… wohl einer der bekanntesten Sprüche zu diesem Land. Eigentlich wollte ich wieder mit dem Bus die Grenze zu Panama überschreiten, aber angesichts der erneut langen Fahrt und den zu erwartenden, endlosen Wartezeiten an der Grenze für Aus- und Einreise wollte ich mich diesen Strapazen nicht noch einmal aussetzen. Bei der im Verhältnis kurzen Reisezeit habe ich mir daher den Flug von San José nach Panama Stadt gegönnt. Kostenpunkt 133 US$ für eine Stunde Flug mit Sansa Regional Airlines. Und was kann man nun zu Panama sagen?

Die Hauptstadt ist riesig- hier befinden sich allein acht der zehn größten Hochhäuser Mittelamerikas und eine große Anzahl von Wolkenkratzern bieten den Anblick einer mächtigen Skyline.

Der Verkehr in der Rush-Hour ist eine Katastrophe. Dafür entschädigte mein B&B. Das Dos Palmitos liegt ruhig und relativ zentral, ist allerdings mit 60 US$ pro Nacht auch nicht gerade ein Schnäppchen. Dafür gibt es bei der sehr netten Besitzerin Angeline ein gutes Frühstück und weitere Snacks. In der zweiten Nacht erlitt ich beinahe einen Herzinfarkt, als eine ziemlich große Kakerlake vom Ventilator herunterfallen zu schien und auf meinem linken Bein landete. Und wie Kakerlaken nun einmal sind- sie sind sehr seeehr schnell. Licht an und ein herumliegender Schuh erledigte den Rest.

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In Panama Stadt wollte ich zwei Tage verbringen, bevor es auf die San Blas Inseln gehen sollte. Zum einen wollte ich natürlich den Panama-Kanal sehen, zum anderen interessierten mich die indigenen Bewohner Panamas, die hier in Panama City etwa eine Autostunde entfernt leben. Beides vereint bot die Agentur Barefoot Panama an.

Mit dem Amerikaner Kevin, der seit acht Jahren in Panama lebt, ging es dann früh morgens nicht wie erwartet zu der berühmten Schleuse, sondern mit einem relativ kleinen Boot direkt in den Fluss! Hier wurde mir zum ersten Mal die unglaubliche Dimension der Schiffe und Frachter bewusst, denen wir – für mein Empfinden – zum Teil bedrohlich nahe kamen. Während des Passierens kamen wir zudem durch die vom Schiff verdrängte Wassermenge ordentlich ins Schaukeln.

Aber es gab kurze Zeit später im Soberania Nationalpark auch noch einen netten Besuch von kleinen Kapuziner-Äffchen, die sich an den von Kevin mitgebrachten Bananen und Mangos erfreuten. Obwohl der Affe auf dem Foto eher so aussieht, als würde er mich auslachen. Vielleicht war ich ja durch die Schaukelei ein wenig grün um die Nase geworden…

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Nach dem Lunch mit Ceviche (roher, klein geschnittener Fisch in Limettensaft mariniert) brachte Kevin die beiden Amerikanerinnen und mich in das Emberá-Dorf. Ursprünglich wollte ich mit der in Panama bekannten Amerikanerin Anne Gordon einen Stamm besuchen und dort auch über Nacht bleiben, aber leider passten ihre Daten nicht mit meinem ziemlich unflexiblen Zeitplan überein.

Am Ufer wurden wir bereits von einem Häuptling und einem kleinen Jungen erwartet. Mit einem Kanu brachten sie uns zu ihrem abgeschieden gelegenen Dorf.

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Den Jungen mag ich sehr. Er angelt während unserer Fahrt mit einer dünnen Schnur nach Fischen, bleibt aber erfolglos.

Das Dorf besteht aus etwa zehn Häusern. Farbenfrohe Tücher hängen zum Trocknen auf Wäscheleinen, Frauen sitzen auf ihrer Veranda und Kinder spielen Verstecken im Wald. Ich frage mich oft, ob Menschen ohne diesen extremen Materialismus und einer „Alles ist möglich-Mentalität“ glücklicher sind. Einerseits könnte ich mir das schon vorstellen, andererseits fällt mir der Gedanke schwer, dass man in einem Kreis von nur vielleicht 30-40 Menschen sein ganzes Leben verbringt. Ausprobieren möchte ich das jedenfalls nicht, auch wenn ich den Gedanken an ein Leben ohne jeglichen Materialismus nicht uninteressant finde.

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Einer der Stammesmitglieder führte uns nach einer kleinen Einweisung herum, stellte uns einige der tendenziell sehr klein gewachsenen Mitglieder der Community vor und führte uns anschließend über einen Pfad in den Regenwald.

Die Indigenen versorgen sich hier größtenteils selbst und nutzen eine überraschend große Anzahl von Heilpflanzen, um sich selbst medizinisch behandeln zu können. Leider ist das jedoch manchmal nicht möglich, da Krankheiten, die von außen in das Dorf eindringen, nicht mit den herkömmlichen Heilpflanzen geheilt werden können.

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Später gab es im Dorfzentrum noch eine Tanzvorführung und eine Verkaufsveranstaltung, wodurch das Ganze nicht 100% authentisch war, aber für einen ersten Einblick in das Leben der Indianer durchaus sinnvoll und empfehlenswert. Zudem sollte man dafür Verständnis haben, denn schließlich lassen sie Fremde und Neugierige in ihre Privatsphäre eindringen, was – in welcher Form auch immer – durchaus auch honoriert werden sollte.

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Auf dem Rückweg brachte uns Kevin als letzten Stop in die Gamboa Rainforest Lodge, ein Luxushotel mit atemberaubendem Blick auf den Panama Kanal. Ab 185 US$ kann man hier ein Zimmer mieten und sich verwöhnen lassen. Nicht ganz meine Preiskategorie, aber für einen kleinen Einblick in das Leben der Reichen, Alten und Schönen, den Besuch des WC’s und des hauseigenen Kiosks sowie die Nutzung des Geldautomaten ein hervorragender Ort.

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Alles in allem war das ein gelungener Ausflug mit tollen Eindrücken. Panama ist übrigens reisetechnisch ein ziemlich teures Land, sogar noch kostspieliger als Costa Rica. Nun geht es bald auf die San Blas Inseln und ich bin schon ultra-gespannt auf das, was mich dort erwartet. Ich hätte auch gerne die berühmte Insel Bocas del Toro nahe der costaricanischen Grenze besucht (einfach mal Bilder davon googlen), aber einen Tod musste ich in Bezug auf meine Planung sterben und von dieser Insel hatte ich von einer hohen Diebstahl-Rate gelesen, weshalb ich mich für die etwas ursprünglichere Inselgruppe San Blas entschieden habe. Ganz davon abgesehen gab es so kurzfristig kaum Flug-Alternativen und ich fand auch nur eine Unterkunft, in der ich zwei Nächte bleiben konnte.

Mir fehlen nun noch die existenziellen Sehenswürdigkeiten, die Schleuse des Panama-Kanals und das alte Stadtgebiet Casco Viejo. Beides werde ich mir nach meiner Rückkehr von San Blas anschauen.

 

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