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Die „Blauen Zonen“ – 5 Regionen, in denen Menschen überdurchschnittlich lange leben

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Blaue Zonen der Welt - Reiseblog Bravebird

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wo es sich am besten leben lässt, ohne bislang eine klare Antwort darauf gefunden zu haben. Vor ein paar Monaten stieß ich dann erstmals auf den Begriff der „Blauen Zonen“: fünf Regionen auf der Welt, in denen Menschen überdurchschnittlich lange und gesund leben und in denen es auffallend viele Hundertjährige gibt. Dieses Phänomen hat meine bisherige Vorstellung darüber, wo man am besten alt werden kann, grundlegend verändert.

Mit dem eigenen Älterwerden beschäftige ich mich zunehmend damit, wo ich mein restliches Leben genießen und bestenfalls gesund alt werden könnte. Die Blauen Zonen faszinieren und inspirieren mich dabei besonders, weil sie sind nicht einfach nur geografische Orte sind, sondern sie verkörpern eine Lebensweise und Gemeinschaftsstruktur, die ganz offensichtlich zu einer sehr guten Gesundheit und zum Wohlbefinden ihrer Bewohner:innen beiträgt.

Insel Ikaria Griechenland Blue Zone
Die Insel Ikaria in Griechenland ist eine der 5 Blue Zones (Foto: Christian Burri / Unsplash)

Die Lebensphilosophie in diesen Regionen bietet viele wertvolle Hinweise, zum Beispiel dass ein einfacheres und naturverbundenes Leben zu einem längeren und gesünderen Dasein führen kann. Anstatt sich nur auf moderne medizinische Versorgung zu verlassen, geht es hier um gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, starke soziale Bindungen und eine positive Lebenseinstellung, die in der Summe zu einer optimalen körperlichen und mentalen Gesundheit führen.

Wo liegen die „Blauen Zonen“?

Das Konzept der Blauen Zonen bzw. Blue Zones wurde erstmals im Jahre 2005 von dem Forscher und Journalist Dan Buettner im Magazin National Geographic in der Titelgeschichte „The Secrets of a Long Life“ vorgestellt. Buettner identifizierte fünf Regionen als Blaue Zonen: Okinawa (Japan), Sardinien (Italien), die Nicoya-Halbinsel (Costa Rica), Ikaria (Griechenland) sowie die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten in Loma Linda, Kalifornien.

Blaue Zonen Weltkarte - Reiseblog Bravebird
In den „Blauen Zonen“ erreichen Menschen das Alter von 100 Jahren mit zehnfach höheren Raten als in den Vereinigten Staaten.

Diese Gebiete zeichnen sich durch eine hohe Konzentration an Hundertjährigen aus. Die Regionen Okinawa (Japan), Sardinien (Italien), die Nicoya-Halbinsel (Costa Rica) und Ikaria (Griechenland) sind Inseln oder Halbinseln und geografisch isoliert, ein interessanter Aspekt der Blauen Zonen. In diesen Gebieten fand Buettner Gemeinsamkeiten, die er als die „Power 9“ bezeichnete – neun Prinzipien, die wesentlich zur Langlebigkeit und Gesundheit der Bewohner beitragen sollen.

„Power 9“ – Das Erfolgsrezept der Langlebigen

Die neun Prinzipien oder Lebensweisen, die von Dan Buettner in den Blauen Zonen identifiziert wurden und als Schlüssel für Langlebigkeit und Gesundheit gelten, sind kurzgefasst folgende:

  1. Viel Bewegung im Alltag: Natürliche Bewegung ist ein integraler Bestandteil ihres täglichen Lebens, zum Beispiel durch Gartenarbeit, Spaziergänge oder manuelle Arbeit.
  2. Ernährung: Eine vorwiegend pflanzliche Ernährung, die reich an Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen ist.
  3. Maßvolle Kalorienzufuhr: Die Praxis des Hara Hachi Bu, also das Essen nur bis zu etwa 80% des Sättigungsgefühls.
  4. Moderater Alkoholkonsum: Ein moderater Konsum von Alkohol in Maßen und in geselligem Rahmen.
  5. Spiritualität und Glaubensgemeinschaft: Teilnahme an spirituellen oder religiösen Gemeinschaften, die als unterstützend und förderlich empfunden werden.
  6. Familien- und soziales Netzwerk: Starke familiäre und soziale Bindungen, die ein Gefühl der Zugehörigkeit und Unterstützung vermitteln.
  7. Lebenssinn: Ein klarer Lebenszweck oder Sinn, der Motivation und Lebensfreude fördert.
  8. Naturverbundenheit: Ein Leben in einer naturnahen Umgebung, die regelmäßigen Kontakt zur Natur ermöglicht.
  9. Stressabbau: Die Praxis von Entspannungstechniken wie Meditation oder regelmäßige Auszeiten zur Stressbewältigung.

Diese Prinzipien wurden durch Forschungen und Beobachtungen in den Blauen Zonen identifiziert und bilden mittlerweile die Grundlage für gesundheitsfördernde Initiativen weltweit, die vom Blue Zones Project unterstützt werden.

In der westlichen Welt ernähren wir uns viel von hochverarbeiteten Produkten. Die Menschen der Blauen Zonen essen vor allem natürliche Lebensmittel, wie selbstangebautes Obst und Gemüse.

– Joris Deelen, Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns im Interview
Nicoya Halbinsel in Costa Rica
Nicoya Halbinsel in Costa Rica (Foto: Frames for your Heart / Unsplash)

Was wir von den Menschen in den „Blauen Zonen“ lernen können

Die Blauen Zonen wie Okinawa, Sardinien, die Nicoya-Halbinsel und Ikaria sind mehr als nur geografische Regionen: Sie repräsentieren eine Lebensweise, die auf starken sozialen Bindungen und gesunden Lebensgewohnheiten basiert. Hier steht ein ausgewogener Alltag im Mittelpunkt, fernab von übermäßigem Konsum und dem ständigen Drang nach mehr. Stattdessen leben die Bewohner in einer Umgebung, die von natürlicher Schönheit geprägt ist und in der persönliche Beziehungen und Gemeinschaft eine zentrale Rolle spielen.

Diese besonderen Orte und die Power 9 bestärken mich in meiner Annahme, dass ein Leben im Einklang mit der Natur und starken sozialen Bindungen der beste Schlüssel für Gesundheit und Zufriedenheit sein kann. Gleichzeitig regen sie mich persönlich dazu an, meinen Alltag in einer mit Autos überfüllten Großstadt, dem ständigen Lärm des Verkehrs und den XXL-Supermärkten mit ihren Unmengen an hochverarbeiteten Lebensmitteln noch intensiver zu überdenken.

Die Grundlagen der Blauen Zonen bieten uns aber auch die Möglichkeit zur Reflexion, um selbst gesündere und nachhaltigere Lebensweisen zu entwickeln, die sowohl uns selbst als auch unserer Umwelt zugutekommen: Wenn wir uns wieder mehr auf das Wesentliche besinnen, in die Balance kommen, auf Gemeinschaft statt auf anonyme Social-Media-Kontakte setzen, selbst kochen statt Fast Food konsumieren und uns mehr in der Natur aufhalten, können wir vielleicht wieder einen Weg zu einem erfüllteren und langanhaltenden Leben einschlagen. Was meinst du?

Hinweis: Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, die Blauen Zonen als Reiseziele zu bewerben oder anzupreisen. Eine verstärkte touristische Aufmerksamkeit könnte die einzigartigen Merkmale dieser Regionen, die zu ihrer besonderen Lebensweise beitragen, stark beeinträchtigen.

Interessante Links und Artikel

Titelfoto: Eddie Carolina Stigson / Unsplash

Geschrieben von
Ute Kranz

Als Gründerin und Inhaberin dieses Reiseblogs teile ich hier seit 2013 meine Begeisterung fürs Reisen und persönliche Geschichten aus meinem Leben.

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