Australien

Sydney: New Years Eve 2011

Tag 7: Ganz Sydney war in heller Aufregung! Straßensperren wurden aufgebaut und Menschenmassen mit Getränken und Picknick-Körben strömten schon am Morgen in die Nähe der Oper oder Harbour Bridge, um sich einen guten Platz für das berühmte Feuerwerk zu sichern – wenn sie nicht ohnehin schon im Zelt am Ufer übernachtet hatten. 
Auch in den Liquor Stores (Alkohol wird nur in speziellen Geschäften verkauft) herrschte reger Andrang, obwohl Alkohol und auch privates Feuerwerk in den öffentlichen, abgesperrten Bereichen verboten ist. Von Jilly erfuhr ich, dass die meisten Verletzungen in dieser Nacht Schnittwunden sind, da viele Frauen ihre Pumps nach langem Stehen ausziehen und dann mit nackten Füßen durch das Gras oder über die Straße in Scherben treten.
 
Ich war gespannt auf das mit etwa 6,5 Millionen australische Dollar teuerste Feuerwerk der Welt. Es würde 12 Minuten dauern. Vorher stand aber erst einmal ein Viertel-Check an. Nach einem ausgiebigen Studium der To Do’s und Must See’s der Stadt fuhr mich meine Gastgeberin Jilly in das stylishe Shopping-Viertel Paddington. Im trendigen Jackies‘ Cafe kam ich mir im Kreise der vielen gut gekleideten Leute um mich herum plötzlich ziemlich uncool vor, so in klassischer Backpacker-Mode à la Flip Flops, T-Shirt und Schultertasche. Mir gegenüber saß ein Jude Law-Verschnitt mit dunkler Sonnenbrille, an seiner Seite eine rassige Chica mit langem, braunem Haar in einem kurzen, roten Kleid. Ich bildete mir ein, mitleidige Blicke zu spüren und fühlte mich wie ein Trampel in meiner legeren Kluft. Den Latte Macchiato spülte ich schnell runter und orderte die Rechnung.

In den meisten Shops in Paddington findet man individuelle und außergewöhnliche Designer-Labels und angesagte Vintage-Möbel. Dass die Preise auch hier nicht günstig sind, dürfte sich von selbst verstehen; so sind zum Beispiel die Kosten für einen nett bedruckten Kissenbezug von schlappen 230 AUD (185 €) nichts Außergewöhnliches. Mit dem Bus fuhr ich weiter zum Bondi Beach für einen kurze Abkühlung am Strand. Eigentlich wollte ich noch weiter nördlich zu Watsons Bay fahren, aber dafür reichte die Zeit nicht mehr. 

Das Besondere an dieser Stadt sind neben den klassischen Hauptattraktionen Opera House und Sydney Harbour Bridge die vielen von Wasser und Strand umgebenen Viertel. Um alle besichtigen zu können, bräuchte man mindestens eine Woche und die Zeit habe ich leider nicht. Zurück in der Wohnung in Kirribilli war ich gespannt auf die Party und das Feuerwerk, das ich mir schon so viele Jahre im Fernsehen bewundert hatte! Diesmal würde ich es live und aus nächster Nähe sehen können.

Am Abend trafen Jillys Freunde aus dem Yachtclub ein. Sie brachten Champagner und Rotwein mit und waren überrascht und neugierig zugleich, was es mit mir als neue und unbekannte Untermieterin auf sich hatte. Als sich alle um 21 Uhr etwas überzogen und nach draußen begeben wollten, war ich irritiert. Hatte ich meine Uhr falsch gestellt? Ich staunte dann nicht schlecht, als ich erfuhr, dass es noch ein Kinder-Feuerwerk vor dem eigentlichen Ereignis gibt. 

Das große Feuerwerk um Mitternacht an der Harbour Bridge war erwartungsgemäß fantastisch und reihte sich in die unvergesslichen und einzigartigen Momente meines Lebens ein. Besonders das Runterzählen der letzten Sekunden jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. 

Einzig die Tatsache, dass wenige Meter neben mir ein Typ in eine Mülltonne gekracht war und vom Rettungsdienst versorgt werden musste, trübte ein wenig die Stimmung, die sich aber nur kurze Zeit später in einer langen Nacht mit einem fantastischen Lamm und weiteren unzähligen Köstlichkeiten mit Champagner und Wein auflöste. Auch ein Anflug von Sentimentalität konnte ich mir im Zuge des Zusammenseins mit diesen unglaublich netten und gastfreundlichen Menschen in einem fremden Land nicht verkneifen.

Nach nur wenigen Stunden Schlaf blieb mir am Neujahrstag nur noch wenig Zeit bis zu meinem Flug am späten Nachmittag nach Adelaide. Noch ein letztes Mal mit der Fähre zur Oper. In einem Café an der Ferry Station am Circular Quay bereitete ich mich mental auf die weiteren Tage vor, die – da war ich sicher – ebenso schön und außergewöhnlich werden würden.

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