Australien Roadtrips

Melbourne

Tag 18+19: Nachdem ich gestern Mittag den Mietwagen mit insgesamt 1.360 gefahrenen Kilometern im Zentrum ablieferte, begab ich mich bei starkem Regen und Gewitter zu Nick, dessen Wohnung im Viertel Fitzroy liegt. Und wow, schon wieder so eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung – viele Australier haben wirklich Stil, wie es scheint. 

Nick alias werriston ist Schauspieler und wohnt in einem umgebauten Industrie-Gebäude zusammen mit einer Freundin und einem süßen Kater namens Mr. Rodgers. Da Nicks Mitbewohnerin im Moment beruflich in Sydney ist, kann ich ihr Zimmer für die nächsten beiden Nächte nutzen und bin mehr als glücklich über diese Einladung – nicht nur wegen der netten Gesellschaft, sondern auch aus finanzieller Hinsicht: Selbst eine private Unterkunft hätte mich mindestens 70 AUD pro Nacht gekostet. Tatsache ist: Hier würde ich sofort einziehen!


 
Bei einem Spaziergang durch die Viertel Fitzroy und Collingwood fällt zunächst auf, dass es hier wesentlich schmutziger ist als alle anderen Orte und Städte, die ich bisher in Australien gesehen habe. Trashig, abgewrackt und Graffiti, wo das Auge hinschaut. Beim Lunch in einem Café auf der Gertrude Street bestellte sich Nick ein zugegebenermaßen ungewöhnliches Gericht: Pasta mit würziger Tomatensauce in getoastetem Brot?! Musste ich nicht probieren. 

Eins ist jetzt schon sicher: In Sachen Vintage-Kleidung der 20er bis 90er Jahre, ungewöhnlichen Möbeln und Accessoires sowie einer coolen Bar- und Restaurant-Szene macht der Stadt Melbourne so schnell keine Stadt Konkurrenz. Okay, außer London natürlich.

Besonders die Brunswick Street in Fitzroy hat es mir angetan: einladende Cafés, Antik- und Vintage-Läden, Shops mit außergewöhnlichen Klamotten und Wohn-Accessoires und eine spannende Mischung von tätowierten, kahlrasierten, gestylten, hippen und auffällig gekleideten Menschen!

In Sachen Klamotten kann ich zusammenfassen: Während sich die deutschen Frauen schon Gedanken darüber machen, ob man einen schwarzen BH unter einer weißen Bluse tragen kann, sind der Extrovertiertheit hier keine Grenzen gesetzt. Wer sich in diesen Vierteln mit seinem Louis Vuitton-Täschlein profilieren möchte, wird wenig Eindruck schinden. Was zählt, ist individuelles Styling – und das unabhängig vom Geldbeutel. 

Die Jungs tragen enge Hosen, karierte Hemden, moderne oder Retro-Brillen, Mützen, Bärte oder Schnäuzer und ausgefallene Haarschnitte. Die Mädels kombinieren noch spannender. Im Moment scheinen die 20er- bis 50-er Jahre zu dominieren: Bleistiftröcke, Rüschenblusen, gehäkelte Bolero-Jäckchen, Lack-Pumps, Strumpfhosen in allen Farben und Mustern, greller Nagellack in orange, mint und violett.

Was meine aufgrund des kurzen Aufenthaltes in Melbourne leider nur geringen Erfahrungen in der Restaurant- und Bar-Szene anbelangt, würde ich auch hier am liebsten wochenlang jeden Abend woanders frühstücken, lunchen und dinieren, was sich allerdings nicht nur äußerst negativ auf die Figur, sondern auch wieder massiv auf den Geldbeutel auswirken würde. Nick hat mich in ein paar sehr gute Restaurants, Pubs und Bars ausgeführt wie zum Beispiel The Everleigh Bar & Pub auf der Gertrude St.

Bei dieser gelungenen Kombination aus guten Restaurants und ausgefallenen Menschen würde ich am liebsten den ganzen Tag lang von Location zu Location hoppen und einfach nur die Atmosphäre aufnehmen. Aber leider heißt es schon bald Abschied nehmen, genauer gesagt morgen früh. Auch hier bin ich wieder total beeindruckt von der Gastfreundlichkeit, die für Nick irgendwie selbstverständlich schien. Ich werde insbesondere den Kater Mr. Rodgers vermissen, der mir die letzte halbe Nacht geraubt hat, indem er auf meiner Brust saß und seinen lauten Schnurr-Apparat nicht abstellen wollte.

 

Dir könnte auch gefallen

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar