Roadtrips USA

Mit dem Camaro über die Route 66

Vom Sumpf in die Wüste. Mein nächstes Ziel nach New Orleans war Santa Fe in Neu Mexiko. Und hiermit würde auch mein Roadtrip nach Los Angeles über die Route 66 starten. Etwas umständlich musste ich nach Albuquerque (ausgesprochen: Albukörkie) fliegen. Eigentlich hatte ich im Internet die kleinste Mietwagen-Gurke gebucht. Als ich nach der Landung meinen Wagen in Empfang nehmen wollte, schlug mir die Lady der Mietwagen-Agentur ein Upgrade vor. Sie hätte da noch einen Camaro für nur 10 Euro mehr pro Tag.

Route 66 StreckeMadonna (so hieß die Vermittlerin) zwinkerte mir zu, ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Lächeln, das ihre lückige Zahnstellung freilegte. Über 1.600 km warteten in den nächsten Tagen auf mich und ich konnte – auch in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Route 66 wahrscheinlich nur ein Mal in meinem Leben befahren würde – nicht widerstehen.

Und dann stand er da: schwarz, böse, kraftvoll. Mein Auto zu Hause hat noch nicht mal eine Zentralverriegelung und nun saß ich in einer Kiste, die mir sogar angab, dass 0.2 bar im rechten Hinterreifen fehlen?! Woow! Ich würde die Zeit genießen. Und knatterte auf 2.000m Höhe nach Santa Fe.

Santa Fe Reise Santa Fe Roadtrip Santa Fe GalerienIn der Hauptstadt New Mexicos – auch „The City Different“ genannt und zudem UNESCOs Creative City – ist nicht nur die Architektur im spanischen Pueblo-Stil außergewöhnlich, sondern auch die multikulturelle Stimmung. Da kann es vorkommen, dass man nichtsahnend in einen Starbucks geht und sich Cowboy und Indianer gegenüber sitzen. Als Kölnerin bin ich zwar Verkleidungen gewöhnt, aber der Anblick hatte diesmal nichts mit Karneval zu tun – das hier war tatsächlich echt! Abgesehen davon ist Santa Fe mit mehr als 150 Galerien einer der wichtigsten Orte der amerikanischen Kunstszene. Also alles in allem ein besonderer, aber auch sehr touristischer Ort!

 

Die Route 66

Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet… Seit vielen Jahren träume ich davon, ein Mal auf dieser berühmten Straße entlang zu cruisen, mit dem Ellbogen aus dem Fenster gelehnt und mit dem Kopf zu cooler Musik wippend. Jetzt hatte ich sogar auch noch das passende Auto dafür.

Was ich aber nicht wusste:

  • Die alte Route 66, die Chicago mit Los Angeles verbindet, ist keine vollständige Strecke mehr. Man muss öfter auf andere Straßen ausweichen und kann sich daher auch gern schonmal verfahren. Sie ist zudem nicht in Navigations-Apps, z. B. in der iPhone Karten-App ersichtlich.
  • Die Maximalgeschwindigkeit auf der Route 66 beträgt manchmal nur 45-55 Meilen/h, das sind gerade einmal 72-88 km/h. Auf dem Interstate Highway I-40, der zeitweise parallel zur Route 66 verläuft, hat man hingegen eine Maximalgeschwindigkeit von 65-75 m/h = 105-120 km/h, wodurch meine Zeitplanung völlig durcheinander geraten ist.

Route 66 Camaro Mietwagen Route 66 alter TeilEin weiterer Trugschluss bestand in meiner Annahme, dass die Route 66 zu dieser Jahreszeit wahrscheinlich stark befahren und sehr touristisch sein würde. Meist kam mir aber nur alle paar Minuten ein einzelnes Auto entgegen. Auch landschaftlich muss man sich zeitweise auf Einöde einstellen.

Zwischendurch tauchte immer mal wieder eine Wohnwagen-Kolonie auf, die entweder bewohnt oder verwaist war. Auch passierte ich einige Geisterstädte, die heruntergekommen waren und sicher schon bessere Zeiten gesehen hatten. Ist der Mythos Route 66 etwa erloschen? Und wie sollte das erst in der Wüste Arizonas werden?

Route 66 Reiseblog Route 66 LandschaftDie Straßen haben zweifellos etwas Mystisches, allein schon wegen der ständigen Frage „Bin ich nun drauf oder nicht?“. Langsam zeichneten sich am Horizont riesige, rote Canyons ab, die mich in Flagstaff anhalten ließen. Den vor mir liegenden Grand Canyon dürfte ich mir nicht entgehen lassen, so viel stand fest. Das Motel Super 8 in Flagstaff war das günstigste, das ich bekommen konnte. Für die nächsten beiden Nächte würde dies mein Ausgangspunkt für meine Tour in die 450 km lange Schlucht des Nationalparks sein.

 

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  1. Der coolste Teil der Route 66
  2. Highlight Grand Canyon

 

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12 Kommentare

  • Antworten
    Patrick
    12. August 2013 um 1:39

    Das erinnert mich sehr an meine eigene Route 66 Erfahrung. Ich bin damals aber nicht so konsequent darauf herumgefahren, als ich merkte, dass es die Straße so eigentlich gar nicht gibt ;-)
    Gute Wahl, von Flagstaff aus zum Grand Canyon zu fahren. Direkt am Canyon ist eh alles viel zu teuer.
    Schönes Auto :-)

    • Antworten
      Ute
      12. August 2013 um 12:12

      Hi Patrick, ich bin auch auf dieser Strecke mehrfach ausgewichen, sonst wäre ich wahrscheinlich heute noch dort oder vor Langeweile irgendwo am Straßenrand eingeschlafen :) Aber die zweite Teilstrecke wird schöner und spannender!

  • Antworten
    Jens
    12. August 2013 um 11:40

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass du gar nicht allein unterwegs bist und deine Begleitung vertuschen willst… ich hab‘ dich im Visier!!!

    • Antworten
      Ute
      12. August 2013 um 12:13

      Der Gedanke gefällt mir irgendwie… :)

  • Antworten
    Carlo
    14. August 2013 um 5:23

    Den Eindruck mit dem Begleiter kann ich nur teilen ;-) ich verfolge die Dinge auch mit Interesse. Welche Frau lässt sich alleine auf einen Camaro ein………? Viel Vergnügen weiterhin!

    • Antworten
      Ute
      17. August 2013 um 17:43

      Das war einfach Schicksal, glaube ich :) Lg und bis bald!!

  • Antworten
    ursula
    14. August 2013 um 5:41

    1. Gedanke: Wow genau so muss man die Route 66 erlebt haben!
    2. Gedanke: Alleine?! – Nein wie traurig, dieses Feeling muss man doch mit jemanden teilen können!
    3. Gedanken: Die weiss das doch auch und ist bestimmt nicht alleine unterwegs! ;)
    Viel Spass weiterhin

    • Antworten
      Ute
      17. August 2013 um 17:45

      Hallo Ursula, ich gebe dir vollkommen Recht, dass das zu zweit sicher schöner (und auch entspannter) gewesen wäre. Aber ich fand’s trotzdem toll!! Und zu 3… es bleibt spannend :))
      Lg und Danke!

  • Antworten
    vita-d-chlor.com
    10. März 2014 um 20:24

    Thanks for sharing such inspiring experience. Great blog.

  • Antworten
    trawnik
    26. April 2014 um 1:02

    It’s really very nice and useful post.Thanks for sharing this with us!it’s my first visit.

  • Antworten
    Ellen & Udo
    21. Dezember 2015 um 21:36

    Hallo Ute,

    habe gerade mit Interesse Deine Artikel über die Route 66 gelesen – zufällig – genau so zufällig, wie ich auf Deinen Blog gestoßen bin, den ich ebenfalls sehr gern gelesen habe, besonders die Artikel über Deinen „Ausstieg“ – das macht einen sehr nachdenklich. Zurück zur 66: Die Straße, bzw. alles, was damit zu tun hat, hat eine Menge zu bieten. Sie ist ja auch ganz schön lang. Und es gibt mehr zu sehen und zu erkunden, als man gemeinhin denkt. Sehr viel mehr. Die 66 führt durch so viele verschiedene Landschaften, man trifft so viele Menschen, es gibt so viele Dinge, auch Kleinigkeiten am Rande, zu sehen und zu erleben. Für uns ist das ein Stück des wirklichen Amerika. Man kommt kaum näher ran. Da Du, wie wir, auch gerne fotografierst, wirst Du bei genauem Hinsehen Fotomotive ohne Ende finden. Und ja, so ein Camaro mag zum echten „road trip feeling“ beitragen, ist aber kein MUSS. Man kann die Straße auch im „normalen“ Auto genießen. Aber man sollte in den noch in Betrieb befindlichen, ursprünglichen Route 66 Motels übernachten – das hat was. Also weg von Days Inn, Best Western oder Super 8. Zumindest dort, wo es geht. Günstiger ist es auch noch. Und dann: Get your kicks …
    Wir haben kürzlich einen Route 66 Blog gestartet, den wir weiter ausbauen und verbessern werden – mit Geschichten von der 66, auch eigenen Erlebnissen. There is a lot to come. Vielleicht schaust Du mal rein.
    https://abenteuer66.wordpress.com/
    Vielleicht macht es Lust auf ein neues 66 Abenteuer. Und falls Fragen sind, let us know.
    Liebe Grüße
    Udo (und Ellen, die grad nicht da ist) :-)

  • Antworten
    Bernd Konrath
    20. April 2016 um 23:02

    Hallo Ute,

    wieder ein toller Beitrag über die 66. Er deckt sich weitgehend mit meinen Erfahrungen. Wir hatten sie ganz gemacht (Chicago-LA) mit Harleys, Chevy Tahoe und Ford Mustang – kann also Deine Begeisterung verstehen. Allerdings sollte man die „langweiligen“ und definitiv langwierigen Teilstrecken nicht vergessen. Sie gerhören einfach dazu und haben die Mother Road ebenso geprägt, wie die Strecke durch Arizona. Was die Übernachtungen angeht, kann ich Ellen & Udo nur beipflichten – aber hinsichtlich des Autos….. ;-) Bin gespannt auf Euren Block!
    Genießt die Zeit auf weiteren grandiosen Touren und berichtet darüber!
    Liebe Grüße
    Bernd

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