Australien Roadtrips

Tag 4: Mietwagentour Adelaide – Melbourne

Tag 16: Nach dem Aufwachen gleich der erste Schock beim Blick durch mein Schlafzimmerfenster in Lavers Hill: Nebel und starker Regen! Meine Gastgeberin Virginia beruhigte mich aber mit den Worten, dass es in diesem Regenwald-Gebiet durchaus vorkommen kann, dass das Wetter anders ist als später auf der Great Ocean Road. Das hatte ich auch bereits durch die kalten Temperaturen hier zu spüren bekommen und war froh, zwei Bettdecken gehabt zu haben, denn eine Heizung hatte mein Zimmer nicht. 
Also noch schnell die 15 selbstgemachten Marmeladen von Früchten, deren Namen ich zum Teil noch nie gehört hatte, ausprobiert und schon ging es weiter. Zum Abschied gab mir Virginia die dringende Empfehlung auf den Weg, den angrenzenden Melba Gully Nationalpark zu besichtigen. Und so taperte ich am frühen Morgen mutterseelenallein durch den triefenden, dunklen Urwald mit hohen Bäumen und unzähligen Farnen, ohne zu wissen, wohin mich der Weg in diesem Dschungel führen würde…
 
Die Stimmung war wirklich merkwürdig. Ich hatte zwar keine Angst, aber es war schon unheimlich, denn schließlich wusste ich nicht, ob es hier irgendwelche komischen Tiere gab und wann hätte jemand Hilfe leisten können, wenn etwas passiert wäre? Alles war wahrscheinlich völlig harmlos, dachte ich mir.

Ein weiterer Eindruck, kann zwischendurch etwas Ladezeit in Anspruch nehmen:

 

 
Nach meinem feuchten Urwald-Abenteuer völlig durchnässt wieder im Auto sitzend, musste ich meine Route nun fortsetzen. Das würde heute wieder keine kurze Strecke werden, auch wenn sich die 230 km bis nach Melbourne eigentlich völlig unspektakulär anhörten. Aber da waren ja noch ein paar Besichtigungen zwischendurch und die ewige Fahrerei würde sich auf Dauer auch nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung entwickeln. Andererseits dürfte ich heute eine der schönsten Küstenstraßen der Welt entlang fahren und das würde ich in vollen Zügen genießen.
Das nächste Ziel auf der Great Ocean Road war der Great Otway Nationalpark. Richtung Cape Otway, an dessen Ende der aus dem Film „South Solitary“ (2010) bekannte Leuchtturm steht, hingen hunderte Koalas in den Bäumen. Einige davon sogar in greifbarer Nähe, dass man in Versuchung hätte geraten können, so ein dickes Knäuel einfach einzupacken und mitzunehmen. Viele Touristen konnten es tatsächlich auch nicht lassen, sie anzufassen, aber für mich ist das immer noch ein Wildtier und daher auch als solches zu behandeln.
Der Eintritt zu diesem vermeintlich legendären Leuchtturm sollte 17,50 AUD (14 €) kosten, was ich dankend ablehnte. Ehrlich gesagt hat sich bei mir zwischenzeitlich schon eine kleine Leuchtturm-Reizüberflutung eingestellt und da muss man sich nicht mehr alles ansehen. 

Die nächsten größeren Orte waren Apollo Bay, Kennett River und Wye River, die durch die australische Ferienzeit alle mit Campern und Caravans überfüllt waren und wenig Freude an einem entspannten Zwischenstopp bereiteten. 

Die überwiegend an der Küste verlaufende Great Ocean Road machte ihrem Namen mit dem permanenten Blick auf das türkise Meer und wunderschönen Stränden alle Ehre, allerdings hätte sich ein Beifahrer aufgrund des sehr kurzenreichen Verlaufs sicher übergeben müssen. 
Weiter ging es dann nach Lorne, Aireys Inlet, Anglesea und natürlich Bells Beach, dem berühmten Surferparadies – hier galt es, knackige Surfer zu beoachten. Aber weit gefehlt: Aus dem Wasser entstiegen überwiegend ältere, dicke, haarlose, rothaarige oder einfach unattraktive Männer!? Das konnte doch nicht wahr sein! 
Vielleicht muss man doch eher nach Hawaii, um sich an durchtrainierten, muskulösen Körpern erfreuen zu können. So schnell gerät man an neue Reiseziele! Nichtsdestotrotz ist dieser Strand klasse. Für die Surfer eigentlich ziemlich strapaziös, da man erst eine längere Strecke über glitschige Algen und zum Teil sehr spitze Steine laufen muss, bis man endlich im Wasser ist. Aber der Anblick an sich ist toll! Ich hätte hier stundenlang sitzen können – auch mit unattraktiven Surfern.
Am mittlerweile späten Nachmittag begann erneut die Suche nach einer geeigneten Unterkunft. In der Nähe von Bells Beach sollte ein unscheinbares Motelzimmer ohne Fenster 135 AUD (108 €) kosten, was mich zur Weiterfahrt antrieb. Auch in Torquay, dem Ende der Great Ocean Road, wurde ich nicht fündig. 

Da mir noch ausreichend Zeit bis Melbourne blieb, entschloss ich mich kurzerhand, noch weiter gen Osten statt Norden Richtung Melbourne zu fahren und landete letzten Endes in dem Ort Barwon Heads. Hier war es weniger überfüllt und mittlerweile auch schon so spät, dass ich in diesem Ort notgedrungen etwas finden musste. 

Erster Anlaufpunkt das zentral gelegene Barwon Heads Hotel, dass 110 AUD (88 €) für die Übernachtung – ohne Frühstück und Internet wohlgemerkt – kosten sollte. Meine weitere Suche ergab Preise bis 200 AUD, aber nichts mehr darunter. Wahnsinn! Also musste ich unverrichteter Dinge ins BH Hotel zurückkehren und bezog ein einfaches Zimmer mit Blick auf eine riesige Lüftungsanlage. 

Dennoch wollte ich mir den Sonnenuntergang nicht entgehen lassen. So fuhr ich an den nahe gelegenen Strand mit einem Bier, einer fettigen Portion Pommes und einem triefenden Backfisch und beendete damit meine Great Ocean Road Tour.

Seit zwei Tagen habe ich nun keinen Internetzugang und konnte somit auch nichts weiteres planen. Wo ich morgen in Melbourne unterkommen werde, ist noch unklar.

 

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