USA

Miami Everglades-Tour

Miami Everglades Tour Reise

Mit mehr als zwanzig gemein juckenden Moskito-Stichen verließ ich Fort Lauderdale. In den nächsten 48 Stunden galt es nun herauszufinden, was Miami zu bieten hat. Was läge da näher, als sich im nahe gelegenen Everglades Nationalpark mit Alligatoren und Schlangen anzufreunden? Im Lonely Planet wird der Besuch des Parks so beschrieben: „In dieser einzigartigen subtropischen Wildnis gibt es eine unglaubliche Vielfalt wundervoller Kreaturen…“. Also nichts wie hin! Für 35 US $ buchte ich bei Miami Adventures eine 5-stündige Tour. Und dann wurden meine Nerven auf die Probe gestellt.

Da ich mich vorher nicht sonderlich damit beschäftigt hatte, was man bei einer Tour in den Everglades Nationalpark überhaupt erwarten könne, wichen meine Vorstellungen ziemlich stark von den Tatsachen ab, vor die ich am Ende gestellt wurde.

Gator Park EvergladesTourbeginn war laut Itinerary 9 Uhr. Die 30 Teilnehmer mussten aber erstmal alle einzeln aufgepickt werden, wodurch bereits eine Stunde ins Land verstrich. Dann kam noch knapp eine Stunde Fahrtzeit hinzu. Diese beiden Stunden für die Rückfahrt noch mal drauf gerechnet, blieben für einen Nationalpark jetzt nur noch eine Stunde übrig?!

An einem unscheinbaren Souvenir-Shop am Straßenrand hielt der Fahrer an. Jeder bekam einen Aufkleber und Ohrstöpsel in die Hand gedrückt und mit der Anweisung, sich im Shop noch mit Getränken, Repellent und sonstigen Utensilien auszustatten, schickte uns der Fahrer zum Bootssteg.

Everglades BootstourAn den dominanten und autoritären Tonfall vieler Amerikaner muss man sich erstmal gewöhnen. So auch bei unserem Luftkissenboot-Fahrer, der diesen Job wohl schon seit seiner Kindheit macht. Nach kurzen, prägnanten Anweisungen – Hände nicht ins Wasser, während der Fahrt nicht aufstehen – ging es los.

Everglades ReiseNachdem wir erst durch ein paar ruhigere Kanäle tuckerten, legten wir endlich einen Zahn zu. Eine sehr lässige Art, sich fortzubewegen! Und dass der Driver das nicht zum ersten Mal machte, konnte man unschwer feststellen. Leider dauerte das Vergnügen nur etwas mehr als eine ½ Stunde.

Bei den Fahrten über Gras hatte ich allerdings ständig Angst, dass wir über einen Alligator oder sonstiges Getier fahren könnten, das im Propeller unseres Bootes in tausend kleine Teile zerrissen werden würde. Aber das passierte glücklicher Weise nicht.

Ich hatte ohnehin das Gefühl, dass sich diese Tiere nicht in einem Gebiet aufhalten würden, in dem unentwegt laute Boote durchjagen, als wenn’s kein Morgen gäbe. Und so blieb es auch leider nur bei der Hoffnung, Alligatoren oder Schlangen zu sehen. Obwohl sich die Ausbreitung der burmesischen Python hier wohl inzwischen zu einer Plage entwickelt hat.

Everglades BootstourWas hat eine burmesische Python in den Gewässern Floridas zu suchen? Die bis zu 5 m großen Tiere wurden wohl von Liebhabern exotischer Tiere eingeführt, sind entwischt und haben sich offensichtlich derart stark fortgepflanzt, dass es mittlerweile eine regelrechte Jagd auf diese Tiere gibt. Allerdings sind sie in diesem riesigen Gebiet so schwer zu finden, wodurch es wohl eine Plage bleiben wird.

Der zweite und zugegebenermaßen schlechte Teil dieser kurzen Tour war eine „Show“:

Everglades Tiershow

Für 3 US $ konnte man sich mit einem kleinen Alligator, der das Maul mit einem Klebeband verbunden hatte, fotografieren lassen… Der Typ versuchte witzig zu sein, indem er den kleinen Vierbeiner durch die Gegend schwang und mit dem Vorderbein den Besuchern zuwinkte.

Everglades KrokodileDann gab’s einen mutigen Ranger, der sich auf einen halb blinden Alligator setzte und von hinten die umklammerte Maulspitze küsste… Zwischendurch holte er immer wieder einen Papagei mit einem Stab von einem Ast und schleuderte ihn wild durch die Gegend.

Everglades Tiere ShowAngeekelte Frauen sollten eine Riesenkröte küssen. Die würde sicher zum Prinzen werden… Dann noch der wenig lustige Kommentar des Rangers: „Froschschenkel dürft ihr immer essen, aber niemals Krötenschenkel.“

Und dem Ganzen wurde letztendlich noch die Krone aufgesetzt, indem man im Souvenir-Shop Schlangen- und Krokodils-Leder kaufen konnte.

Everglades Shop gefährdete Tierarten
Das alles wenig mit einem Nationalpark – in dem es um den Schutz von Tieren geht – zu tun.

Im Affenzahn traten wir den Rückweg an. Wenn man mich fragt, ob ich diese Tour empfehlen würde, wäre meine Antwort sicher nein. 35 US $ sind zwar einerseits nicht viel, andererseits lohnt sich der Zeitaufwand für letzten Endes etwa ½ Stunde Bootsausflug nicht. Man sollte sich dann lieber eine Tour aussuchen, die ein vielseitigeres Programm bietet und auch wirklich in den Nationalpark fährt. Tipp: Vorher am besten in Repellent baden!!!

Morgen geht es endlich in die Welt der Schönen und Reichen: Miami City und Beach.

 

Ähnliche Artikel über Florida anschauen

 

Dir könnte auch gefallen

3 Kommentare

  • Antworten
    Britta
    1. August 2013 um 12:24

    Iiiieeh, diese Krallenhand ist ja eklig!! Ich weiss echt nicht, wie man so etwas kaufen kann???

    • Antworten
      Ute
      1. August 2013 um 17:26

      Ist mir auch schleierhaft!!

  • Antworten
    Igor
    12. Dezember 2013 um 20:38

    Hi, heute habe ich mich doch getraut Everglades zu besuchen. Ich habe einen ganz anderen Eindruck davon bekommen. Zwar habe ich keine Alligatoren leider gesehen, aber trotzdem war das ein toller Tag im Paradis. Man braucht halt dafür ein Auto und ein ganzen Tag Zeit…
    http://latitudo.de/smile-youre-in-everglades/

  • Hinterlasse einen Kommentar