Australien

Tag 3: Mietwagentour Adelaide – Melbourne

Tag 15: Gerne wäre ich heute mal länger im Bett liegen geblieben, aber die Great Ocean Road wartete auf mich. So verließ ich Portland und stand um zehn Uhr in der kleinen Hafenstadt Port Fairy auf dem Cricket Feld zwischen Young- und Oldtimern bei Live-Rockmusik und mit Wurst in der einen und Kaffee in der anderen Hand.
Die beiden Jungs mit ihrem weißen Pickup aus meinem Motel konnte ich in der Menschen- und Fahrzeugmasse nicht ausfindig machen, aber es gab ja genug anderes zu sehen. Als es zu nieseln begann und ein fieser Wind aufzog, trieb es mich zurück zu meinem silbernen Toyota Corolla, den ich gerne gegen ein komfortableres Fahrzeug auf der Cricket-Wiese eingetauscht hätte. Allerdings waren die Vorteile meines kleinen Wagens wie Automatikgetriebe, Klimaanlage und eine überraschend gute Musikanlage auch nicht von der Hand zu weisen…
Das Publikum solcher Veranstaltungen ist immer und offenbar überall auf der Welt ähnlich speziell. Alte Omis sitzen wie festgewachsen in ihrem Oldie und passen auf, dass keiner ihrem Liebling zu nahe kommt. Im krassen Gegensatz dazu diskutieren beleibtere und volltätowierte Typen über Pferdestärken und Ersatzteile.

GREAT OCEAN ROAD

Im Regen fuhr ich Richtung lang ersehnter Traumroute, die ab dem Ort Warrnambool beginnt und sich über eine Länge von 243 km entlang der Küste erstreckt. Die Straßen am Meer entlang waren trotz der finsteren Wolken sehenswert, der Beginn der Great Ocean Road hingegen erschien mir eher unspektakulär. Bis plötzlicher Sonneneinfluss durch die dunklen Wolken hindurch die Landschaft in eine kontrastreiche Kulisse verwandelte.

Für jene, die gerne fotografieren, ist solch ein Moment fantastisch. Aber sobald sich die Sonne verabschiedet, ist an gute Fotos nicht mehr zu denken und sorgt für schlechte Laune. Ich konnte jetzt schließlich nicht einfach in ein Bed & Breakfast einkehren und ein oder zwei Tage auf besseres Wetter warten.
Die ersten Highlights waren The Cove und der Bay of Island Coastal Park gefolgt von einigen weiteren beeindruckenden Spots, die sich in nur kurzen Distanzen aneinander reihten. Das Wetter zeigte sich gerade jetzt von seiner schlechtesten Seite. Regen peitschte mir mit heftigem Wind ins Gesicht. An die Nutzung eines Regenschirms war nicht zu denken und so grenzte meine Besichtigung an ein Turbo-Sightseeing- raus aus dem Auto, den Auslöser der Kamera ein paar Mal gedrückt und schnell zurück ins Trockene. So hatte ich mir das nicht vorgestellt…
Als Ziel für meine heutige Übernachtung hatte ich mir ursprünglich Port Campbell ausgesucht, wo ich am frühen Nachmittag eintraf. Noch mal Fish & Chips, die – man kann es kaum glauben – noch fettiger waren als die gestrigen und somit auch definitiv die letzten auf dieser Reise.

Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft erhielt ich immer die gleiche Antwort: „Sorry, no vacancy“. Die Unterkünfte, die noch ein Zimmer frei gehabt hätten, gab es nicht unter 140 AUD und das selbst bei Backpacker-Hostels. „It’s high season, Madam“, sagte mir ein älterer Herr an der Rezeption.

Also entschied ich mich kurzerhand für die Weiterfahrt und inzwischen hatte sich die Sonne auch wieder blicken lassen. Jetzt machte die Besichtigung der weiteren Aussichtsplattformen von The Grotto, The Arch, Loch Ard Gorge im Port Campbell Nationalpark und der berühmten Twelve Apostles richtig Spaß und ich konnte mir auch mehr Zeit lassen.
Alles ist hier übrigens sehr gepflegt, an vielen Stellen sorgen Ranger für Ordnung. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, einen etwa einstündigen Helikopterflug zu buchen und die vielen ungewöhnlichen Felsformationen aus der Luft zu betrachten (sog. Scenic flight). Diese Möglichkeit schied für mich aus zeitlichen, wettertechnischen und finanziellen Gründen aus.
Die 12 Apostel nannten sich früher „The Sow and Pigs“ (die Sau und Schweine) und sind bis zu 60 m hohe Kalksteinfelsen. Sie gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Australiens und entgegen des Eigennamens waren es ursprünglich nur neun Felsen. Ein oder zwei davon sind im Laufe der letzten Jahrzehnte erosionsbedingt eingestürzt. Ein tolles Fleckchen Erde!
Die Straßen wurden nach einiger Zeit von dem seit hunderten Kilometern gängigen Weide- und Farmland durch schönen Wald abgelöst und eine Kurve folgt der nächsten. So langsam musste ich eine Unterkunft finden. Letzten Endes landete ich am späten Nachmittag mit vom Wind zerstaustem Haar und Kopfschmerzen in einem kleinen B&B namens Cottage Flower Farm kurz vor Lavers Hill, das von einem netten Ehepaar mit zwei Hunden geführt wird. Ein bisschen zu ruhig vielleicht, andererseits genau das richtige zum Entspannen und Ausschlafen. Auch ist es hier – zum ersten Mal seit langem – richtig kühl. In den Bäumen im Garten sitzen Scharen bunter Vögel und der Blick in den angrenzenden, fast unnatürlich grünen Regenwald ist einfach fantastisch.

Morgen geht es weiter Richtung Melbourne, vielleicht bis Bells Beach, der auch mit dem kurz darauf folgenden Ort Torquay das Ende der Great Ocean Road darstellt.

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