Tag 14: Trotz einer dürftigen Internetverbindung in meinem Motel in Bordertown konnte ich noch ein paar Dinge bezüglich meiner weiteren Route recherchieren. Bei meinen Berechnungen für die gesamte Strecke von Adelaide bis Melbourne war ich im Vorfeld bei der Reise- bzw. Tagesplanung etwas zu optimistisch rangegangen, wie sich jetzt herausstellte. Die fünf Reisetage würden daher nicht wirklich entspannend sein und viel Zeit für ausgiebige Besichtigungen bieten.
Mit den Tipps meines Reise-Guides und den Beispielen von Mietwagen-Fahrten aus Reisekatalogen, die ich mir mitgenommen hatte, legte ich nun die Route für den heutigen Tag fest: Der Grampians Nationalpark mit Mt. Zero, Hollow Mountain und Halls Gap. Enden wollte ich an die Küste, um dann alsbald mit der Great Ocean Road Richtung Melbourne beginnen zu können.
Mit dem Auto zu reisen hat diverse Vorteile: Man kann jederzeit und überall anhalten oder sich kurzfristig für einen anderen Weg entscheiden, man kann seine Klamotten in den Kofferraum werfen, ohne ständig den Rucksack neu packen zu müssen und zuguterletzt habe ich auch endlich etwas gefunden, was in Australien günstiger ist als in Deutschland: Benzin!
Die etwa 100 km lange Strecke durch den Grampians Nationalpark zog sich wie ein zäher Kaugummi. Durch den sandigen und steinigen Untergrund kam man nicht gerade schnell voran – abgesehen davon, dass der hundertste Kilometer landschaftlich fast genauso aussah wie der erste. Nur wenige Autos kamen mir entgegen. Auch das Wetter meinte es heute leider nicht so gut mit mir, aber wenigstens regnete es nicht.

Die Gefahr, bei einem aus dem Busch springenden Känguru nicht rechtzeitig bremsen zu können, ließ mich aufmerksamer und defensiver fahren. Meine Rallye-Ambitionen musste ich hier also ablegen.  Glücklich über ein wenig Zivilisation inmitten des riesigen Nationalparks kam ich mehr oder zufällig am Mount Zero Café vorbei, das allerdings mangels anderer Besucher etwas trostlos aussah.

Die Australier haben eine ausgeprägte Camping- und Picknick-Kultur, was bei dieser atemberaubenden Natur – und den hohen Hotelpreisen – auch nicht verwunderlich ist. Der Ort Halls Gap ist das Herzstück des Nationalparks und lädt zum Übernachten ein; das Angebot ist hier vom Motel über den Caravan bis hin zum Zelt vielfältig und der Ort an sich scheint auch sehr nett zu sein.

Ich wollte und konnte aber nicht noch mehr Zeit verlieren und da das Wetter nach wie vor schlecht war, hielt ich durch und rang mich zur Fahrt bis nach Portland an der Küste durch. Immerhin hatte ich an diesem Tag stolze 450 km zurückgelegt, befand mich nun im Bundesstaat Victoria und war totmüde. Das erste Motel in der Nähe des Hafens war gleich mein neues Zuhause für diese Nacht.

Das Motel mit dem exotischen Namen Melaleuca bot ein solides, riesiges Zimmer. Nachdem ich mir abends am Hafen die fettigsten Fish & Chips meines Lebens einverleibte, versperrte mir auf dem Rückweg zu meinem Motel-Zimmer ein aufgemotzter Pickup den Weg. Die Besitzer dieses prolligen Wagens – Bob und Dimi aus Adelaide – bereiteten sich auf das morgige Folk-Festival in Port Fairy vor und fragten mich, ob ich nicht auch kommen wolle. Warum nicht?

Obwohl ich todmüde war, musste ich meine Strecke für den nächsten Tag planen, ich war jetzt kurz vor der Great Ocean Road.

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