Mein dritter und letzter Tag in Havanna scheint vielversprechend zu werden: Mein Vermieter Frederico hat mir seine Ex-Freundin vermittelt, die mir ein wenig die Stadt zeigen sollte. Mit der blond gefärbten, ungewöhnlich hellhäutigen und leicht bekleideten Kubanerin ging es über den Malécon, der prominenten Küstenstraße, durch viele kleine Gässchen in die Altstadt. Unterwegs wurden wir alle paar Minuten von Männern angesprochen. Dass Mittel- und Südamerikaner aggressiver flirten als Europäer, ist ja allseits bekannt, aber das hier war einfach nur extrem nervig.

Eleonora erklärte mir die einzig richtige Verhaltensweise: Einfach ignorieren und weitergehen. Was wir Deutschen als arrogant oder unhöflich empfinden würden, ist hier ganz normal. Selbst bei einem “Nein Danke” oder “Kein Interesse” wird man hartnäckig in ein Gespräch verwickelt. Also wieder etwas dazu gelernt. Sie schien die Ansprache von Männern jedenfalls (wortlos) zu genießen.

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Nach der etwa 3-stündigen Tour durch die Stadt forderte Eleonora einen überraschend hohen Preis von mir, dem ich nur widerwillig nachkam. Ich ärgerte mich, dass ich mit ihr nicht vorher über die Finanzen gesprochen hatte, aber ich war hier irgendwie von geringen Dimensionen ausgegangen…

Den Nachmittag wollte ich im Stadtteil Vedado verbringen, dem modernen Zentrum von Havanna. Der beste und einfachste Weg dorthin war ein Oldtimer-Taxi, das ich ohnehin bei einem Havanna-Besuch nicht missen durfte. Am Platz der Revolution gibt es eine Art Taxistand, bei dem jedes Auto eine bestimmte Richtung anfährt. Der kleine Nachteil ist, dass ein Wagen so lange dort stehen bleibt, bis alle Plätze belegt sind. Dafür ist es unglaublich günstig! Und ich durfte sogar auch mal am Steuer sitzen.

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So richtig begeistert hat mich Vedado bis auf einen Gospel-Gottesdienst, an dem ich kurz teilnahm, dann letzen Endes irgendwie doch nicht. Die Kirche aber war brechend voll und die Leute sangen aus voller Brust, was für uns Europäer doch eher ein ungewöhnlicher Anblick ist.

Zurück an meinem Ausgangspunkt, dem Plaza de la Revolución, begab ich mich auf die Suche nach einem Internet-Café und einer Möglichkeit, an Bargeld zu kommen.

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Beides stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus, denn entgegen der Lonely Planet Information gibt es nur einige wenige, größere Hotels mit Internetzugang und dort heißt es, viel Geduld mitzubringen. Man erhält gegen Gebühr eine Karte mit einem Passwort, setzt sich hin und wartet… und wartet… bis endlich jemand seine Internet-Sitzung beendet. Nach 20 Minuten Wartezeit verlor ich die Geduld, gab die Karte zurück und ging wieder auf die Straße.

Die Suche nach einem Geldautomaten, der Geld ausspuckte, verlief ebenso zäh. Ich hatte nur noch eine Mastercard und offensichtlich ist hier in Kuba die Visa-Card angesagter, die aber ja leider derzeit noch in einem Geldautomaten im Flughafen von Havanna steckte. Nach ungefähr zehn vergeblichen Versuchen und Schlange stehen gab ich auf. Ich suchte mir ein Bistro mit Live-Musik und grummelte mit einem Cuba libre missmutig vor mich hin. Das konnte doch alles nicht wahr sein… Ich hatte schließlich bis auf die erste Nacht in Nikaragua noch nichts weiteres gebucht!

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2 Kommentare

  1. Hey Ute,
    ich sehe gerade, dass der Post schon von 2011.
    Vermutlich würdest du dir heute keine Gedanken mehr machen über fehlende Planung für das nächste Reiseland, oder?
    Oder hattest du damals vor, in Kuba selber Unterkünfte onine zu buchen?
    Im Moment habe ich die Hoffnung, dass man in jedem der Casas Particulares eine Empfehlung für das nächste Ziel bekommt (ich frage weil ich in Kürze seber hinfliege).
    Lieben Gruß,
    Sylvia

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