Kambodscha

Von Phnom Penh nach Siem Reap

Mit dem Minivan für 12 US$ (9,50 €) begann um 8.30 Uhr die etwa 5-stündige Fahrt nach Siem Reap, meiner letzten Destination vor der Rückreise nach Deutschland. Der Tempel Angkor Wat begeistert mich schon seit Jahren und nun ist es endlich bald soweit.
Die gesamte Strecke war extrem holprig und es schien, als sei Phnom Penh eine einzige Baustelle. Kaum eine Straße in den ersten 1 ½ Stunden Fahrt war ohne Bauarbeiter, Konstruktionen oder Sand festzustellen…
Ich staunte nicht schlecht, als das etwa 14-jährige kambodschanische Mädchen neben mir plötzlich nahezu lautlos in eine kleine schwarze Tüte erbrach. Kurze Zeit später noch mal. Eine Stunde später nahm sie eine weitere Tüte. Obwohl der Fahrer ihr Problem bemerkte, machte er keine Anstalten anzuhalten. Die gefüllten Tüten baumelten daher bis zum ersten Halt nach mehr als zwei Stunden in der Hand des Mädchens zwischen ihren Beinen. Fairer Weise trug sie einen Mundschutz, was mich hoffentlich von einer Ansteckung verschonen würde.
Je mehr wir Richtung Siem Reap fuhren, umso ländlicher wurde die Gegend. Felder, Palmen, roter Sand, Bauern, Traktoren und Wasserbüffel. Unterwegs gab es an den Haltestellen gelbe Eier auf Reis und geröstete Heuschrecken. Mmmmhhhh….
In Siem Reap angekommen, ließ uns der Fahrer am Old Market im Zentrum raus. Mit dem Tuktuk fuhr ich für 2 $ zu meinem Hotel namens Gloria Angkor. Ich wusste zwar, dass es nicht weit vom Zentrum entfernt war, fand die Lage dann aber nach etwa 10-minütiger Fahrt stadtauswärts doch nicht mehr so perfekt.

Die Situation änderte sich schnell, als ich dort eintraf. Zum einen war der Preis von 20 $ pro Nacht inklusive Frühstück für ein großes Zimmer mit A/C, Kühlschrank, TV usw. unschlagbar und zum anderen war der Service des überfürsorglichen Personals klasse. Nicht umsonst die # 2 der Hotels in Siem Reap bei Tripadvisor.

Zwei volle Tage standen mir ab morgen zur Verfügung. Einer war für eine Tour nach Angkor Wat bestimmt, der andere zum Relaxen. Die große Tempelanlage war nur etwa 10 Tuktuk-Minuten entfernt. Ich wollte gerne Angkor Wat und die floating villages im Tonle Sap See an einem Tag sehen. Mein Hotel bot mir die komplette Tagestour mit Tuktuk-Fahrer für 25 $ (19,50 €) an, was meines Erachtens vollkommen in Ordnung war.

Diesen Nachmittag und Abend wollte ich im Zentrum Siem Reaps verbringen. Start war wieder am Old Market. Mehr Touristen in einem Ort sind kaum vorstellbar und dementsprechend ist auch alles auf die einkaufswillige Kundschaft ausgelegt. Dennoch hielt dieser Markt, der sich überwiegend überdacht über einen ganzen Block erstreckt, verschiedene lokale Köstlichkeiten bereit. Offenbar kaufen hier trotz der Überzahl an Souvenirläden auch Einheimische ein.

Wieder gibt es Fleisch in allen Arten, Formen und Sorten. Eingeweide werden in Form aufgeschlitzter Tiere wie z. B. Hühnern oder Fischen angepriesen. Wenigstens waren diesmal alle Tiere mausetot und nicht gerade mit ihrem Ableben beschäftigt.
Was man mit einem ganzen Schweinskopf anstellt, sofern er nicht nur als Dekoration galt, vermochte ich mir gar nicht auszudenken. Auch die Hühnerbeine, die bei uns wohl eher Abfall darstellen, werden hier feierlich und fein gesäubert auf den Tischen nebeneinander drapiert.
Die meterlangen Tische der Fleischer lüften sich sukzessive gegen Abend. Es ist meines Erachtens ohnehin ungewöhnlich, dass sich der Markt für Obst, Gemüse und Fleisch nicht nur auf den Vormittag beschränkt. Ich hatte jetzt jedenfalls genug Fleisch für diese Reise gesehen.

Das heißt- dem Menschenfleisch entgeht man leider nicht. Zig Fischpediküre-Läden buhlen auf den Straßen um Kunden und so sieht man überall dicke und dünne Beine im Wasser hängen, die sich von kleinen Putzerfischen die Hornhaut von den Füßen nagen lassen.

Im Grunde eine ziemlich absurde Idee, denn nur wenige Meter entfernt spielen von Landminen versehrte Männer (denen zum Teil Arme oder Beine fehlen) Instrumente, um sich mit dem Trinkgeld ihr Leben und das ihrer Familien ernähren zu können.

In den Straßen um den Markt herum gibt es sogenannte Pub Streets, das sind mehr oder weniger kleine Gassen mit Restaurants und Bars. Auch sind hier Hotels zu finden, deren Maß an Entspannung ich bei dem hohen Geräuschpegel vor einer Buchung in Frage stellen würde. Ein weiteres Highlight sind hier die Nachtmärkte, sofern man an Shopping interessiert ist. Sowohl auf die Pub Streets als auch auf die Nachtmärkte wird abends mit großen Leuchtreklamen wegweisend hingewiesen.

Nach einem etwas längeren Spaziergang durch die Straßen und Gassen des Zentrums werden einem auf kurz oder lang die klaffenden Gegensätze auffallen. Auf der einen Seite Lokalitäten für die Reichen und Schönen, auf der anderen Seite einfache Geschäfte für die Locals und Müll in den Hinterhöfen.
Das exklusive FCC Angkor Boutique Hotel liegt an einer größeren Straße am Fluss und verfügt nicht nur über einen Pool, ein eigenes Restaurant und Bar, sondern hat auch ein Spa, eine Galerie und diverse Geschäfte mit hochwertigen Artikeln und Souvenirs. Da kann zum Beispiel ein etwa 20 cm großer Buddha auch schon mal 190 $ kosten.
Einblick in einen der Hinterhöfe in den Seitenstraßen im Zentrum Siem Reaps. Die Wurzeln der Bäume machen auch vor den Bürgersteigen nicht Halt und bieten schon mal einen guten Vorgeschmack auf Angkor Wat, wo diese Bäume zum Teil auf den Tempeln wachsen – wie auch immer das überhaupt funktionieren kann.
Siem Reap bietet ein vielseitiges Nachtleben im Zentrum. Die Straßen und Nachtmärkte sind mit nicht zu übersehenden Leuchtreklamen versehen und bieten auch für die, die auf lokale Gerichte keine Lust haben, ein riesiges Spektrum an dem alltäglichen Western und Fast Food. Die Kambodschaner haben sich hier voll auf die Bedürfnisse eines Großteils seiner Gäste eingestellt: Fritten, Pizza, Nudeln usw. bekommt man in allen Variationen. Wie das letzten Endes schmeckt, kann ich nicht sagen.
Ich vergnügte mich da lieber mit einem Singapore Sling und frischem Fisch mit Reis und dann könnte es morgen endlich losgehen: Angkor Wat wartete bereits auf mich!

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1 Kommentar

  • Antworten
    Silko
    13. Juni 2014 um 7:27

    Hallo Ute,
    vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die „Pubstreet“ ihren Namen eigentlich nicht verdient. Kommen auf 9 Restaurants doch eine Bar. (Mein persönlicher Eindruck)
    Du hast völlig recht damit wenn du sagst, hier sei alles auf die „Kundschaft“ ausgerichtet. Wäre Angkok Wat nicht bei Siem Reap, wäre hier Brachland… :-)
    Bin noch vor Ort, fliege aber morgen nach Sihanoukville. Würden mir hier nicht minütlich ein Tuk-Tuk, Drogen oder „Ladies“ angeboten, würde ich vielleicht sogar ein paar Tage länger bleiben, aber so..
    Ich brauche auch ein „No, thank you“! T-Shirt. ;-)
    Viele Grüße, wo immer du auch gerade steckst,
    Silko

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