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Stranderkundung auf Fernando de Noronha

Mithilfe der Inselkarte, die ich bei der Ankunft am Flughafen ausgehändigt bekommen hatte, machten wir uns heute bereits um 6 Uhr morgens mit dem roten maroden Miet-Buggy (120 BRL/54 Euro Tagesmiete) auf zur Delfin-Beobachtung an die im Westen der Insel gelegene Bucht Baia dos Golfinhos.
Mit einem atemberaubenden Blick auf die Küste warteten wir mit einigen anderen Besuchern vergeblich auf den Anblick der Delfine und wanderten dann entlang der verwunschenen Wege hoch oben auf dem Felsen Richtung Baia do Sancho, wo sich ein weiterer Aussichtspunkt und möglicher Aufenthaltsort der Delfine befand.
Unmengen von Vögeln saßen in den blätterlosen Bäumen und es erschien, als würden sie wie wir auf etwas warten. Ehrlich gesagt ein etwas gespenstischer Anblick und Ort, auch weil hier nur wenige Menschen waren. Als sich dann endlich die schöne Bucht Baia do Sancho erblicken ließ, ging mein Herz auf… es soll der schönste Strand von Fernando de Noronha sein. Bis jetzt würde ich das nicht bestätigen wollen, aber es war ja noch früh.

Und dann wurden unsere Bemühungen endlich belohnt: Eine große Schar Delfine tummelte sich auf der anderen Seite des Aussichtspunktes und der Name Baia dos Golfinhos (Bucht der Delfine) wurde seinem Namen erfreulicher Weise doch noch gerecht. Leider waren sie trotz der Nähe zur Küste immer noch ziemlich weit entfernt.

Dafür konnte ich einige andere Tiere näher betrachten. Hier ein paar Eindrücke:

Der Strand wäre zwar bei Fortsetzen des Weges auch zu Fuß erreichbar gewesen, aber die Erkenntnis, dass wir den ganzen weiten Weg wieder hätten zurückgehen müssen, ließ uns zu unserem Buggy zurückkehren. Der teure Buggy wollte schließlich heute auch noch bewegt werden. Einige Zeit später stiegen wir am Parkplatz zum Baia do Sancho aus.

Es dürfte wohl wenige Strände geben, die einen eigenen (öffentlichen) Eingang haben. Der Zugang zum Strand führte über steile Metallleitern nach unten. Die Felsspalten waren so schmal, dass ich meinen Rucksack nicht auf dem Rücken behalten konnte. Und bei dem Andrang von Leuten, die hoch oder runter wollten, blieb nur zu hoffen, dass die Person über einem auf der Leiter nicht abrutschten…

Mit Maske und Schnorchel bewaffnet folgte dann die nächste tolle Überraschung: Schildkröten und bunte Fische! Das Fischaufkommen war zwar nicht riesig, aber dennoch lohnenswert für einen weiteren Schnorchelausflug, für den wir uns bereits für den Folgetag entschlossen hatten. Valvarella und Nadia waren gestern an der Baia do Sueste mit Schildkröten schwimmen, was ein tolles Erlebnis gewesen sein muss. Wahrscheinlich reicht bei mir die Zeit nicht mehr dafür. Immerhin kann ich von einem netten Erlebnis mit einer Krabbe berichten, hier in Zeitlupe:
Die Suche nach einem guten Frühstück auf der Insel war trotz der ständig für Spaß sorgenden Fahrt mit dem Buggy etwas trostlos, denn herkömmliche Cafés – wie wir sie kennen – gibt es in der Form hier nicht. Somit behalfen wir uns mit dem Angebot von Kaffee und deftigem Ei-Schinken-Käse-Sandwich in einem der größeren Supermärkte. Mittlerweile muss ich mich nicht mehr wundern, dass ein Großteil der hier lebenden Bevölkerung rundlichere Formen hat. Andererseits eine Traumvorstellung… so viel essen zu können, dick zu werden und nicht aufzufallen.
Vor dem Supermarkt machten wir es uns notgedrungen mit unserem bitteren Kaffee gemütlich und beobachteten die brasilianischen Insulaner bei ihren Einkaufsritualen.

Unser Strand-Marathon konnte nun weitergehen. Das nächste Ziel waren der Praia da Cacimba do Padre (Priests Water Well Beach), an dem bis gestern noch eine Surf-Meisterschaft stattgefunden hat, sowie der westlich gelegene Baia dos Porcos, der an Platz 2 der schönsten Strände Brasiliens steht.

Das kleine Restaurant oder besser gesagt die Bar auf dem Parkplatz des erstgenannten Strands schien die angesagteste und beliebteste zu sein, fast alle Tische waren belegt. Eine kalte Kokusnuss gab’s hier auch für nicht ganz günstige 5 BRL/2 Euro. Die Stärkungen und Schatten zwischendurch waren notwendig, denn die extreme Hitze und Sonne hinterließen ihre Spuren.

Nach dem fast menschenleeren Praia da Cacimba folgte die in der Tat außergewöhnliche Bucht dos Porcos, die von großen schwarzen Felsen umringt ist, an die mit großer Wucht die Wellen aufschlagen. Die Brandung hier ist ordentlich, von November bis März sind die Wellen bis zu 5 m hoch und daher ein optimaler Ort zum Surfen.

Ohne genau zu wissen, wo welcher Strand aufhört und beginnt, gingen wir Richtung Westen. Der Weg erforderte unerwartet Geduld, Geschick und geeignetes Schuhwerk. Meine Flip Flops wurden hier massiv auf die Probe gestellt, denn barfuß waren die zum Teil extrem spitzen Steine definitiv nicht zu bewältigen.

Als Highlight am Ende unseres Weges luden im Fels befindliche Meerwasser-Pools voll kleiner bunter Fische zum Baden ein. Ein unglaublich schöner Platz! Lediglich die Badewannen-Temperatur des Wassers war in Anbetracht der ohnehin schon hohen Außentemperaturen etwas gewöhnungsbedürftig.

Die letzte Destination für diesen Tag war der Strand Praia do Leao auf der Südseite der Insel, den man ebenfalls von einer hohen Steilküste aus anfährt, die einen fantastischen Ausblick bietet.

Hier befindet sich auch einer der wichtigsten Eiablageplätze von Schildkröten, weshalb der Strand von Januar bis Juni zwischen 18 Uhr und 6 Uhr gesperrt ist. Auch hier hätten noch Meerwasser-Pools, Geysire und rötlicher Sand auf uns gewartet, aber da es schon relativ spät war, beließen wir es bei dem Eindruck von oben.

Die inzwischen notwendige Tankstelle befand sich am anderen Ende der Insel in der Nähe des Hafens, wo uns auf dem Rückweg ein Restaurant auffiel, das ungewöhnlich modern aussah und durch die auf den Tischen einiger Gäste befindlichen Laptops den Eindruck erweckte, als würde es dort Internet geben. Also planten wir, unseren Abschieds-Abend am nächsten Tag in diesem Restaurant zu verbringen.

Jetzt mussten wir uns aber erst einmal von unserem klapprigen Buggy verabschieden. Für den morgigen Tag hatten wir heute eine Schnorchel- und Aquaplaning-Tour über unseren Gastgeber George buchen lassen, die uns zu den guten Delfin-Plätzen führen wird.

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