»Warum war ich eigentlich noch nie in Polen?« fragte ich mich kürzlich, als ich auf der Landkarte nach einer möglichen Route für meinen zweimonatigen Roadtrip mit meinem Camper suchte. Da mir keine Antwort einfiel, warum ich unser Nachbarland bisher nicht in meine Planungen mit eingeschlossen hatte, sollte sich das jetzt ändern. Damit war der Grundstein für die vorgesehene Zeit gelegt, dem sich die Umrundung der halben Ostsee gegen den Uhrzeigersinn anschloss.

Sobald man sich für eine Reise durch dieses Land entschieden hat, beginnt die Qual der Wahl, denn wie man vermutlich spätestens bei näherem Betrachten der Landkarte feststellen wird, ist Polen von der Fläche her zwar etwas kleiner als Deutschland, aber dennoch riesig und sehr vielfältig!

In meinem Fall bot sich die Fahrt durch den nördlichen Teil Polens an, um das Baltikum zu erreichen. Obwohl es wesentlich mehr Kilometer sein würden, wollte ich den sommerlichen August nutzen, um die polnische Ostsee kennenzulernen und entschied mich für die Fahrt entlang der Strände, dann weiter über Danzig und anschließend durch die Masuren vor der Einreise nach Litauen. Insgesamt eine gute Kombination aus Strand, Kultur und Natur für geschätzt eine Woche.

Straßen PolenBei der Fahrt von Köln bis zur polnischen Grenze habe ich es langsam angehen lassen, denn auch diese Strecke zieht sich. Um den Weg sinnvoll zu gestalten, habe ich Dresden und eine entspannte Fahrt durch den schönen Spreewald (in Lübbenau – zwischen Berlin und Cottbus) integriert, was ich sehr empfehlen kann.

Der Krumme Wald in Westpommern

Mein erstes Ziel in Polen sollte ein ungewöhnlicher Wald namens „Krzywy Las“ im Dorf Nowe Czarnowo sein. Da ich diesen früh morgens aufsuchen wollte, verbrachte ich die letzte Nacht wenige Kilometer entfernt in dem kleinen Örtchen Mescherin in Brandenburg. Die Koordinaten meiner Navigation sollten mich dann an den Stadtrand von Gryfino (Greifenhagen) führen, aber die Suche nach den etwa 400 einzigartig geformten Kiefern gestaltete sich als nicht so einfach.

Krummer Wald Pommern Polen Krummer Wald Polen Krummer Wald in PolenHinter einem Plattenbau fuhr ich mit meinem Auto zugegebenermaßen etwas nervös in den Wald: Auf der linken Seite befand sich eine Schrebergarten-Siedlung, auf der rechten Seite verliefen große Stahlrohre Richtung des nahe gelegenen Kraftwerks. Ein etwas seltsamer Kontrast – große stählernen Rohre, die sich entlang dieser einzigartigen Natur schlängeln – wie ich fand…

Wenige Minuten später stand ich endlich inmitten dieser außergewöhnlichen Kiefern, die in den 30er Jahren gepflanzt und bewusst durch Entfernung des Hauptstamms verändert wurden, woraufhin der Baum durch den Seitenast in die Höhe wuchs. Eine wirklich spannender Ort, zumal sich weit und breit kein Mensch befand, was der ganzen Atmosphäre etwas Gespenstisches verlieh.

Die polnische Ostseeküste

Meine Reisepläne für ein paar Strandtage an der Ostsee wurden leider von starken Regengüssen durchkreuzt, was für meinen Hund und mich wiederum angenehm menschenleere Strände und lange Spaziergänge durch die angrenzenden, nebligen Wälder bedeutete. Die Bäume stehen hierzulande viel enger zusammen als bei uns, wodurch ein labyrinthartiger Charakter entsteht – einfach sagenhaft!

Ostsee PolenIMG_6474_740bIMG_8265_740bBesonders das ehemalige Fischerdorf Leba, wo sich die „polnische Sahara“ mit über 40 m hohen Dünen befindet, hätte ich mir gerne angesehen, jedoch machte mir auch hier das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung. Man soll ja auf einer Reise immer etwas auslassen, um einen Grund zu haben, das Land noch einmal bereisen zu wollen – und das war hiermit der Fall.

Für einen kleinen Einblick in das Leben der Polen reichte es dennoch. Schon kurze Zeit nach der Einreise wird einem zum Beispiel auffallen, dass hier weder gedrängelt noch gehupt wird. Wenn man für den anderen zu langsam fährt, wird man einfach überholt und das Problem ist gelöst. Ein sehr angenehmer Zustand, der sich im gesamten Baltikum fortsetzen würde.

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Und eigentlich hatte ich damit gerechnet, auf lauter alte, klapprige oder rostige Autos zu treffen, aber da hatte ich mich getäuscht. Blitzblank gepflegte Wagen sind hier Standard. Auch sonst ist es in diesem Land unglaublich sauber. Während man also durch die wenigen Orte und gefühlt 80% Landschaft fährt, wird man selten Müll am Straßenrand liegen sehen. Gleiches gilt für die Strände.

Zeitweise ist es ein wenig wie in einem Land vor unserer Zeit. Auf den Straßen entlang der riesigen Wälder sitzen ältere Frauen und Männer, die Honig, Beeren und Pilze in kleinen Schalen verkaufen. Polizeiwagen sieht man so gut wie nie und hier bezahlt man übrigens noch in der klassischen Landeswährung, dem Zloty.

IMG_8272_740bIMG_8245_740bStorchenpaare nisten in großen Nestern auf Strommasten vor den Häusern in kleinen Ortschaften und an Wildtieren mangelt es hier allgemein ebenfalls nicht. Bei einem Waldspaziergang wird einem vielleicht Eichhörnchen, Fuchs und Hase über den Weg laufen oder an anderer Stelle steht man plötzlich in einem kleinen Pilzparadies… oder an einem Sumpf oder Moor.

Es sollte einen übrigens nicht wundern, wenn das Navigationssystem eine Route über Waldwege anzeigt – das hat in der Regel seine Richtigkeit, auch wenn es für uns ziemlich ungewöhnlich ist. Im Hinblick auf die Angaben der Fahrtzeit bei der Routenauswahl kann man aufgrund der teilweise etwas schlechteren Straßenverhältnisse der Landstraßen ruhig nochmal 40% der Zeit hinzu addieren.

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Die 3.000 Seen der Masuren

Nachdem man der schönen Stadt Danzig den Rücken zugewandt hat, erreicht man weiter östlich die Seen-Region der Masuren. Bei der Fahrt wird man in kurzen Abständen ständig links und rechts einen See zu Gesicht bekommen und viele davon sind so groß, dass man sie nicht mal eben in einem ein- oder mehrstündigen Spaziergang umrunden könnte.

Die Zelt- und Campingplätze befinden sich meist in Wäldern zwischen hohen Bäumen mit Blick auf den See. Die Polen lieben übrigens das Angeln und Bootfahren, wie man spätestens in diesem Teil des Landes feststellen wird. Und immer wieder wird einem ein Lagerfeuer-Geruch um die Nase wehen, der diese Reise zu einem sehr einprägsamen Urlaub werden lässt.

IMG_8333_740b IMG_8364_740b Masuren Polen
Meine Reise führte alsbald weiter nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Polen wird mich definitiv wiedersehen, weil mich diese Ursprünglichkeit, Ruhe und Natur sehr fasziniert hat. Ich habe selten so schöne Wälder gesehen und hoffe, dass sich die Sonne beim nächsten Mal etwas häufiger blicken lässt.

 

Warum Polen eine Reise wert ist:

  • Es erwartet einen eine beeindruckende Natur mit tausenden Seen, Wäldern, Nationalparks und jede Menge Wildlife.
  • Polen ist noch sehr authentisch mit relativ wenig Tourismus.
  • Ein Badeurlaub offeriert mehr als 300 km Ostsee-Strand.
  • Die Städte Krakau, Danzig und die moderne Hauptstadt Warschau laden zum Shoppen ein.
  • Unzählige historische Bauten, Burgen, Schlösser, Paläste, Kirchen und Klöster bieten eine große Vielfalt an Kultur und Geschichte.
  • Eine sehr angenehme Gastfreundschaft.
  • Das Reisen ist verhältnismäßig günstig.

 

Tipps für das Reisen mit Auto oder Wohnmobil:

  • Es gilt auch tagsüber Licht-Pflicht.
  • Benzin ist etwa 20-30 Cent günstiger als bei uns.
  • Auf camping.info werden fast alle relevanten Plätze angezeigt, Reservierungen auf Campingplätzen sind nicht notwendig.
  • Hund: Chip erforderlich, EU-Heimtierpass mit Tollwut-Impfung (alle Infos im Detail)
  • Alternativen zu Camper, Wohnwagen oder Zelt: Fast jeder Campingplatz verfügt über kleine Hütten oder Häuschen zu günstigen Preisen.
  • Die meisten Campingplätze verfügen über WLAN (kostenfrei).
  • Internet: Die neueren, besseren deutschen Handytarife haben heute eine Flat um die 1 GB für das europäische Ausland, das man nach Verbrauch auch erneuern kann. Bei polnischen Prepaid-Karten gibt es Unterschiede, manche erfordern eine Registrierung mit Ausweis, andere nicht.
  • Einkaufen: Es gibt Supermärkte wie Lidl oder Kaufland mit recht großem Angebot; Light-Produkte oder zuckerfreie Getränke gibt es nur selten.

 

Meine Route durch den Norden Polens:

Route durch Polen

Hilfreiche Reiseführer:

 

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20 Kommentare

  1. Schöner Bericht! Ich kann den Südosten sehr empfehlen, Bieszczady sind immer noch sehr ursprünglich. Dort leben noch Wölfe und Bären!
    Eine Ergänzung zu Prepaid-Karten:
    Starter Kits kann man an jedem Kiosk oder Tankstellen ohne Registrierung kaufen. Heyah z.B. kostet 5 zł und man kann diesen Betrag direkt verbrauchen.
    Mach weiter so!
    Asia

    1. Hallo liebe Asia,
      vielen Dank für das Kompliment und die Info zum Südosten – mit Polen bin ich noch nicht fertig und hoffe sehr, bald auch mal die südliche Hälfte des Landes kennenzulernen. Mit der Prepaidkarte ist es etwas seltsam- ich hatte auch Heyah und konnte sie nicht nutzen, weil der Kiosk mich nicht registrieren konnte. Daher ändere ich meine Info lieber noch etwas ab, um keine Verwirrungen zu erzeugen. Danke jedenfalls für den Hinweis! Viele Grüße, Ute

    1. Hallo Kasia,
      vielen Dank und ja, schön war’s! Wäre noch viel schöner gewesen, wenn die Sonne sich häufiger hätte blicken lassen. Beim nächsten Mal dann hoffentlich :) Viele Grüße! Ute

  2. Liebe Ute,
    toller Artikel, welchen meinen Freund ermutigt seinen Traum vom Reisen per Wohnmobil bald auch mal anzugehen.
    Wir beide sind gestern in Vilnius gelandet und werden dort vier Monate leben. Er um zu arbeiten und ich um zu studieren.
    Vielleicht läuft man sich über den Weg :-)
    Mach weiter so, freue mich über jeden neuen Artikel.
    Herzliche Grüße
    Lydia

    1. Hey Lydia,
      wow, wie spannend! Ich war leider schon weiter im Norden, als dieser Artikel rauskam, hoffe aber, dass ihr inzwischen besseres Wetter habt :) Vilnius hat mir sehr gut gefallen und ich werde ganz sicher nochmal eine separate Städtereise ins Baltikum unternehmen, weil mir alle Hauptstädte supergut gefallen haben. Wünsche euch eine ganz tolle Zeit!! Viele Grüße, Ute

  3. Mein Kollege hat mir einen Junggesellenabend in Polen organisiert. Wir sind nach Warschau geflogen. Unsere Hauptattraktion war der Besuch im New Orleans Gentlemen’s Club. Es war allerhand los. neworleans.pl/en/?nkpage=3

  4. Hallo Ute,

    ich bin seit kurzem begeisterte Leserin deines Blogs und warte gespannt auf jeden neuen Artikel.

    Zu dem Artikel über Polen hätte ich aber eine Frage. Du schreibst „hier bezahlt man ungewöhnlicher Weise noch in der klassischen Landeswährung, dem Zloty“ – mit was sollte man denn sonst in Polen bezahlen? Soweit ich weiß, wurde dort der Euro ja noch nicht eingeführt. Oder wird der Euro dort auch schon überall angenommen? Sorry, für die Frage, ich war selbst bisher noch nicht in Polen, aber für einen zukünftigen Trip würde es mich schon interessieren, wie sich das aktuell verhält mit den Währungen :-)

    Viele Grüße
    Franziska

    1. Hallo liebe Franziska,
      vielen Dank und du hast natürlich Recht, das „ungewöhnlicher Weise“ ist verwirrend und habe ich daher rausgenommen. Der Euro wird an manchen Stellen akzeptiert, aber das sind nur Ausnahmen, denke ich. Man erhält dann als Restgeld Zloty zurück. Viele Grüße und bis bald, Ute

  5. Hallo Ute,

    Danke für den schönen Bericht. Wenn ich etwas „besserwissen“ darf: Es gibt kein Kernkraftwerk in Polen (auch wenn immer mal wieder welche geplant werden…).

    Grüße
    Jens

  6. Hallo Ute,
    das klingt wirklich toll. :) Mein bester Freund meint schon seit Jahren, dass Polen mal eine Reise wert wäre, aber ich habe das Land bisher einfach unterschätzt. Deine Fotos sind da sehr überzeugend. Sonst mache ich ja immer Camping Brixen, um Geld zu sparen, aber warum nicht auch mal ein ganz anderes Land erkunden? ;)

    LG Daniela

  7. Polens verschlafene Dörfchen sind mit dem Camper wirklich schön zu erkunden. Wir waren diesen Sommer auch unterwegs, aber eher im Süden. Breslau hat mir persönlich leider gar nicht gefallen. :-(

  8. Hallo Ute,

    recht herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich habe polnische Ostseeküste und Dolny Slas (Niederschlesien) kreuz und quer gereist und ich finde Polen ein sehr angenehmes und vor allem sauberes Land. Empfehlenswert als Reiseziel, sicher!

  9. Hallo Ute, ein wirklich toller Bericht mit schönen Bildern. Uns – meiner Tochter und mir – hat es sogar so gut gefallen, dass wir diese Reise auch machen möchten. Die Kommentare der Leser ermuntern auch dazu.
    Wie lange warst Du unterwegs, reicht eine Woche aus? Wir kommen auch aus Köln und hätten den selben Weg…..

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