Auszeit

Traumterroristen und Sehnsuchtskiller

Sonntagmorgen, 5 Uhr. Schon wieder viel zu früh aufgewacht. Zu viele Dinge zermartern mir das Hirn und haben nicht den Anstand, mit ihrem Vordringen bis zu einer menschenwürdigen Aufwachzeit zu warten. Ich starre an die Decke. In 100 Tagen werde ich ohne Job, Wohnung und Einkommen sein. Die Zeit drängt, aber irgendwie komme ich nicht vorwärts. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem ich endlich frei sein werde – aber mein Gewissen scheint da völlig anderer Meinung zu sein.

Wie an so vielen anderen frühen Morgen überbrücke ich die Zeit mit Fernsehen. Ein Wissenschaftler philosophiert in einer Sendung über typisch deutsche Eigenschaften über die »German Angst«: Möglicherweise ist unser kollektives Unterbewusstsein geprägt durch den 30-jährigen Krieg – der größten Menschheitskatastrophe aller Zeiten – in der 1/3 der teutonischen Bevölkerung durch Gewalt gestorben ist. Nach dieser Theorie hat sich also diese Angst vor lauernden Gefahren bis heute in uns manifestiert. Dieses übertriebene Sicherheits-Denken hat auch mich im Griff, wie ich feststellen muss. Das heißt, eigentlich weniger mich selbst als meine Gedanken, die mir in der Summe an einem entspannten Wochenende wie diesem gehörig die Laune verderben können.

 

Der innere Dialog

7 Uhr. Mein Hund macht Druck, er will raus. Ich schäle mich aus dem Bett und suche nach meinen Klamotten, die noch im Trockner liegen. »Wie machst du das eigentlich bald mit der Wäsche, wenn du keine Waschmaschine mehr hast?« fragt das Gewissen. Ich schalte den Knopf der Espresso-Maschine ein und stelle Glas und Milch bereit. »Bald wirst du dir deinen Latte Macchiato immer kaufen müssen, jedes Mal 2-3 Euro sind auf Dauer ganz schön kostspielig.« Bevor ich die Wohnung mit Kaffee, Hund und Leine verlasse, binde ich mir die Schnürsenkel meiner Sneaker zu. »Du weißt schon, dass du in Zukunft nur noch zwei bis drei Paar Schuhe zur Auswahl haben wirst?

Spaziergang HundAuf dem Weg zum Rhein fahre ich durch die 30er Zone des Kölner Nobelviertels. »Wärst du damals mit dem Daniel zusammen geblieben, würdest du jetzt auch in einem schicken Flachdach-Bungalow mit zwei süßen Kindern leben und es würde dir an nichts fehlen.« Na ja, außer dass ich damit leben müsste, dass der liebe Daniel zu viel säuft und fremd geht, mag das vielleicht stimmen. Und wer sagt eigentlich, dass mich das glücklich gemacht hätte? Mit diesen Gedanken parke ich auf dem Parkplatz des Langeler Strandbads. Mein Hund verabschiedet sich für die nächste halbe Stunde und verschwindet im Wald.

Während ich am Rheinufer entlang spaziere, packt mein Gewissen die Gelegenheit beim Schopfe, mich mit Fragen und Bedenken zu konfrontieren. »Wann willst du endlich damit anfangen, deine ganzen Klamotten zu verkaufen? Das kann doch in der Kürze der Zeit gar nicht mehr funktionieren. Und deine Wohnung, warum hast du sie noch nicht inseriert? Die Frist zur Kündigung läuft in wenigen Tagen ab. Vielleicht behältst du sie ja auch noch für ein paar Monate und vermietest sie unter? Das wäre jedenfalls sicherer. Das Auto zu verkaufen wäre auch nicht sinnvoll, so eins bekommst du für den Preis nicht wieder. Und was ist mit den ganzen Versicherungen?«

Spaziergang Wald

Auf dem Rückweg halte ich an einem Kiosk. Ich kaufe mir einen Kaffee und ein Marzipan-Croissant. »Wenn du noch fetter wirst, bekommst du nie mehr einen Mann ab.« Erstens bin ich nicht fett und zweitens könnte ich mit einem Typen, der Frauen nach Körpergewicht bewertet, ohnehin nichts anfangen. Als ich das Geld auf die Theke lege, fällt mir der Titel des Kölner Express ins Auge. Der 79-jährige Udo Jürgens findet die deutsche Jugend zu spießig. Irgendwie hat er Recht, denke ich mir. Wir trauen uns heute irgendwie nichts mehr und verlieren uns im Mainstream irgendwo zwischen Ikea, Zara und H&M.

Wieder zu Hause angekommen, setze ich mich ans Laptop. Das Trackpad spinnt. »Bald wirst du dir nicht mehr einfach ein neues Laptop kaufen können, wenn du kein Geld mehr verdienst. Und was dann?« Ich setze mich an den Schreibtisch und schalte den Mac ein. »Du weißt schon, dass du das fette Ding nicht mitnehmen kannst?« Auf der Suche nach Informationen zu einem Reiseland stehe ich vor meinem Bücherregal. »Tja Ute, bald wirst du nicht mehr einfach ein Buch aus dem Regal holen können.«

Spaziergang FotografieEin paar Stunden später lege ich mich wieder ins Bett. Ich hatte sie fast vergessen, die Magenschmerzen. »Hast du dir eigentlich mal überlegt, zu welchem Arzt du in Zukunft gehen wirst? Und was machst du, wenn du krank wirst? Ach ja, Thema Krankenversicherung: 400 Euro monatlich wirst du dir weiterhin wohl kaum leisten können.« Während ich so da liege, scheinen mich zehn analoge Kamera-Augen aus dem Regal anzustarren. »Uns wirst du auch nicht mitnehmen können, ist dir das eigentlich bewusst? Vielleicht eine oder zwei, aber was ist mit dem Rest?«

All diese Zweifel liegen am Abend schwer auf meinen Schultern. Ich lasse Wasser in die Badewanne ein und leere die Flasche des Orange-Toffee-Badezusatzes. »Von einer Badewanne wirst du bald nur noch träumen können.« Gleich kommt der Tatort. Wenigstens kann ich auch mit defektem Trackpad Fernsehen gucken. »Wie machst du das eigentlich mit dem Internet unterwegs? Glaubst du wirklich, dass du damit klar kommst, wenn du nicht ständig darauf zurückgreifen kannst?«

Heute ist frühes Schlafengehen angesagt. Das Murmeltier wird es sich nicht nehmen lassen, mich auch morgen wieder zu begrüßen…

 

Ich habe einen Traum

Seit vielen Jahren sehne ich mich nach Freiheit. Nicht mehr in einem Konstrukt aus festen Arbeitszeiten und sich daran anpassender Freizeit gefangen zu sein. Mein Gewissen hat mich bis vor ein paar Monaten immer daran gehindert, diesen Traum in die Tat umzusetzen. Zu viele Dinge sprachen offensichtlich eindeutig dagegen. Wir wachsen in Deutschland schließlich auch nicht mit der Ideologie auf, unsere Träume zu leben, sondern es geht in erster Linie darum, Geld zu verdienen und stets sicherzustellen, bis ans Lebensende finanziell abgesichert zu sein. Aber ich habe nur ein Leben und wer weiß, wann es zu Ende ist.

Handy UltimatumMein Gewissen und ich, wir haben uns irgendwie auseinandergelebt. Es wünscht sich ein geordnetes Leben mit der ständigen Gewissheit, am Ende eines Monats eine gewisse Summe Geld auf dem Konto zu haben. Ich wiederum träume vom Reisen, und das ohne diesen lästigen Ballast zu Hause. Warum das Gewissen meinen Traum scheinbar nicht akzeptieren möchte und warum es mir nicht das Vertrauen schenkt, das ich eigentlich verdient hätte, weiß ich nicht. Wieso es zwangsläufig bergab gehen sollte und warum es mir ständig die große Gefahr des sozialen Abstiegs vermittelt, kann ich ebenso wenig nachvollziehen. Vielleicht sind es tatsächlich die Teutonen, die mein kollektives Unterbewusstsein beeinflusst haben und meine Träume zunichte machen sollen.

Aber eins weiß ich ganz sicher: Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere wieder auf. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass eigentlich alles geht, wenn man nur will. Und das wird in den nächsten 100 Tagen hoffentlich auch mein Gewissen kapieren!

 

 

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48 Kommentare

  • Antworten
    Timo
    30. März 2014 um 10:16

    Na, dein Auto wirst du nicht vermissen, da bin ich mir sicher! Aber, sag mal, was machst du denn eigentlich mit deinem Hund? Der einzige Grund, dass ich keinen habe, ist die Geschichte mit dem Reisen…

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 10:25

      Hey Timo, na der kommt natürlich mit! Mit 13 ist er zwar nicht mehr so ganz taufrisch, aber das wird schon ;) Liebe Grüße & schönen Sonntag noch! Ute

  • Antworten
    Jens
    30. März 2014 um 10:38

    Hehe, lustig. Kennst du das Lied „Jein“ von Fettes Brot? Ist nur in einem anderen Kontext…
    Und sag mal, bist du denn dann jetzt so was wie ne Frührentnerin? :)

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 11:06

      Frührentnerin? Pfff… Jein ;) Hahaha, hab ich noch nie drüber nachgedacht. Aber dafür bin ich wohl noch etwas zu jung… aber ab sofort eine Rente bekommen wär schon nicht so verkehrt.
      LG und bis bald!

  • Antworten
    Christina
    30. März 2014 um 11:08

    Liebe Ute,
    mir gefällt es, dass Du Deinem Hin- und Hergerissensein deutliche Worte verleihst! Du kämpfst mit Dir selbst um Deinen Traum! Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt.
    Christina

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 11:16

      Hallo Christina,
      vielen Dank für deine lieben Worte! Mir ist dieses „Fremdgesteuertsein“ vorher nie so stark aufgefallen. Im Grunde eine schöne und wichtige Erfahrung, denn somit weiß ich jetzt, dass mein Gewissen nicht immer Recht hat :)
      Liebe Grüße!!
      Ute

  • Antworten
    Mila
    30. März 2014 um 11:48

    Hei Ute,
    dass Du so offen über dieses Hin- und Hergerissensein zwischen dem was „eigentlich sein muss, weil es die Norm ist“ und dem „was man eigentlich möchte um glücklich zu sein“ schreibst, finde ich echt gut. Ich hoffe, die nächsten 100 Tage lassen Dich am Ende glücklich sein, denn das ist das, was zählt!
    Liebe Grüße, Mila

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 12:42

      Hi Mila,
      lieben Dank für deinen Kommentar! Ich wünschte, ich könnte diese kommenden 100 Tage mit einem Fingerschnipp einfach überspringen, denn das, was danach kommt, wird superklasse – das weiß ich schon :)
      Liebe Grüße zurück!!
      Ute

  • Antworten
    Reinhold
    30. März 2014 um 12:39

    „Mein Gewissen und ich, wir haben uns irgendwie auseinandergelebt.“ Geniale Worte :-)

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 12:43

      Hallo Reinhold, Danke dir ;)

  • Antworten
    Stefanie Schwarz
    30. März 2014 um 12:51

    Hallo Ute,
    Ich bewundere Dich für Deinen Mut und wünsch Dir viel Kraft und alles Gute! Es ist schön zu lesen, dass es andere Frauen gibt, die aus den gesellschaftlich oktroyierten Zwängen ausbrechen wollen… ich suche da gerade auch meinen Weg ;)
    Lg Steffi

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 13:18

      Hallo liebe Stefanie,
      ich habe für diesen Entschluss viele Jahre gebraucht und plötzlich kam dann eins zum anderen. Jetzt dreht sich alles nur noch um die Abwicklung, aber die würde ich auch gerne überspringen :)
      Drücke dir die Daumen für deinen Weg und viele schöne Reisen!
      LG Ute

  • Antworten
    Stef
    30. März 2014 um 13:26

    Toll geschrieben und ich weiß genau wie du dich fühlst. Für mich beginnt das Leben in Freiheit in knapp 150 Tagen. Ich muss sagen ich fühle mich fast rund um die Uhr wohl damit und freue mich auf die Zeit. Trotzdem gibt es Tage an denen mein Gewissen ganz doll auf mich einredet und mich fragt, was ich mache, wenn mein Traum nicht wahr wird, was ich mache, wenn es mich nicht so glücklich macht wie ich denke, wenn ich auf einmal kein Geld mehr habe. Das beste in solchen Situationen ist es, sich zu überlegen, was das schlimmste sein könnte was passiert. Wenn es mir nicht gefällt, komm ich halt einfach zurück. Wenn ich kein Geld mehr habe, ist das zwar unschön, aber dann komme ich eben zurück und muss mir wieder einen festen Job suchen, auch wenn ich mich gerade von dieser Einengung befreien möchte. Aber im Grunde ist das doch, was im schlimmsten Fall passieren kann. Und ist es nicht viel schlimmer sich sein Leben lang zu fragen, was wäre, wenn ich meinen Job gekündigt hätte und meinem Bauchgefühl und meinen Träumen gefolgt hätte? Diese was wäre wenn Fragen sind es doch, die einem am Ende das Hirn zermatern. Also ich bin davon überzeugt, dass wir zwei das richtige machen, auch wenn unser Gewissen uns da manchmal in die Quere kommen möchte. Ich wünsch dir alles alles Gute und hoffe dass alles so wird wie du es dir erträumst (zumindest fast alles). Würde mich freuen, wenn wir uns unterwegs mal über den Weg laufen.

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 13:32

      Hi Stef,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich bin auch 100% sicher, dass es eine tolle Zeit werden wird. Und wie du es auch sagst – wenn man scheitern sollte, kommt man eben zurück. Aber davon gehe ich mal nicht aus und dann sind wir auch um eine wichtige Erfahrung reicher.
      Ich wünsche dir auch viele schöne Eindrücke und tolle Reisen!
      LG und einen schönen Sonntag noch,
      Ute

  • Antworten
    Mareike
    30. März 2014 um 14:39

    Ich bewundere dich!! Du gibst mir den Mut an meine Träume zu glauben und unterstützt mich so meinen Weg zu gehen – ich danke dir!!

    • Antworten
      Ute
      30. März 2014 um 15:07

      … sagte die Durchstarterin des Jahres :) Ich hoffe, wir werden irgendwann nochmal gemeinsam Vulkane besteigen, auf asiatischen Märkten lustige Souvenirs runterhandeln oder eklige Patschehändchen drücken! ;))

  • Antworten
    Matthias
    30. März 2014 um 16:02

    Folge deinem Herzen! :-)

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 1:30

      Da sieht man’s mal… das Herz habe ich bei den ganzen negativen Gedanken glatt vergessen! ;)

  • Antworten
    Dani
    31. März 2014 um 1:10

    Liebe Ute, danke für deine ehrlichen Worte! Ich bin so ein Sicherheitsdenker, ich glaube, ich könnte das, was du gerade durchmachst, nur sehr schlecht ertragen. Ich denke oft an dich und frage mich immer wieder, wie du dies und das denn zukünftig regeln willst. Dennoch drücke ich dir die Daumen, dass du alles gut gewuppt bekommst und dass es dann endlich losgehen kann mit deinem neuen Abenteuerleben. Halte uns bitte, bitte auf dem Laufenden, ich finde diese Geschichte spannender als jeden Roman. ;) Alles Liebe, hab einen schönen Tag, Dani

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 1:35

      Hi Dani, das ist ja süß – Danke!! Ich finde dieses Sicherheitsdenken grundsätzlich sehr gut, denn es schützt mich zum Beispiel davor, nicht einfach gedankenlos in die Zukunft zu stolpern, sondern einen Weg einzuschlagen, der trotzdem sicher und gut für mich ist. Nur sollte man sich – wie in meinem Fall – dagegen wehren, wenn es ständig gegen die eigenen Träume und Sehnsüchte geht. Einen Roman wird es vielleicht dann geben, wer weiß ;)
      Ganz liebe Grüße!!
      Ute

  • Antworten
    Dani
    31. März 2014 um 2:44

    Liebe Uwe ich hatte vor Jahren genau auch diesen Daniel, nach zehn Jahren die Frage „Was tust Du hier“ mein Unternehmen aufgegeben. mit einem Koffer und meinem Sohnemann neue angefangen. Irgendwann in Afrika gelandet und mein Leben nochmals um 360 Crad getrennt und von Besitz und aber auch Menschen wiederum getrennt. Deine Zweifel, Hinterfragen und Gedanken sind richtig um eben einfach seinen Weg zu finden und genau seinen Traum zu leben. Habe Deine Zweifel und Hinterfrage, aber Sie wie ich Dich hier in Deinen Artikeln kennen gerlernt habe, wirst Du die 100 Tage meistern und dann ab ins LEBEN.
    Ich drücke und umarme Dich einfach mal (auch wenn wir uns nicht persönlich kennen).
    Grüsse Dani

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 13:44

      Liebe Dani,
      wow, da hast du aber auch schon ganz schön was durchgemacht! Wer weiß, wofür solche Schritte manchmal gut sind…
      Vielen Dank für die mentale Unterstützung, die ich gut gebrauchen kann.
      Umarm‘ dich einfach mal zurück ;)
      Liebe Grüße!
      Ute

  • Antworten
    Mandy
    31. März 2014 um 5:20

    Liebe Ute,
    ich glaube mir würde es an deiner Stelle genauso gehen. Dass du hier so offen darüber schreibst, finde ich richtig klasse und das macht dich nur noch sympathischer! Ich denke, dass Ängste, Zweifel und Sorgen ganz normal und ein natürlicher Prozess sind, wenn man so einen großen Schritt wagt. Und bedeutet das nicht vielleicht auch, dass man sich genau auf dem richtigen Weg befindet? Ich sehe das mittlerweile auch eher von der Seite: Wenn man nichts wagt, kann man zwar nichts verlieren – aber auch nichts gewinnen. Also lieber einmal etwas riskieren und im schlimmsten Fall feststellen, dass war nichts, als sich ein Leben lang zu fragen „Was wäre gewesen wenn..“ oder am Ende die Dinge zu bereuen, die man eben nicht getan hat…
    Und zum Thema Sicherheitsdenken: das scheint bei uns Deutschen wirklich sehr stark ausgeprägt zu sein, was mir selbst aber auch erst so richtig nach einem viermonatigen Auslandsaufenthalt in den USA aufgefallen ist. Zurück in Deutschland habe ich mich plötzlich mental irgendwie „eingeschränkt“ gefühlt. Schwer zu erklären, aber ich empfand es vermutlich so, weil ich in Amerika eine ganz andere Haltung und Einstellung kennengelernt (und vielleicht schon verinnerlicht?) habe. Schon die Grundstimmung der Amerikaner ist deutlich positiver und gegenüber neuen Ideen und Abweichungen vom 08/15 Schema sind sie sehr viel aufgeschlossener. Das ist etwas was ich hier in Deutschland wirklich vermisse…
    Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin alles Liebe auf deinem weiteren Weg zur Erfüllung deines Traums – Go for it! ;-)
    Liebe Grüße,
    Mandy

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 14:03

      Liebe Mandy,
      vielen Dank für deine meines Erachtens richtigen Ansichten! Ich sage mir auch schon seit einiger Zeit »Wenn nicht jetzt, wann dann?« und bin sehr glücklich, dass es bald soweit sein wird. Jetzt sind es auch nur noch 99 Tage ;) Ich finde in Deutschland auch vieles zu unflexibel und steif. Mal sehen, wie das so ist, wenn man länger aus Deutschland weg ist…
      Ich danke dir für die lieben Wünsche, wird schon alles gut gehen!
      Liebe Grüße!
      Ute

  • Antworten
    Karin
    31. März 2014 um 6:19

    Weißt Du, wie das bei mir ist? Daheim (auch in Köln) habe ich viel mehr Existenzangst als irgendwo anders auf der Welt. Wenn ich mich zum Arbeiten in ein anderes Land verziehe oder wenn ich reise, dann sind meine Gedanken unbeschwerter und positiver und ich erlaube mir viel mehr zu träumen. In Deutschland kommen die finanziellen und materiellen Sorgen wieder – irgendwie bin ich dann gefangener in dem, was ich seit über 30 Jahren eingetrichtert bekommen habe. Aber ich halte dagegen an und versuche trotz der ganzen Sicherheit auch dem Bauchgefühl zu folgen! :-) Ich drück Dir die Daumen für Deine Zeit. Das wird! Ganz bestimmt! Ich freue mich, es weiter zu verfolgen!

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 14:11

      Hallo liebe Karin,
      so wie dir ging es mir auch all die Jahre… Ich habe mich im Urlaub immer frei gefühlt und danach kam dann der Frust – wie der neun Stunden am Schreibtischstuhl sitzen und auf das Wochenende warten. Mich erfüllt das alles nicht mehr und daher muss ich nun raus aus diesem System.
      Vielen Dank für diese sehr lieben Wünsche und das Daumendrücken ;)
      Liebe Grüße!
      Ute

      • Antworten
        Karin
        1. April 2014 um 1:38

        Genau so habe ich mich auch gefühlt vor drei Jahren, bin dann für neun Monate auf Weltreise gegangen und habe mich dann selbständig gemacht und mir mein eigenes System gebaut, in dem ich ortsunabhängig arbeiten und mein eigener Chef sein kann. Die Ängste und Sorgen bleiben allerdings, wenn auch zu etwas anderen Themen und kommen bei mir in Deutschland irgendwie immer stärker zum Vorschein als im Ausland. :-) So oder so, ich habe es noch keine Sekunde bereut, all die Schritte gegangen zu sein. Alles richtig gemacht.
        Bin gespannt und freue mich auf Deine nächsten Schritte!

  • Antworten
    Simon
    31. März 2014 um 7:25

    Wir haben es getan und es war die beste Entscheidung unseres Lebens.
    Du wirst es lieben!

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 14:16

      Hi Simon,
      als Paar ist das natürlich noch toller, aber was nicht ist, kann ja noch werden :) Freue mich auf weitere Reiseberichte von euch!
      LG auch an Fränzi,
      Ute

  • Antworten
    Alex
    31. März 2014 um 8:06

    Liebe Ute,
    ein sehr lesenswerter Beitrag mit einer wunderbaren Überschrift :) Ich habe auch schon manchmal überlegt, ob so ein Ausstieg für mich eine Option wäre. Bisher bin ich immer zu dem Ergebnis gekommen, dass ich momentan zufrieden bin in meiner relativen Sesshaftigkeit – dann frage ich mich, ob ich mir das wohl einrede oder ob es tatsächlich so ist. Kann beides sein. Eines Tages finde ich es sicher raus.
    Derweil bin ich erst einmal neugierig, was du hier von deinem großen Abenteuer berichten wirst! Das wird sicher sehr spannend – für dich und für deine Leser :)
    Liebe Grüße
    Alex

    • Antworten
      Ute
      31. März 2014 um 14:29

      Hallo liebe Alex,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich bin selbst sehr gespannt, ob es wirklich die Freiheit ist, nach der ich mich so sehne. Vielleicht ist es auch einfach ein Ortswechsel oder für eine längere Zeit mal nicht mehr arbeiten zu müssen. Freue mich sehr, dass du bei meinem Abenteuer mitfieberst :)
      Liebe Grüße und viel Erfolg auch mit deinem Blog!
      Ute

  • Antworten
    Tabitha
    5. April 2014 um 13:08

    Hallo Ute,
    ich habe selten einen Blog-Artikel so verschlungen. Du schreibst mit so viel Realismus und Herz, dass man gleich mittendrin ist.
    Ja, ja, das Gewissen – so geprägt von unserer Umwelt, die hier nun echt mal extrem sicherheitsbewusst und „geradlinig“ ist.
    Aber: Hinter der Angst stecken unbegrenzte Möglichkeiten.
    Ich wünsche Dir unendlich viel Mut, Vertrauen und jede Menge Glück!
    Liebe Grüße,
    Tabitha
    PS: Und sehr cool, dass der Hund mitkommt!

    • Antworten
      Ute
      6. April 2014 um 5:46

      Hi Tabitha,
      freut mich total, dass ein eigentlich so banaler Sonntag scheinbar doch spannend und lesenswert sein kann ;) Ich bin schon sehr gespannt, wie viel von dem vorhandenen Sicherheitsbewusstsein ich ablegen können werde.
      Hab‘ mir gerade mal euren Blog angeschaut – ihr habt ja auch schon viel gesehen! Schöne Erinnerungen an Torres del Paine und Nepal <3
      Vielen Dank für die lieben Wünsche, ich hoffe, dass alle in Erfüllung gehen ;)
      Liebe Grüße!!
      Ute

  • Antworten
    Steffi
    6. April 2014 um 2:34

    MAN SIEHT NUR MIT DEM HERZEN GUT, DAS WESENTLICHE IST FÜR DIE AUGEN UNSICHTBAR.
    Hallo Ute,
    ich kann dich sehr gut verstehen und weiß genau wie du dich gerade fühlst. Mir ging es auch so und habe schon immer das gemacht was andere vielleicht nicht können oder den Mut dazu gehabt hätten. Bin schon immer mein eigenen Weg gegangen und all das macht mich zu einem Glücklichen Menschen. Ich habe viele Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet und viele tolle Länder bereist, Kulturen und Menschen kennengelernt. Im „Urlaub“ bin ich dann wieder losgezogen. Letztes Jahr habe ich beschlossen einfach mal spontan nach Australien zu gehen. Wie du sehr schön beschrieben hast, ist es ein sehr großes Land was sehr einfach zu bereisen ist. Ich verfolge sehr gern deinen Blog und finde mich selbst in einigen Zeilen wieder. Das lässt mich oft lächeln :) Also wenn du irgendwelche Tipps brauchst zwecks Unterkünfte ( es gibt tolle Seiten im Internet), Packliste, Flüge, Luxusprobleme :) oder was auch immer. send me a mail. Safe travels and take care. Steffi
    PS. all dieser Mist mit Smartphones, Internet, Facebooking oder immer erreichbar sein zu müssen, braucht man nich mehr wenn man Glücklich ist ;)

    • Antworten
      Ute
      12. April 2014 um 19:10

      Hi Steffi,
      vielen Dank für diesen Extra-Mutmacher!
      Besonders gespannt bin ich, wie es sich mit Internet, Smartphone & Co. entwickelt. Wenn ich Reiseblogger bleibe (wovon ich aktuell mal ausgehe), wird sich das wohl kaum vermeiden lassen. Aber das Tolle ist ja, dass alles offen ist. Danke für das Angebot mit weiteren Tipps, auf die ich bei Gelegenheit gerne zurückkomme! ;)
      Liebe Grüße und alles Gute auch für dich!
      Ute

  • Antworten
    Aylin
    4. Mai 2014 um 10:20

    „So viele Leute sind unglücklich mit ihrem Leben und schaffen es trotzdem nicht, etwas an ihrer Situation zu ändern, weil sie total fixiert sind auf ein angepasstes Leben in Sicherheit, in dem möglichst alles gleichbleibt – alles Dinge, die einem scheinbar inneren Frieden garantieren. In Wirklichkeit wird die Abenteuerlust im Menschen jedoch am meisten durch eine gesicherte Zukunft gebremst. Leidenschaftliche Abenteuerlust ist die Quelle, aus der der Mensch die Kraft schöpft sich dem Leben zu stellen. Freude empfinden wir, wenn wir neue Erfahrungen machen und von daher gibt es kein größeres Glück als in einen immer wieder wechselnden Horizont blicken zu dürfen, an dem jeder Tag mit einer neuen, ganz anderen Sonne anbricht. Wenn du mehr aus Deinem Leben machen willst, Ron, dann musst du deine Vorliebe für monotone, gesicherte Verhältnisse ablegen und das Chaos in dein Leben lassen, auch wenn es Dir am Anfang verrückt erscheinen mag. Aber sobald du dich an ein solches Leben einmal gewöhnt hast, wirst du die volle Bedeutung erkennen, die darin verborgen liegt und die schier unfassbare Schönheit“.
    -Aus „In to the wild“.
    Ich wünsche dir alles Gute und du musst wissen, ich bewundere dich obwohl wir uns nicht kennen und wünsche dir wirklich das beste bei deinem Vorhaben! Ich bin mir sicher du wirst glücklicher als hier ein monotones Leben zu führen!
    Aylin

    • Antworten
      Ute
      4. Mai 2014 um 10:49

      Liebe Aylin,
      wow, Danke für diesen tollen Auszug aus einem wundervollen Film! (Und natürlich auch für die guten Wünsche.) Ich bin sicher, dass es eine sehr aufregende Zeit wird und bin gespannt, wie lange ich für die Umstellung brauchen werde. Aber darüber werde ich ja auch berichten ;)
      Ganz liebe Grüße!!
      Ute

  • Antworten
    Marilen
    11. Mai 2014 um 14:10

    Liebe Ute, ganz interessiert habe ich angefangen deinen Bericht zu lesen…zu früh aufwachen, Hund, Kaffee…Gedanken, Selbstgespräche….
    Und dann war es plötzlich da, das Gefühl an das ich mich schon seit sicher 20 Jahren nicht mehr erinnert habe. Ich wollte auch weg, ich wollte einen alten Freund suchen ein paar Kontinente weiter, ich wollte mit meinem Hund los aus meiner engen Welt…und ich hab es nicht getan. Das ist jetzt 30 Jahre her und dank dir weis ich wieder wie es sich angefühlt hat. Mach weiter, alles wird sich zum Guten auflösen und neu strukturieren! Ich wünsch nur das Beste …und deinem Hund einen dicken Drücker!!!

    • Antworten
      Ute
      11. Mai 2014 um 14:52

      Liebe Marilen,
      vielen Dank für deinen Ein- und Rückblick sowie die guten Wünsche! Ich selbst sage mir auch oft, dass ich diesen Schritt schon einige Jahre früher hätte wagen müssen, aber es wird schon seinen Grund haben, dass es erst jetzt passiert. Dennoch bin ich glücklich, dass es jetzt bald endlich los geht und bin gespannt, wie das so wird, das gemeinsame Reisen mit Hund.
      Dir auch alles Liebe,
      Ute

  • Antworten
    Thorsten
    12. Mai 2014 um 1:31

    Wow, kann es sein, dass unsere Gewissen verwandt sind :-) ? Danke für diese persönlichen und ehrlichen Einblicke. Wenn man die Situation kennt und selbst erlebt, macht es besonders viel Spaß, von Dir zu lesen !

    • Antworten
      Ute
      12. Mai 2014 um 3:18

      Hi Thorsten,
      vielen Dank! Freut mich, dass du dich mit diesem sonntäglichen Erlebnis identifizieren konntest ;)
      Liebe Grüße
      Ute

  • Antworten
    Julia Haase
    5. Juli 2014 um 14:31

    Liebe Ute,
    ich bin erst heute über dein Blog „gestolpert“ und sofort daran hängengeblieben. Besonders dieser Eintrag hat es mir angetan, da du genau deinen inneren Zwiespalt beschreibst. Ich finde es sehr mutig von dir, diesen Schritt zu gehen. Meinen größten Respekt!

    • Antworten
      Ute
      5. Juli 2014 um 15:16

      Hi Julia,
      freut mich in diesem Fall sehr, dass du gestolpert bist ;) Ich bin gespannt, ob es wirklich so mutig ist oder einfach nur eine Erleichterung. Dank dir für deinen tollen Kommentar!
      Liebe Grüße
      Ute

  • Antworten
    Christoph
    3. April 2014 um 14:34

    Sau cool! Sehr persönlich geschrieben und genau das macht diesen Artikel so lesenswert. Ich konnte mich voll in dich hineinfühlen und habe gebannt bis zum ende gelesen.
    Vielleicht bringste in 110 Tagen oder so mal ’ne Checkliste raus, an was man in so einem Fall alles denken muss? Bin zwar auch schon ’ne Weile on the road, aber ich denke, dass könnte viele Nachdenkler interessieren!
    Alles Gute für dich.
    Christoph

    • Antworten
      Ute
      4. April 2014 um 13:01

      Hi Christoph,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Die Checkliste wird es definitiv geben, wenn auch vielleicht in etwas mehr als 110 Tagen :) Es gibt da vieles, was ich selbst auch mit großer Spannung erwarte und nicht weiß, wie das so werden wird…
      Wünsch‘ dir auch noch eine gute Weiterreise!!
      Liebe Grüße,
      Ute

  • Antworten
    Stefanie
    14. Mai 2014 um 3:43

    Das ist ein super Artikel! Und ich kenne dieses laute Gewissen auch. Bei mir sind es noch 109 Tage… Aufregend und beängstigend zur gleichen Zeit.

    • Antworten
      Ute
      14. Mai 2014 um 3:46

      Hi Stefanie,
      dann wünsche ich dir noch eine aufregende Zeit… ich zähle jetzt jeden Tag!
      Viel Glück, dass du alles so schaffst, wie du es dir vorstellst,
      Ute

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    Valeria
    20. November 2016 um 13:07

    Hallo Ute, mit diesem Post sprichst du mir vollkommen aus der Seele!!! Deine Worte beschreiben 1:1 meine jetzige Situation. Bis zu meiner Auszeit ist es noch ein ganzes Jahr und ich kann es kaum erwarten. Bis dahin wird mir mein Gewissen sehr wahrscheinlich laut zureden, aber wenn ich mir deine Erfahrungen so ansehe bin ich doch ganz zuversichtlich, dass sich alles zum guten wendet! Vielen Dank für deine tollen Artikel! Mach weiter so.
    Ganz liebe Grüße

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