Das Wetter war heute – an meinem letzten Tag in Kapstadt – so miserabel, dass mein geplante Tafelberg-Besteigung flach fiel. Wir schlimm ist das denn?? Man kann doch nicht in Kapstadt gewesen sein und dann nicht oben auf dem Tafelberg gestanden haben. Auch an diesem Tag entschied ich mich der Bequemlichkeit halber für eine Städtetour, was sich trotz des Kennenlernens einer sehr netten deutschen Mitreisenden als Flop herausstellte und das nicht nur, weil das Wetter sich nicht von seiner besten Seite zeigte und die Tour ein ungünstiges Preis-Leistungsverhältnis hatte. Eine bessere Wahl wäre wahrscheinlich der Hop On Drop Off-Bus gewesen, aber das half jetzt nichts mehr…

Die Tour bestand aus folgenden Sights:

  • Green Market Square → Der bekannteste Flohmarkt der Stadt. Hier war zu der frühen Uhrzeit aber noch nicht viel los.
  • City Hall und das Castle of Good Hope → Das Castle ist das älteste Gebäude von Südafrika. Eine Besichtigung war offensichtlich aus Zeitgründen nicht möglich.
  • Company Garden und South African Museum → Der kleine Park inmitten der Stadt ist ganz nett mit grauen Eichhörnchen, die um Futter bettelten, und das Museum inklusive Planetarium würde ich als absolut sehenswert bezeichnen. Zudem ist dort gerade eine Fotoausstellung der Wildlife Photographer of the Year 2012, die mir vor lauter Glück fast die Tränen in die Augen trieb.
  • District Six → Das Gebiet, aus dem in den 60er Jahren ein “Weißes Viertel” gemacht werden sollte, kannte ich ja schon.
  • Diamond Factory → Wieder mal eine kleine Verkaufsveranstaltung. Leider hatte ich gerade nicht die 400 € für die kleinsten Ohrstecker aus dem zugegebenermaßen sehr schönen Tanzanite-Stein in der Hosentasche, aber wenigstens gab es hier Erfrischungsgetränke.
  • Signal Hill, Camps Bay und Clifton Bay ließ der behäbige Guide letzten Endes einfach mal aus.
  • Bo Kaap bzw. Malay Quarter → Viele bunte Häuser mit historischem Hintergrund. Das eigentlich einzig sehenswerte Viertel auf dieser Tour.

Bo Kaap Kapstadt Enttäuscht von diesen überwiegend schwachen Erlebnissen ließ mich an der Waterfront absetzen. Die Mall unterscheidet sich nicht sonderlich von herkömmlichen Shoppingzentren, aber die Lage am Hafen macht diesen Platz natürlich zu etwas Besonderem. Hier findet man auch zahlreiche Verkaufsstände für Helikopter- und Haitouren. Von letzterem halte ich ehrlich gesagt ziemlich wenig. Man wird auf dem Meer in einem Käfig ins Wasser gelassen und die Haie sind darauf konditioniert, beim Eintreffen Futter zu bekommen. Für den Menschen ganz klar ein atemberaubendes Erlebnis, aber für die am meisten geschützte Haifischart der Welt sicher nicht die natürlichste Behandlung.

Kapstadt Top 10 Kapstadt HafenAm späten Nachmittag zurück im Guesthouse ließ ich die letzten Tage Revue passieren. Ich hatte für heute eigentlich noch das Viertel Woodstock geplant, das für seine ausgefallene Straßenkunst (Graffiti) und kreative Szene bekannt ist. Aber mir war die Sightseeing-Puste ausgegangen. Eine Winelands-Tagestour wäre sicher ebenfalls ein klasse Erlebnis gewesen. Selbst die Garden Route hätte man mit einem Tourveranstalter in drei bis vier Tagen bewerkstelligen können, was wahrscheinlich zu einem der schönsten und lohnenswerten Erlebnisse in Südafrika zählt. Dass ich nicht oben auf dem Tafelberg war, ist im Grunde unverzeihlich und hätte ich nicht für den letzten Tag einplanen dürfen, da das Wetter in Kapstadt sehr unbeständig ist.

Bildschirmfoto 2016-07-20 um 21.21.22Ich schließe die Stadt demnach ab mit folgenden Empfehlungen, wenn jemand zum ersten Mal in diese Stadt fahren möchte:

  1. Mit der Seilbahn den Tafelberg besteigen und danach unterhalb der Bergstadtion einen Drink in der Open-Air-Bar genießen. Wer noch mehr Lust auf Berge hat, sollte auch dem Lion’s Head einen Besuch abstatten.
  2. Rundfahrt über die Peninsula (Halbinsel) bis Cape Point, dabei Hout Bay, Duiker Island (Robben-Insel) und Muizenberg (bunte Häuser am Strand) nicht verpassen! Fahrt entweder selbst mit dem Mietwagen oder einem Touranbieter im Van.
  3. Am Hafen an der V&A Waterfront shoppen oder in einer der vielen Restaurants Live-Musik genießen.
  4. Bei einer Township-Tour (nicht auf eigene Faust!) das Leben der Farbigen und Schwarzen und Hintergründe der Apartheid kennenlernen.
  5. Im Kirstenbosch Botanical Garden auf dem gepflegten Rasen zwischen duftenden Kräutern und exotischen Blumen relaxen und ein Buch lesen.
  6. Auf der Kloof Street und Long Street shoppen und danach in einem der stylishen Restaurants den Abend ausklingen lassen.
  7. Einen Strandtag in Camps Bay oder Clifton Beach verbringen und in das Leben der Schönen und Reichen eintauchen.
  8. Eine Tour in die Stellenbosch Winelands mit entsprechender Verköstigung der berühmten südafrikanischen Weine.
  9. Ein Auto mieten und die Garden-Route Richtung Osten an der traumhaften Küste entlang fahren.  300 km von Mossel Bay bis zur Paul Sauer Brücke oder weitere 450 km bis Port Elizabeth ist wahrscheinlich einer der schönsten Küstenstraßen der Welt.
  10. Last but not least- Wer kein eigenes Auto hat, kann sich mit dem Hop On Drop Off-Bus durch ganz Kapstadt bringen lassen. South African Museum und das Viertel Woodstock nicht vergessen!

Auf was muss man sich bei einer Reise nach Kapstadt einstellen?
In Kapstadt muss sich der moderne Europäer nicht umstellen. Der allgemeine Standard ist, soweit ich das beurteilen kann, ähnlich wie bei uns. Manches ist teurer, manches günstiger; wahrscheinlich hält es sich die Waage. In Sachen Elektronik ist der Stecker mit drei großen Metallpins außergewöhnlich und verrückter Weise nicht in dem herkömmlichen Weltstecker enthalten. In den meisten Unterkünften wird jedoch sicher ein entsprechender Adapter vorhanden sein.

Eignet sich die Stadt für eine Einzelperson?
Für eine Alleinreisende ist es meines Erachtens nicht das perfekte Reiseziel. Es gibt zwar Hostels, in denen man eher Anschluss finden wird als in einem anonymeren Hotel, aber das ist keine Garantie für soziale Kontakte, sofern man sich diese z. B. für gemeinsame Aktivitäten wünschen sollte. Als besonders gefährlich würde ich Kapstadt nicht direkt bezeichnen, wenn man sich unauffällig verhält und sich nicht abends oder nachts allein auf den Straßen aufhält.

Würde ich noch mal hierher kommen?
Eindeutig ja! Die Stadt selbst finde ich im Gegensatz zu der atemberaubenden Natur in der Umgebung nicht so reizvoll, weshalb ich beim nächsten Mal die Küstenstraße mit dem Auto bis nach Port Elizabeth fahren würde, womit ich automatisch die Garden Route und die Winelands integriert hätte. Eine Wiederkehr wäre für mich aber – des hohen Romantik-Faktors wegen – nur mit einer netten männlichen Begleitung vorstellbar :)

Kapstadt Tintagel Guest houseMeine Unterkunft, das Tintagel Guest House im zentral gelegenen Stadtteil Gardens, kann ich ohne Einschränkung empfehlen. 59 € pro Nacht hört sich zunächst nicht nach einem Schnäppchen an, ist aber zum Beispiel im Verhältnis zu Hostels relativ günstig. Jeden Tag Schokolade und sogar ein Likör frei verfügbar auf dem Zimmer, um nur einige positive Aspekte zu nennen.

Das ebenfalls zu empfehlende Sunflowers Hostel kostet zum Beispiel im Dorm (Schlafsaal) ungefähr 40 € pro Nacht.

Für mich geht die Reise morgen weiter nach Johannesburg und bin schon gespannt auf diese große Stadt.

 

3 Kommentare

  1. Oh nein! Nicht auf dem Tafelberg?!
    Das ist echt ärgerlich, aber ein richtig guter Grund wieder zu kommen.
    Im übrigen hat mich Kapstadt auch nicht soooo gefesselt. Ich fand Johannesburg wesentlich interessanter.

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