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Wie Outdoor-Trends der Natur schaden: Wildcamping, Vanlife & Mikroabenteuer

Wie Outdoor-Trends der Natur schaden: Wildcamping, Vanlife & Mikroabenteuer

Wie Outdoor-Trends der Natur schaden - Reisemagazin Bravebird

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. Das sagte der Schriftsteller Hans-Magnus Enzensberger bereits vor über 40 Jahren, als es noch kein Internet und keine sozialen Medien gab. Und heute? Heute reisen wir mehr denn je. 2019 war die Zahl der Urlaubsreisenden trotz Klimawandel und Flugscham so hoch wie nie zuvor. Corona hat hier lediglich eine kleine Zwangspause verordnet.

Reise- und erlebnishungrig werden Magazine, Bücher, Blogs und soziale Kanäle nach neuen Trends durchsucht, die bestenfalls das Erlebnis zuvor noch übertreffen können. Laut einer britischen Studie suchen 40% der 18- bis 33-Jährigen ihr Reiseziel allein nach deren “Instagrammability” aus. 2015 war es noch das weit entfernte Bali und seit 2017 – als die Flugscham ins Leben gerufen wurde – gibt es ein neues Ziel: die Natur.

#naturliebe im Trend: Urlaub im Grünen mit einem vermeintlich guten Gewissen

Überall liest man von dem großen Glück und der immensen Freiheit, mit einem meist großen “Van” unterwegs zu sein. Ein Van ist in der Regel ein Wohnmobil oder Bus, nur hört sich das nicht so fancy an. Und dann gibt es da noch die “Mikroabenteuer”. Mikroabenteuer sind in erster Linie normale Ausflüge, nur lässt sich das medial nicht so gut vermarkten.

Was als so erstrebenswert dargestellt und in sämtlichen Medien beworben wird, vermittelt oft nicht nur eine sehr einseitige Darstellung, sondern beinhaltet zum Teil immense negative Auswirkungen auf Flora (Pflanzenwelt), Fauna (Tierwelt) und Mitmenschen. Reportagen weisen regelmäßig auf die Probleme hin, jedoch gehen sie aufgrund der überschwänglichen Schwärmerei seitens Magazinen, Influencer•innen und Unternehmen unter.

Campingplatzbetreiber über Wildcamper - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Wo Wildcamping zum Problem wird” (SWR)

1. Vanlife: Warum Campingplatz, wenn’s auch kostenlos geht?

Ist das nicht toll: Mit seinem “Van” kann man an die entlegensten Plätze mitten in der Natur fahren, seine Sachen auspacken, ein Lagerfeuer machen und sich einfach nur gut fühlen, weil man so wahnsinnig frei und individuell ist, nicht fliegt, keine Kreuzfahrt unternimmt und daher maximal umweltfreundlich unterwegs zu sein scheint. Mega – und das Beste: das alles kostet auch nix! (Ok fast nix, über die “hohen Benzinpreise” wird sich stets echauffiert.)

Apps wie z. B. Park4Night bieten tausende Parkmöglichkeiten in Deutschland, mit deren Hilfe man nicht mehr mit gewöhnlichen Campern zahlend nebeneinander stehen muss. Individualität und Freiheit stehen schließlich immer an erster Stelle. Nicht alle dieser Plätze sind erlaubt, aber was soll’s. Meist gibt’s nur eine mündliche Verwarnung oder das Bußgeld ist so niedrig, dass es einer Nacht auf einem Campingplatz gleich käme. Also easy.

Polizei ahndet Wildcamping Vanlife - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Wo Wildcamping zum Problem wird” (SWR)

Kommen wir zur Realität: Müll, Klopapier, Feuchttücher, Kot & Co. sind das Ergebnis vielerorts durch die Masse an “neuen Naturliebhaber•innen” und das sorgt nicht zuletzt für eine entsprechende Verärgerung der einheimischen Bevölkerung. Nicht nur, dass diese Leute ihren Abfall dort hinterlassen, sie bringen auch kein Geld ein. Tourismus sollte eigentlich der lokalen Bevölkerung etwas zurückgeben!

Aber Müll, Chemietoiletten-Abwässer und Kot sind nicht die einzigen Probleme: Wer im Wald oder am Waldrand mit seinem Wagen übernachtet, stört Wildtiere. Die leider nicht sichtbaren Abgase, Stickoxide, Feinstaub werden in die sensible Natur ausgestoßen. Auslaufendes Motor- oder Automatiköl schadet dem Waldboden. Parken auf Waldboden ist – wer es noch nicht wissen sollte – ebenfalls verboten.

Auswirkungen Wildcampen auf die Natur - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Camping-Boom – von illegalen Wildcampern und dem Gefühl von Freiheit” (BR24)

Portugal und Tirol haben bereits die Reißleine gezogen und dort wird Wildcamping mit teils hohen Bußgeldern bestraft. Je mehr dieser Vanlife-Trend gehypt wird und je mehr Wohnmobile durch Europa brettern, langfristig Parkplätze belegen und die Natur belasten, umso schneller werden generelle Regeln für weitere Regionen folgen.

Was man bedenken sollte: All diese hierfür zusätzlich notwendigen Ranger, Ordnungshüter, Technik etc. gehen auf Kosten der Allgemeinheit, die mit dem Vanlife überhaupt nichts zu tun haben!

Vanlife Trend Auswirkungen - Reisemagazin Bravebird
Über diesen Link geht’s zur Podcast-Folge in der ARD-Mediathek

2. Mikroabenteuer: Noch etwas, das nix kostet

In einer Zeit, wo wir ständig nach neuen Wörtern ringen, um unseren Alltag aufzupeppen, kommt solch ein Begriff gerade richtig. 2014 von einem Briten erfunden und dann einige Zeit später auch zu uns rübergeschwappt. Interpretiert wird er sehr unterschiedlich: Für die einen sind Mikroabenteuer z. B. Kürbisse schnitzen und ein Spaziergang im Schnee; für die anderen sind es Übernachtungen im Wald in einer Hängematte und Lagerfeuer auf Waldboden. Letztere Interpretation ist hochproblematisch!

Der Reiz von Mikroabenteuern besteht darin, dass sie Abenteuer für Menschen zugänglich machen, die möglicherweise nur sehr wenig Outdoor-Erfahrung haben.

– Alastair Humphreys, Erfinder des Begriffs

Na ist das nicht super? Auch diese “Abenteuer” kosten wieder nichts und sind zudem für Menschen mit wenig Outdoor-Erfahrung geeignet. Also ab in den Wald! Vielleicht seltene Pflanzen platt treten, Wildtiere vertreiben, einen Waldbrand entfachen oder den Müll geschickt irgendwo hinter einem Baum verstecken, weil Mülleimer ja oftmals rar sind im Wald oder Landschaftsschutzgebiet.

Wildcamping hoher Anstieg - Reisemagazin Bravebird
Mehr dazu in der Podcast-Folge des Y-Kollektivs “Trend Vanlife: Camping auf Kosten der Natur?

Wie Selim von “Der Eskapist” es in seinem Artikel “Mikroabenteuer: Die unbequeme Wahrheit über den Outdoor-Trend” hervorragend beschrieben hat, gehe ich ebenfalls davon aus, dass es sich bei einem der Haupt-Protagonisten wie Christo Foerster in erster Linie um Selbstvermarktung handelt. Hier geht es meiner Meinung nach mehr um Mut, Männlichkeit und Selbstdarstellung als um die Liebe zur Natur.

Biwakieren stört Wildtiere - Reisemagazin Bravebird
Über diesen Link geht es zur Reportage

Wer die Natur liebt und sich mit ihr verbunden fühlt, postet vermutlich keine Fotos von untersagten Situationen, deren Nachahmungs- und Multiplikator-Effekte derart negative Auswirkungen haben können – und haben! Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich mit der Natur zu verbinden, ohne Flora und Fauna zu schaden; dafür muss man nicht im Wald schlafen oder Feuer machen.

Wer die Natur liebt, lässt Wald, Tiere und Natur nachts in Ruhe. Auf Instagram featured Christo Foerster z. B. ein Foto von einem Lagerfeuer direkt auf Waldboden und das offenbar auch noch im Nationalpark Harz, wo Lagerfeuer absolut verboten sind – und das ohne jeglichen Risiko-Hinweis. Und über 1.100 Leute klatschen Beifall… das macht mich sprachlos!

Lagerfeuer vertreiben Wildtiere - Reisemagazin Bravebird
Den ganzen Artikel findet man hier auf sächsische.de

Die beliebten Insta-Fotos mit Zelt direkt am See sind ebenfalls in vielen Regionen problematisch, da Wildtiere normaler Weise nachts zum Trinken an den See kommen. Wenn sich dort bis spät abends oder nachts Leute aufhalten, kommen sie nicht dorthin und da geht diesen Tieren eine große Menge Lebensqualität verloren. Schön dokumentiert in der Reportage “Wildcampen, Übernachten, Gleitschirmfliegen erlaubt?” vom BR.

3. Wie Magazine und Bücher schlechte Trends promoten

Während man annehmen würde, dass man wenigstens bei Magazinen und Büchern eine gewisse Verantwortung voraussetzen können müsste, ist man auf dem Holzweg. Trends gehen hier vor Natur- und Umweltschutz. Auf Covers werden Leser•innen mit dem gesamten Spektrum an verbotenen “Naturerlebnissen” geködert und das völlig problemlos, denn es gibt weder Organisationen noch Ämter, die so etwas ahnden – und somit haben all diese Fotos und Darstellungen keine rechtliche Konsequenz.

* Hinweis: Die Covers stellen Werbelinks zu Amazon dar. Es handelt sich jedoch nicht um eine Kaufempfehlung; es ist lediglich die einzige, rechtlich unproblematische Möglichkeit, die Covers in diesen Artikel zu integrieren.

Alles namhafte Verlage:

  • Parken auf Waldboden: Verboten!
  • Lagerfeuer auf dem Boden am Strand oder im Wald: Verboten!
  • Zelten im Wald: Verboten!
  • Oldtimer und Personen in einem Rapsfeld: Geht’s noch?!?

Meine Emails und Telefonate mit Verlagen und Magazinen diesbezüglich scheiterten allesamt kläglich, was mich wahnsinnig frustriert. Wenn Antworten kamen, dann so etwas wie “Ich denke, es geht Ihnen nicht darum, mir und anderen das Glücksgefühl zu nehmen” oder “Danke für den Hinweis” – und die Werbung für’s Wildcampen (z. B. Canon) geht einfach weiter.

Fotos gegen Naturschutz unproblematisch - Reisemagazin Bravebird

4. Lagerfeuer: Verboten, aber egal

Obwohl schon in anderen Punkten erwähnt, ist mir dieser Aspekt so wichtig, dass ich ihm einen eigenen Punkt widmen möchte. Für viele Menschen scheint das Lagerfeuer schließlich auch – aus einem mir unerklärlichen Grund – ein wesentlicher Bestandteil ihres perfekten Outdoor-Abenteuers zu sein. Und schließlich machen es einem Mikroabenteurer, Buch- und Magazin-Cover sowie Werbeanzeigen schmackhaft!

Nur Fakt ist und bleibt: Es ist in Deutschland generell verboten – sofern es nicht ausdrücklich erlaubt ist! Und selbst wenn nicht, schadet es den Boden-Organismen. Geldbußen können zwischen 50-2.500 € liegen. Manche Landesbetriebe verwarnen sogar mit Androhung von bis zu 25.000 € Strafe.

Probleme mit Lagerfeuern in Nationalparks - Reisemagazin Bravebird
Mehr dazu in der Podcast-Folge des Y-Kollektivs “Trend Vanlife: Camping auf Kosten der Natur?

Auch das Grillen in Einweggrills in Bodennähe ist verboten und das aus gutem Grund. Lt. Umweltbundesamt war die Hauptursache für das Waldbrand-Geschehen 2019 menschliches Handeln. Da heißt es: “Bei den 355 im Jahr 2019 durch Fahrlässigkeit verursachten Bränden waren zu rund 52 % das unvorsichtige Verhalten von Waldbesuchern, Campern oder Kindern die Auslöser.” Hinzu kommt noch die große Anzahl von Bränden mit unbekannter Ursache. Und das alles in einer Zeit, wo uns doch der Wald vermeintlich so wichtig geworden ist…

Warum Grillen im Wald schädlich für Tiere ist - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Camping-Boom – von illegalen Wildcampern und dem Gefühl von Freiheit” (BR24)

5. Influencer•innen: Fame ernten, Verbote verursachen

Das eindrucksvollste Negativ-Beispiel dürfte wahrscheinlich die Instagrammerin Yvonne Pferrer darstellen (1.4 Mio. Follower•innen). Sie hatte 2020 ein Foto und Video am Königsbachfall und in einem Naturpool im Nationalpark Berchtesgaden auf ihrem Kanal gepostet, wonach lt. dem Nationalpark ein riesiger Ansturm erfolgte. Das Problem: Es ist nicht ungefährlich, zwei junge Männer sind bereits dort gestorben und die Ranger beklagen jede Menge Müll in der Natur.

Berchtesgaden Naturpool gesperrt - Reisemagazin Bravebird
Hier geht’s zum Artikel mit dem Interview zur erfolgten Sperrung

Der NP bat die Influencerin, das Foto zu löschen. Trotz diverser Reportagen, die das Thema immer wieder aufgriffen und auch trotz Anzeige vom Landratsamt wegen des Drohnen-Flugs, ist sie dieser Bitte nicht nachgekommen. Die Konsequenz? Der Naturpool, die sog. Gumpe, ist nun für fünf Jahre gesperrt worden, damit sich Natur und Tiere wieder von dem Ansturm der letzten Jahre erholen können. Super gemacht! Jetzt lebt sie ihr Glück im Van…

6. Wander-Apps: Nicht nur gute Wege

Grundsätzlich eine tolle Idee, die ich selbst gerne nutze: Man ist irgendwo unterwegs, gibt seinen aktuellen Standort ein und lässt sich Touren anzeigen, die andere erstellt haben. Nur werden diese neuen Touren nicht seitens der Betreiber kontrolliert. So entstehen oftmals Routen, die unnötige, neue Trampelpfade entstehen lassen oder Schleichwege, die mitten durchs Dickicht führen und Wildtiere stören.

Badeseen, die keine sind - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Touristenmassen: Foto Hotspots in Schutzgebieten” (BR24)

Gerade in Regionen mit Landwirtschaft können solche neuen Wanderwege mitten durch Wiesen und Felder zum Problem werden. Müll und Hundekot können zum Beispiel ins Futter für die Kühe geraten. Wer eine Tour bei Komoot & Co. einstellt, sollte daher darauf achten, dass er keine Schleichwege oder besondere Orte empfiehlt, die von anderen platt getrampelt werden könnten.

7. Fahrräder: Mit Karacho durch den Wald

Wer viel zu Fuß in der Natur unterwegs ist, wird die Situation kennen: schon von weitem hört man sie anrauschen und darf schnell zur Seite springen, um den sportlichen Damen und Herren Platz zu machen. Wenn sie denn überhaupt auf den normalen Wegen fahren. Immer mehr Waldbesitzer, Schutzgebiete und Einheimische beklagen sich über neue, illegale Trails im Wald, die viele Mountainbiker und E-Bike-Freunde anlockt.

Mountainbiker stören die Natur - Reisemagazin Bravebird
Aus der Reportage “Gefahr für den Wald? Mountainbiker legen illegale Trails an” (BR)

Welche Ausmaße die Ambitionen von Trails, Kurven und Sprungschanzen annimmt, kann man z. B. in dieser Reportage “Mountainbiker vs. Waldbesitzer: Immer mehr illegale Trails in den Wäldern” (BR24) sehen. In diversen Regionen müssen Ranger täglich stundenlang Apps durchforsten, um neu eingegebene, illegale Fahrrad-Routen zu finden und diese bei der App wieder löschen zu lassen.

Nicht zu übersehen sind bei den häufig befahrenen Bike-Strecken die abgeplatzten Rinden der Wurzeln. Das kann Rotfäule verursachen, wodurch der Baum auf kurz oder lang sterben kann. Lt. Mountainbike Tourismusforum Deutschland entsteht der größte Eingriff in die Natur durch das Anlegen von eigenen Trails und Wegen.

8. Hunde: Ohne Leine ein großes Problem

Viele Vierbeiner haben einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Jagdtrieb und das ist, sofern der Hund nicht perfekt hört, immer ein Risiko im Wald. Denn wenn plötzlich ein paar Rehe oder Wildschweine den Waldweg kreuzen, ist der Hund oft nicht mehr abrufbar und dann kann es passieren, dass diese Wildtiere verletzt oder getötet werden. Nachzulesen z. B. in diesem Artikel in den WDR-Nachrichten. Bußgelder belaufen sich auf bis zu 5.000 €, aber das macht das Tier auch nicht mehr lebendig.

Über diesen Link geht es zur Reportage

Auch bei meinen Telefonaten mit deutschen Nationalparks wurde immer wieder deutlich, wie problematisch nicht angeleinte Hunde sind. Nicht nur, dass sie ggf. Wildtiere jagen können; sie können bodenbrütende Vögel auf- und verscheuchen, geschützte Pflanzen ausreißen oder auch verletzte und Jungtiere, die sich im Dickicht aufhalten, verletzen oder töten. Hier habe auch ich dazu gelernt:

Meine Hündin hat Jagdtrieb und ist im Wald fast immer angeleint, hatte sie für Fotos oft kurz abgeleint. Das ist aber nicht die richtige Botschaft für andere. Daher werde ich in Zukunft nur noch Fotos mit Leine posten, sofern es an dem Ort vorgeschrieben ist und noch zusätzlich darauf hinweisen. Das möchte ich als Empfehlung an dieser Stelle an alle weitergeben, die Hundefotos auf ihren sozialen Kanälen posten.


Missverstandene Naturliebe: Die kostenlose Freiheit geht oft auf Kosten anderer

Die oben genannten Aspekte zeigen meiner Meinung nach sehr deutlich, wie wenig wir von klein auf mit Naturschutz in Verbindung kommen und wie wenig bewusst es uns zu sein scheint, dass der Wald und die Natur allgemein ein Lebensraum von Tieren und Pflanzen ist. Mich macht es wirklich betroffen, mit welchem riesigen Aufwand Ranger und Ordnungshüter Kontrollen durchführen müssen, um all diese unbewussten Menschen aufzuklären.

Naturschutz geht uns alle an - Reisemagazin Bravebird

Auch hoffe ich, dass sich Nachbarn in meiner Straße nicht solch einen riesigen Wohnmobil-Klotz dauerhaft in ihre Einfahrt stellen. Was viele Menschen einfach nicht auf dem Schirm zu haben scheinen: Sie sind nicht allein auf dieser Welt und insbesondere auf Reisen – in der Regel eine Freizeitbeschäftigung und nicht lebensnotwendig – sollte es auch um die Rücksichtnahme auf andere gehen.

Wo wollen wir eigentlich hin?

Wir stecken mitten im Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt, spür- und sichtbar. Ist es da wirklich noch an der Zeit, sich einen riesigen Verbrenner zuzulegen und/oder mit einem großen Fahrzeug gedankenlos tausende Kilometer durch Europa zu brettern? Soll es wirklich noch zeitgemäß sein, im Wald große Geschäfte zu machen und anderen den Anblick unseres verschmierten Klopapiers auszusetzen?

Wälder – die Schutzräume der Wildtiere – reduzieren sich durch Rodungen immer weiter. Müssen wir da wirklich auch noch nachts rein und eine Hängematte installieren oder ein Zelt aufschlagen, um “der Natur ganz nahe zu sein”? Brauchen wir wirklich ein Lagerfeuer, um uns “ursprünglicher” zu fühlen (oder warum man auch immer ein Lagerfeuer machen muss)?

Schaffen wir es nicht mehr, Urlaub zu machen, ohne Natur, Umwelt, Tiere und Mitmenschen dabei in Mitleidenschaft zu ziehen? Indem wir einfach für unseren Urlaub einen angemessenen Preis bezahlen, auf einem offiziellen Platz stehen, normale WCs nutzen, Müll korrekt entsorgen, Wälder, Tiere und Natur nachts in Ruhe lassen, nicht tausende Kilometer in kürzester Zeit fahren und weniger Stickoxide, Mikroplastik und Feinstaub generieren?

Meine Antwort auf die Frage wäre… ich bin da skeptisch.

Zeige Kommentare (4)
  • Hey Ute, ein wirklich mutiger Artikel!

    Mit dem Artikel legst du dich ja gleich mal mit allen an, Blogger, Youtuber, Instagramer, Influencer,… Vanlifer, Camper,… Wanderer,… Hundehalter,… Mikroabenteurer, Makroabenteurer,… Outdoorer, Indoorer,… Radfahrer,… alle! :) Ich mag das (!), und ich wünschte mir mehr Mut, mehr Offenheit, mehr Selbstreflexion… bei allen Medienschaffenden, wie auch bei den Medienkonsumenten!
    Ein toller Artikel, wirklich! Meine Hochachtung und Respekt für deinen Mut!

    Und jetzt geh ich mal Chips holen… :)
    Liebe Grüße
    Markus

  • Hallo Ute,
    wieder ein hervorragend recherchierter Artikel, danke für die vielen Links und Querverweise, welche alle lesenswert und “anschauenswert” sind. Es ist klar, dass aufgrund des Egoismus der Einzelnen irgendwann alle Dinge zwangsläufig verboten werden. Es gibt einen Satz aus meiner Schulzeit, der sich neulich wieder aus der Schublade im Gedächtnis getraut hat: “Warum machst Du/Ihr das? Du/Ihr macht Euch immer alles selbst kaputt !!” Wie treffend und wahr, und diesen Satz habe ich zum ersten Mal vor 40 (!!) Jahren gehört, traurig, dass dieser immer noch Bestand hat, vielleicht sogar noch mehr als jemals zuvor.

    Was mich aber am meisten entsetzt hat, sind die vielen Kommentare zu den Reportagen, mich wundert es nicht, dass es keine Empathie mehr in der Gesellschaft gibt, sind doch gefühlt neunzig Prozent mit ihrem Ego beschäftigt oder müssen sich ins rechte Licht in “sozialen Netzwerken” setzen, wie traurig und wie unsozial! Aber auch klar, dies ist das Ergebnis der Liberalisierung, die seit den 1990er Jahren die Gesellschaft zum Egoisten erzogen hat. Leider auch in allen Bereichen zu erkennen. Genauso wie die Natur zur eigenen Profilierung und Spaß missbraucht wird, setzt sich dies in allen anderen Bereichen ohne Ausnahme fort.

    Ich verweise hier auf eine Reportage des WDR Reset mit dem Titel Anders Essen. Nicht nur, dass es um die immense Lebensmittelverschwendung geht, auch die Reaktionen der Menschen, bis auf einzelne Ausnahmen (und das ist wörtlich zu nehmen, es gab immer nur eine Person dagegen) spiegeln sich 1:1 in den Kommentaren der Beiträge aus den Links wieder. Die WDR Reportage zeigt auch, dass es keinerlei Verständnis, Einsicht oder Schamgefühl mehr gibt, wie in den erwähnten Kommentaren auch nachzulesen. Das ICH steht zu 100 Prozent im Vordergrund und dann kommt erst einmal lange nichts, gleich welche Konsequenzen das Alles hat. Die Erkenntnis, dass es so nicht weiter geht, kommt dann leider – auch wie immer – viel zu spät. Aber dann lasst wenigstens das Gejammere, schließlich hat es Jede/r selbst in der Hand, Entscheidungen zu treffen, Konsequenzen zu durchdenken und sich dann dementsprechend seiner gesellschaftlichen Verantwortung – ja, so etwas gab es früher einmal – zu verhalten. Und ja, man gehört dann nicht immer zum Mainstream, und………. ist das denn wirklich so schlimm?????
    In diesem Sinne viele Grüße Joachim

    P.S. Falls Du Interesse an der Reportage hast, kann ich sie Dir zukommen lassen. LG

  • Dear Ute
    Ja, alles stimmt. Hier kommt mir aber was in den Sinn. Warum gibt es bestbezahlte, hochrangige Manager, die alles ausgekostet und mitgemacht haben, nach einer Auszeit dazu Andere zu bekehren suchen solche Erfahrungen nicht zu machen ?
    Jeder möchte doch auch mal so was erlebt haben oder ?
    Von sich aus aus Vernunftgründen auf was zu verzichten wo überall beworben wird ist echt verd…. schwierig.
    Hut ab der das kann. Ja. Hut ab.
    Saludos
    Silvio

  • Ja, es ist traurig, was sich so alles in der Welt abspielt. Als ich 1971 geboren wurde, da gab es 3,7 Mrd. Menschen auf der Welt. Heute hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Alle wollen Essen, Trinken, Leben. Wir hier sind in der glücklichen Lage uns noch über Freizeitaktivitäten Gedanken zu machen .. mit all den Auswüchsen, die du hier auch beschrieben hast. Selbst wenn wir wieder zurück in alte Zeiten und alte Gepflogenheiten kommen, so einer invasiven Art wie den Menschen kann man nicht entgegenwirken. Was können wir also ändern?

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