Kanada

Schwarzer Tag in Vancouver

Tag 3: Schon wieder hellwach um 4 Uhr. Schwere Regentropfen fallen im regelmäßigen Abstand auf meine Fensterbank und lassen erneut auf einen nassen, dunklen Tag schließen. Ich kann mich zwar in meinem Hotelzimmer gut beschäftigen, aber ich würde natürlich schon gerne noch etwas mehr von Vancouver sehen. Mittlerweile ist mir bewusst, dass ein Besuch dieser Stadt im Sommer völlig andere Eindrücke hinterlassen würde als zu dieser Zeit. Zwar wird ein sonniger Herbst (den ich mir erhofft hatte) hier toll sein, aber in der Regen-Kälte-Kombination ist das Ganze doch ziemlich trist und es fällt schwer, sich für Aktivitäten aufzuraffen. Aber was hilft’s, ich würde mich noch weitere Dinge ansehen „müssen“. 
Heute hatte ich mir die Main Street und den Commercial Drive als Ziel gesetzt. Die Main Street diesmal allerdings nicht in Richtung Chinatown, sondern in Richtung Süden. Aus Bequemlichkeit nahm ich mittags ein Taxi für die etwa 15-minütige Fahrt zum Commercial Drive im Westen der Stadt für 19$. Die vielen viktorianischen Häuser auf dem Weg stellen eine angenehme und farbenfrohe Abwechslung zu den glänzenden Glasfassaden Downtowns dar… 
 
Der Fahrer ließ mich im Italian District Ecke 6th Avenue raus. Hier gibt es Pizza und Pasta in allen Varianten. Zum Mittagessen war mir aber noch nicht zumute und so entschied mich für den Weg bergab Richtung Norden bzw. Downtown. Inzwischen überrascht mich der Anblick von Bettlern und Obdachlosen vor Supermärkten und Restaurants nicht mehr, das ist offensichtlich ein bedauernswerter Teil dieses Stadtbildes.
Der Commercial Drive zieht sich über 21 Blocks und ist die Heimat einer Community von Künstlern, Hippies, Musikern, Veganern, Punks und Immigranten. Dieses Viertel wird wohl gern mit dem Greenwich Village in London verglichen. Ich sehe da zwar nicht viele Gemeinsamkeiten, aber ich möchte mich da auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Ich blieb in einem netten und gut besuchten Kaffee namens Turk’s hängen. Die Kaffee-Kultur ist in dieser Stadt extrem! In Vancouver gibt es allein mehr als 85 Starbucks-Filialen. Blenz Coffee – mit dem sensationellen Banana Bread – ist sogar noch teurer als Starbucks und auch zigfach in dieser Stadt vertreten. Und dann sind da noch andere Ketten und hunderte individuelle Cafés.

Zurück auf der Straße musste ich bei erneut beginnendem Regen feststellen, dass ich meinen Schirm im Taxi vergessen hatte. Wenn ich jetzt mit meinem Handy beim Taxiruf anrufen und nach dem Schirm fragen würde, hätte ich die Kosten für einen neuen Schirm sicher schnell raus und so beließ ich es dabei, mich über diese Dummheit zu ärgern.

Nach einigen Blocks und uninteressanten Läden verließ mich die Geduld. Ich fragte mich, ob ich einfach nur Pech hatte und die guten Shops nicht sehen würde, oder ob man in Vancouver einfach einen ortskundigen Mensch neben sich haben müsste. Restaurants sind nicht das Problem, aber Shopping scheint hier – zumindest für meinen Geschmack – wirklich schwierig zu sein.

Ich konnte es kaum fassen, dass ich auf ein Taxi traf, in das ich einsteigen konnte. Nun schnell auf die Main Street, wo ich auf meine Shopping-Kosten kommen sollte. Sie erstreckt sich von der 16th Ave bis zur 33th Ave und so ließ ich mich an der Main Ecke 16th absetzen.

Erst vier frustrierende Blocks später kam das erste brauchbare Geschäft: Vancouver special ist ein guter Design-Shop mit Möbeln, Accessoires, Büchern und anderen Einrichtungs-Details.

Das schien doch vielversprechend. Mal sehen, welche Läden noch folgen würden. Leider vergingen weitere Blocks ohne nennenswerte Shops. Aber ich hatte ja schließlich noch etwa elf Blocks vor mir. In den Seitenstraßen gab es teilweise ganz interessante Straßenkunst und Graffiti. 
Zwischendurch ein Stilbruch mit einem alten viktorianischen Haus und eigenartiger Dekoration. Das Haus wirkte irgendwie unheimlich und ich musste lachen, dass ich Angst davor hatte, dass jemand rauskommen und mich schnappen würde.
Wenigstens gab es ein paar Deko-Geschäfte, aber die Highlights ließen auf sich warten. Langsam begann ich zu verzweifeln. Warum die Geschäfte in solch großen Abständen voneinander entfernt lagen, war mir schleierhaft. Vielleicht lag es daran, dass man die Dinge hier alle mit dem Auto erledigt. Oder weil es den Kanadiern Freude bereitet, diese insgesamt 17 Blocks entlang zu schlendern. Möglicherweise hat Shopping hier aber auch nicht so einen großen Stellenwert. Wahrscheinlich lag es einfach an mir und meinem blinden Sightseeing-Auge.

Der Regen hatte wieder eingesetzt, aber aus Trotz wollte ich mir keinen neuen Schirm zulegen. An der Kreuzung 30th Avenue wollte ich dann nicht mehr. Wenigstens schien mir das Taxi-Glück holt zu sein. 

Ein netter indischer Taxifahrer brachte mich zurück zur Burrard Street. Ich sprach ihn auf die Problematik der vielen Obdachlosen auf den Straßen an. Er erklärte mir, dass die Regierung diese Menschen zwar unterstützen würde, aber da es sich bei den meisten um Drogensüchtige handelt, geben diese ihr Geld in erster Linie für Alkohol, Heroin und andere Drogen aus. Aber das ist wohl überall auf der Welt gleich.
Da die klassischen Infos der Reiseführer und lokalen Infohefte für meine Bedürfnisse scheinbar nicht ausreichend sind, habe ich mich einmal auf die Suche nach einem guten Blog oder Infoseite für gutes Shopping und Design begeben und bin auf eine gute Seite gestoßen namens designsponge. Eine andere Information bietet die Seite Vancouver Travel Tips.
 

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