Ein sehr kleines Passagier-Flugzeug wartete früh am Morgen am lokalen Flughafen unweit meines Hostels auf seine zwölf Passagiere. Mein vorbestellter Taxifahrer hatte verpennt und fast hätte ich den Flieger verpasst, aber ich hatte Glück. Der Flug war aufregend und mit dem Sonnenaufgang einfach atemberaubend. 

Bedingt durch meine kurzfristige Planung hat mich das Schicksal durch den letzten und einzig möglichen Flug nach Playón Chico (Ukupseni) verschlagen. Diese ist eine der bevölkertsten Inseln der indigenen Kuna Yala, die dort noch relativ autonom leben und versuchen, den Tourismus in Grenzen zu halten. Den Ort selbst darf man nur mit einem lokalen Guide an bestimmten Tagen besuchen. Die San Blas-Inselgruppe besteht übrigens aus 365 Inseln, von denen etwas 50 bewohnt sind.

Der Flughafen Ukupseni war ebenso klein wie das Flugzeug, mit dem ich hier eintraf. Im Prinzip gibt es hier nur ein winziges Büro mit zwei Eingängen und farbenfroh gekleideten Frauen und Kindern.

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Nun wusste ich gar nicht so genau, wo meine zukünftige Bleibe sein würde- irgendwo im Ort, am Strand oder auf einer Insel? Mit etwa sechs Mitreisenden wurden wir mit einer Menge Gepäck und Lebensmitteln auf ein Boot verfrachtet und nach etwa 15 Minuten konnte ich das Ziel erkennen: eine klitzekleine Insel! Sofort schoss mir der Gedanke mit der einsamen Insel und der Frage nach den drei Dingen, die man dorthin mitnehmen würde, in den Kopf. Ich würde die nächsten 2 1/2 Tage Gelegenheit haben, darüber nachzudenken.

Natürlich wurde mir nun auch klar, dass dies nicht nur aufgrund der hohen Übernachtungs-Kosten ein suboptimaler Ort für eine Alleinreise ist und ich hier sicher auch nicht auf die Schnelle einen geeigneten Mann für einen Pre-Honeymoon finden würde, aber das war mir jetzt egal. Dennoch kommen in dieser Situation seltsame Fragen in mir auf wie „Was mache ich nur die ganze Zeit auf dieser kleinen Insel?“ oder „Könnte ich im Falle eines Falles bis zum Festland schwimmen?“

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Kurze Zeit später bezog ich meinen Bungalow, der auf Stelzen im Wasser stand, und war einfach nur sprachlos. Ich hätte zwar nicht gedacht, dass ich in solch einer traumhaften Unterkunft einmal alleine übernachten würde bzw. müsste, aber das war jetzt nebensächlich. Denn schon wuchs eine weitere Frage in meinem Kopf heran: „Würde ich bei dem ständigen Plätschern des Wassers unter mir überhaupt schlafen können??“

Die Insel ist mit einem satten, grünen Rasen überzogen. Etwa zwölf Bungalows – übrigens auf Ökotourismus getrimmt – stehen in gebührendem Abstand zueinander verteilt auf der Insel und ein kleines einladendes Restaurant bereitete sich dem Duft nach schon auf das Mittagessen vor.

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Im und um meinen Bungalow herum gibt es acht Sitz- und Schlafgelegenheiten, was mich völlig überforderte. Wie sollte ich mich denn jetzt beschäftigen, auf der einsamen Insel? Lesen? Dafür war ich gerade zu unruhig. Fotografieren? Einmal um die Insel, fertig. Schlafen? Nee. Ich musste mich 1 1/2 Stunden bis zum Mittagessen beschäftigen und musste mir eingestehen, dass es mir schwer fiel! In meiner Kölner Stadtwohnung könnte ich Tage verbringen, ohne raus zu gehen, und hier brannte mir neben der Sonne auch die Unruhe auf den Pelz. Verrückte Welt!

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Nach dem Lunch, der im Restaurant von traditionell gekleideten Kuna Yala-Frauen serviert wurde, erfuhr ich mehr über das Programm, dass ich überraschender Weise mitgebucht hatte. Heute Nachmittag Schnorcheln und morgen Bootstour sowie später der ersehnte Besuch des Einheimischen-Dorfes. Dort sollen auch Albinos leben, sogenannte Mond-Kinder.

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Und so versuchte ich mich nun bis zu meinem Ausflug mit einem Buch auf der hauseigenen Terrasse in der Hängematte. Die war allerdings so groß, dass ich mich darin einrollte wie in einen Cocon und nichts mehr sehen konnte. Somit war ich gleich an der ersten Sitzgelegenheit gescheitert. Die zweite – der Schaukelstuhl – war unbequem und so legte ich mich einfach auf den Boden…

Alle Teilnehmer des Ausfluges standen überpünktlich am Ablegeplatz. Mit zwei Kühltaschen und einigen Einheimischen ging es in etwa einer halbstündigen Bootsfahrt zu einer weiteren Insel, die diesmal völlig unbewohnt war. So würde ich mir die Insel von Robinson Crusoe vorstellen, wild und unaufgeräumt.

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Mit im Gepäck war erfreulicher Weise auch eine Schnorchelausrüstung. Im kristallklaren Wasser hatte man eine gute Sicht und Fische gab es hier reichlich. Ein Einheimischer führte mich zu den guten Stellen- ein wirklich tolles Erlebnis! Schade, dass Tauchgänge in diesem Gebiet verboten sind.

Schon nach wenigen Stunden auf einer einsamen Insel erinnert man sich an seine primitivsten Grundbedürfnisse: Essen, Trinken, Schlafen. Was braucht man mehr? In meinem Fall gibt es leider noch eine eher unschöne und äußerst schmerzhafte Feststellung… Sonnenbrand! Wie konnte ich nur ohne T-Shirt schnorcheln gehen?!

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Was für ein Tag!

Am Abend gab es frischen Fisch und je später es wurde, umso mehr kam ich wieder zurück zu der Frage, ob ich bei dem Plätschern des Wassers unter mir schlafen können werde… es würde sich in den nächsten Stunden herausstellen.

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3 Kommentare

  1. An Alle, die an den Sanblas Inseln interessiert sind.
    Viele besuchen San Blas von Panama aus und gehen wieder zurück.
    Meistens fahren aber die Leute von Panama nach Kolumbien und besuchen auf der Ueberfahrt die kleinen Inseln.
    Dafür braucht es einige Tage.
    Neu hat sich Katharina mit einer eigenen Firma positioniert. Sie ist aus Deutschland und hilft gerne mit Informationen.
    Schaut einfach mal unter Mia San Blas nach.

    Ich, Silvio, lebe seit 6 Jahren in Capurgana. Dies ist der Ort, wo mann sich in Kolumbien einstemplet.
    Ich bin Schweizer und leite mit meiner Frau das Hostel Capurgana in Capurgana.
    Auch findet Ihr uns im Internet bei TripAdvisor oder Booking.com
    Gerne helfen wir weiter mit aktuellen Infos und Tipps.
    Hasta pronto
    Silvio

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