Auch in Japan werde ich nicht mehr zum Frühaufsteher, aber das stört ja niemanden. Da ich unplanmäßig nach Tokio geflogen bin und keinen Reiseführer habe, weiß ich noch gar nichts über Sehenswertes und die guten Viertel. Dank Internet konnte ich mir in meinem Ryokan einen groben Überblick verschaffen. Kirschblüten sollten natürlich auch auf dem heutigen Programm stehen.

In dem Viertel Ueno, in dem ich momentan wohne, ist neben Asakusa wohl noch viel vom alten Tokio erhalten geblieben. Ich finde es sehr ansprechend, hier ist es relativ ruhig, mit Restaurants und Bars in der näheren Umgebung. Und nun stieg die Spannung, ob sich meine Vorstellung von Japan und Tokio mit der Realität deckt. Die nächste Railway-Station Minowa liegt 10 Gehminuten entfernt.

Man kann sich ein Tagesticket für ca. 7,50 Euro oder ein Kombi-Ticket für 1.000 Yen kaufen, mit dem beide Bahn-Systeme – Railway und JR – unbegrenzt nutzbar sind. Gott sei Dank bin ich durch Südkorea und Taiwan inzwischen Bahn-erprobt, denn hier ist das schon etwas für Fortgeschrittene.

Wenn man die beiden Railway-Maps nicht dabei hat, kann es passieren, dass die Karten an einer Station nur auf japanisch vorliegen. Zudem hat man es insbesondere zu den Stoßzeiten mit vielen hektischen Menschen zu tun, denen ich heute irgendwie immer im Weg stand – zumindest hatte ich den Eindruck. Zuguterletzt musste ich mich auf den Linksverkehr hier einstellen, der nicht nur für das Autofahren, sondern auch für das Fortbewegen auf Treppen, Rolltreppen usw. gilt.

Mein erstes Ziel war der Ueno-Park – und das bei einem fantastischen Wetter, das ich nach all den winterlichen Tagen jetzt absolut verdient habe!

Scheinbar bin nicht nur ich hinter den Cherry Blossoms her, sondern auch hunderte von Japanern, die im Park unter den Bäumen picknickten, durch den Park schlenderten, den verschiedenen Tempeln einen Besuch abstatteten und Fotos von sich machten, als würde es kein Morgen mehr geben. Mir war das ein etwas zu großer Menschenauflauf und zog weiter. Übrigens tragen hier unglaublich viele Menschen einen Mundschutz, was in manchen Momenten schon ein seltsames Bild abgibt.

Ich hatte über das Viertel Shibuya gelesen, dass es dort gute Geschäfte geben soll. An der Station angekommen, kam dann schon der nächste Menschenauflauf: die „Alle-gehen-Kreuzung“ von Bahnhofstraße und Center-gai. Hier laufen wohl zu Spitzenzeiten bis zu 15.000 Menschen bei nur einer Ampelphase über die Kreuzung!

 

Auf der Suche nach einem ruhigeren Örtchen fiel mir ein Book Café in einem Musik-Department-Store auf. In der Buch-Abteilung im 6. Stock stellte ich wieder einmal fest, dass viele Bücher und Magazine zwar englische Titel haben, innen aber nur die Landessprache vorzufinden ist. Das soll mal einer verstehen. Viele Zeitschriften sind auf der rechten Seite gebunden, so dass man im Prinzip von hinten nach vorne liest.

Im Wired Café gab’s Thunfisch und Avokado mit Reis und ein erfrischendes Limetten-Getränk, das in einem großen Glas mit Eis serviert wird – sieht aus wie ein Weck-Glas.

Wie in Südkorea scheint das Essen hier überall super zu schmecken! Irgendwie hatte ich in Japan mit Sushi an jeder Ecke gerechnet, aber das kommt vielleicht noch.

Die sogenannte „Cat Street“ hatte bei der Recherche mein Interesse geweckt. Die Straße Jingumae umgibt ein hippes Szene-Viertel mit individueller Street Fashion. Auf dem Weg dorthin wurde es temporär ruhiger, was sich bei Erreichen der Straße Omote-sando, die zur Jingumae führt, schlagartig änderte- eine riesige Allee mit  schicken Designer-Marken.

Auf der Cat Street gibt es nicht nur flippige und ausgefallene Klamotten – auch die Japaner laufen hier zum Teil extrem ausgefallen herum. Bunte Strumpfhosen, Schuhe mit extremem Absatz bzw. Plateau, Hunde-Bekleidung und auch Gothic scheint hier eine Rolle zu spielen. Erinnert ein wenig an den Camden Market in London.

Die Jingumae Street war im Verhältnis zu den anderen Shopping-Gegenden angenehm ruhig. Die Querstraße Takeshita Street wiederum ist wesentlich belebter, mit noch durchgeknallteren Leuten und hauptsächlich Billigware aus China. Frauen tragen hier übrigens häufig falsche Wimpern und farbige Kontaktlinsen. Das spannendste Accessoire sind für mich die Schuhe. Ein Video dazu stelle ich in Kürze noch hier ein.

Definitiv außergewöhnlich sind die Shops mit Hunde-Bekleidung. Ich schätze, die beliebteste Hunderasse ist hier der Pudel und andere kleinere Rassen. Und die tragen Oberteile mit allen nur erdenklichen Motiven – und dazu natürlich die passende Frisur!

Wenn man die Seitenstraßen des Viertels betritt, wirkt es fast wie ausgestorben. Kaum Menschen sind hier zu sehen und es herrscht Ruhe in der 12.5 Millionen-Stadt.

Bevor die Sonne unterging, wollte ich mir im Yoyogi Park in der Nähe der Harajuki Station noch den Tempel mitten im Park mit seinem Meiji Schrein anschauen. Leider habe ich den Eingang zum See, der sich im Park befindet, nicht gefunden – falls er überhaupt betretbar ist. Der Tempel an sich ist nett anzusehen; für das dazu gehörige Freilichtmuseum war es leider schon zu spät.

Auf dem Rückweg zur Shibuya Station fiel mir neben Bekleidungs- und Hutgeschäften ein Design T-Shirt-Store namens graniph auf. Bedruckte T-Shirts in allen Varianten, darunter viele mit deutschen Texten, die allerdings etwas ungewöhnlich sind. Aber irgendwie ganz cool und vor allen Dingen relativ günstig für 2.500 Yen (24 Euro) bei meines Erachtens guter Qualität. Der Schnitt ist für Frauen vielleicht nicht perfekt, aber das kann man ja theoretisch noch nachträglich ändern lassen.

Die beiden letzten Tage bzw. Nächte in Tokio sind noch nicht geplant und das drängt jetzt ein wenig. Mittlerweile würde ich ganz gerne mal ein wenig Natur sehen, in der letzten Zeit war das schon ganz schön viel Großstadt. Als Ausflugsziele bieten sich die beiden Alternativen Nikko und Kamakura oder auch eine Tour mit Übernachtung zum Mt. Fuji mit Hakone, aber letzteres ist wahrscheinlich etwas zu kurzfristig. Morgen wird sich alles entscheiden.

 

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