Bevor ich am späten Nachmittag Richtung Flughafen aufbrechen würde, galt es noch die letzten Winkel der Stadt zu erkunden. Es schien draußen nicht recht hell werden zu wollen und meine Lust auf Sightseeing war auch nicht gerade auf dem Höhepunkt. Aber ich würde das Beste draus machen.

An dem großen Platz Erzsébet tér wollte ich diesmal die gelbe HopOn DropOff-Linie nehmen. Diese Busse fuhren nur stündlich und so verbrachte ich die Wartezeit auf dem riesigen Trödelmarkt, der eigentlich nicht anders war als unsere heimischen. Dennoch gab es hier ein paar spannende Menschen, seltsame Masken, antike Uhren, alte Fotoapparate und sonstigen alten Trödel zu sehen.

Die Busfahrt führte am alten Hotel Astoria vorbei über die Brücke nach Buda und später zurück durch die Leopoldstadt die Donau entlang bis ich nach elf Stationen wieder den Ausgangspunkt erreichte. Eigentlich bot sich zum guten Schluss noch eine einstündige Bootsfahrt an, aber angesichts des schlechten Wetters und der geringen Restzeit entschloss ich mich dazu, diese Reise im Alter von 62 Jahren noch mal anzutreten und die Schifffahrt nachzuholen. Dann würde ich mich auch in das alte New York Café setzen, mich mit einem feschen Badeanzug im Thermalbad entspannen und in einer schönen Robe in die Oper gehen, versprochen!

Obwohl ich schon zwei Mal im nahe gelegenen jüdischen Viertel war, blieb die Synagoge bisher noch unangetastet. Das holte ich jetzt nach, wenngleich der Eintritt 10 Euro kostete, die meines Erachtens überhaupt nicht im Verhältnis mit dem Dargebotenen standen. Und das war schon die günstigste Kombination, die man hier kaufen konnte.

Der Synagogen-Komplex war verhältnismäßig groß. Ein Museum, ein kleiner Friedhof und ein dezenter Garten gehörten dazu, wobei letztgenannter in der aktuell blatt- und blumenlosen Jahreszeit wenig imponieren konnte. Im Innenhof glänzte dafür eine zeitlose Installation, die den „Baum des Lebens“ darstellte: Ein riesiger metallener Baum mit üppigen Zweigen, auf deren Blättern die Namen verstorbener Nazi-Opfer eingraviert wurden. Absolut beeindruckend und zudem eine wundervolle Interpretation und Umsetzung!

Budapest SynagogeMittags streunte ich wieder orientierungslos durch das jüdische Viertel, das an diesem Sonntagmittag wie verlassen wirkte. Die Polizei hatte aus mir unerklärlichen Gründen Teile der Straßen abgesperrt. Nur wenige Menschen hielten sich hier auf. Und wenn, dann huschten sie durch die Gassen, als hätten sie an diesem ruhigen Sonntag einen dringenden Termin. Geschäfte hatten geschlossen oder standen ohnehin leer.

Große Baulücken zwischendurch ließen hoffen, dass hier irgendwann wieder Leben einkehren würde. In dem Wirrwarr von menschenleeren Straßen fühlte ich mich fast wie in einem Krimi, in dem der Zuschauer bzw. Leser darauf wartet, dass irgendetwas passiert. Aber es geschah nichts.

Beim nächsten Häuserblock ging es wieder aufwärts und Farbe erhellte das Viertel: Graffiti! Allerdings nur auf zwei Toren. Dann war wieder alles grau. Straßenkunst habe ich in dieser Stadt selten gesehen. Vielleicht hielt ich mich aber einfach nur in den falschen Straßen oder Vierteln auf. Diese Frage kam immer und immer wieder auf. Aber was machte ich falsch? Wo halten sich junge Menschen auf? Wo hat man hier Spaß außer in ein paar Restaurants und Bars?

Zurück auf einer der Hauptstraßen, der Andrássy ut, hielten sich wenige und überwiegend dunkel gekleidete Menschen auf. Mir war die Lust nach weiteren Aktivitäten vergangen. Ich hatte alle wichtigen Straßen dieser Stadt abgefahren und keine nennenswerte Sehenswürdigkeit (zumindest von außen) ausgelassen. Ich war in Buda auf dem Berg und in der Pest in der Stadt und es reichte jetzt. In drei Stunden würde der Shuttlebus vor dem Hotel stehen und mich zum Flughafen bringen.

Mein Fazit für ein Wochenende in Budapest:

  • Alleinreisend halte ich diese Stadt für suboptimal. Als Ausflugsziel für mehrere Mädels gibt es meines Erachtens ebenfalls wesentlich geeignetere Städte.
  • Als Pärchen für ein besinnliches Wochenende mit gutem Essen, Besuch eines Thermalbads und ein paar Spaziergängen und Touren ist es ok, aber dann auch besser im Sommer.
  • Für ältere Herrschaften ist es meines Erachtens ein optimales Reiseziel, da man hier viel Kultur (Oper, Museen, Burgen, Schlösser, Kaffeehäuser), Ruhe, Sicherheit und nette Freizeitaktivitäten zu noch relativ günstigen Preisen genießen kann.

In Bezug auf die Reisekosten habe ich für die drei respektive vier Tage knapp 500 Euro ausgegeben. Es wäre noch wesentlich günstiger gewesen, wenn ich Abstriche in der Unterkunft gemacht hätte. (Essen und Shopping ausgenommen, das wäre zu Hause schließlich auch angefallen.)

 

2 Kommentare

  1. Hallo! :)
    Deine Beiträge sind ja schon etwas älter, aber weil ich so erstaunt bin, kommentiere ich jetzt trotzdem nochmal. Ich habe lange in Budapest gelebt und bin fast schon schockiert, wie du die Stadt erlebt hast. Vielleicht lag es an deiner Reisezeit (welche Stadt ist schon im November wirklich schön?), aber ich denke, du hast die Spannung eher in den völlig falschen Ecken der Stadt gesucht. Budapest floriert, hat eine lebendige Ausgehkultur und kann es locker mit anderen Großstädten aufnehmen (und diese v.a. von Mai-September übertrumpfen). Aber mit dem Hopon-Bus und nem Dumontreiseführer findet man die richtigen Ecken natürlich nicht, das ist ja auch beides eher was für ältere Menschen. ;)
    Gib Budapest und Ungarn doch nochmal eine Chance, kannst mir gerne vorher schreiben, dann gebe ich dir Tipps. :D
    Liebe Grüße,
    Svenja

    1. Hallo Svenja,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bin offen für konstruktive Kritik, finde es aber schade, dass dabei meist keine Vorschläge gebracht werden. Abgesehen davon, dass dieser Artikel hier nicht der einzige Artikel über Budapest von mir ist, nenne doch gerne mal deine ultimativen Tipps zu der Stadt, die man unbedingt sehen sollte. Würde mich freuen!
      Viele Grüße, Ute

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