall.

Inzwischen dunkel geworden, entschied ich mich für den Rückweg zu Fuß. Wenigstens passierte ich dabei noch eines der wichtigeren Monumente Phnom Penhs: Der sogenannte Bergtempel Wat Phnom, der sich allerdings nur über knapp 30 m Höhe erstreckt. Hier betet man für Glück, das ich für das Jahr 2013 gut gebrauchen konnte.

Vorbei an Garküchen, Straßenrestaurants, Werkstätten, Beauty-Salons und Basketballfeldern kam ich dann irgendwann wieder an meinem Hotel an. Bis auf dass man relativ häufig angesprochen wird mit „Hello“, „Where do you come from“, „Wanna buy a …?“ oder „Tuktuk?“ bzw. „Motorbike?“ halte ich es für relativ unproblematisch, sich in dieser Gegend alleine fortzubewegen.

Das Thema Straße ist da schon anders. Da es hier selten Ampeln gibt, gleicht es einem 6er im Lotto, heil über eine stark befahrene Straße zu kommen. Man schwankt zwischen Leichtsinn und Lebensgefahr. Es gibt keine richtige Straßenmitte, an der man sich orientieren oder symbolisch halten könnte, um eine Sichtpause von links nach rechts zu machen. Wenigstens herrscht hier – wie in Laos – Rechtsverkehr, so dass es nicht noch komplizierter wird.

Morgen früh um halb neun würde ich gen Siem Reap aufbrechen.

 

5 Kommentare

  1. Hallo Ute,
    glamouröse Geschäfte gibt es in Phnom Penh schon. Wir sind heute zufällig in einer Straße gelandet, in der mehrere luxuriöse Geschäfte waren. Ich weiß die Nummer der Straße nicht, aber direkt neben dem Adidas Originals Store ist z.B. ein großes Geschäft, das hochpreisige Uhren, Taschen, Koffer usw. verkauft. Daneben steht auch ein Kleidungsgeschäft, das verschiedene teure Marken führt. Aber der Tipp kommt vermutlich zu spät… In dem Adidas-Geschäft gibt es fast nur Sportkleidung. Die Preise sind mit denen aus Deutschland identisch. Man verpasst nichts.
    LG
    Lara

  2. Hi Ute,
    Seit zwei Tagen beschäftige ich mich sehr viel Zeit mit Deinem tollen Blog! Ich plane dieses Jahr eine 6-8 wöchige Tour durch Asien, Australien und evtl. Hawaii- Deine Erfahrungen helfen mir gerade unglaublich weiter! Und oft denke ich mir einen Kommentar zu dem von Dir Geschriebenem und in der nächsten Zeile schreibst Du meine Gedanken :-)
    Ich finde es ganz toll, wie Du Deine Träume verwirklichst!
    Ich beginne gerade damit, mir Auszeiten zu nehmen.
    Gerade mit meinem Beruf als Steuerfachangestellte dachte ich immer, es sei unmöglich, länger als 3 Wochen am Stück zu verreisen. Und zack- ich habe gefragt und lange Zeit am Stück Urlaib bekommen. Das lässt es momentan zu, dass ich weiterhin ein gutes Einkommen habe und trotzdem reisen kann, wie ich will :-)
    Wünsche Dir viele tolle Erfahrungen und eine wunderschöne Zeit ohne Zwänge.
    LG,
    Alex

    1. Hallo liebe Alexandra,
      wow, das hört sich alles in allem toll an! Eigentlich ist es ja gar nicht so schwer, seine Träume zu verwirklichen – man muss nur irgendwann mal mit der Umsetzung anfangen. Einen Weg gibt es eigentlich immer. Find’s toll, was du vorhast! Wünsche dir eine wundervolle Zeit im Ausland mit vielen tollen Erlebnissen!
      Alles Liebe & viel Glück
      Ute

  3. Hallo Ute!
    Respekt, wie du dein Leben komplett geändert hast um deinen Traum zu leben. Diesen Mut haben die wenigsten.
    Ich finde es immer wieder interessant, wie unterschiedlich manchmal Eindrücke sein können: wir haben unseren Aufenthalt in Phnom Penh sehr genossen (auch wenn es sicherlich schönere Orte gibt in Kambodscha).
    Gerade den Marktbesuch fanden wir eigentlich sehr schön. Und der anschließende Kochkurs war definitiv ein Highlite: http://mjamm.com/khmer-kochkurs-in-der-cambodian-cooking-class
    Ich freue mich schon auf weiteres Stöbern in deinem Blog! :)

    1. Hi Darius,
      Danke für den Kochkurs-Tipp! Ich habe mittlerweile festgestellt, dass es einen sehr großen Unterschied macht, ob man in einer auf den ersten Blick nicht so schönen Stadt zwei Tage oder vielleicht zwei Wochen bleibt – je länger man dort ist, umso besser findet man die guten Plätze und kommt besser in Kontakt. Daher bin ich froh, mittlerweile mit mehr Zeit reisen zu können und intensiver in einen Ort oder ein Land eintauchen zu können. Und außerdem – Kambodscha ist ein tolles Land, würde gerne nochmals hin!
      Viele liebe Grüße und noch gute Weiterreise
      Ute

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