Indien

Delhi: Liebe auf den zweiten Blick

Delhi Indien Shopping

Nun befand ich mich in der kulturellen Hauptstadt Indiens und es konnte nicht sein, dass hier nur Chaos und wildes Straßenleben mit Billigklamotten herrschte. Schließlich gibt es in der Weltstadt Delhi einen großen Anteil reicher Menschen. Aber wo hielten die sich auf? Okay, dank britischer Kolonialherren aus grauer Vorzeit gibt es natürlich wunderschöne Prachtstraßen, tolle Museen (mein Favorit übrigens das Indira Gandhi Museum) und zauberhafte Tempel. Aber was war mit echtem Shopping und kultiviertem Leben?

Den quirligen Main Bazaar hatte ich gestern schon zur Genüge ausgekostet und brauchte jetzt dringend etwas Schickes. Und nun kam mein Joker zum Zug: Normalerweise bin ich gegen das Mitschleppen schwerer Reiseführer, aber diesmal hatte ich vor der Abreise das Gefühl, dass er mir diesmal behilflich sein könnte. Das in Deutschland leider recht unbekannte Guidebook „India“ vom TimeOut-Verlag (englisch) hilft mit einer riesigen Bilder-Auswahl, gute Entscheidungen zu treffen. Die Fotos zum Thema Essen und Shoppen in dieser Stadt schienen fast unglaubwürdig zu sein und deshalb musste ich gleich los.

Starbucks Neu-Delhi
Da war zum einen der »Connaught Place« und zum anderen »Hauz Khas«. Natürlich ist da auch Old Delhi mit seinen vielen Märkten, aber ich entschied mich für die beiden ersten Alternativen. Der Connaught Place ist ein riesiges Rondell mit Shops unterschiedlichster Art, die allerdings in der Mehrzahl eher an die indische Kundschaft gerichtet sind. Der stylishe und riesige Starbucks war hier mein persönliches Highlight, denn guten Kaffee hatte ich seit mehr als zwei Wochen nicht gehabt. Und dann gab’s da noch ein New York Cheesecake… ♡

Hauz Khas Village. So genau wusste ich nicht, was sich hinter diesem Namen verbarg. Und mir war auch nicht klar, wie weit mich der Tuktuk-Fahrer für 200 Rupien (2,30 €) fahren würde. Nach einer 3/4 Stunde erreichten wir endlich einen riesigen, verwunschenen Parkplatz. Hinter dem großen Tor verbarg sich ein kleines Dorf mit Shops, Cafés und Restaurants. Indische Pärchen und Familien mit Kindern schlenderten in eine Richtung, die auch meine Neugier weckte. Und dann kam etwas, mit dem ich hier irgendwie nicht gerechnet hatte: Ein monströser Park mit knallgrünem See und alten Ruinen!

See Hauz Khas
Noch völlig umgehauen von diesem Anblick zog mich mein Näschen kurze Zeit später durch eine kleine Gasse in ein winziges Café namens »Maison des Desserts«. Meine Augen leiteten diesen mehr als faszinierenden Anblick direkt an Magen und Gehirn weiter. Der Magen war nicht überzeugt, weil ich ja eben noch einen fetten Käsekuchen in mich rein gehauen hatte. Das Gehirn ließ sich davon aber nicht beeinflussen und sagte meinem Verstand: Ja ja ja ja – Bestellen!

Und so geschah es. Den riesigen Kakao mit extra viel Sahne und diesen unglaublich gut aussehenden Erdbeer-Baiser-Kuchen verschlang ich so schnell, dass meine Tischnachbarn annehmen mussten, dass ich tagelang nichts gegessen hätte. Aber diesen Kuchen – übrigens der beste, den ich seit langem gegessen hatte – konnte man einfach nicht langsam genießen…

Kuchen Hauz Khas
Egal, was heute noch passieren würde – nichts auf der Welt hätte diesen Tag noch ruinieren können, auch nicht ansatzweise. Selbst der Stress vom Vortag war schon vergessen, na ja zumindest fast. Aber die Shops hielten, was der Reiseführer versprochen hatte: Supermoderne Accessoires, qualitativ hochwertige Klamotten und samtweiche Pashmina-Schals brachten die Funktion und Anwesenheit meiner Kreditkarte in Erinnerung, die letzten Endes auch mehrfach zum Einsatz kam.

Die Beurteilung der Qualität von Pashmina-Schals ist übrigens so eine Sache… Für Laien ist es extrem schwierig, gute und schlechte Ware voneinander zu unterscheiden. Daher sollte man am besten im Reiseführer oder Internet nach guten Shops recherchieren. In Indien gibt es außerdem zwei unterschiedliche Größen: Die „European Size“ ist die uns bekannte, längliche Variante. Der „richtige“ Pashmina ist breiter und dient dem Umschlingen des Oberkörpers – wie sich die Inderinnen zu kleiden pflegen.

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Wie in einem Labyrinth bewegt man sich durch kleine Gassen und findet immer etwas Neues, Schönes oder Ungewöhnliches. Man erklimmt enge Treppen, folgt spannenden Wegweisern, findet versteckt winzige Design-Shops und endet auch schon mal in einer Sackgasse. So manche Frau würde wahrscheinlich am Liebsten nie wieder hier herausfinden. In den meisten Kleidungsgeschäften durfte ich nicht fotografieren, wodurch viele meiner erblickten Schätze hier leider nicht zu sehen sind.

Eine Übersicht über die 10 besten Boutiqen im Hauz Khas Village hat Condé Nast Traveller hier zusammengefasst. Die Vogue empfiehlt für Vintage-Shopping insbesondere die beiden Shops Lovebirds und House of Blondie. Mein persönlicher Favorit war unter anderem Loom Mool!

Neu-Delhi Shopping
Als ich zum Parkplatz zurückkam, fand ich meinen Tuktuk-Fahrer mit gereizter Stimmung wieder. Wir hatten zwei Stunden Wartezeit vereinbart, aus dem leider mehr als drei Stunden geworden waren. Ich hätte mich dort auch einen ganzen Tag lang aufhalten können, allerdings hätte das verheerende Auswirkungen auf mein Portemonnaie gehabt und dies galt es tunlichst zu vermeiden. Um die Stimmung des Tuktuk-Fahrers wieder aufzubessern, ließ ich mich ihm zuliebe auf der Rückfahrt darauf ein, eine Touristenbude für 5 Minuten zu besuchen, was ihm eine halbe Tankfüllung und 50 Rupien einbrachte.

Was kann man aus solch einem Tag abschließend lernen? Vielleicht, dass jede Stadt eine zweite Chance verdient hat – so hässlich sie im ersten oder zweiten Moment auch scheinen mag? Oder dass man sich über Vorurteile einer Stadt hinwegsetzen und sich besser sein eigenes Bild machen sollte? Oder dass ein bestimmter Reiseführer eine Reise grundlegend verändern kann?

Wie dem auch sei: Delhi, ich werde wiederkommen! Und zwar mit ganz leeren Taschen…

 

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6 Kommentare

  • Antworten
    Planet Hibbel
    5. Februar 2014 um 3:24

    Toll! Heute morgen hab ich noch ne Mail von meinem Ex aus Delhi bekommen. Vielleicht sollte ich ihm mal Deinen Bericht zuschicken, damit er mir was Schönes mitbringen kann. ;) So’n Stück Erdbeer-Baiser fänd ich jetzt nicht schlecht. LG, Nadine

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    • Antworten
      Ute
      5. Februar 2014 um 4:07

      Oh ja *schmacht*! Oder vielleicht bei Loom Mool einen Schal mit kleinen, handgestickten Neon-Kamelen drauf ♡

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  • Antworten
    Dani
    5. Februar 2014 um 9:38

    Waaaaaas??? So toll kann Indien sein? Ich nehme alles zurück, was ich in meinem ersten Kommentar zu Delhi abließ. ;) Super, ich hätte nicht gedacht, dass es dort auch so schick zugehen kann. Gut, dass du darüber bloggst, wieder was gelernt. Liebe Grüße aus Bochum, Dani

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      Ute
      5. Februar 2014 um 10:29

      Haha, sehr gut :) Ja, das war echt superklasse dort! Und das Tolle daran ist, dass selbst die super hochwertigen Sachen vielleicht gerade mal ein Drittel unserer Preise kosten. Thumbs up!

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    Jessie
    6. Februar 2014 um 14:05

    Ohh klingt toll! Direkt mal ein paar Dinge notieren für meinen Besuch dort :D

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    • Antworten
      Ute
      8. Februar 2014 um 5:18

      Hi Jessie, das macht mich jetzt seeeehr neidisch :) Bin schon gespannt, was du dort alles erleben wirst! LG

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