Manchmal sind es die kleinen Zufälle, die einen zu besonderen Orten führen und zu ganz besonderen Erlebnissen werden. In diesem Fall war es der aufsteigende Dampf einer nostalgischen Eisenbahn, der mich auf dem Weg von Norddeutschland Richtung Süden anhalten ließ. Die schwarz-rote Lok an diesem alten Bahnhof im Harz nannte sich Brockenbahn und brachte seine Fahrgäste bis auf die Spitze des 1.140 m hohen Brockens. »Muss man mal oben gewesen sein?«, fragte ich den Schaffner skeptisch. Ich bin froh, dass er darauf eine bejahende Antwort gab.

Trotz des nicht gerade einladenden, regnerischen Wetters entschied ich mich für eine Übernachtung in der Nähe des Ortes Schierke am Nationalpark Harz, wo sich erfreulicher Weise auch eine Bahnstation im Wald befindet. Nun galt es eine Entscheidung zu treffen: Sollte ich lieber die 5,5 km bis zum Gipfel in etwa 3 bis 4 Stunden laufen oder für beachtliche 25 Euro mit der Brockenbahn in kurzweiligen 30 Minuten hochfahren? Ich entschied mich für die sportliche Variante, die meinem Hund sehr entgegenkam.

Von Einheimischen wurde ich bereits vorgewarnt, dass die Sicht bei Nebel oben gleich Null wäre. Und die Wahrscheinlichkeit war ziemlich hoch, denn Nebel gibt es in dieser Region an 300 Tagen im Jahr – wie auch an diesem. Aber im Wald störte das nicht – ganz im Gegenteil! Eine mystische Stimmung ergab sich bei den zum Teil kargen Bäumen, durch die sich die felsigen Wege schlängelten. Mit einem vom Regen durchweichten Plan, den mir die Besitzerin des Campingplatzes in die Hand gedrückt hatte, ging es schnaufend bergauf.

Der Weg nach oben ist ab Schierke zwar der kürzeste, aber dennoch nicht der einfachste. Die dicht aneinander stehenden Bäumen, die schon nach wenigen Metern in ein dunkles Nichts zu führen scheinen, jagen einem in dieser menschenleeren Umgebung eine Gänsehaut über den Rücken. Da die verschiedenen Wege nicht immer eindeutig gekennzeichnet sind und ein Verlaufen in diesem riesigen Wald alles andere als wünschenswert war, entschied ich mich kurzerhand für den Rückweg – und die Brockenbahn am nächsten Tag.

Mehr als hundert Jahre schon rasselt die Brockenbahn täglich durch die Wälder dieser Region und ich konnte nur hoffen, dass sich die 25 Euro Fahrtkosten (oneway) für den Weg auf die Spitze des Brockens an diesem Morgen lohnen würden. Gott sei Dank stellte sich die Fahrt als schöne Erfahrung heraus und der Rückweg würde ohnehin zu Fuß erfolgen.

Die halbe Stunde Fahrt vorbei an Felsen, kargen Bäumen und tief abfallenden Schluchten im dichten Nebel ging viel zu schnell vorbei. Obwohl es eine recht kühle Variante ist, kann man sich auf den äußeren Teil des Wagons stellen oder setzen und sich von Dampf und Nebel einhüllen zu lassen. Für den Aufenthalt auf dem Brocken lohnt sich (je nach Jahreszeit) die Mitnahme einer dicken Jacke, Schal, Mütze und Handschuhen, wie sich herausstellte.

Oben angelangt musste ich feststellen, dass ich noch nie in einem so dichten Nebel gestanden hatte. Menschen konnte man nur schemenhaft entdecken und bis auf das am Bahnhof befindliche Café, in dem man sich erstmal einen heißen Kakao gönnen sollte, sah man rein gar nichts – weder das recht prägnante Brockenhaus noch den über 100 m hohen Sendeturm. Und so bleibt einem nichts anderes übrig, als anderen zu folgen und zu hoffen, dass sie das selbe Ziel haben.

Starker Wind pfiff einem hier um die Ohren und nach einigem Umherirren fand auch ich endlich den richtigen Weg, der zurück in den Ort Schierke führen würde. Es fühlte sich ein wenig an wie auf einem anderen Planeten, was durch den einem Raumschiff ähnelnden Sendemast noch verstärkt wurde. Während man sich eigentlich immer nach Sonne und schönem Wetter sehnt, fand ich gerade hier die Erfahrung schön, dass auch Kälte, Nebel und Regen eine ganz besondere Faszination haben können.

  Wer das Wandern nicht gerade für sich erfunden hat, wird selbst bei nur einem Auf- oder Abstieg möglicherweise ein wenig die Zähne zusammenbeißen müssen, denn die Strecke zieht sich ganz schön in die Länge. Es gibt verschiedene Wege bergab- entweder durch dichten Wald oder mehr oder weniger entlang der Bahnschienen, wo immer mal wieder ein Zug an einem vorbei rauschen wird. Wenn man nach etwa drei Stunden im bestenfalls sonnigen Kurort Schierke landet, der mit kleinen Pensionen und Geschäften etwas verwunschen wirkt, hat man alles richtig gemacht.

Der Harzer Brocken ist meiner Meinung nach nicht umsonst eines der beliebtesten Ausflugsziele Deutschlands. Besondere Wälder, die erfreulicher Weise bei jedem Wetter ihren Reiz haben, eine nostalgische Eisenbahn, die einen in die Vergangenheit zurückversetzt, und nicht zuletzt eine interessante Historie, denn zu DDR-Zeiten war der Brocken Fernseh-, Radio- und Abhörstation und Stützpunkt der sowjetischen Armee. Ein super Ausflugsziel für ein Wochenende bzw. drei Tage!

 

Tipps für das Ausflugsziel Harzer Brocken:

  • Unterkunft: Schierke ist ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug auf den Brocken und Umgebung. Hier befindet sich ein Bahnhof für eine Fahrt mit der Brockenbahn. Im Ort selbst gibt es viele Pensionen. Eine schöne und preisgünstige Alternative wäre eine skandinavische Hütte auf dem Campingplatz Harz-Camping am Schierker Stern (Kosten ca. 40-50 Euro pro Nacht). Bei wärmeren Temperaturen bietet sich hier natürlich auch klassisches Camping mit Zelt oder Camper an.
  • Essen: Im Ort Schierke gibt es zum Beispiel den Brockenbäcker auf der Brockenstraße 17a, wo man sich bei monströser, selbstgebackener Brockentorte und heißem Kaffee oder Kakao in einer Decke eingehüllt auf die Terrasse setzen kann.
  • Ausflüge in der Umgebung: Es gibt im Harz verschiedene Höhlen zu besichtigen, z. B. die Baumanns- und Hermannshöhle oder das Besucherbergwerk in Elberingerode.

 

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34 Kommentare

  1. Wir waren auch auf dem Brocken, wir hatten auch Nebel und Null Sicht – und kalt war es zudem. Aber die Fahrt mit der Brockenbahn, die war ein wirklich tolles Erlebnis, die möchte ich nicht missen. Das hat schon was, unter Dampf und mit gemütlichem Tempo hinauf auf den Berg!

    Eine wichtige Information noch: Rollstuhlfahrer können von Mai bis Oktober mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken fahren – von Wernigerode oder Drei Annen Hohne aus. Es wird ein entsprechender Wagen mit ausreichend Raum für bis zu vier Rollstühle in die Bahn eingestellt. Daher und wegen der Hubgeräte als Einstiegshilfe muss man sich als Rollstuhlfahrer drei Tage vorher anmelden: Das geht telefonisch, per Mail und auch online bei der Harzer Schmalspurbahn.

    1. Vielen Dank für die Ergänzung und freut mich, dass es euch auch gefallen hat. Ich möchte unbedingt bald nochmals dorthin und andere Wege rauf/runter ausprobieren – am liebsten bei Schnee :) Viele Grüße! Ute

  2. Ein besonderes Highlight ist es auch, beim Aufstieg einmal Brocken-Benno zu begegnen. Ich weiß gar nicht, ob er noch lebt. Aber vor zwei Jahren habe ich ihn noch gesehen. Ein älterer Mann, weit über 80, der seit Maueröffnung jeden Tag einmal den Brocken zu Fuß besteigt. Mittlerweile hat er das bereits über 8.000 mal getan und ist im Harz eine Legende. http://www.brocken-benno.de

  3. Hallo Ute,
    du hast einen tollen Artikel über meinen Lieblingsberg geschrieben. Ich wohne nur etwas über eine Autostunde von Schierke entfernt und bin deshalb öfter spontan oben. Besonders im Winter bei Schnee, Frost und -15 Grad ist es traumhaft! Allerdings geht bei dem Wind da oben ohne entsprechende Kleidung nichts..
    Wer kann möge sich via webcam und Wetterbericht informieren, um kurzfristig hochzufahren bzw wandern. Denn das Wetter ändert sich rasch.
    Zu empfehlen ist dort oben, oder auch in Drei Annen Hohne Kukki’s Erbsensuppe :-)
    Schierke bietet inzwischen tolle Blockhäuser, nicht ganz billig, aber genial!!

    Viele Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,
      vielen Dank für die tollen Tipps! Ich würde den Brocken auch gerne nochmals bei Schnee wie auch bei viel Sonnenschein und klarer Sicht kennenlernen. Schön finde ich hier gerade das Unberechenbare – jedes Wetter hat seinen ganz besonderen Reiz bei diesem Berg. Freue mich schon auf’s nächste Mal, schade, dass ich etwas weiter entfernt wohne… Viele Grüße zurück, Ute

  4. Ich war als Kind schon mal auf dem Brocken. Wir haben den Aufstieg im Rahmen einer Klassenfahrt gewagt und unsere Lehrer haben darauf bestanden, dass wir beide Wege zu Fuß zurück legen. Vermutlich wollten sie uns nur müde machen, damit wir Abends nicht nervten :D
    Wir hatten damals recht gutes Wetter und eine tolle Sicht, aber bei Nebel hat der Brocken auch was ganz eigenes.

    1. Hallo liebe Antje,
      au weia, als Kind nimmt man diese Strecke wahrscheinlich als kleine Weltreise wahr :) Vielleicht gibt es ja nochmal ein Revival mit dem Zug nach oben, das fand ich wirklich eine echt schöne Erfahrung. Viele Grüße!

  5. Hallo Ute,
    schöner Bericht und tolle Nebelfotos! Ich bin recht oft im Harz unterwegs und liebe diese Stimmung sehr. Nach Schierke hat es mich letztes Jahr fast um die selbe Zeit auch verschlagen. Habe dort erfahren, dass man es das „St. Moritz des Nordens“ nannte – vor langer Zeit 😉 Ich hatte Glück mit dem Wetter und eine fantastische Fernsicht auf dem Brocken. Drücke dir die Daumen, dass es beim nächsten Mal klappt.
    Viele Grüße von Andrea

    1. Hey Andrea,
      ich wünschte ja, der Harz würde etwas näher an Köln liegen, aber da lässt sich wohl nichts dran ändern :) Nachdem ich inzwischen einige Harzer Brocken-Schneefotos gesehen habe, muss es auf jeden Fall mal ein Winter-Besuch werden. Wünsche dir noch viel Spaß mit Hund (die beste Art zu reisen!) im Harz :) Viele Grüße zurück! Ute

  6. Als Schweizer liegt der Harz nicht gerade um die Ecke doch diesen Herbst hatte ich auch die Gelegenheit den Harz zu erkunden. Eine sehr schöne Region, auch als Motorradfahrer dessen Revier sonst die Alpen sind.
    Am Brocken bin ich auch vorbei gekommen, bei diesen Fotos muss ich allerdings eingestehen, das nächste mal lege ich noch einen Stopp ein und besichtige den Berg zu Fuss.

    1. Hallo Marco,
      super, dass du den Weg in den Harz gefunden hast – mir war der vorher gar kein wirklicher Begriff. Dann drücke ich mal die Daumen für die nächste Reise! Viele Grüße, Ute

  7. Wandern auf und rund um den Brocken hat fürwahr seinen ganz eigenen Reiz. Mein Tipp: Eine Nachtwanderung ab Torfhaus zum Sonnenaufgang auf dem Brocken. Die reine Gehzeit ab Torfhaus beträgt ca. 2,5 Std., so dass wir Ende August gegen 03:30 Uhr starten. Oben suchen wir uns dann ein windgeschütztes Plätzchen und genießen den Sonnenaufgang mit Rucksack-Frühstück und wärmendem Tee aus der Thermoskanne. Wichtig: Auch im August kann es morgens auf dem Brocken empfindlich kalt sein. Lieber einen (oder zwei) Pullover mehr und eine leichte Fleecedecke einpacken. Und natürlich eine gute Taschenlampe nicht vergessen. Zwischen 10:00 und 11:00 Uhr sind wir dann zurück auf Torfhaus, trinken noch eine entspannte Tasse Kaffee und schauen, was der Tag noch so bringt.

    1. Hallo Jan,
      vielen vielen Dank für diese Tipps – auch wenn sich halb vier morgens in der Nacht ziemlich gewöhnungsbedürftig anhören :) Mal sehen, ob ich das schaffe! Viele Grüße, Ute

  8. Die Gegend ist soooo wunderschön. So richtig schön :) Jetzt im März geht es auch wieder dorthin. Beim letzten Mal sind wir von Wernigenrode aus auf den Brocken gewandert. Dieses mal wird eine neue Strecke in Angriff genommen :)
    Vielen Dank für den Bericht und die Steigerung der Vorfreude.

    Liebe Grüße
    Flo

  9. Der Harz und der Nebel sind so untrennbar miteinander verwoben, wie Goethe und der Brocken. Und überhaupt. Zauberhafte Bilder! Eine neblige Gruselatmosphäre gehört sich einfach zum Harz dazu (teilweise haben wir wirklich viele Tage hintereinander nur Nebel). Viele Grüße aus dem Oberharz, Lisa

    1. Hallo liebe Lisa,
      oh du wohnst sogar in der Nähe, wie es sich anhört – toll! Ich finde es so schade, dass der Brocken nicht mal eben für einen Ausflug von Köln aus geeignet ist, aber bald naht der Frühling (hoffentlich) und dann geht das mit dem Camper wieder leichter für ein paar Tage. Viele liebe Grüße, Ute

  10. Der Brocken ist super! Dort zu wandern ist einfach schön und vor allem besonders.. Ich kann es schlecht beschreiben, aber es hat an manchen Tagen etwas Magisches !

    LG aus dem Kalterer See Hotel :)

  11. Ich war vor ein paar Jahren im Harz auf Radreise. Von Seesen über den Wildemann, Zillerthal und weiter bis zum Stausee bei Oderbrück. Deine eindrucksvollen Bilder haben mich an diese schöne Reise erinnert. Vielen Dank dafür.

  12. Hallo Ute,
    eins würde mich sehr interessieren, wie Du diese ganzen Reisen finanzierst. 82 Länder in so einem jungen Alter, da benötigt man doch einen sehr guten finanziellen Background. Von einem Reiseführer und einem Rucksack kann man das ja sicher nicht bezahlen. Hast Du reiche Eltern?

    1. Hallo Sylvio,
      reiche Eltern wären zu schön, aber das trifft leider nicht zu. Ich habe 16 Jahre lang sehr viel gearbeitet und entsprechend gut verdient – währenddessen viel gereist, die letzten beiden Jahre wiederum habe ich mit meinem Ersparten aus dem Verkauf meiner Sachen und zudem in vielen Bereichen sehr minimalistisch gelebt. Mittlerweile arbeite ich wieder relativ normal, aber jetzt selbstständig und ortsunabhängig. Kannst bei Interesse mal ein paar Artikel dazu lesen unter http://www.bravebird.de/blog/category/life/aussteigen/. Viel Vergnügen und Grüße, Ute

  13. Oh wie toll! Ich war in der vierten Klasse (also vor fast 15 Jahren) mal auf dem Brocken und mir ist das Erlebnis sehr in Erinnerung geblieben. Meine damalige Klassenlehrerin war ganz verrückt nach wandern, deswegen sind wir hoch und runter gelaufen. Ich hab es allerdings als sehr kurzweilig in Erinnerung.
    Und beim Abstieg haben wir einen Luchs gesehen, das war wirklich toll!

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