Nach meiner einschneidenden Erfahrung auf Hawaii – sich in Zukunft frei zu fühlen, mit wenig Geld zufrieden zu sein und ohne Luxus zu leben – kaufte ich mir eine günstige, transportable Behausung: Ein Zelt! Der Kaufpreis meines neuen, grünen Dachs über dem Kopf war immerhin günstiger als die beiden Nächte, die ich an der Nordsee in der laufenden Hauptsaison in einem Hotel hätte bezahlen müssen.

Das erste Mal also alleine campen. Ich hatte noch nie zuvor ein Zelt selbst aufgebaut und das letzte Mal zelten war eine gefühlte Ewigkeit her. Der Aufbau würde mich zwar wahrscheinlich nicht überfordern, aber irgendwie erschien es mir eine lästige Begleiterscheinung zu sein. Vom Packen vorher ganz zu schweigen, denn ich hatte auch noch zwei vierbeinige Begleiter dabei.

Ostfriesland.  Warum gibt es eigentlich Regionen in Deutschland, die die Endung »-land« tragen? Das ist doch gerade für die wachsende Anzahl ungebildeter Menschen in unserem Land völlig irreführend! Allerdings muss ich zugeben, dass ich selbst – bis auf die Erinnerung, dass Otto Walkes hier irgendwo im vorigen Jahrhundert sein Unwesen getrieben hat, – auch nicht viel über die Region im norddeutschen Niedersachen nahe der holländischen Grenze wusste.


Was erwartet einen in Ostfriesland?  Die Nordsee, plattes Land, sehr viel Wind, schwarze und weiße Schafe, Marienkäfer, Pferde, Kühe, Deiche, frischer Fisch und Unmengen von Windrädern. Wer nicht gerade im windstilleren Hochsommer hierher kommt, darf beim Packen zwei Dinge nicht vergessen: Mütze und Lippenpflegestift! Alkohol ist auch nicht verkehrt.

Wie ist das Zelten so?  Als ich beim Nordseecamp Norddeich telefonisch einen Platz reservierte, war ich ganz verzückt von diesem vermeintlich günstigen Übernachtungs-Preis. Da war von 7,50 Euro pro Nacht die Rede. Am Ende kamen dann aber noch Kurtaxe, Strom, Hunde und WIFI hinzu, wodurch es dann doch mehr als 20 Euro die Nacht wurden.


Hundestrand – top oder flop?  Wir alle wissen, wie viele durchgeknallte Hundebesitzer es gibt. An diesem Tag waren sie alle hier! Aus meiner Sicht gibt es schönere Strandplätze, die man mit seinem Hund besuchen kann. Hier herrscht allgemein Leinenpflicht, an nahezu allen Deichen ist Hundeverbot und außerdem war es so überfüllt, dass an Ruhe und Entspannung gar nicht zu denken war.

Wie sind die Ostfriesen so?  Direkt! Hier wird nicht um den heißen Brei herum geredet – hier werden Nägel mit Köppen gemacht. Zu jeder Tageszeit sagt man »Moin!« oder »Moin moin!«, es wird gerne mal dreckig gelacht, geärgert oder geneckt. Dem Großstädter fällt wahrscheinlich auch nach nicht allzu langer Zeit auf, dass hier noch Recht und Ordnung zu herrschen scheint.


Muss man mal hier gewesen sein?  Ich glaube, das hängt ganz stark vom eigenen Geschmack ab. Mir persönlich gefällt die Ostsee- und auch die belgische Nordsee-Küste mit ihren individuellen Eigenarten besser. Dennoch ist diese Region ein guter Ausgangspunkt für Fährfahrten auf die ostfriesischen Inseln Norderney, Juist, Borkum & Co., die sich für Tagesausflüge eignen. Auch eine Wattwanderung kann ganz lustig sein, allerdings nur zur richtigen Tageszeit.

Hier noch ein paar Sprachtipps für Ostfriesland-Beginner:

  • Auf Wiedersehen! – Holl die munter!
  • Wie geht es dir? – Wo geiht di dat?
  • Ich würde gerne was essen. – Ik much geern wat eten.
  • Erstmal eine Tasse Tee! – Eerstmal en Koppke Tee!


Alleine zelten?  Sagen wir mal so: Für mich gibt es Schöneres! Ich beneide und bewundere immer die weltreisenden Jungs, die abends irgendwo am Straßenrand ihr Zelt aufschlagen, dort übernachten und am nächsten Tag einfach weiterfahren. Ich verbinde mit Campen eher etwas Geselliges: Grillen, nachts auf dem Weg zum WC durch’s nasse Gras laufen usw.. Alleine zelten ist sehr weit entfernt von dieser Vorstellung, aber es ist eine einfache und günstige Lösung, eine Nacht außerhalb der eigenen Wohnung zu verbringen.

Würde ich es wieder tun?  Ohne Hund und aus reinem Vergnügen eher nicht. Mit Hund und zum Beispiel auf der Durchreise jedoch immer wieder. Dann klappt’s auch mit einem schnelleren Zeltaufbau…

 

13 Kommentare

  1. Du gehst zum ersten Mal zelten und dann auch noch in meiner Heimat?! Un denn lernst du ok noch uuns sprook? Dat froit mi nu ober richtich! Holl di munter!

  2. Ha ha, sehr schön das Video. 20€ pro Nacht kommen da zusammen? Dafür kann man doch wahrscheinlich schon in einer günstigen Pension Übernachten, oder?

    1. Hi Robin, stimmt! Ich war letztes Wochenende nochmal dort und habe in einer Pension für sage und schreibe 13 Euro INKLUSIVE üppigem Frühstück übernachtet :)) Aber lustig war’s irgendwie trotzdem…

  3. Großartig! Für mich ist das Zelt dann auch eher eine Möglichkeit in Gegenden zu bleiben, in denen es einfach gar keine Unterkunft gibt (z.B. in Bolivien, wo ich nach einem 4.500m Aufstieg mit dem Bike in 2 Tagen ankommen werde;-). Billiger ist das nicht immer. Seit gestern habe ich jedenfalls noch eine schöne Zeltlampe, damit ich nicht mit Sonnenuntergang im Zelt die Augen zumachen muss. Herzliche Grüße aus Chile / Arica

    1. Tja, du bist eben einer der besagten Männer, die ich um das mal eben Zelt aufstellen beneide! (Wenn auch nicht um das anstrengende Radfahren :)) Viel Spaß noch in Chile!!

  4. Yey! Sau coole Sache, Du!
    Habe voll Sehnsucht nach der Natur und werde demnächst auch einfach mal ein Zelt im Grünen in der Nähe von Berlin aufschlagen.
    Mal sehen was sich da so für schöne Flecken finden =)
    Travel on!
    Ben

  5. Ostfriesland ist wunderschön, als ich letzten Sommer dort mit dem Mietwagen herumgecruist bin, hatte ich definitiv eine großartige Zeit. Wie du aber gesagt hast, Zelten gehen auf einem offiziellen Campingplatz zahlt sich nicht aus, da kann man gleich in einer günstigen Jugendherberge absteigen. :)
    Liebe Grüße

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