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Das Alleinsein lieben lernen

Das Alleinsein lieben lernen

Das Alleinsein lieben lernen - Bravebird

Single, solo, alleine… eigentlich hören sich alle Worte, die das Leben ohne Partner beschreiben, ziemlich trostlos an. Wir lernen schon in der Kindheit, dass ein Mann bzw. eine Frau an der Seite zum Leben dazu gehört, wodurch wir uns im Erwachsenenalter automatisch minderwertig fühlen, wenn wir diesem Standard nicht entsprechen. Aber ist dieser Gedanke heute eigentlich noch zeitgemäß? Und wenn nicht, wie schaffe ich es, mit mir selbst alleine voll und ganz zufrieden und erfüllt zu sein?

Viele Singles kennen die gut gemeinten Ratschläge anderer, die einen schnellstmöglich aus der misslichen Lage des Alleinseins befreien sollen. Diese Hilfestellung ist allerdings überaus nachteilig, denn gerade hierdurch beginnt unser Verstand umso mehr daran zu arbeiten, uns mental noch weiter in die Tiefe zu reißen: »Was ist denn nur so falsch an mir?«, »Warum haben andere keine Probleme, jemanden zu finden?«, »Warum will mich keiner?« und »Was muss ich nur an mir verändern?« – und das Selbstmitleid ist perfekt.

Warum man über das Alleinsein heute anders denken und das volle Potential daraus schöpfen sollte, habe ich in den nachfolgenden Punkten einmal zusammengefasst:


1. Du bist allein 100% vollständig

Bei deiner Geburt kommst du allein und – sofern du kein Zwilling bist – ohne Begleitung auf die Welt. Du wächst bei deiner Familie sozusagen in einer Community auf und verbringst dort mindestens 14 Jahre, ohne dass an die Notwendigkeit einer “besseren Hälfte” ein Gedanke verschwendet wird. Erst dann kommt neben deiner prägenden Erziehung und der Vermittlung gesellschaftlicher Standards die Biologie ins Spiel, die dich mit dem Thema Fortpflanzung vertraut machen möchte.

Für die Gründung einer Familie braucht man natürlich einen Partner und für das Großziehen von Kindern bestenfalls auch, aber ansonsten besteht grundsätzlich überhaupt kein Bedarf an einer festen Partnerschaft. Du bist allein weder nur eine halbe Person noch weniger wert. Man kann zu zweit vielleicht mehr erreichen, man spart durch das Teilen auch Geld und kann Genuss sowie manches andere schöner erleben, aber es ist nicht zwingend notwendig oder überlebenswichtig.

In manchen Kulturen dürfen Männer bis zu vier Frauen haben, in anderen wiederum können Frauen zwei Männer haben – im Grunde ist die Vorgabe “Zweisamkeit” also lediglich ein kultureller Aspekt, der dich weder von anderen noch von dir selbst in deinem persönlichen Wohlbefinden beeinflussen sollte. Viele bevorzugen heute sogar das Alleinsein und den Freiraum, der damit einhergeht, ohne irgendeinen Mangel dabei zu empfinden.

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2. Die Zeiten haben sich geändert

Die meisten Paare der jüngeren Generation bleiben heutzutage in der Regel nicht mehr ein Leben lang zusammen, wie es vielleicht noch bei unseren Eltern oder Großeltern der Fall war. Es hört sich zwar nach einem erstrebenswerten und irgendwie romantischen Konzept an, nur ist zum einen nicht jedermann dafür bestimmt und zum anderen kann man es nicht erzwingen.

Zudem hat sich vieles in den letzten 70 Jahren verändert. Wir lernen heute potentielle Partner nicht mehr sonntags beim Tanztee kennen, sondern rund um die Uhr an allen Orten der Welt per Wisch in einer Handy-App. Bei uns steht heute im Gegensatz zur Nachkriegsgeneration auch nicht mehr die Existenz auf dem Spiel, wenn man sich für eine Trennung entscheidet.

Wenn also heute eine Beziehung mal nur ein paar Monate oder ein Jahr dauert, ist das schlicht und ergreifend normal und kein Grund, sich Vorwürfe zu machen, weil man es vielleicht aus Sicht anderer “wieder nicht geschafft hat”, eine funktionierende Beziehung auf die Beine zu stellen. Jeder kennt die Paare, die zwar lange zusammen sind, in deren Beziehung aber rein gar nichts mehr passiert, was auch nicht gerade erstrebenswert oder beneidenswert ist. Alles hat immer zwei Seiten.

3. Du bist nicht für immer allein

Stell’ dir vor, ein Partner wäre wie ein schöner Urlaub: Du genießt ihn unendlich, während du unterwegs bist. Wenn die Reise zu Ende ist und du wieder nach Hause kommst, freust du dich rückblickend über die besonderen Erlebnisse und denkst bereits darüber nach, welches Reiseziel du dir für den nächsten Urlaub aussuchst. Vielleicht ziehst du in Betracht, das Land nochmals bereisen zu wollen, aber du würdest der vergangenen Reise weder extrem nachtrauern noch im Selbstmitleid versinken, weil du nicht länger dort bleiben konntest. Es ist zwar leichter gesagt als getan, aber es macht Sinn, mit diesen Gedanken auch an das Thema Partnerschaft und Trennung heranzugehen.

Unter spirituellen Gesichtspunkten werden uns zum richtigen Zeitpunkt genau die Partner zur Seite gestellt, die uns als Spiegel für unsere eigenen Muster und Verhaltensweisen dienen, damit wir sie bemerken und an der Auflösung arbeiten können. Wenn man also der Theorie nachgeht, dass man gemäß dem Gesetz der Anziehung immer das anzieht, was man ausstrahlt und vielleicht immer wieder an den unerwünschten, selben Typ Mann/Frau gerät, wird man etwas an sich tun müssen, um zukünftig andere Partner anzuziehen. Und hierfür sind die Phasen zwischen den Partnerschaften perfekt!

4. Alleinsein birgt großes Potential

Hoffnung, Sehnsucht und positives Denken sind etwas Wunderbares, nur ist es in Bezug auf einen neuen Lieblingsmenschen an seiner Seite in der Regel eher so, dass er meist genau in dem Moment erscheint, in dem man gar nicht mit ihm gerechnet hat. Warum also nicht die Zeit, in der man allein, frei und ungebunden ist, in vollen Zügen genießen? Gerade die Phasen, in denen man sich voll und ganz auf sich selbst konzentrieren kann, bieten wahnsinnig viele Möglichkeiten, sich selbst weiterzuentwickeln und innerlich zu wachsen.

Alleine kannst du eine spannende Reise ins Unbekannte antreten, dich weiterbilden, einen Blog aufbauen, ein Buch schreiben, neue Hobbys entwickeln, dich sportlich betätigen, tanzen, ausgehen oder dich schlichtweg einfach austoben. Uns stehen heute so viele Möglichkeiten der Entfaltung und Selbstverwirklichung zur Verfügung, mit deren Hilfe man sich eine wunderschöne Zeit gestalten kann. Wenn du mit dir selbst zufrieden und somit authentisch bist, hast du die größte Chance, einen wirklich passenden Menschen zu finden – sofern du danach suchst.

5. Die Neuentdeckung der Liebe

Die meisten verbinden das Wort Liebe ausschließlich mit einem Partner, dem sie ihre ganze Liebe schenken und sich das Gleiche vom anderen zurück erhoffen. Ohne Gegenpart fühlen sie sich leer, weil beim Alleinsein niemand die Bedürftigkeit von Liebe erfüllt. Aber eigentlich ist es ganz anders! Liebe ist überall und grenzenlos vorhanden. Du kannst alles lieben und allem deine Liebe schenken. Ich liebe jeden kleinen Schmetterling, schöne Blumen, Kleider, gutes Essen, den Kaffee am Morgen – je mehr du dich selbst, Dinge, Menschen und Situationen liebst, umso schöner wird sich dein Leben gestalten.

Wenn du dir deinen Körper als Gefäß vorstellen würdest, der dein Selbst darstellt, könnte er so – oder so aussehen:

Selbstliebe lernen - Alleinsein - Bravebird

Übergroße Sehnsucht nach einem Partner, nicht enden wollender Liebeskummer und starke Einsamkeits-Gefühle sind daher eigentlich immer ein Zeichen dafür, dass man zu wenig bei sich selbst ist. Wer an seinem Selbstwert arbeitet und sich intensiv um seine eigene Erfüllung kümmert, wird zukünftige Partner eher als willkommenes Sahnehäubchen ansehen und nicht als notwendigen Dienstleister für das Auffüllen eigener Mangelzustände. Solange man bedürftig ist, befindet man sich im Mangel und zieht dementsprechend Mangel an – ein Zustand, aus dem man sich schnellstmöglich befreien sollte!

Im Alleinsein wird man automatisch mit seinem Selbstwertgefühl konfrontiert, das oft in der Kindheit entstanden und nur schwer aufzulösen ist. Gerade in der heutigen Zeit durch Werbung und digitale Medien werden wir tagtäglich damit konfrontiert, dass es ganz offensichtlich viele schönere, tollere, coolere und erfolgreichere Menschen um uns herum gibt und da gilt es Rückgrat zu bewahren. Aber der Weg lohnt sich! Hilfestellung für Selbstliebe, -empathie & Co. geben zum Beispiel Bücher (oder von mir favorisiert Hörbücher, nicht nur der Umwelt, sondern auch des Überall-Hörens wegen), Life Coaches, Seminare, Psychologen usw.

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