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Portugal – Wie der Tourismus das Land verändert

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Reiseboom Portugal - Auswirkungen auf Land und Leute
Foto © Carlos Lima / Unsplash

Portugal steht auf vielen Reiselisten ganz oben, verständlicherweise. Aber der Boom hat Folgen: Wasserknappheit, explodierende Mieten, überlastete Infrastruktur. Die WDR-Reportage Kritisch reisen: Portugal – Traumziel in der Klimakrise zeigt, wie massiv der Tourismus das Land verändert.

Manche Fakten sind unangenehm. Trotzdem lohnt sich der Blick dahinter, denn als Reisende haben wir durchaus Einfluss bei der Unterkunftswahl, der Reisezeit, der Art, wie wir unterwegs sind. Die Reportage nimmt mehrere Regionen unter die Lupe und liefert konkrete Einblicke. Sehenswert.

Tourismusboom in Portugal: Belastung für Wasser und Umwelt

In den letzten 15 Jahren hat der Tourismus in Portugal enorme Ausmaße angenommen. Die Zahl der Urlauber hat sich verdoppelt, was die Belastung für Wasserressourcen und Umwelt deutlich erhöht hat. Mehr als eine Million Portugiesen sind mittlerweile direkt oder indirekt vom Tourismussektor abhängig, was wirtschaftliche Vorteile bringt, aber auch ökologische Probleme schafft.

Der Massentourismus, besonders der Pauschal- und Luxustourismus, treibt den Wasserverbrauch in die Höhe. Neben großen Verbrauchern wie Pools und Golfplätzen sorgt der hohe Touristenandrang für zusätzlichen Druck auf ohnehin knappe Ressourcen. Der Klimawandel verschärft die Situation: Steigende Temperaturen und ausbleibender Regen schränken die Versorgung weiter ein.

Golf, Pools, Villen - Wie Reiche Wasser verbrauchen
Jede Villa und jeder Golfplatz verbraucht enorme Mengen Wasser (Foto: Frederico Ferreia / Unsplash)

Die portugiesische Regierung hat reagiert. Haushalte in betroffenen Regionen wurden verpflichtet, ihren Verbrauch um 15 Prozent zu reduzieren, landwirtschaftliche Betriebe um bis zu 25 Prozent. Diese Maßnahmen sollen die Ressourcen schützen und den Druck auf die Umwelt mindern. Das in der Reportage vorgestellte Resort musste den Betrieb seines Golfplatzes beispielsweise einstellen.

Overtourism in Lissabon und den Küstenorten

Lissabon ist besonders stark vom Overtourism betroffen. Über 5 Millionen Touristen besuchen die Stadt jährlich, bei nur etwa 500.000 Einwohnern. Die Folgen sind deutlich: Der Wohnungsmarkt ist angespannt, viele Einheimische können sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten, und die Infrastruktur ist überfordert. Airbnb-Angebote treiben die Gentrifizierung voran und viele Bewohner haben das Gefühl, dass ihnen ihre Viertel „weggenommen“ werden. Auch die Wasserversorgung und das Verkehrssystem leiden unter der Überlastung.

Ein weiteres großes Problem sind die Kreuzfahrtschiffe. Mit über 300 Schiffen pro Jahr verursacht dieser Verkehr in unmittelbarer Nähe zur Stadt erheblichen Lärm und Smog. Lissabon zählt inzwischen zu den sechs am stärksten durch Schwefeldioxid und Feinstaub belasteten Häfen Europas. Die Luftverschmutzung ist besonders hoch, wenn ein Schiff im Hafen liegt, was die Lebensqualität der Bewohner in der Altstadt stark beeinträchtigt.

Altstadt Lissabon
Viele Millionen Besucher laufen jährlich durch Lissabons Straßen (Foto: Louis Droege / Unsplash)

Die Belastung der Küstenlandschaften durch Wassermangel und Brände

Auch die Küstenregionen Portugals sind stark betroffen. Die Halbinsel Comporta, bekannt für ihre 60 km lange Küstenlinie und früher als Naturschutzgebiet geschützt, wurde inzwischen für Luxusresorts geöffnet. Fast alle dieser Chalets verfügen über private Pools, was den bereits stark gesunkenen Grundwasserspiegel weiter belastet. Ein früher schöner See in der Nähe ist mittlerweile vollständig ausgetrocknet. Zusätzlich ist ein neues Luxusresort mit einem riesigen Golfplatz in einer der trockensten Regionen Portugals geplant.

Die lokale Bevölkerung muss zunehmend ihr Wasser im Supermarkt kaufen. Bäume und Vegetation leiden unter dem Mangel, der gleichzeitig das Risiko von Waldbränden erhöht. Jährlich wird es schwieriger, die Bevölkerung und Touristen vor den verheerenden Auswirkungen dieser Brände zu schützen, da trockene Bedingungen und unzureichende Versorgung die Situation verschärfen.

Nach Lagos an der Algarve, bekannt für seine Sandstrände und Felsformationen, kommen jährlich mehr als 1 Million Touristen in eine Region mit nur etwa 24.000 Einwohnern. Der Wassermangel stellt hier ein besonders großes Problem dar. Trotz der Maßnahmen der regionalen Regierung, den Verbrauch zu reduzieren, ist der Großteil des verfügbaren Wassers für touristische Einrichtungen reserviert, was die lokale Landwirtschaft belastet.

Wasserknappheit Portugal - Kritisch Reisen
Während Grünflächen durch künstliche Bewässerung erhalten bleiben, ist das Gras jenseits dieser Flächen vertrocknet. (Foto: Fabs / Unsplash)

Die Landwirtschaft steht ebenfalls unter Druck durch den Anbau von Früchten wie Erdbeeren und Blaubeeren, die für das trockene Klima eigentlich gar nicht geeignet sind. Auch die Nutzung von Eukalyptusbäumen, die sehr viel Wasser benötigen, verstärkt die Problematik. Zudem wächst die landwirtschaftliche Fläche jährlich um 2%, was den ohnehin hohen Verbrauch weiter erhöht.

Lösungsansätze?

Trotz der Herausforderungen gibt es Initiativen für nachhaltigen Tourismus. Das in der Reportage vorgestellte Vida Pura Eco Resort setzt auf ökologische Prinzipien und Ressourcenschonung, um die negativen Auswirkungen zu verringern. Auch das Dorf Gondramaz im Norden Portugals zeigt mit Unterkünften wie dem Mountain Whisper, wie touristische Einnahmen lokale Projekte unterstützen können. Hier werden Waldarbeiter beschäftigt, um sich vor Waldbränden zu schützen, indem gezielt die schnell brennenden Eukalyptusbäume gefällt werden.

Im Film wirkt das allerdings leider nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es bleibt zu hoffen, dass sowohl Landwirtschaft als auch Tourismus rechtzeitig zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Ressourcen finden werden“, heißt es zum Schluss der Reportage. Denn „wenn uns das Wasser ausgeht, geht es für alle aus“, sagt die junge portugiesische Farmerin.

Feuer Waldbrände in Portugal
Löschflugzeug über Lagos, in der Algarve kam es 2022 zu diversen Waldbränden infolge der Dürre (Foto: Jacek Ulinski / Unsplash)

Was diese Reportage verdeutlicht

Die Folgen des Klimawandels – weniger Niederschläge, steigender Wasserverbrauch und zunehmende Waldbrände – werden in den Planungen in Portugal, ebenso wie bei uns, scheinbar kaum berücksichtigt. Und uns fällt es auch nicht auf, wenn wir durch Social Media scrollen und nur die perfekten, menschenleeren Strände sehen. Die eigentlichen Probleme entgehen uns dabei völlig.

Auch wenn die wirtschaftlichen Interessen nachvollziehbar sind, zeigt sich bereits heute, dass ohne Veränderung alle verlieren: Weder die Natur noch die Menschen profitieren langfristig von dieser Entwicklung. Umwelt und lokale Gemeinschaften geraten zunehmend unter Druck. Selbst in den Luxusresorts könnte das Bewusstsein wachsen, dass der Erhalt der natürlichen Grundlagen für alle – auch für Investoren – entscheidend ist.

Im Jahr 2023 wurden in Portugal landesweit 60 neue Hotels eröffnet, die meisten mit vier oder fünf Sternen.

– GTAI „Tourismusboom sorgt für Hochsaison bei Hotelinvestitionen“ (02/2024)

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Geschrieben von
Ute Kranz

Als Gründerin dieses Online-Magazins teile ich seit 2013 meine Begeisterung fürs Reisen und eine bewusste Lebensgestaltung. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich zudem verstärkt mit gesellschaftlich relevanten Themen.

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