Litauen Roadtrips

Litauen: Die unbekannte Schönheit

Als ich kurz vor meiner Abreise den kleinen Reiseführer in Händen hielt, der mit seinen 160 Seiten nicht nur Litauen, sondern gleich das ganze Baltikum umfasste, war ich leicht verunsichert. Ob es wohl wirklich so wenig Interessantes zu sehen geben würde? Warteten da Länder auf mich, die eine Reise eigentlich nicht wert sind? Da mich inzwischen immer häufiger die Ziele anziehen, die noch nicht so touristisch überlaufen sind, war ich mehr als gespannt.

Nachdem ich die Seenregion der polnischen Masuren verlassen hatte und die litauische Grenze passierte, veränderte sich die Umgebung langsam. Die Häuser und Kirchen wurden farbenfroher, die Straßen holpriger und plötzlich kamen mir nur noch selten Autos entgegen. Auf dem Land schienen die Straßen nun bis auf Ausnahmen nur noch ganz allein mir zu gehören. Störche nisteten in großen Nestern auf Schornsteinen oder Strommasten und klapperten mit ihren Schnäbeln um die Wette.

img_8386_740bimg_8390_740bimg_8394_740b»Frieden« war eines der ersten Worte, die mir in diesem Land in den Sinn kamen. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, dachte ich mir und obwohl ich eigentlich gleich die Hauptstadt ansteuern wollte, verbrachte ich die erste Nacht in der wunderschönen Natur im Süden bei Meteliai, das zwischen zwei Seen liegt. Wie auch in Polen haben die Wälder hier diese hohen, sehr dicht aneinander gereihten Bäume, durch die man nicht selten mal ein Reh, einen Fuchs oder großen Hasen in der Ferne beobachten kann.

img_8411_740bimg_8427_740bWährend mich der Reiseführer bei meinen Recherchen nicht sonderlich begeistern konnte, suchte ich im Internet nach Tipps und stieß dabei immer wieder auf den Kommentar „most underrated country“, was sich noch herausstellen würde. In der Hauptstadt Vilnius im Südosten angekommen, gewann ich langsam eine Vorstellung davon, was es mit dieser Einschätzung auf sich hatte.

img_6719_740bimg_6702_740bimg_6721_740bModerne Geschäfte und Restaurants verkörpern ein faszinierendes Understatement. Keine protzigen Reklameschilder – man muss schon genauer hinschauen. Das Künstlerviertel Užupis mit seinen engen, verwinkelten Gassen in der Nähe der Altstadt ist ebenso spannend wie ungewöhnlich mit einer gelungenen Mischung aus Alt und Neu, Authentisch und Ausgeflippt.

design-place_740bimg_6705_740bimg_6744_740bSelbst meine Unterkunft – das Downtown Forest – hat mich außerordentlich positiv überrascht, denn das Konzept würde ich mir persönlich wesentlich häufiger in Europa wünschen: Ein altes Haus mitten in der Stadt modern als Hostel umgebaut, vor dem Haus Stellplätze für Camper und Wohnwagen, eine Wiese für Camping mit Zelt und im Hof ein großer Biergarten für Events und nette Abende.

img_8450_740bimg_8470_740b1Von nun an ging es Richtung Westen. Auf dem Weg nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens, kommt man mehr oder weniger automatisch an der Wasserburg Trakai vorbei. Sie gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes und wird heute als Museum genutzt.

img_8492_740bimg_8482_740bDie Stadt Kaunas ist ebenfalls einen Besuch wert. Selbst auf der Promenade der Innenstadt variieren die Geschäfte von supermodern über Vintage bis zur Schaufensterauslage aus dem vorigen Jahrhundert. Ähnlich verhält es sich mit den sehr unterschiedlichen Cafés und Restaurants, die wie in Vilnius oft von außen gar nicht als solche erkannt werden.

Einer der ganz besonderen Orte Litauens ist der Berg der Kreuze weiter nördlich bei der Stadt Šiauliai. Viele Pilger bringen ein Kreuz mit und hängen bzw. stellen es zu einem der unzähligen anderen, die sich im Laufe der Jahre auf eine Anzahl von ca. 200.000 angehäuft haben sollen. Ein unglaublich beeindruckender Moment und Platz, auch wenn man nicht religiös ist.

img_8594_740b img_8554_740b img_8560_740bimg_8608_740bAber natürlich gehört zu einem Besuch des Landes auch die Ostseeküste. Ein guter Ort hierfür ist Klaipeda, der auch gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug auf die Landzunge der Kurischen Nehrung darstellt. Die Strände sind im Gegensatz zu unseren Ost- und Nordseestränden trotz Hochsaison erfreulich ruhig. Weiter nördlich liegt der Ort Palanga, bei dem es allerdings sehr viel turbulenter zugeht und der gleichzeitig für sein buntes Nachtleben bekannt ist.

img_6944_740bimg_8689_740bimg_6881_740b1Alle paar hundert Meter findet man kleinere Strandbuden oder Restaurants mit Snacks oder landestypischer Küche. Probieren sollte man in Litauen übrigens unbedingt mal den Kartoffelsalat, Hering mit roter Beete, Essiggurken, dunkles Knoblauchbrot und geräucherten Speck.

Litauen ist ein ruhiges, irgendwie idyllisches Land, das bei einem Roadtrip viel Landwirtschaft und Wald mit farbenfrohen Holzhäusern um sich herum präsentieren wird. Es bietet einem auf der Rundreise eigentlich von allem etwas: Eine klasse Hauptstadt mit Altstadt und Künstlerviertel, einen sehr besonderen Ort mit dem Berg der Kreuze, viele wunderschöne Seen-Landschaften mit riesigen Wäldern und eine sehr abwechslungsreiche Ostseeküste mit teilweise menschenleeren und endlos wirkenden Stränden. Ich möchte wiederkommen!

 

Tipps für das Reisen mit Auto oder Wohnmobil:

  • Es gilt auch tagsüber Licht-Pflicht.
  • Benzin ist etwa 20-30 Cent günstiger als bei uns.
  • Auf camping.info werden fast alle relevanten Plätze angezeigt, Reservierungen auf Campingplätzen sind nicht notwendig.
  • Hund: Chip erforderlich, EU-Heimtierpass mit Tollwut-Impfung (alle Infos im Detail)
  • Alternativen zu Camper, Wohnwagen oder Zelt: Fast jeder Campingplatz verfügt über kleine Hütten oder Häuschen zu günstigen Preisen.
  • Die meisten Campingplätze verfügen über WLAN (kostenfrei).
  • Einkaufen: Es gibt kleine Supermärkte unterwegs; Light- oder Bio-Produkte sowie zuckerfreie Getränke gibt es nur selten.
  • Sicherheit: Ich würde dieses Land als sehr sicher einschätzen.
  • Gute Campingplätze: Vitruna in Metaliai, Downtown Forest in Vilnius, Pajurio Kempingas in Giruliai bei Klaipeda.

 

Meine Route durch Litauen:

litauen-routeWer sich den recht weiten Weg von Deutschland über Polen ersparen möchte, kann Litauen auch mit der Fähre über Nacht erreichen (z. B. von Kiel nach Klaipeda, ca. 20 Stunden). Alternativ kann man nach Vilnius fliegen und von dort mit dem Mietwagen eine Rundreise starten oder diverse Ziele mit dem Bus ansteuern.

 

Hilfreiche Reiseführer:

 

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17 Kommentare

  • Antworten
    Nole
    25. September 2016 um 18:12

    Sieht wirklich friedlich und idyllisch aus :) Ohne Auro macht es aber wohl eher weniger Sinn, oder ? Habe leider keinen Führerschein, vielleicht sollte ich doch mal einen machen, beim reisen ist man dadurch wirklich flexibler :)

    • Antworten
      Lydia
      25. September 2016 um 22:24

      Hallo :-)
      Du kannst auch sehr günstig mit Bus und Bahn reisen in Litauen.
      Liebe Grüße Lydia

    • Antworten
      John
      31. Oktober 2016 um 22:11

      Habe auch noch keinen Führerschein. Bin ein großer Freund von Fahrrad fahren. Da bin ich noch unabhängiger als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

      Doch gerade jetzt im Winter merke ich einfach, wie ein Auto dabei helfen kann die zugefrorenen Bremsen oder den ausfallenden Bus ausgleichen könnte.

      Doch ich habe ein wenig Angst davor, dass mich ein Auto träge und faul werden lässt. Mal schauen…

  • Antworten
    nordetrotter
    25. September 2016 um 19:25

    Sehr schöner Bericht :-). Litauen steht noch auf meiner unbedingten To-Do Liste (naja, ganz besonders eigentlich die kurische Nehrung…). Den Lonely Planet fürs Baltikum habe ich übrigens auch. Für Estland finde ich den echt gut.

    Viele Grüße,
    Heike // nordetrotter

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      26. September 2016 um 11:16

      Hallo Heike,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Mit der kurischen Nehrung hat es in meinem Fall aufgrund des vielen Regens leider nicht geklappt, möchte das aber gerne nachholen – habe nur Gutes gehört.
      Viele Grüße zurück
      Ute

  • Antworten
    Antje
    28. September 2016 um 11:58

    Ich war bereits 2009 im Baltikum unterwegs und habe mir die drei Länder angeschaut. Damals hatte sogar noch jedes Land seine eigene Währung, heute ist das mit dem Euro ja noch viel einfacher :D
    Tatsächlich hab ich in Litauen auch fast alle Plätze besucht, die du beschreibst. Mir haben alle drei Länder richtig gut gefallen und irgendwann werde ich bestimmt auch noch mal wieder hinfahren und schauen, wie sich alles verändert hat ;)

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      16. Dezember 2016 um 14:05

      Hallo liebe Antje,
      wie schön, dass du auch diese Erfahrung gemacht hast. Mir hat ehrlich gesagt Estland am besten gefallen, aber dazu bald mehr :) Liebe Grüße und hoffentlich kommen wir nochmals hin! Ute

  • Antworten
    Ralf
    4. Oktober 2016 um 3:36

    Litauen ist ein wirklich wundervolles Land, mit sehr freundlichen Menschen. Ich habe im August, allein, eine ganz ähnliche Rundreise durch Litauen gemacht, und Vieles was auch ich gesehen hatte, war mir durch Deinen Bericht gleich wieder sehr nah. Was auch sehr sehenswert ist, ist die kurische Nehrung, auf der einen Seite das Haff mit den kleinen, malerischen Dörfern und den Dünen, auf der anderen Seite die Ostsee. Nicht umsonst hat sich auch Thomas Mann in Nida in den 30ziger Jahren ein Haus gekauft, auf das er sehr stolz war.

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      16. Dezember 2016 um 14:06

      Hallo Ralf,
      oooh die kurische Nehrung hätte ich auch zu gerne gesehen, aber bei dem schlechten Wetter war das einfach sinnlos. Aber definitiv ein Grund, wieder mal dorthin zu fahren. Viele Grüße und Danke für den Tipp, Ute

  • Antworten
    Stefan
    6. Oktober 2016 um 18:47

    Sehr schön deine Bilder von Litauen! Ich war vor ein paar Jahren schon mal kurz davor hinzufahren, kam aber leider etwas dazwischen. Mit deinen Bildern aber reift da wieder so eine Entscheidung …

  • Antworten
    kati
    7. Oktober 2016 um 7:07

    litauen is großartig! ich hab ein halbes jahr in vilnius gewohnt. so viele versteckte schöne plätze!

  • Antworten
    Oli
    23. Oktober 2016 um 10:35

    Wirklich wunderbare Bilder, die zum Träumen und Reisen einladen. Ich war vor vielen Jahren, leider nur für kurze Zeit, in Litauen. Doch die Erinnerungen, auch durch das Teilen deiner wunderbaren Momente, bleiben und rufen nach einer Wiederholung. Danke für das Teilen deiner Momente!

    Viele Grüße
    Oli

  • Antworten
    Beccy
    3. November 2016 um 9:38

    Das sind wirklich wunderschöne Bilder, bei denen ich am liebsten direkt meinen Rucksack packen würde. :) Na ja, den Herbst und Winter verbringe ich zuhause bei meinen Liebsten im Defereggental, aber mal schauen, wohin es mich kommendes Jahr verschlägt. ;)

    LG Beccy

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      16. Dezember 2016 um 14:07

      Hallo Beccy,
      vielen Dank für das schöne Kompliment! Das Defereggental hört sich aber auch super an, die Heimat hat ja auch etwas Schönes. Liebe Grüße und bis bald, Ute

  • Antworten
    Melli
    18. November 2016 um 16:12

    In der Tat sind die Fotos wirklich toll geworden.

    Ich als Stammleser, der hier noch nicht in Erscheinung trat, freue mich schon auf den nächsten Bericht.

    Grüße Melli

  • Antworten
    Hannah
    8. Dezember 2016 um 16:24

    Hi!
    Ich liebe deine Berichte! Dank dir und deinen ganzen Tipps habe ich den Mut gefunden, nächstes Jahr alleine Peru zu erkunden. Ehrlich, herzlichen Dank für all deine Erfahrungen, du bist eine Inspirationsquelle.

    Auch hier wieder, Bilder und Text herrlich. Danke.

    • Antworten
      BRAVEBIRD
      16. Dezember 2016 um 14:09

      Hi Hannah,
      was für eine großartige Entscheidung, Peru ist wunderschön! Ist bei mir schon etwas länger her, aber eine ganz tolle Erinnerung ist da zurückgeblieben. Wünsche dir eine tolle Zeit und viel Freude bei der Planung!! Liebe Grüße, Ute

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