Thailand

One night in Bangkok…

Nach 22 Stunden Reisezeit von Köln nach Bangkok fiel ich tot ins Bett. Eigentlich war das ziemlich ungünstig, denn durch die 6 Stunden Zeitverschiebung war hier helllichter Tag. Durch meinen hypernervösen Sitznachbarn, der auf der Langstrecke zwischendurch unerlaubter Weise Elektrozigaretten rauchte, habe ich trotz der angenehmen Liegesituation in Reihe 1 kein Auge zugemacht. Und so rangen Engelchen und Teufelchen mit mir um Schlaf und Action in der thailändischen Hauptstadt. Ich schlug ihnen den Kompromiss vor, spät abends noch mal rauszugehen. Alle waren zufrieden.
Die Taxi-Fahrt vom Flughafen Suvarnabhu bis zu meiner Unterkunft dauerte knapp eine Stunde und kostete inklusive der Highway-Gebühr insgesamt 460 THB (12 €). Alternativ hätte es den Skytrain gegeben, aber bei dieser geringen Taxi-Gebühr wollte ich mir den Luxus ruhig gönnen. In Bangkok gibt es übrigens zwei Flughäfen. Ein Visum braucht man für Thailand erfreulicher Weise nicht. Die Währung ist Thailändischer Baht, 1 € sind etwa 42 THB…
In meinem Guesthouse mit dem witzigen Namen Focal Local befinde ich mich für 1.420 THB (35 €) in einem Einheimischen-Viertel im Südwesten der Stadt. Hier wimmelt es nur so von Garküchen, deren dahinter liegende Räume meist gleichzeitig das eigene Heim darstellen. Der Fluss und auch die nächste Skytrain-Station sind nur etwa 10 Gehminuten entfernt, eine Fahrt zur Station mit dem Tuktuk wird sogar vom Hostel übernommen.
Der Mitarbeiter meiner Unterkunft drückte mir beim Einchecken eine selbst gemachte Skizze in die Hand, welche die wichtigsten Shops, Restaurants und Garküchen von der Umgebung darstellte. Ein super Service, wie ich fand. Vielleicht einer der Gründe für den 1. Platz von 330 Pensionen in Bangkok bei Tripadvisor. Nach ein paar Schlummerstunden raffte ich mich also abends auf, um etwas Essbares aufzutreiben. 

Selbstverständlich wollte ich an meinem einzigen Tag in dieser Stadt thailändisch essen und begab mich auf den Weg zu den empfohlenen Garküchen. Ich nahm in einem der Restaurants Platz und bestellte eine Spicy Soup mit Pork and Fish. Es blieb zu hoffen, dass ich das thailändische „Spicy“ verkraften würde. Vorsorglich stellte ich mir für eine eventuell notwendige Lösch-Aktion einen Apfelsaft auf den Tisch.

Tränende Augen blieben zwar aus, aber ich fühlte mich irgendwie beobachtet… bis ich sie sah: Eine Schabe (gemeine Zungen würden sie herablassend als Kakerlake bezeichnen) kauerte lüsternd auf dem Lichtschalter direkt neben meinem Kopf. Allerdings machte auch der Schalter keinen besonders appetitlichen Eindruck. Schon vorher hatte ich mich beim Anblick des schweißgebadeten Kochs gefragt, ob die Tropfen auf seiner Stirn wohl in meiner Suppe landen würden. Die Kakerlake konnte mich daher nun auch nicht mehr schocken. 

Die Suppe würde mich nicht umbringen und ich stellte mir vor, dass die kleinen Chilis darin eine desinfizierende Wirkung hätten. Bei uns in Deutschland wäre diese Bude durch das Gesundheitsamt längst dicht gemacht worden, aber hier gehört das irgendwie dazu. Solange der Magen mitspielt, stört es mich jedenfalls nicht. Und erfreulich günstige 70 THB (1,80 €) für Suppe und Getränk ließen den Schweiß des Kochs und die Schabe schnell vergessen.

Eigentlich hatte ich geplant, dem Rotlichtviertel in Silom östlich vom Fluss noch einen Besuch abzustatten, aber die Müdigkeit fiel auf mich herein und zwang mich zur Rückkehr in mein Bett. Vor zwei Jahren habe ich mal in Silom zufällig und unwissend zwei Nächte verbracht und hätte diesmal gerne ein paar weitere Fotos gemacht. Unmengen von alten, haarlosen, fetten Säcken sitzen und warten in Bars auf das junge Glück. Als Frau finde ich es faszinierend und schockierend zugleich, wie sich diese jungen hübschen Thailänderinnen bei diesen Männern derart anbiedern können. Aber ich verstehe die Interessen beider Seiten, wenngleich ich für die Frauen großes Mitleid empfinde.

Auf der kleinen Straße meines Guesthouses ist es zu fortgeschrittener Stunde ruhig geworden. Für die Garküchenbesitzer findet nun das Leben in den eigenen vier Wänden statt, das man im Vorbeigehen live miterleben kann. Es ist hier spät abends noch unglaublich warm, also etwa 25° mit einer Luftfeuchtigkeit von über 50%, wodurch es nicht verwunderlich ist, dass die Menschen hier Türen und Fenster weit geöffnet lassen, denn eine Klimaanlage besitzen in dieser Gegend wohl die wenigsten. Morgen würde ich noch bis ungefähr 11 Uhr Zeit haben, etwas mehr über dieses Viertel zu erfahren. Ich müsste auf jeden Fall einmal zum Fluss!

Vom Jetlag aufgrund des Schlafdefizits keine Spur, bin sogar zu spät aufgewacht. Nach einem Frühstück, das in meinem Hostel unerwartet thailändisch in Form eines süß-sauren Hühnchens mit Reis und Ananas ausfiel, ging es gleich los Richtung Markt. Auch am frühen Morgen brannte die Sonne schon erbarmungslos auf mich herab. 

In meiner Straße hatten alle schon wieder ihre Arbeit aufgenommen, legten ihre Speisen zurecht und brutzelten vor sich hin. Bis zum großen Markt, der sich unmittelbar auf der Tempelanlage mit dem unaussprechlichen Namen Wat Sawettachat Worawihan befand, waren es nur wenige Minuten. Ich war allerdings gegen zehn Uhr offensichtlich schon so spät, dass alle damit beschäftigt waren, ihre übrig gebliebenen Sachen wieder einzupacken.

Nicht alle waren in Hektik. Besonders die Frauen grüßten herzlich und hätten mir gerne etwas von ihren Gerichten verkauft, aber ich hatte ja vor kurzem schon ein üppiges Frühstück bekommen. Es wundert mich ohnehin, wie die Asiaten stets so viel essen können und trotzdem so schlank bleiben. Und das gleich mehrmals am Tag. Okay, vier oder fünf Suppen am Tag würde ich auch schaffen.

Ich finde es immer schade, dass man mangels der verbalen Austauschmöglichkeit mit Einheimischen  nicht weiß, was sie alles in ihren Töpfen haben. Es sei denn, man hat einen Guide dabei, aber das ist eher selten der Fall. Irgendwie habe ich immer die Sorge, dass es ein Gericht sein könnte, das ich nicht mag. Oder dass ich die Zutaten nicht bestimmen kann.

Der Tempel hatte zig Ausgänge. Ich entschied mich für einen der Hinterausgänge und befand mich plötzlich in einem engen Gassen-Wirrwarr. Vom Gefühl her müsste es hier irgendwie zum Fluss gehen. Ich entschied mich für einen Gang und lag richtig. 

Hier lächelten mich ausnahmslos alle Frauen an und begrüßten mich freudig mit ‚Sawadee kha‘. Einige sprachen mit auch auf Thai an. Die Männer beäugten mich eher argwöhnisch. Der Gang wurde immer enger. Rauch und Qualm kam aus den kleinen Hütten, in denen natürlich auch wieder gekocht wurde.

Endlich kam ich aus dem düsteren, verrauchten Gang wieder ans Tageslicht. Die Hütten standen inzwischen auf Stelzen. Und am Ende des Weges ließ sich auch der kleine Pier vermuten. Mir war gar nicht bewusst, dass sich hier ein offizieller Anlegesteg namens Wat Sawetachat befindet, von dem man aus man mit dem sog. Chao Phraya Express Boat diverse andere Boots-Anlegestellen erreichen kann. 
Ich brauchte nicht nachzuschauen, wohin die Wasserwege der Boote führen könnten, denn leider war meine Zeit in Bangkok bald abgelaufen. Mittlerweile fand ich das ehrlich gesagt etwas schade. Aber in dieser riesigen und interessanten Stadt war ich bestimmt nicht zum letzten Mal. 

Der Blick von diesem Anlege-Platz war fantastisch. Wolkenkratzer auf der linken Seite, ein Riesenrad zu meiner rechten. Die kleinen Wege am Ufer waren liebevoll mit Blumen versehen, aus den Hütten allerdings quillten Krempel, Müll und altes Kinderspielzeug. Thailändische Ordnung eben.

Zurück zum Hostel ging es in schnellen Schritten, der Flug mit Bangkok Airways würde um 13:30 Uhr starten. Nun konnte die eigentliche Reise beginnen: Indochina.

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