»So viel Schönheit ist eigentlich kaum zu ertragen.« Ich wüsste nicht, wann ich diesen Satz das letzte Mal gedacht oder ausgesprochen habe, aber auf dieser Reise war er auf einmal sehr präsent. Nicht nur, als ich Island mit der Fähre von Dänemark aus erreichte, sondern auch über ganze drei Wochen, als ich diese wunderschöne Insel auf der Ringstraße kennenlernen konnte.

Während ich mit meinem Camper in Island unterwegs war, wechselten sich Demut und Respekt auf der Fahrt regelmäßig ab. Demut vor dieser Naturgewalt, den Farben, dieser unendlichen Einsamkeit und Weite. Und Respekt vor einem Land, das man in seiner Unberührtheit und Einzigartigkeit schützen und ehren sollte.

Um mit dem Auto nach Island zu kommen, bedarf es einer Menge Zeit. Vom dänischen Hafen Hirtshals  aus kann man sich auf drei Tage Seefahrt einstellen, die zwar wunderschöne Landschaften und einen Stopp auf den Färöer Inseln bietet, aber leider ein nicht gerade günstiges Vergnügen darstellt, weshalb die meisten heute bedauerlicher Weise mit dem Flugzeug anreisen und sich das Abenteuer Fähre entgehen lassen.

Während des Filmschnitts dachte ich mir, einen Island-Kenner nach seinen Reisetipps zu fragen und bin auf Marc gestoßen, der einen der umfangreichsten Blogs über Island betreibt:

Marc, erzähl‘ etwas über dich. Warum hat es es dir diese Insel so angetan?

Ich lebe verteilt in Berlin, Reykjavík und Kapstadt. Die letzten drei Jahre war ich die Hälfte meiner Zeit in Afrika und den Rest der Zeit in Europa. Beruflich bin ich in der IT zu Hause und seit 2013 Freiberufler. Das erste Mal war ich 2013 in Island. Diese Insel hatte ich schon immer auf der Bucketlist, aber die Flüge aus meiner Heimat waren immer sehr teuer. Als ich dann einen günstigen Flug fand, buchte ich kurzerhand einen Mietwagen und schon ein paar Tage später stand ich am Flughafen in Keflavik. Ich hatte keine Ahnung, wo ich hin musste und bin ich einfach drauf losgefahren.

Marc Herbrechter Island Interview Reiseblog Bravebird

Diese Reise hatte mich dermaßen gepackt, dass ich im selben Jahr auf einem Zwischenstopp von Nordamerika gleich nochmals dort war. Ein Jahr später habe ich in Kapstadt mit dem Tauchen begonnen. Und da auch hier wieder Island die schönsten Tauchspots der Welt haben sollte, flog ich wieder hin. Schon bald packte ich also meine Koffer und zog für drei Monate nach Island, um dort zu leben und als Divemaster zu arbeiten. Bei -25°C Lufttemperatur in eiskaltem Gletscherwasser zu tauchen, war eine ganz schöne Herausforderung. Eigentlich wollte ich nach einer Woche abbrechen, wurde aber vom Team so toll supportet, dass ich die drei Monate durchhielt.

Seitdem schreibe ich in meinem Island Reiseblog über das Land und versuche Reisenden möglichst viele gute Informationen an die Hand zu geben, um eine tolle Zeit in Island zu haben.

Wie würdest du die Zeit für eine 1-wöchige Reise in Island gestalten?

Das kommt auf viele Faktoren an:

  • Zu welcher Jahreszeit bist du in Island?
  • Was möchtest du unbedingt sehen und was ist dir nicht so wichtig?
  • Alleinreisend, zu zweit oder in einer Gruppe?
  • Wie groß ist dein Budget?

Die große Frage ist immer: Rundreise – ja oder nein?

Im Sommer kann man eine Rundreise in einer Woche einplanen. Das ist kompakt, aber durchaus machbar. Ich war 2013 genau sieben Tage in Island und bin einmal die Ringstraße entlang gefahren. Zeit für große Abstecher hat man dabei sicherlich nicht: Westfjorde, Snæfelsness, Golden Circle oder gar ein Abstecher in’s Hochland sind da nicht drin. Dafür sieht man eben das ganze Land und hat einen guten Überblick.

Ist man im Winter vor Ort, würde ich eine Rundreise in dieser kurzen Zeit nicht empfehlen. Es kann zu gesperrten Straßen kommen und bei einer Woche hat man kaum Puffer. Daher lieber in Reykjavík bleiben und ggf. die einer oder andere geführte Tour machen: Golden Circle, Snæfelsness, Südküste, Whale Watching, Lava Caving, Tauchen in Silvia. Das Schöne: Wenn eine Tour wegen schlechten Wetters abgesagt wird, muss man sie auch nicht bezahlen. In der Hauptstadt gibt es genug zu entdecken, dass man ein bis drei Tage mit Museen, Ausstellungen oder Sightseeing sinnvoll überbrücken kann.

Bist du alleine unterwegs, kannst du entweder einen Mietwagen nehmen oder einen Pass für den Bus kaufen, je nach Budget. Ab zwei Personen lohnt sich ein Mietwagen denn er kostet dann nicht mehr als der Bus, gibt aber wesentlich mehr Flexibilität. Zu zweit kann man auch gut einen Campervan anmieten. In der Hauptsaison ist es wichtig, sich frühzeitig um Unterkünfte und Touren zu kümmern, da diese vor Ort oft schon ausverkauft sind. Es ist weniger kritisch in den entlegeneren Gebieten, aber an Ballungszentren wie der Gletscherlagune Jökulsárlón, Myvatn und Akureyri ist im Sommer viel los.

Und bei 2 Wochen?

Rundreise! Zwei Wochen sind immer genug um das ganze Land zu sehen, egal zu welcher Jahreszeit. Zugegeben: Wer zum ersten mal herkommt, sollte sich dann schon lieber den Sommer aussuchen. Die Bedingungen für eine Rundreise im Winter sind nicht besonders angenehmen. Wer im Sommer hier ist und zwei Wochen Zeit hat, dem stehen alle Möglichkeiten offen: Bei einer solchen Rundreise hat man nämlich dann auch entspannt die Zeit für kleinere Abstecher und kann sich auch mal eine Nacht länger an einem schönen Ort aufhalten. Ich würde zum Beispiel empfehlen, sich die Halbinsel Snæfelsness anzuschauen – gerne auch mehr als einen Tag lang.

Auch die Westfjorde stehen einem bei zwei Wochen offen: Diese Gegend von Island ist noch so, wie sich die meisten das Land vorstellen. Nahezu unbewohnt und einsam liegen die Fjorde im Nordwesten abseits der Ringstraße und damit auch abseits der Touristenrouten. Hierfür müsste man allerdings ein Allradfahrzeug anmieten, denn viele Straßen sind nicht asphaltiert.

Ein absolutes Highlight für viele Islandfans: Das Hochland, besonders Landmannalaugar. Viele sagen, dass diese Ecke des Landes die Schönste ist und dafür liefert das Hochland auch einige gute Argumente. Hier gibt es Gletscher, heiße Quellen, Geothermalgebiete und atemberaubende Farben zwischen den Vulkanen und Lavafeldern.

Hast du besondere Tipps für Restaurants, Unterkünfte und sonstige Shops in der Hauptstadt Reykjavik?

Ich bin da eher pragmatisch muss ich zugeben: So lange eine Unterkunft ein Bett und eine Dusche hat, bin ich glücklich. Island ist ein sehr teures Reiseland, weshalb schon einfache Unterkünfte Preise nahe der Schmerzgrenze aufrufen. Ich buche meine Unterkünfte fast ausschließlich über AirBNB, weil ich es bevorzuge mit und bei Locals zu wohnen. Meistens buche ich dann auch ein Zimmer statt einer ganzen Unterkunft, wenn es um einen kurzen Aufenthalt geht. 

In Reykjavík kann ich das Laundromat Café empfehlen. Sicher kein Geheimtipp, aber ich liebe diesen Laden einfach. Ich habe hier die meiste Zeit verbracht, wenn ich während meiner Divemaster-Ausbildung mal frei hatte. Du kannst hier alles auf der Karte bestellen und es wird dir schmecken.

Reykjavik Blue Lagoon Blaue Lagune Reiseblog BravebirdWer sich wirklich etwas gönnen möchte, dem kann ich das ION Hotel im Þingvellir Nationalpark an’s Herz legen. Ein Luxushotel, ganz in der Nähe des AlþingiVersammlungsplatz und auch Silfra liegt dieses moderne Gebäude mitten im Nationalpark. Damit auch abseits der Straßenlaternen der Stadt, was das Hotel zum perfekten Ort für das betrachten von Nordlichtern in Island macht. Für den kleineren Geldbeutel kann ich das Kex empfehlen. Dieses coole Hostel liegt unten in der Innenstadt am Meer und ist sehr stilvoll eingerichtet.

Wie kann man sich auf Island am besten fortbewegen? Mietwagen und Hotels sind verhältnismäßig teuer – gibt es hier Tricks für eine günstigere Reise?

Der Nummer 1 Tipp zum günstigen Reisen: Nicht alleine reisen. Denn sparen ist sehr schwer in Island. Deshalb ist es am einfachsten, Kosten zu verteilen:

Busse zum Beispiel sind für Alleinreisende eine günstige Option und sie steuern sämtliche Sehenswürdigkeiten in Island an. Sobald man aber zu zweit ist, kann man für die gleichen Kosten auch einen Mietwagen bekommen. Ab einer kleinen Gruppe von drei aufwärts spart man dann sogar Geld.

Island Ringstraße Roadtrip Reiseblog BravebirdZwei weitere Geheimtipps wären: Im Sommer kann man auch mit den Fahrrad durch Island reisen. Das ist zwar kein Zuckerschlecken, aber man ist sehr flexibel und günstiger geht es kaum. Wer sehr flexibel ist, kann sich ggf. auch mit Mitfahrgelegenheiten durchschlagen. Auf dieser Seite findet man Gesuche und Angebote zum Carsharing. Campervans sind in Summe etwas günstiger als die Kombination aus Mietwagen und Hotel, besonders wenn man zu zweit reist.

Hast du Tipps für Alleinreisende, um die Ausgaben im Rahmen bzw. möglichst gering zu halten?

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Island-Reise günstig zu gestalten. Die drei größten Posten sind:

  • Unterkunft
  • Transport
  • Touren / Aktivitäten

Bei der Unterkunft kannst du am besten sparen, wenn du ein günstiges Hostel buchst, statt eines Hotels oder AirBNB. Auch hier gilt es, die Kosten zu verteilen: Also lieber das 6-Bett- als das Doppelzimmer wählen.

Beim Transport gilt: Busse sind für Alleinreisende günstiger als der Mietwagen. Es gibt einen Shuttlebus (Flybus) vom Flughafen in die Stadt. Von hier aus bringen einen Busse in alle möglichen Regionen, egal ob es Tourbusse oder normale Linienbusse sind. Solltest du unbedingt einen Mietwagen nehmen wollen, verteile die Kosten und biete Mitfahrgelegenheiten an. Das geht ganz einfach in der Island App.

Viel sparen kannst du auch bei der Anreise: Zwischen 200 Euro und 1.000 Euro finden sich alle möglichen Preise für einen Flug nach Island. Hier heißt es: Vergleichen und flexibel sein! Wenn man etwas unangenehmere Flugzeiten akzeptiert und flexibel ist, kann man von günstigeren Preisen profitieren.

Bei Touren und Aktivitäten wird es schwierig: Es gibt selten Rabatte, aber fragen kostet bekanntlich nichts. Studenten bekommen eigentlich immer Rabatt, wenn auch nur 10–20%. Am besten sparen kann man, indem man sich eigene Touren zusammenstellt. Den Süden Islands oder Snæfelsness kann man zum Beispiel super selbst erkunden, hierfür braucht es keine geführte Tour. Wer einen Mietwagen hat oder sich mit Mitfahrgelegenheiten oder Bussen hilft, kann hier gut sparen.

Was ist deiner Erfahrung nach die beste Reisezeit für Island?

Kommt sehr drauf an, was man sehen will und wofür man nach Island reist: Für Erstbesucher empfehle ich Ende Mai. Da sind noch keine Ferien, der Winter ist meist rum und die Straßen frei und trocken, was das Autofahren in Island sehr viel angenehmer werden lässt.

Wer unbedingt die Nordlichter sehen will, müsste zwischen Ende September und Mitte April nach Island reisen. Im Herbst und Frühling ist weniger los und auch manche Preise sind günstiger als in der Hochsaison im Sommer. Im Winter wiederum sind manche Touren nur eingeschränkt oder gar nicht möglich, weil z. B. Straßen gesperrt sein können.

Island Wasserfall ReisetippsWer in der Hauptsaison (Juni, Juli, August) reisen muss, sollte gut vorbereitet sein: Unterkunft, Mietwagen und teilweise auch Aktivitäten sollten lange im Voraus gebuchtwerden. Ich bekomme mittlerweile sehr viele Anfragen von Lesern, die ihre Island-Reise schon ein halbes bis ein Jahr vorher planen.

Welche Tipps hast du für das Tauchen in Island?

Wenige denken bei Island an Tauchen und doch gibt es hier einige der besten Tauchspots der Welt. Das Tauchen in Island kann man sich allerdings nicht so vorstellen wie an anderen Orten auf der Welt: Selbst im Hochsommer hat das Wasser hier eisige Temperaturen, weshalb man in einem Trockentauchanzug (Drysuit) tauchen muss.

Der wohl bekannteste Divespot in Island: Silfra. Hier zerreißt es buchstäblich die Erde, denn in dieser Spalte driften die Kontinentalplatten von Nordamerika und Eurasien auseinander. Dazwischen hat sich vor vielen Jahren ein Lavafeld gebildet und durch dieses fließt heute das Schmelzwasser des Langjökull Gletscher. Nach seiner mehrere Jahrzehnte dauernden Reise erblickt das Wasser hier zum ersten Mal wieder das Tageslicht, lupenrein und glasklar. Sichtweiten von über 100 m und blau schimmernde Felswände schaffen eine unvergleichliche Stimmung. Ein absolutes Highlight für jeden Taucher, aber auch ohne Tauchschein kann man hier bei Touren zum Schnorcheln einen Eindruck bekommen.

Foto: Marc Herbrechter

Für Taucher wurden die Vorraussetzungen zum Tauchen in Island letztlich aus Sicherheitsgründen verschärft: Man muss heute Erfahrung im Trockentauchen nachweisen können oder eine Zertifizierung vor Ort machen. Wer sich diese Kosten sparen will sollte beim örtlichen Tauchverein nachfragen und ein paar Tauchgänge im Trockenanzug machen.

Ein zweites Highlight sind die geothermalen Kamine von Strytan. Im Norden des Landes bei Akureyri, befindet sich ein Eldorado für Taucher. Hier kann man nicht nur die einzigen für Sporttaucher erreichbaren, geothermalen Quellen betauchen, sondern findet auch noch einen der wenigen Tauchplätze, die für technische Taucher interessant sind. Darüber hinaus fühlen sich Wale im umliegenden Fjord unheimlich wohl, weshalb Begegnungen mit den großen Meeressäugern alles andere als selten sind! Ein einmaliger Ort den mal als Taucher unbedingt besuchen sollte.

Gibt es sonst noch etwas, das du Island-Reisenden ans Herz legen möchtest?

Bitte sei vorsichtig und rücksichtsvoll, wenn du nach und durch Island reist. Das Land leidet enorm unter den vielen Besuchern und es liegt an uns allen, diese natürliche Schönheit im Norden zu bewahren. Hier findest du einen guten Einstieg in die Thematik.

Island Buch Marc Herbrechter Reiseblog Bravebird

Des Weiteren habe ich eine App erstellt, mit der ich Reisenden in Island helfen möchte das beste aus ihrer Zeit vor Ort machen zu können. Die Island App bietet Infos, Tourvorschläge, Währungsrechner, Mitfahrgelegenheiten und vieles mehr. Alternativ habe ich auch ein E-Book „Island für Einsteiger“ (Link führt zum Werbepartner Amazon) geschrieben, in dem ich alle wichtigen Infos zu Island kompakt zusammengefasst habe.

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Meine 3-wöchige Reise durch Island habe ich in folgenden Artikel festgehalten:

Film und Fotos: Ute Kranz

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