Sonntag-Morgen. Da der Strand mich nicht reizte, blieb nur die andere Richtung und die nannte sich Berg. Während ich mich verschlafen hinter’s Steuer setzte, war auch der gefühlte Rest der Insel unterwegs, und zwar auf dem Motorrad. Links, rechts, vor und hinter mir erschienen pausenlos geschwindigkeitsfanatische Zweiräder. Es war wie eine Invasion. Und ich mittendrin in meinem kleinen Twingo auf einer Insel, in der die Neigung der Straßen durchschnittlich 13% beträgt. Nicht zu vergessen der interessante zweispurige Kreisverkehr. Wenn ich dem Ganzen auf La Réunion bisher etwas Gutes abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass ich ein Auto inzwischen bei jeder erdenklichen Steigung nicht mehr abwürge. Auch an Serpentinen habe ich großen Gefallen gefunden..

Mein Ziel – der Aussichtspunkt des Vulkans Piton de la Fournaise – lag auf 2.600 m Höhe. Hier oben gab es an diesem eigentlich sonnigen Tag nur Regen, Nebel, Kühe und Picknicker.

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Gestern hatte ich mir bei all den Menschen, die an Stränden und in Wäldern entweder in ihrem Auto oder auf den zur Verfügung stehenden Tischen und Bänken saßen, noch keine Gedanken gemacht. Inzwischen ist aber der Groschen gefallen, warum es so wenig Restaurants unterwegs gibt: Das sind hier alles Selbstversorger!

Da, wo es andernorts bei Sehenswürdigkeiten einen kleinen Shop oder ein Café oder zumindest Lebensmittel zu kaufen gibt, stehen auf Réunion Picknick-Plätze. Für mich als konsumorientierter Mensch eine schwierige Situation. Andererseits habe ich mir meinen Latte Macchiato in den letzten beiden Wochen ohnehin schon abgewöhnen müssen, aber wenigstens gibt es auf dieser Insel normale Milch.

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Nun denn, im Nebel gab es für mich nichts weiter zu tun und war froh, als ich wieder Licht und Sonne zu Gesicht bekam. Auf dem Weg bergab fragte ich mich, wie so ein Leben in einem Haus mit dieser ständigen Sichteinschränkung und Feuchtigkeit sein muss. Wie schaffen es wohl die Bewohner, damit auf Dauer nicht depressiv zu werden? Vielleicht ist es auch einfach nur Gewohnheitssache, aber definitiv nichts für mich. Daher entschied ich mich auch, eine weitere Nacht in meinem günstigen Vintage-Hotel mit zwei Pudeln zu bleiben. Immerhin gab es hier spektakuläre Sonnenuntergänge.

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Am vierten und somit letzten Tag auf der Insel bestand mein einziger Anspruch darin, eine geeignete Unterkunft für die Nacht zu finden. Als mittlerweile gefühlte Ralley-Amateurin wollte ich es mir aber nicht nehmen lassen, auch noch das letzte Vulkan-Plateau zu erobern.

Die Strecke zum Piton Maido war eindeutig die anspruchsvollste und längste. Nur wurde ich diesmal für’s Durchhalten belohnt, denn irgendwann ganz am Ende hörte der Nebel auf und ich stand im Sonnenlicht über den Wolken.

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Der Blick war zweifelsohne beeindruckend, aber da es auch hier nichts zu trinken und zu beißen gab, musste ich mich auf die Suche nach einer Bleibe für diese Nacht machen. Und jetzt wurde es knifflig. Alle Orte, die ich passierte, hatten keine ausgeschriebenen Pensionen oder Hotels. Und die Hotels, die es gab, lagen jenseits der 100 €.

Noch kurz dem bekannten Strand in Saint-Gilles-des-Bains einen Besuch abgestattet, kam ich erst am späten Nachmittag wieder in Saint-Denis an. Nach allem, was ich bisher von La Réunion gesehen hatte, war dies letzten Endes doch der beste Ort, an dem man sich aufhalten konnte. Ich kam in einem Best Western unter und würde morgen früh nach Mauritius fliegen.

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Komisch, ich hätte vorher wetten können, dass mir La Réunion (als “die Natürliche”) wesentlich besser gefallen würde als Mauritius (als “die Kommerzielle”). Aber ich hatte mich geirrt. Als Frau kann man sich hier allein zwar überall problemlos aufhalten, ein Visum braucht man für Frankreich natürlich auch nicht, aber diese Insel im Indischen Ozean wird mich nicht wiedersehen, soviel steht fest. Dann reise ich doch alternativ lieber nach Sizilien mit Vulkan, tollem Essen, super Stränden und vor allen Dingen geringeren Kosten. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Mauritius mich mehr ergreift…

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4 Kommentare

  1. Hallo Ute!
    Ich wohne seit August auf La Réunion und so wie du diese wundervolle Insel beschreibst, hätte ich auch keine Lust hier nochmal herzukommen. Diese Insel in 4 Tagen erkunden zu wollen, ist trotz ihrer 2.500km²einfach ein Ding der Unmögichkeit!
    Wundervolle tiefblaue Bassins, Wasserfälle, die drei Talkessel Mafate, Salzaie, Cilaos,… St. Pierre im Süden, die Landschaft von Zuckerrohr geprägt, kreolische Dörfer, unendliche Wanderrouten, der Regenwald, schwarze Strände, schnorcheln und bute Fische, frische Mangos, kreolische Spezialitäten wie Curry oder Samoussa – dies alles und noch viel mehr ist für mich La Réunion und ist dir anscheinend erspart geblieben!
    Deinen Blogeintrag finde ich weder aussagekräftig, noch informativ.
    Schade, dass du dir so wenig Mühe gegeben hast diese Insel zu erkunden!

    1. Liebe Maria,
      wenn allen Menschen das Gleiche gefallen würde, gäbe es keine Unterschiede, Inspirationen oder ähnliches auf der Welt. Ich bin mit Vorfreude über und durch die Insel gefahren und habe für mich trotz vieler Jahre Reiseerfahrung nicht für diese Insel begeistern können. Ich glaube dir gerne, dass sich das Blatt wendet, wenn man sich für ein Leben dort entscheidet, aber das kann man von einem Reisenden kaum erwarten. Ich hätte durchaus mehr Zeit gehabt, aber es hat mich trotz schöner Landschaft nichts dort gehalten und das hat nichts damit zu tun, dass ich mir “keine Mühe gemacht habe” (sonst wäre ich nicht dorthin gereist), sondern dass es mich als Reisende schlichtweg nicht angesprochen. Wünsche dir noch eine schöne Zeit auf Reunion.

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