Sicherheit auf Reisen ist eines der schwierigsten Themen überhaupt. Das Empfinden von Angst und Sicherheit ist derart individuell, dass es nicht nur den einen richtigen Tipp oder die eine richtige Maßnahme zur Prävention oder Gegenwehr gibt. Es gibt viele Reiseländer, die als sicher gelten, und trotzdem kann einem dort etwas zustoßen. Und das nicht nur, wenn man allein unterwegs ist. Auch zu Hause ist man heute nicht mehr 100% sicher. Was kann man also tun, um sich maximal zu schützen?

So mancher, der meinen Blog anschaut und meine Art zu reisen verfolgt, mag mich für leichtsinnig oder lebensmüde halten. Ich laufe selbst in gefährlicheren Ländern allein durch die Straßen, sitze neben unzähligen fremden Männern im Auto oder schlafe zum Teil in kritischeren Unterkünften, wenn nicht sogar irgendwo im Freien. Was ist in den letzten zwölf Jahren passiert? Ich wurde in einem Bus in Nicaragua beklaut, auf Sansibar am Strand von zwei Jugendlichen aufgefordert, meine Tasche herzugeben, und auf Bali im Beisein einer Freundin von einem betrunkenen Indonesier begrapscht.

Vielleicht war es Glück, dass nicht mehr passiert ist. Vielleicht habe ich auch in manchen entscheidenden Situationen aufgepasst. Aber was wäre eigentlich passiert, wenn ich tatsächlich Opfer eines Übergriffs geworden wäre? – Ich hätte nicht gewusst, wie ich mich hätte wehren können! An diesem Zustand wollte ich dringend etwas ändern und habe an einem Selbstverteidungskurs teilgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse gibt es nachstehend:

 Unsere grundlegenden Probleme:

»Mir passiert schon nichts!«

Auch, wenn man diesen Satz vielleicht nicht laut ausspricht… Insgeheim hofft man dann doch, dass er sich bewahrheiten wird. Die Gefahren sind zwar je nach Reiseland nicht so groß, aber trotzdem möchten wir uns gedanklich nicht mit dem Schlimmsten beschäftigen. Und so lassen wir das Schicksal walten im Sinne von „Wenn etwas passiert, dann habe ich eben Pech gehabt.“ oder „Wenn etwas passiert, hab‘ ich eh keine Chance.“ – Zwei Aussagen, die nicht nur dumm, sondern auch definitiv falsch sind!

Wir sind zu höflich!

Wir haben gelernt, immer freundlich zu sein. Es gebietet uns die gute Kinderstube, Angebote dankend abzulehnen, Fragen höflich zu beantworten und selbst nervigen Kontakten mit gebührendem Respekt zu begegnen. Bei uns funktioniert dieses System wunderbar. In anderen Kulturkreisen jedoch sind andere Gepflogenheiten an der Tagesordnung. In Südamerika, Afrika und verschiedenen Ländern Asiens haben Einheimische weder Distanzzonen noch Berührungsängste. Mangels Erfahrung wissen wir meist nicht so genau, wie wir damit umgehen sollen. Laute und strenge Worte in der Öffentlichkeit oder Handbewegungen, die unser Gegenüber auf Abstand halten sollen, finden wir peinlich oder übertrieben. Insgeheim hoffen wir einfach, dass der unerwünschte Kontakt bald aufgibt und uns in Ruhe lässt. Leider wird genau das in vielen Ländern unerbittlich ausgenutzt.

Der Wunsch nach dem Begehrtwerden

Ob aufgrund eines geringen Selbstbewusstseins oder eines ausgeprägten Geltungsdrangs – viele Frauen können nicht anders, als möglichst viel Haut zu zeigen. Und egal, ob aus Dummheit oder Ignoranz – es ist für sie nicht von Belang, ob in dem entsprechenden Reiseland andere Kleidungsregeln gelten. Hauptsache, man bekommt die gewünschte Anerkennung und die bewundernden Blicke, die man zu Hause auf der Straße ja eher selten einfängt. Der Gedanke, dass kein Mann der Welt das Recht hat, mich anzufassen – egal, wie ich angezogen bin -, ist zwar richtig, bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass sich auch alle Männer daran halten! Das große Problem dabei ist, dass nicht nur das Gejammere groß ist, wenn etwas passiert sein sollte, sondern auch, dass a) Männer in anderen Kulturkreisen den Eindruck gewinnen, als seien die westlichen Frauen leicht zu haben und b) wir Frauen glauben, dass man in manchen Ländern überall und sofort begrapscht wird.

Ich und Gewalt anwenden?

Wir gehen davon aus, dass wir uns schon wehren würden, wenn wir tatsächlich Opfer eines Übergriffs werden. Aber haben wir eigentlich schon mal jemanden richtig verletzt? Geschlagen, getreten oder richtig drauf gehauen, so ohne Rücksicht auf Verluste? Wie ich selbst bei der Grapsch-Aktion auf Bali feststellen musste, sieht die Realität etwas anders aus: Wir sind unter Umständen in der Aktion selbst so geschockt, dass gar nichts passiert! Keine Gegenwehr, Pfefferspray sowieso nicht dabei und unabhängig davon wissen wir gar nicht, worauf es in diesem kurzen Moment ankommt. Schreien, Weglaufen, Zuschlagen? Was ist denn richtig? Oder mache ich vielleicht sogar eher etwas falsch als richtig?

Was bringt ein Selbstverteidigungskurs?

Viel! Ich habe an einem Wochenendkurs nach dem System Krav Maga teilgenommen. Dabei handelt es sich um ein modernes, israelisches Selbstverteidigungssystem, in dem es in erster Linie darum geht, sich bei einem Angriff durch Schlag- und Tritt-Techniken zu verteidigen und sich in Sicherheit zu bringen. Hierfür wird das Handeln unter Stress mit der Anwendung bestimmter Taktiken vermittelt. Genauso steht das Thema Früherkennung und Ausweichen von Konflikten im Vordergrund.

Mich persönlich hat dabei besonders beeindruckt, dass es für aus meiner Sicht ausweglose Situationen zum Teil erstaunlich einfache und logische Möglichkeiten der Gegenwehr gibt. Einige dieser Tipps werde ich hier weitergeben, aber die größte Hemmschwelle – sich körperlich zu wehren – wird man nur durch ein gezieltes Training überwinden können.

Selbstverteidigung für mehr Sicherheit

Was lerne ich in einem Selbstverteidigungskurs?

  • Rechtzeitige und richtige verbale Reaktion
  • Sichere, selbstbewusste Vermittlung durch Körpersprache
  • Richtiger Einsatz eines Pfeffersprays
  • Ausweichmöglichkeiten bei sich anbahnenden, unangenehmen Situationen
  • Übung von Schlag- und Tritt-Techniken
  • Befreiung aus Würge- und Klammergriffen
  • Abwägung und Einschätzung, ab wann Körpereinsatz erfolgt
  • Einschätzung des Bauchgefühls
  • Die Bedeutung schnellen Handelns
  • Selbstbewusstsein durch Wissen: Ich habe eine realistische Chance!

 

Fakten: Wie kann man Sicherheit einschätzen?

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 45.000 Personen Opfer irgendeiner Form von Vergewaltigung und sexuellem Übergriff. Jede 7. Deutsche ist betroffen.

Zum Vergleich:

  • Schweden: Jede 4. Frau ist ein Vergewaltigungsopfer, womit dieses Land in Europa deutlich an der Spitze liegt.
  • Indien: Im Jahr 2012 wurden mehr als 24. 900 Vergewaltigungen gemeldet. Da Indien fast doppelt so viele Einwohner hat wie ganz Europa, kann man diese Zahl (trotz der schlimmen Vorfälle in der Vergangenheit) als verhältnismäßig gering einstufen.
  • Südafrika: Angeblich etwa 480.000 Vergewaltigungsopfer pro Jahr!
  • Weltweite Statistik: Jede dritte Frau wird in ihrem Leben einmal vergewaltigt, geschlagen, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt.

Hierbei sollte noch erwähnt werden, dass der größte Teil aller Vergewaltigungen im Bekannten- und Freundeskreis stattfindet und seltener durch einen völlig Fremden. Daher sind alle Zahlen und Statistiken als relativ anzusehen, zumal diese Zahlen in den Medien sehr stark variieren und scheinbar auch nur 5% aller Straftaten überhaupt zur Anzeige gebracht werden. Statistisch sind die meisten Opfer Jugendliche oder jüngere Menschen (betroffen sind übrigens auch Männer).

Aber: All diese Zahlen helfen uns nur bedingt weiter, denn das Problem – Opfer zu werden – kann von vielen Faktoren abhängen: Kleidung, Aufenthaltsort, Wahl des Verkehrsmittels oder man ist schlicht und ergreifend zur falschen Zeit am falschen Ort. Sicherheiten oder Garantien gibt es keine, weshalb man sich gerade deshalb unbedingt mit dem Thema Selbstverteidigung auseinander setzen sollte.

Wie kann ich vorbeugen?

  • Kleidung:  Den Gegebenheiten des Landes anpassen! In konservativ muslimischen Ländern z. B. Arme, Beine und Dekolleté verdecken und keine hautengen Klamotten tragen. Auch nasse Haare wecken dort unter Umständen sexuelle Hintergedanken. T-Shirts mit anzüglichem Aufdruck (Kiss, Love, Sex etc.) vermeiden. Hotpants und enge Tops nur an Orten, wo es völlig normal ist. Teure Markenkleidung erhöht die Gefahr, auf Kleinkriminelle zu stoßen. (Gilt alles auch für Paare, nicht nur für Alleinreisende!)
  • Körperkontakt:  Bei uns ist ein freundschaftliches, leichtes Berühren z. B. eines Armes während eines Gespräches völlig normal. In manchen Ländern kann aber eine einfache Berührung schon als Annäherungsversuch angesehen werden, aus dem man sich nur schwer zurückziehen kann.
  • Verkehrsmittel:  Wohl eines der kritischeren Themen, denn hierbei sollte Geld nie eine Rolle spielen! Wenn ein bestimmtes Verkehrsmittel als unsicher gilt, besser nicht den Helden spielen. Dann lieber mal auf ein Abendessen oder irgendetwas anderes verzichten als z. B. im lokalen Bus bei Nacht ein unnötiges Risiko eingehen. Bahnhöfe sind in vielen Ländern ein unangenehmer Aufenthaltsort, daher Busse und Bahnen am Tag vorziehen. Im eigenen Auto oder Mietwagen besonders abends immer die Türen verriegeln bzw. Zentralverriegelung einschalten (sofern nicht automatisch geregelt).
  • Kopfhörer:  Beim Joggen im Wald, auf der einsamen Straße am Abend oder an anderer, entlegenerer Stelle immer nur Musik mit maximal einem Ohr hören. Mit voller Beschallung haben wir eine viel geringere Wahrnehmung um uns herum und bekommen unter Umständen nicht mit, dass sich jemand Unangenehmes in unserer Nähe befindet.
  • Augen auf:  Es kommt uns abends ein komischer Typ entgegen oder unterwegs geht jemand in sehr nahem Abstand hinter uns? Sobald unser Bauch ein ungutes Gefühl vermittelt, sollten wir handeln. Die Straßenseite wechseln oder stehen bleiben und den Typen hinter uns vorbeigehen lassen. Männer, die uns komisch vorkommen, dezent im Auge behalten. Sicherheit suchen, z. B. in ein Geschäft reingehen, im Bus vorne in der Nähe des Fahrers sitzen oder einfach jemanden auf der Straße ansprechen.

Welche Hilfsmittel kann ich anwenden?

  • Pfefferspray:  Die Mitnahme ist nicht ganz so unproblematisch, da es in manchen Ländern verboten und grundsätzlich auch nur zur Tierabwehr gedacht ist. Aber egal- der Eigenschutz sollte hier Vorrang haben. Es gibt unterschiedliche Größen und Formen. Die Pistolenform ist zwar praktischer in der Anwendung, könnte aber beim Scan am Flughafen schneller Aufsehen erregen und ist daher weniger gut geeignet. Dann gibt es größere und kleinere Sprays. Das größere ist für unterwegs einerseits etwas unpraktisch (und sollte sich auch beim Einchecken besser nicht im Handgepäck befinden), aber es ist besser anzuwenden als das kleine. Das kleinere hingegen kann man überall dabei haben und passt auch mal eben in die Hosentasche für alle Fälle. Tipp: Am besten nimmt man ein größeres und ein kleineres mit. Das kleinere hatte ich schon häufiger im Handgepäck dabei und musste es nie vorzeigen oder abgeben. Für den Flug ist es allerdings sicherer, wenn man beides im großen Gepäck verstaut. Zur Anwendung des Sprays gibt es Tipps weiter unten.
  • Trillerpfeife:   Ein Standard-Utensil im Gepäck. Falls jemand nachts ins Zimmer eindringen sollte, hat man direkt ein sehr wirksames Mittel zur Hand, um ein sehr lautes Geräusch abzugeben. Diese Gefahr ist zwar nicht so groß, aber es lässt einen vielleicht etwas besser schlafen.
  • Handalarm:  Nach Betätigen eines Knopfes oder Ziehen eines kleinen Stiftes aus dem kleinen, meist eiförmigen Gerät ertönt ein ohrenbetäubendes Geräusch. Ist zwar z. B. für den Nachttisch zu Hause ganz nett, aber für unterwegs eher ungeeignet. Die Gefahr, dass durch gequetschtes Gepäck der Alarm ausgelöst wird, ist einfach zu groß und macht daher auf Reisen nicht wirklich Sinn.
  • Messer:  Zum Selbstschutz auf Reisen völlig ungeeignet. Zum einen müsste man in der Anwendung richtig geübt sein und auch die Mitnahme im Gepäck bei Flügen dürfte sich als recht schwierig gestalten.

Wie kann ich mich im Falle eines Falles wehren?

Wie schon anfangs erwähnt – wichtig ist, dass man sich überhaupt wehrt – und das lernt man in erster Linie in einem Kurs. Ein paar weitere handfeste Tipps:

  • Das Wichtigste vorab:  Nichts ist peinlich! Lieber mal einem merkwürdigen Gegenüber zu laut entgegen getreten oder eine sich nähernde Hand wegschlagen als in einer sich anbahnenden, unangenehmen Situation nichts tun. Wenn sich eine Situation im Nachhinein als harmlos herausstellen sollte, kann man später drüber lachen. Umgekehrt wäre es deutlich anders.
  • Schlagen und Treten:  Einsetzen kann man neben den Händen noch die Füße mit gezielten Tritten und auch die Ellbogen kann man sehr effektiv einsetzen. Man sollte nie mit der Faust zuschlagen (Verletzungsgefahr zu groß), sondern immer mit der Handkante/-fläche. Die wichtigsten zu treffenden Körperteile sind das Gesicht und die Genitalien; außerdem noch der Hals, die Rippen und die Schienbeine.
  • Annäherungsversuch:  Dem Mann direkt, bestimmt und laut vermitteln, dass er das unterlassen soll. Selbstbewusstes Auftreten ist extrem wichtig! Das kann man auch mit einer ausgestreckten Hand (Stop-Signal) noch unterstreichen. Wichtig: Verneinungen wie z. B. »Nicht näher kommen!« vermeiden. Besser direkte Kommandos wie »Stop!«.
  • Bedrohung mit Waffe:  Wenn sich abzeichnen sollte, dass es ausschließlich um Materielles geht, sollte man alles hergeben – egal, ob sich Geld, Pass oder was auch immer in der Tasche befindet! Das Leben ist entscheidend, alles andere ist in diesem Fall unwichtig! Wenn es um einen körperlichen Übergriff geht, hat man ungeübt wenig Chancen der Verteidigung. Es gibt ein paar Möglichkeiten, die man auch in einem Kurs erlernt. Am besten wäre natürlich, sich bereits im Vorfeld irgendwo in Sicherheit bringen zu können.
  • Würgen:  Hier herrscht Lebensgefahr! Nach kurzen 4-5 Sekunden Würgen sind wir bereits bewusstlos. Daher muss man sich als erstes sofort Luft verschaffen. Mit einem gezielten Ruck an den Händen (lernt man im Kurs) bekommt man wieder etwas Luft und muss dann auch gleich zum Schlag in Gesicht oder Genitalien ausholen.
  • An den Haaren ziehen:  Wenn man sich in einer Übung in der Situation befindet, dass uns jemand mit ausgestrecktem Arm an den Haaren zieht, sehen wir uns als Laie hoffnungslos ausgeliefert. Durch Drehen und gezielte Kicks mit dem Fuß gegen das Schienbein oder Knie des Angreifers haben wir allerdings eine gute Möglichkeit, uns aus dem Griff zu lösen.
  • Um Hilfe rufen:  In der einsamen Straße oder im großen Wald bringt ein Hilfeschrei wahrscheinlich eher wenig. In einer Notfall-Situation in der Öffentlichkeit (Bus, Bahn, Straße) sollte man Leute gezielt aufrufen und um Hilfe bitten. Also nicht »Hilfe!« schreien, sondern »Sie in der blauen Jacke, bitte rufen Sie die Polizei!«. Sobald jemand direkt angesprochen wird, fühlt er sich persönlich verpflichtet und die Chance auf Hilfe ist wesentlich höher.
  • Weglaufen:  Das Problem ist, dass man in einer gefährlichen Situation blitzschnell entscheiden muss. Laufen lohnt sich nur dann, wenn man in absehbarer und erreichbarer Nähe Schutz finden kann. Wenn man läuft und eingeholt wird und sich dann wehren muss, hat man schon wahnsinnig viel Energie verloren, die man eigentlich von Anfang an in die Gegenwehr hätte setzen müssen.
  • Einsatz des Pfeffersprays:  Wichtig zu wissen ist, dass der Inhalt eines großen Pfeffersprays nur für ca. 4-5 Sekunden reicht. Das große Spray sollte man immer mit dem Daumen (nicht mit dem Zeigefinger) bedienen und während der Anwendung mit beiden Händen festhalten, um richtig zielen zu können. Entscheidend ist auch, das Spray rechtzeitig anzuwenden: Wenn jemand sehr schnell auf einen zuläuft, verpasst man im schlimmsten Falle den richtigen Moment.

Abschließende Überlegungen zum Thema Selbstschutz

Keine Frage, das Thema ist unangenehm und verursacht ein mulmiges Gefühl, denn wir möchten am liebsten nie in eine bedrohliche Situation geraten, weder zu Hause noch auf Reisen. Während eines Selbstverteidigungskurses bekommt man es mit der Angst zu tun, wenn man all die möglichen Gefahren bespricht und sich plötzlich massiv körperlich wehren muss. Ich persönlich habe mich bei dem Kurs ehrlich gesagt ein wenig geschämt, dass ich mich bisher nie intensiv mit dem Thema beschäftigt habe.

Auswirkungen eines Selbstverteidigungskurses

Der Kurs hat mir das sichere Gefühl vermittelt, dass ich in sehr vielen Situationen eine realistische Chance hätte, mich gegen einen Angreifer zur Wehr setzen zu können. Auch bin ich jetzt überzeugt, dass ich mich überhaupt wehren würde. Zudem haben sich weitere Gedanken in den Alltag eingestellt: Ich habe immer ein Pfefferspray dabei. Und wenn ich morgens mit meinem Hund durch den Wald gehe, überlege ich mir schon genauer, ob zum Beispiel meine billigen Ugg Boots-Imitate die richtigen Schuhe zur Gegenwehr oder zum Laufen wären – und entscheide mich dann für andere Schuhe.

Wo kann ich Selbstverteidigung lernen?

Krav Maga Trainingszentren gibt es mittlerweile ziemlich viele in Deutschland. Einen Überblick über die verschiedenen Standorte gibt es hier. Der Wochenendkurs in Köln wurde von einer sehr netten und erfahrenen Trainerin zusammen mit einem Polizisten durchgeführt, was sich als eine perfekte Kombination für diese 8 Stunden herausstellte. Außerdem gibt es die Möglichkeit, an drei Abenden in der Woche seine Kenntnisse zu erweitern oder aufzufrischen.

Wenn du weitere Tipps zu Kursen oder Trainingszentren hast, würde ich mich über eine Nachricht unter den Kommentaren freuen. Ein Selbstverteidigungskurs ist eine wichtige und wertvolle Erfahrung – egal, ob man reist oder nicht. 

 

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6 Kommentare

  1. Hi Ute,
    danke für deine tollen Reiseberichte und Tipps.
    Eine Frage: Bist du auch schon mal mit deinem Hund auf längeren Reisen gewesen? Wenn ja würden mich deine Erfahrungen sehr interessieren.
    Weiterhin viel Glück auf deiner (Lebens-)Reise! LG Ina

    1. Hi Ina,
      mit meinem Hund war ich bisher nur einmal in Ostfriesland. Ehrlich gesagt empfinde ich das immer etwas stressig… Auf meiner mindestens einjährigen Reise ab Juli wird er allerdings mitkommen, bin mal gespannt, wie das wird :) Werde dann berichten.
      LG und Danke für die lieben Wünsche!
      Ute

  2. Im Prinzip ganz gute Tipps zur Selbstverteidigung, dafür dass Du nur einen kurzen Kurs gemacht hast…
    Was allerdings nicht stimmt, ist dass Messer auf Reisen zur Selbstverteidigung ungeeignet seien.
    1. Im Reisegepäck (keinesfalls Handgepäck!) hatte ich eines meiner Messer bisher auf so ziemlich jeder Reise dabei.
    2. Messer gehören zu den effektivsten und tödlichsten Nahkampfwaffen. Auch ohne großes Training.
    Jemandem ein Messer abzunehmen ist, entgegen dem was auf vielen der schlechteren Selbstverteidigungskurse gelehrt wird, extrem schwierig.
    Probleme beim Messer sind eher folgende 2 Dinge:
    1. Die eigenen Hemmungen. Die meisten Menschen aus unserer Kultur wären auch im Ernstfall nicht bereit wirklich zuzustechen.
    2. Drohende juristische Konsequenzen. Viele Staaten sehen es nicht gerne, wenn man jemanden aufschlitzt, selbst wenn es sich um eine Notwehrsituation handelte.
    Ich persönlich sehe das so: Ich habe mein Messer auf Reisen als Werkzeug, zum Broteschmieren u.s.w. immer bei mir, so wie ich auch in Deutschland immer mein Messer als Werkzeug bei mir trage.
    Ich betrachte mein Messer primär als Werkzeug, würde es aber in äußerster Not auch mit trainierter und absolut tödlicher Effizienz anwenden. (Ich mache seit vielen Jahren Kampfsport und habe ausgiebig Messerkampf trainiert)

  3. Hallo Ute,

    Vielen Dank für deinen interessanten und fundierten Überblick! Ich trainiere auch Krav Maga und möchte daher einen Punkt kritisieren: Warum rätst du von Schlägen mit der Faust ab? Wir schlagen im Krav Maga immer mit der Faust! (Bin im KMG-Verband, beim IKMF ist das aber meines Wissens nicht anders.) Allerdings sollte man nicht die Faust 90° nach innen drehen wie beim Boxen, sondern sie entweder gerade lassen (Daumen und Zeigefinger nach oben, kleiner Finger nach unten), oder nur leicht eindrehen (bis 45°). Den Daumen auf keinen Fall mit den Fingern umschließen, sondern außen anlegen, sonst bricht er. Die Variante mit der Handinnenfläche (genauer: Daumenballen, soweit ich mich erinnere) wurde mir im Krav Maga auch einmal gezeigt, dass mag auch effektiv sein wenn man es gut trainiert hat, ist aus meiner Sicht aber kontraintuitiv. Ich würde in einer Gefahrensituation nie so zuschlagen, und wenn, wären die Schläge viel schwächer als mit der Faust. Warum hältst du Faustschläge für zu gefährlich, was wurde euch bei deinem Kurs dazu gesagt? Vielleicht dass die Knöchel aufplatzen könnten und ein Blutkontakt erfolgt (mit Übertragung von HIV, Hepatitis etc.)? Ich weiß nicht wie hoch dieses Risiko ist, man bedenke aber, dass die Abwehr des Angreifers primär ist, und dass geht in den meisten Situationen am besten durch Faustschläge ins Gesicht (und Tritte). Denn wenn man erst mal vergewaltigt oder richtig verletzt wird, ist die Ansteckungsgefahr mit Krankheiten natürlich viel größer. Blutet man nach einem Angriff, sollte man ohnehin sofort einen Arzt aufsuchen und sich mit speziellen Antikörpern behandeln lassen, die eine etwaige Infektion in den ersten Stunden abwehren können. Zu den Handkantenschlägen: Die sind nur für bestimmte Dinge effektiv, etwa um einen festhaltenden Arm wegzuschlagen oder bestimmte Schläge/Messerattacken abzuwehren (,,360°-Abwehr“). Und noch zu deiner allgemeinen Einstellung zum Reisen: Ich finde deine Neugier auf die Welt gut, aber auch ich als Krav-Maga-trainierter, fitter Mann wäre in vielen Ländern vorsichtiger (würde nicht spät alleine rumlaufen etc.), und reise in viele Länder erst gar nicht. Ein KM-Trainer hat uns einmal ein Video einer Messerattacke in der U-Bahn in Brasilien (wegen eines iPods) gezeigt und kommentiert: ,,Don’t go to Brazil.“ Aber dass muss jeder für sich entscheiden.

    Beste Grüße, Christian

    1. Hallo Christian,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Man sollte bei den Schutz-Techniken bedenken, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob jemand erfahren oder unerfahren „im (Zu-) Schlagen“ ist. Wie im Artikel beschrieben wurde vom Schlagen mit der Faust abgeraten, weil die Verletzungsgefahr damit höher ist als bei einem Handkantenschlag. Zudem – und das dürfte aus meiner Sicht viel entscheidender sein – kann ich mir nicht vorstellen, dass man es sich ungeübt trauen wird, jemandem z. B. mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, weil es einfach große Überwindung kostet, jemanden überhaupt zu verletzen. Die Handkante zum Beispiel in die Halsregion ist da zumindest kopfmäßig schon etwas einfacher. Aber wie auch immer, ich merke bei mir selbst, dass es generell wesentlich mehr Übung bedürfte als lediglich mal einen Kurs zu besuchen… Ich werde mal wieder ein Refreshing machen! Viele Grüße und weiterhin alles Gute!

  4. Hi Ute,
    Toller Artikel!
    Beim Pfefferspray bin ich ein großer Fan von den Pistolen. Du hast recht, manchmal könnten sie durch das Waffenmäßige Aussehen Aufsehen erregen. Es gibt aber auch schon Modelle wie beispielsweise die Guardian Angel II Pistole, die eigentlich gar nicht mehr so viel mit einer Pistole gemein hat :)
    Lieben Gruß
    Sebastian

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