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Wildtierschutz – Warum ein naturnaher Garten so wichtig ist

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Naturnaher Garten für den Wildtierschutz mit zahlreichen orangefarbenen Blüten vor einem reetgedeckten Haus.
Foto: Eugenia Pan'kiv / Unsplash

Ein Garten kann weit mehr sein als eine gepflegte Rasenfläche mit ein paar Blumenrabatten. Wo Wildkräuter blühen dürfen und Totholz liegen bleibt, entsteht ein kleiner Lebensraum, der Igeln, Wildbienen und Vögeln Nahrung und Unterschlupf bietet. Damit wird ein naturnaher Garten zu einem wichtigen Baustein für den Wildtierschutz. Wie sich ein solcher Garten gestalten lässt, zeigt dieser Beitrag.

Was macht einen naturnahen Garten aus?

Ein naturnaher Garten orientiert sich an natürlichen Ökosystemen statt an strengen Ziergarten-Idealen. Statt Rasen bis zum letzten Winkel und exotischen Zierpflanzen stehen heimische Wildkräuter, Sträucher und Blühwiesen im Mittelpunkt. Diese bieten Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Nahrung, die in reinen Ziergärten oft fehlt.

Auch scheinbar unordentliche Ecken gehören dazu. Ein Haufen aus Ästen und Laub oder eine kleine Trockenmauer schaffen wichtige Rückzugsorte für Insekten und andere Tiere. Igel finden dort einen Platz zum Überwintern, Eidechsen nutzen die Steine zum Sonnen und zahlreiche Insektenarten finden in solchen Bereichen geeignete Nistplätze.

Wer zusätzlich Nisthilfen aufhängt, etwa ein artgerechtes Insektenhotel für Wildbienen und Co., unterstützt gezielt Arten, die in der Umgebung kaum noch geeignete Nistplätze finden. Wichtig ist dabei ein Standort mit ausreichend Nahrungspflanzen in der Nähe. Ohne Blütenangebot bleibt selbst die beste Nisthilfe meist ungenutzt.

Wildbienenhaus mit zahlreichen Niströhren an einem Holzzaun in einem naturnahen Garten.
Wildbienenhaus als Nisthilfe im naturnahen Garten (Foto: Erdenfreund)

Auch die Wahl der Pflanzen macht einen Unterschied. Alte, regionale Sorten sind häufig gut an das lokale Klima angepasst. Wer beim Pflanzenkauf gezielt nach regionalem oder gebietseigenem Saatgut fragt, unterstützt damit gleich zwei Dinge: Die eigene Gartenpflege kann einfacher werden und die heimische Tierwelt findet ein vertrautes, artgerechtes Nahrungsangebot vor.

Auch bei der Schädlingsbekämpfung lohnt sich ein Blick auf natürliche Methoden. Pflanzen in Mischkulturen können sich gegenseitig begünstigen und dazu beitragen, unerwünschte Besucher aus Blumen- und Gemüsebeeten fernzuhalten. Laut WWF kommen auf eine Schadinsektenart im Durchschnitt etwa zehn natürliche Gegenspieler, sodass sich in einem vielfältigen Garten häufig ein gesundes Gleichgewicht einstellt.Warum ist ein naturnaher Garten so wichtig?

Warum ist ein naturnaher Garten so wichtig?

In Deutschland gibt es rund 17 Millionen Privatgärten mit einer Gesamtfläche von etwa 900.000 Hektar. Ihre naturnahe Gestaltung kann einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

Der ökologische Nutzen geht über einzelne Tierarten hinaus. Unversiegelter Boden mit vielfältiger Bepflanzung hilft dabei, Starkregen aufzunehmen und die Auswirkungen von Hitzeperioden abzumildern. Gerade in Städten sorgen grüne Rückzugsräume für ein besseres Kleinklima zwischen Asphalt und Beton.

Blühende Wildblumenwiese mit violetten, roten und weißen Blüten in einem naturnahen Garten.
Blühende Wildblumen bieten Wildbienen und anderen Insekten wertvolle Nahrung. (Foto: Ramaz Bluashvili / Pexels)

Naturnahe Gärten können zudem pflegeleichter sein als klassische Ziergärten. Wo eine gesunde Balance zwischen Nützlingen und Schädlingen entsteht, sind seltener Eingriffe von außen erforderlich. Auch der Bewässerungsbedarf kann dank Mulchschichten und tiefwurzelnder Wildpflanzen geringer ausfallen – das spart nicht nur Arbeit, sondern auch Ressourcen.

Wer im naturnahen Garten Wasser sparen möchte, kann eine Regentonne aufstellen und das gesammelte Regenwasser anstelle von Leitungswasser verwenden. Zusätzlich helfen unglasierte, wasserdurchlässige Tongefäße, die im Wurzelbereich eingegraben werden. Sie geben das gespeicherte Wasser langsam an die Pflanzen ab.

Nicht zuletzt profitiert auch der Mensch davon. Ein Garten voller Vogelgesang und summender Insekten wirkt auf viele Menschen entspannend und lädt zum Verweilen ein. Wer regelmäßig Zeit im eigenen Grün verbringt, entwickelt oft ganz nebenbei ein feineres Gespür für jahreszeitliche Veränderungen und die kleinen Bewohner vor der Haustür.

Warum lohnt sich der Einsatz für Wildtiere überhaupt?

Wildtiere übernehmen im Ökosystem Aufgaben, die sich nicht ohne Weiteres ersetzen lassen. Insekten bestäuben einen Großteil der heimischen Pflanzen. Igel und Vögel tragen dazu bei, Schädlingspopulationen zu regulieren, und selbst unscheinbare Arten wie Regenwürmer fördern einen gesunden Boden. Gehen einzelne Arten stark zurück, kann sich das auf ganze Nahrungsketten auswirken.

Zwei Schmetterlinge und eine Hummel auf rosafarbenen Blüten in einem naturnahen Garten.
Blütenreiche Gärten bieten Schmetterlingen, Hummeln und anderen Insekten Nahrung. (Foto:

Gerade Insekten stehen besonders unter Druck. In Deutschland leben schätzungsweise 33.000 Insektenarten. Laut WWF sind weltweit rund 40 Prozent aller Insektenarten vom Aussterben bedroht. Ursachen dafür sind unter anderem der Verlust von Lebensräumen, versiegelte Flächen und der Rückgang blütenreicher Wiesen.

Ähnlich sieht die Lage bei vielen Vogelarten aus, die auf offene Landschaften und ein reiches Insektenangebot angewiesen sind. Wo Gärten naturnah bewirtschaftet werden, finden Vögel mehr Futter für sich und ihren Nachwuchs. Das kann dazu beitragen, ihre Bestände langfristig zu stabilisieren.

Wer im eigenen Garten oder auf dem Balkon Lebensraum schafft, kann diesem Trend zumindest im Kleinen entgegenwirken. Viele kleinräumige Maßnahmen bilden zusammen ein wertvolles Netz aus Rückzugsorten in Städten und Dörfern.

Praktische Tipps für Wildtierschutz im Alltag

Wildtierschutz beginnt nicht erst bei einer großen Gartenumgestaltung. Schon kleine Veränderungen im Alltag helfen Tieren, in einer zunehmend versiegelten Umgebung zurechtzukommen.

Rotes Eichhörnchen sitzt zwischen Wildpflanzen und Zweigen auf einer Gartenmauer.
Naturnahe Gartenecken schaffen wertvolle Lebensräume für Eichhörnchen und andere Wildtiere. (Foto: Naturnahe Gartenecken schaffen wertvolle Lebensräume für Eichhörnchen und andere Wildtiere. (Foto: Tibor Szabo / Pexels)

Die folgenden Maßnahmen lassen sich im Garten oder auf dem Balkon umsetzen:

  • Heimische Wildpflanzen statt exotischer Zierpflanzen setzen, da sie mehr Nahrung für Insekten bieten.
  • Teile des Rasens seltener mähen oder eine Wildblumenwiese anlegen.
  • Auf Pestizide und chemisch-synthetische Düngemittel verzichten und stattdessen Mischkulturen und natürliche Methoden nutzen.
  • Flache Wasserstellen mit Steinen oder anderen Ausstiegshilfen für Insekten anbieten oder einen kleinen Teich anlegen.
  • Nist- und Futterstellen so anbringen, dass Katzen und andere Fressfeinde keinen leichten Zugriff haben.
  • Nachts unnötige Außenbeleuchtung vermeiden, da künstliches Licht nachtaktive Insekten und Fledermäuse stört.
  • Auf Kunststoffnetze verzichten, in denen sich Igel und andere Kleintiere verfangen können.
  • Mähroboter nicht in der Dämmerung oder nachts einsetzen, da sie Igel und andere nachtaktive Tiere verletzen können.

Schon im Kleinen lässt sich viel bewirken: Ein Balkonkasten mit heimischen Wildstauden bietet Bestäubern Nahrung, selbst wenn kein eigener Garten zur Verfügung steht. Wer zusätzlich auf torffreie Erde achtet, schützt indirekt auch die Moore, aus denen Torf gewonnen wird und die selbst wertvolle Lebensräume sind.

Ein naturnaher Garten lässt sich gut mit einem gepflegten Zuhause verbinden und kommt Mensch und Tier gleichermaßen zugute. Wer Wildkräutern Raum lässt, Nisthilfen anbringt und auf Pestizide verzichtet, schafft mit überschaubarem Einsatz einen wertvollen Lebensraum. Wildtierschutz beginnt damit oft direkt vor der eigenen Haustür.

Geschrieben von
Ute Kranz

Als Gründerin dieses Online-Magazins teile ich seit 2013 meine Begeisterung fürs Reisen und eine bewusste Lebensgestaltung. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich zudem verstärkt mit gesellschaftlich relevanten Themen.

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