Eigentlich wollte ich von Kapstadt direkt nach Madagaskar fliegen. Da der Flug ohnehin einen Stopp in Johannesburg gemacht hätte, entschied ich mich kurzerhand für einen Stopover in der größten Stadt Afrikas. Auch Joburg, wie man es gerne nennt, würde ich in punkto Sicherheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. 

Meine Wahl fiel daher auf eines der als relativ sicher geltenden Viertel: Melville. Dieser Stadtteil liegt im Norden der Stadt und ist etwas mehr als eine halbe Stunde vom Flughafen entfernt. Ursprünglich hätte ich in dem als bestes Guesthouse von Melville geltende Lucky Bean unterkommen sollen.

Johannesburg MelvilleDer Besitzer setzte mich aber erst vorgestern davon in Kenntnis, dass er eine Buchung übersehen und mich dafür als Entschädigung im besten Zimmer des nahe gelegenen Melville Turret Guesthouses untergebracht hätte. Diese Information sorgte erst für Verärgerung, die sich aber unmittelbar nach Betreten meiner neuen Bleibe in Luft auflöste. Eine ältere Lady führte mich über zwei steile Treppen in das Dach-Loft-Studio, dem es an rein gar nichts mangelte.

Eigene Küche, frei stehende Badewanne, Panoramablick auf die Stadt, eigene kleine Terrasse mit Teak-Stühlen… wow!! Der Besitzer des Lucky Bean hatte sich nicht lumpen lassen und offensichtlich auch noch etwas drauf gelegt. Mein Zimmer hätte bei ihm etwa 48 € gekostet, das hier lag bei 60 €. Nun wollte ich aber noch schnell etwas von dem Viertel kennen lernen. Durch eine mehr als 2-stündige Flugverspätung blieb mir am mittlerweile späten Nachmittag nicht mehr viel Zeit. Aber die Hauptstraße 7th lag nur zwei Blocks entfernt und war somit problemlos zu bewältigen.

Auch trotz der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze der notwendig gewordenen Regenjacke fiel mir auf, dass ich mich in einer der wohlhabenderen Gegend befand. Überall rankten schöne Blumen über die hohen Mauern der Häuser, die allesamt zwischen ein bis drei Warnschilder draußen befestigt hatten: “Vorsicht bissiger Hund” mit Rottweiler-Aufkleber und “Armed response” (bewaffnete Gegenwehr) waren dabei die gängigsten. Stacheldraht- und Elektro-Zäune zierten die Mauerspitzen. Ein Security-Wachposten stand in seinem Häuschen am Straßenrand. Sollte ich jetzt Angst haben oder beruhigt sein, fragte ich mich.

Johannesburg Melville Viertel Johannesburg Viertel Die 7th Street hatte ich mir ehrlich gesagt anders vorgestellt. Größer und irgendwie hochwertiger. Anstattdessen gab es ein paar nette Bars und Restaurants, einen Supermarkt und für diese Straße meines Erachtens überproportional viele Vintage- bzw. Second Hand-Läden, also Trödel und alte Klamotten. Ich setzte mich auf die Terrasse des Nuno’s und vertilgte dort eine etwas seltsam anmutende Vorspeise mit mindestens fünf Lagen überbackenem Käse.

Währenddessen wurde ich ungefähr fünf Mal von Straßenverkäufern gestört, die mir ihre aus kleinen bunten Perlchen zusammen gebastelten Draht-Elefanten und -Giraffen andrehen wollten. Ich vertröstete alle auf den nächsten Nachmittag, dann wäre ich wieder da und hätte auch Geld dabei. Alle waren glücklich. Nur würde ich morgen nicht mehr da sein. Noch eine Runde bergab und wieder bergauf, dann ab in das neue, luxuriöse Zuhause.

Hotel Johannesburg MelvilleKeine Frage, die Zeit war natürlich viel zu kurz, um sich auch nur einen kleinen Eindruck über diese riesige Stadt zu machen. Es wird hier zweifellos tolle Plätze geben, bestimmt kann man auch super Shoppen und Ausgehen, aber diese extremen Sicherheitsvorkehrungen sind irgendwie nicht mein Ding. Mit dem Gefühl, ständig in einem Hochsicherheitstrakt leben zu müssen, könnte ich nicht leben. Mein Taxifahrer erklärte mir zwar, dass die Kriminalität gar nicht mehr so schlimm sei und es eben Zeit brauche, bis Johannesburg seinen Namen wieder reingewaschen hat, aber die Zahlen mit mehreren Morden pro Tag sprechen da doch eine andere Sprache…

Sei’s drum, morgen fliege ich weiter in die Hauptstadt Madagaskars.

 

3 Kommentare

  1. Oh je, da würde ich mich aber auch nicht wohlfühlen… Mir reichen schon die Sicherheitsmaßnahmen, die wir in Deutschland treffen müssen. Gut, dass du gleich weiter geflogen bist!

  2. Hallo,
    ich (weiblich, ledig, junge 50) lebe seit 3 Jahren in Johannesburg und liebe es! Sicher ist es nicht Deutschland oder gar Asien, wo ich auch einige Jahre verbracht habe. Aber wer in der ganzen Welt zu Hause sein möchte, ist in Johannesburg gut aufgehoben. Soviele Kulturen, soviele Sprachen, soviele Religionen… alles in einer Stadt. Und in Afrika. Leider gibt es auf der ganzen Welt Armut, Gewalt, Ungerechtigkeit. Man muss bei sich selbst anfangen. Ich hatte noch nie Angst in Johannesburg und bin schon (ganz alleine) durch ganz Südafrika gereist… und auch nach Mozambique.

    1. Hallo liebe Ilka,
      vielen Dank für deinen Beitrag! Ich habe unterwegs viele kennen gelernt, die von der Stadt ebenso begeistert sind wie du. Leider hatte ich nicht genug Zeit, mich davon überzeugen zu können – aber beim nächsten Mal. Wünsche dir noch eine schöne Zeit in Jo’burg :)

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