Am Neujahrstag kam ich abends in Adelaide im Bundesstaat South Australia an. Mein Privatzimmer mit Gemeinschaftsbad in meiner Unterkunft, dem BackPack Oz, war für 46 € zwar spartanisch eingerichtet, aber die Atmosphäre im Gemeinschaftsraum war dafür umso besser.

Am nächsten Tag müsste ich schon um 5 Uhr aufstehen und hatte bis jetzt noch keine Unterkunft für die Zeit nach der 3-tägigen Kangaroo Island-Tour gebucht. Endlich war es dann soweit. Bei der Planung hatte ich erst überlegt, mit einem Mietwagen über die Insel zu fahren. Da es auf Kangaroo Island keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, bleibt nur die eigene Autotour oder eine Gruppenreise zur Auswahl. In Anbetracht der hohen Kosten für Mietwagen, Fähre, Unterkünfte etc. bin ich jedoch schnell wieder von dieser Idee abgekommen und fand online ein ansprechendes “Rugged Style” Angebot bei Travelwild Australia für 485$ (385 Euro). Plus Schlafsack 15 Euro.

Früh morgens wurde ich von einem durchtrainierter Guide namens Daniel abgeholt. Nachdem noch weitere sieben Leute aus aller Herren Länder eingesammelt wurden, fuhren wir bis zum Hafen Cape Jervis, wo wir nach Ausladen des Gepäcks und einer großen Menge Lebensmittel auf die Fähre warteten. Das sah schwer nach Selbstversorgung aus.

Bis jetzt wusste ich noch gar nicht so genau, was auf mich zukommen würde. Die einzelnen Destinationen Seal Bay, Remarkable Rocks, Little Sahara, Vivonne Bay, Stokes Bay, Hanson Bay und Flinders Chase sagten mir bisher noch nichts – mir ging es ehrlich gesagt auch hauptsächlich um die Kängurus…

Die Truppe bestand ausnahmslos aus netten Menschen. Daniel stellte sich auch als ausgezeichneter Autofahrer und exzellenter Guide heraus. Einen klasse Musikgeschmack gab es gratis dazu. Alles in allem schien das die perfekte Grundlage für drei sonnige Tage auf der drittgrößten Insel Australiens zu sein.

Am Hafen Hog Bay angekommen, luden wir kurze Zeit später unsere Vorräte ins Auto. Auf dieser Insel würde es nicht viele Einkaufsmöglichkeiten geben, wodurch wir in Bezug auf Nahrungsmittel und Getränke außerhalb des Tour-Angebotes (z. B. Alkohol) vorausschauend planen mussten. Die Auswahl in dem kleinen Shop konnte man jedenfalls nicht gerade als üppig bezeichnen.

Die Island-Tour begann auf der Aussichtsplattform Prospect Hill, von der aus man fast die ganze Insel überblicken konnte. Zur Einführung wurden wir nicht nur über die hier lebenden Tiere, sondern auch über mögliche Gefahren mit manchen Spezies aufgeklärt. Es gibt wohl kaum ein anderes Land mit derart vielen giftigen und sogar tödlichen Tieren und nun bekamen wir eine Aufklärung über nicht ganz ungefährliche Spinnen und Schlangen mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.

Kurze Zeit später stand ich dann auch schon in einer Farm mit Tausenden von Bienen, der Clifford’s Honey Farm. Seit fast 20 Jahren produziert dieses Familienunternehmen in diesem Bienenschutzgebiet Honig. Bei dem Gedanken kam in mir die Frage auf, ob ich auf solch einer kleinen Insel mit einem derart geringen Angebot an sozialen Kontakten und Aktivitäten in Bezug auf Unterhaltung respektive Abwechslung leben könnte. Die Antwort kam gleich nach: Nein! Dafür muss man meines Erachtens entweder geboren sein oder nie etwas anderes zu Gesicht bekommen haben.

Die wenigen Straßen entlang der Küste sind hier sehr gut ausgebaut. Unser erster Strand-Kontakt war der Vivonne Bay. Die einsamen Traumstrände sahen zwar äußerst verlockend aus, erforderten aber Mut zum Baden gehen, denn nahe der Antarktis ist das Wasser nun mal mit durchschnittlich 15°C wesentlich kälter als andernorts. Ich hatte bei den kalten Strömungen zeitweise das Gefühl, mir bleibt das Herz stehen.

Am Pennington Bay hielten sich viele Surfer auf. Ein seltener und absolut faszinierender Anblick war eine große Anzahl von Delfinen, die sich in unmittelbarer Nähe zur Küste in die Wellen schmissen und dadurch zwischen den Surfboardern schwammen. Eine kleine Kostprobe findet ihr im Video weiter unten.

Und nun wurde auch endlich das Geheimnis gelüftet, wo wir die nächsten beiden Nächte verbringen würden: In einem kleinen Steinhaus mitten in der Wildnis. Weit und breit war hier außer uns keine Menschenseele. Nur Kängurus und andere kleinere Tiere, wie sich später noch herausstellen würde.

Auch der Rugged Style machte sich nun bemerkbar. Aus- und Einräumen, Tisch decken, abräumen, Spülen, Abtrocknen, Aufräumen und Sortieren waren jetzt angesagt. In diesem Fall machte das aber sogar richtig Spaß, da alle Beteiligten am gleichen Strang zogen. Abends gab’s Barbeque mit dem lokalen Bier bei Lagerfeuer-Atmosphäre.

Die Matratze auf dem Boden im Sand gab schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was nachts auf uns zukommen würde. Das Haus hatte zwei größere Räume, in denen wir übernachten könnten. Allerdings würde das Schlafen drinnen einen Nachteil haben: Spinnen. Sie suchen die Wärme und die ist natürlich eher im Haus gegeben als draußen. Besonders eine Spinnen-Art bereitete nicht nur mir als Halb-Arachnophobikerin Sorge: Die Huntsman Spider!

Diese Riesenkrabbenspinnen leben gerne in Schuppen und Häusern und bauen keine Netze, sondern finden ihre Opfer durch’s Umherlaufen. Ihr Biss ist zwar nicht lebensgefährlich, wohl aber sehr schmerzhaft… Und so entschieden sich fast alle für den Schlaf in der freien Natur, zumindest spätestens ab dem Moment, in dem wir die erste fette Spinne fanden, die es sich in einem Handtuch gemütlich gemacht hatte.

Die Nacht im Freien in diesem mir bis gestern unbekannten Swag (ummantelte Matratze) war besser als erwartet. Der heutige Tag galt wieder der Südküste. Am Morgen brachen wir zur Little Sahara auf, einer buchstäblich kleinen Wüste kurz vor dem Vivonne Bay. Sandboarding war für mich neu und ich war sehr gespannt, ob sich diese Disziplin schnell erlernen ließe.

Obwohl es noch recht früh war, wartete hier schon die glühende Hitze auf uns. Es blieb zu hoffen, dass meine 30er Sonnencreme für dieses Vorhaben ausreichen würde. Mit dem breiten, kurzen Sandboard kam ich schneller den Berg runter als gedacht, auch wenn es wahrscheinlich nicht besonders professionell aussah. Definitiv eine coole Erfahrung und auf jeden Fall empfehlenswert!

Eine gute Abkühlung gab es nach dem sandigen Morgen am Strand des Hanson Bay. Die Wellen in dem eisigen Wasser waren teilweise so heftig, dass eine der Mitreisenden davon unter Wasser gehebelt wurde und sich auf dem Boden die Stirn an einem Stein prellte. Leider hatte dies zur Folge, dass unser Guide mit der zarten Japanerin zum Arzt fahren musste, wodurch einige unserer heutigen Aktivitäten flach fielen.

Den Norden der Insel würden wir daher also nicht mehr kennenlernen. Aber es gab ja noch ein paar gute Sehenswürdigkeiten im Westen wie zum Beispiel die bizarren Felsformation namens “Remarkable Rocks”. Auf einer großen Fläche aus Stein kurz vor den Klippen befanden sich riesige Felsbrocken mit faszinierenden Ausbuchtungen – so, als hätte sie jemand in den Stein geschlagen.

Das nächste Ziel – nur wenige Kilometer entfernt – war der Leuchtturm am Cape du Couedic am südwestlichsten Punkt der Insel im Flinders Chase National Park.

Per Fußmarsch erreichten wir kurze Zeit später das nächste Natur-Ereignis: Admirals Arch. Hunderte von Seelöwen hatten hier ihr Zuhause und sonnten sich entweder faul auf den Steinen oder sprangen zur Erfrischung in das kalte Meer.

Am Ende des Boardwalks gelangte man zu einer Aussichtsplattform, die den Ausblick auf den Admirals Arch freigab. Diese außergewöhnliche Höhle bot einen tollen Ausblick auf das Meer, in dem man die Seelöwen-Kolonien beobachten konnte.

Die unberührte Natur auf dieser Känguruh-Insel ist schlichtweg atemberaubend – man könnte es auch Paradies nennen! Ebenso das Wildlife war klasse und ich konnte besonders durch die beiden Nächte im Freien eine Menge Abenteuer-Gefühl von diesem Fleckchen Erde mitnehmen. Das Sandboarding war auch eine coole Erfahrung.

Der Norden hat mit den Stränden Snelling Beach und King George Beach bestimmt auch noch schöne Seiten, weshalb man sich meines Erachtens mindestens 3-4 Tage Zeit nehmen sollte. Es werden auch Tages- oder 2-Tages-Trips angeboten, die allein schon wegen der Autofahrt und Fähr-Zeit zu stressig und auch kostentechnisch nicht lohnenswert wären.

Aus zeitlichen Gründen kann ich Tasmanien leider keinen Besuch abstatten und dadurch auch keinen Vergleich anstellen, aber Kangaroo Island ist definitiv eine Reise wert und war ein Highlight der bisherigen Reise. Die drei Tage waren schon aufregend und durch die vielen unterschiedlichen Aktivitäten und langen Nächte am Lagerfeuer auch ehrlich gesagt etwas kräftezehrend.

Daniel setzte uns bei untergehender Sonne wieder an unseren Unterkünften in Adelaide ab. Der Abschied von den Mitreisenden fiel schon nach dieser kurzen Zeit ein wenig schwer, aber wir würden in Kontakt bleiben. Ich hatte mich diesmal für ein Hotel im Zentrum entschieden. Das Metropolitan lag nahezu perfekt, um am nächsten Tag die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Und übermorgen würde ich mich schon auf den Weg über die Great Ocean Road gen Melbourne mit dem Mietwagen begeben…

 

6 Kommentare

  1. Ich bin derzeit in Australien und habe den Süden des Kontinents schon bereist. Leider hatte ich keine Zeit mehr für Kangaroo Island – aber wenn ich mir ansehe, wie toll die Landschaft auf deinen Fotos aussieht, dann muss ich, glaube ich, unbedingt nochmal hin. Und bei den Fotos der Swags kommt fast schon Sehnsucht auf. Schöner Bericht :-) !

    1. Hallo liebe Sarah,
      muss oft an Kangaroo Island denken, war wirklich eine schöne Erfahrung. Ich würde dort auch gerne nochmals hinreisen…
      Viele Grüße nach Australien!!
      Ute

  2. Liebe Ute,
    Schön, dass du auf Kangaroo Island anscheinend so tolles Wetter hättest! Bei mir stand der Inselbesuch wohl unter dem falschen Stern: Bewölktes, eiskaltes Wetter und unser Auto war kaputt! (Was dazu geführt hat, dass wie quasi im 1. gang durch die Insel getourt sind :D). Trotz allem habe ich es als eine wunderschöne Insel in Erinnerung. Bei der Vivonne Bay kam kurz die Sonne raus und wir konnten durch einen glücklichen Zufall ein Kängurubaby halten! Ich hoffe, dir hat die Insel so gefallen wie mir!
    Liebe Grüße,
    Alina

    1. Hi Alina,
      oh wie schade… kann mir vorstellen, dass der Eindruck dann ein ganz anderer ist. Mir hat es dort auch wahnsinnig gut gefallen und denke häufig daran zurück. Das Übernachten in freier Wildbahn auf so einem abgelegenen Stückchen Erde ist einfach fantastisch – und das auch noch umringt von Kängurus ;)
      Viele Grüße nach Australien, falls du noch dort sein solltest
      Ute

  3. Hallo Ute
    Ich gehe nächstes Jahr auch nach Australien. Wir starten unsere Reise in Adelaide. Gerne möchten wir auch nach Kangagoo Island. Allerdings sind wir noch zu jung um ein Auto zu mieten. Hast du diese Tour direkt vor Ort gebucht oder schon von zu Hause aus? Oder gibt es auch noch andere Varianten ohne Mietwagen die Insel zu erkunden? Sarah

    1. Hallo liebe Sarah,
      wow, mein Neid sei mit dir :) Ich hatte die 3-tägige Tour ein paar Tage im Voraus gebucht. Alles andere war für mich – als Einzelperson – unverhältnismäßig teurer. Ich glaube, ohne Mietwagen macht die Tour keinen Sinn und fand diese Group-Tour auch ehrlich gesagt ziemlich witzig. Da waren auch ein paar Pärchen dabei, war sehr nett und auch aufregend mit den Nächten unter freiem Himmel – das macht man ohne professionelle Anleitung (Guide) wohl weniger, der uns immer mal wieder vor Spinnen wie die Huntsman “gerettet” hat :) Wünsche dir/euch eine ganz tolle Zeit, würde auch gerne mal wieder dorthin… Viele liebe Grüße, Ute

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